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Schlimmer als die Große Depression?

Politiker bedeuten Journalisten in diesen Tagen gern, die derzeitige ökonomische Krise doch bitte nicht noch durch allzu dramatische Berichterstattung weiter anzuheizen. Dies ist insofern durchaus legitim, als die durch apokalyptische Berichterstattung angefachte apokalyptische Stimmung tatsächlich dazu beiträgt, die Apokalypse noch apokalyptischer geraten zu lassen. Ein klassischer Fall von “self-fulfilling prophecy”.

Bedauerlicherweise deutet aber von Tag zu Tag mehr darauf hin, dass die Medien die ökonomische Krise keineswegs übertrieben dramatisieren. Ganz im Gegenteil: Gemessen an den jüngsten Daten erscheint die mediale Tonalität geradezu kