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Die Sorgen der Schweizer müsste man haben

12. Dezember 2011 | Autor:

(ANDREAS UNTERBERGER) Andere Länder, andere Sorgen – warum eigentlich? Das zeigt eine Umfrage bei den wahlberechtigten Schweizern. Diese werden alljährlich nach ihren größten Sorgen befragt. Und dabei zeigt sich wieder einmal, dass die westlichen Nachbarn eine gesunde Weisheit besitzen, ohne auf die medial modischen Themen zu achten.

Denn sie fürchten sich am meisten vor der Arbeitslosigkeit. Die zweitmeisten Sorgen bereiten ihnen Ausländerfragen. Und an dritter Stelle folgt die Wirtschaftsentwicklung – in Wahrheit nur ein anderes Wort für Arbeitslosigkeit.
Das klingt noch nicht so aufregend. Viel spannender ist, welche zwei Sorgen aus der Liste der zehn meist genannten Sorgen hinausgekippt sind: Umweltschutz und europäische Integration.
Das heißt: Jene Umwelt-Themen, mit dem Medien, NGOs und Grüne europaweit seit Jahr und Tag für ständige Panik-Schlagzeilen gesorgt haben – vom Waldsterben bis zur globale Erwärmung – lösen heute nur noch Langeweile aus. Durchaus zu Recht, da die meisten grünen Weltuntergangs-Prognosen so haltbar waren wie jene von Sektenpredigern. Vielleicht ziehen auch anderswo Politiker ihre Schlüsse daraus und verbrennen nicht mehr Milliarden für hässliche und teure Windmühlen und Schutzgeldzahlungen an die grünen NGOs. Das tun sie auch, freilich noch nicht in Österreich: So immerhin vor einigen Tagen gleich sechs Umweltminister aus osteuropäischen EU-Staaten vor einer Verschärfung der (sauteuren) EU-Klimaziele gewarnt. Das war mutig – und zeigt, dass man auch von östlichen Nachbarn etwas lernen könnte.
Aber auch das gewachsene Schweizer Desinteresse an der europäischen Integration ist signifikant. Angesichts des derzeitigen Zustandes der EU ist die Mitgliedschaft in der Union nur noch in Beinahe-Drittweltstaaten zwischen Balkan und Kaspischem Meer ein interessantes Thema. Die Schweizer wenden sich mit Grausen ab (haben freilich durch viele bilateralen Verträge mit der EU ihre Interessen auch längst geregelt).
Das heißt nun sicher nicht, dass für ein EU-Mitglied ein Austritt eine sinnvolle Option wäre. Das heißt aber ganz gewiss, dass die Hausaufgaben jedes Landes auch wirklich zu Hause gemacht werden müssen; und dass gerade bei nüchternen Alemannen das real existierende EU-Prinzip wenig Begeisterung auslöst: Wir verschulden uns heute, um unsere Wähler zu bestechen, und zahlen tun dann morgen die anderen. Weil die müssen ja solidarisch sein, sonst beschimpfen wir sie.
Nach dem jüngsten Gipfel wird es jedenfalls kaum Europäer geben, die noch hochmütig auf die Schweizer herabblicken, die meinen, dass man von den Eidgenossen nichts lernen könnte. Es war jedoch nicht die EU, die Österreich im laufenden Jahr zu einem Defizit gezwungen hat, das rund fünf Mal so groß ist wie jenes der Schweiz. Es war die Begehrlichkeit der Österreicher selber. Ihr Pensionssystem, ihre ÖBB, ihre vielen Subventionsbezieher, ihre Landeshauptleute. Die diversen Solidaritätsaktionen für Griechenland&Co haben sich hingegen noch gar nicht im Budget niedergeschlagen. Noch nicht. (Unterbergers Tagebuch)

  1. 12. Dezember 2011, 13:07 | #1

    Der Fall Schweiz – eine der sieben Sünden Europas:

    http://www.zeit.de/2011/50/Suende-Headline/seite-1

  2. FritzLiberal
    12. Dezember 2011, 14:40 | #2

    Allein dieser Schwachsinns-Satz aus dem Zeit-Machwerk:

    “Sie [Schweiz, Liechtenstein, die Kanalinseln, etc.] saugen fremdes Volksvermögen ab und leben von den Zinsen.”

    Muhahahaha. Da fehlt nur noch das Bild vom Juden und der “Stürmer”-Artikel ist fertig.

  3. 12. Dezember 2011, 16:47 | #3

    @FritzLiberal

    Eine nicht minder interessante Facette aus dem Stürm^^^^Zeit-Artikel:

    “Und was tut Europa? Statt sich gemeinsam zu empören, ..”

    Empörung — die emotional-atomare Allzweckwaffe der Gegenwart zum treffsicheren Erheucheln von Würde. “Seid spontan! Seid empört! Empört Euch gemeinsam! Empört Euch gegenseitig!”

    Das Ersetzen des Kopfes durch den Unterleib findet in der gegenwärtigen Empörungskultur seinen vorläufigen Höhepunkt. Statt “Geist ist geil”, wird nun die eigene Unfähigkeit mittels Megaphon zelebriert, man ergötzt sich am eigenen Opferstatus, und wer noch keinen Knebel im Maul hat, besorgt sich hurtig einen, will man doch dabei sein, wenn man sich gemeinsam empört.

    Bauch sticht Hirn, die Empörung heiligt den Zweck. Wer nicht hat, aber will, der wirft ein paar Empörungsmarken in den Automaten und bekommt was er will. Über Wirkungen und Nebenwirkungen informiert Sie der Emotions-Dealer Ihres Vertrauens.

  4. Christian Weiss
    12. Dezember 2011, 17:04 | #4

    Ach, der “Weltbürger” wieder. Hat wahrscheinlich schon seine Mitschüler des unlauteren Wettbewerbs bezichtigt, wenn sie dank lernen und denken bessere Noten hatten als er.

  5. Schnabeltierfresser
    12. Dezember 2011, 22:58 | #5

    Darf ich einwerfen, dass Medien und NGOs ungefähr 10x soviel Panik-Schlagzeilen zu Arbeitslosigkeit, Ausländerfragen und Wirtschaftsentwicklung produzieren wie zu Umweltschutz? Der Blick in eine Tageszeitung Ihres Vertrauens macht Sie sicher!

    Großzügig übrigens von Herrn Dr. Unterberger, zuzugestehen, “dass man auch von östlichen Nachbarn etwas lernen könnte”. Vielleicht sogar mehr als von Unterbergers No-na-Kommentaren.

  6. rubens
    13. Dezember 2011, 10:22 | #6

    @world-citizen
    Ist Ihnen das nicht peinlich, Weltbürger?

  7. 13. Dezember 2011, 16:14 | #7

    rubens :
    @world-citizen
    Ist Ihnen das nicht peinlich, Weltbürger?

    Was soll peinlich sein, wenn ich auf das hochwertigste und intelligenteste unabhängige Periodikum des gesamten deutschsprachigen Raumes verweise?

  8. 13. Dezember 2011, 17:39 | #8

    world-citizen :
    Was soll peinlich sein, wenn ich auf das hochwertigste und intelligenteste unabhängige Periodikum des gesamten deutschsprachigen Raumes verweise?

    Eines muß man neidlos anerkennen: In Sachen Selbstironie sind Sie uns allen Lichtjahre voraus.

  9. FritzLiberal
    15. Dezember 2011, 12:16 | #9

    world-citizen :Was soll peinlich sein, wenn ich auf das hochwertigste und intelligenteste unabhängige Periodikum des gesamten deutschsprachigen Raumes verweise?

    Der war gut. Ich darf noch einmal aus dem “hochwerigen und intelligenten Artikel” zitieren:

    “Es sind gewaltige Summen. Es ist so viel Geld, dass sich die Augen der europäischen Politiker vor Begierde weiten müssten. Allein in der Schweiz haben ausländische Privatpersonen, die meisten davon EU-Bürger, 1560 Milliarden Euro liegen, in Großbritannien, und dort vor allem auf den Kanalinseln, sind es 1400 Milliarden, in Luxemburg 440 Milliarden, in Liechtenstein 78 Milliarden. All diese Staaten leisten Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Sie saugen fremdes Volksvermögen ab und leben von den Zinsen. Und was tut Europa? Statt sich gemeinsam zu empören, behandeln die Hauptstädte den Skandal als alte Tradition, als diplomatische Angelegenheit.”

  10. 17. Dezember 2011, 11:22 | #10

    gms :

    world-citizen :
    Was soll peinlich sein, wenn ich auf das hochwertigste und intelligenteste unabhängige Periodikum des gesamten deutschsprachigen Raumes verweise?

    Eines muß man neidlos anerkennen: In Sachen Selbstironie sind Sie uns allen Lichtjahre voraus.

    Yepp, das muß speziell ich noch viel lernen.

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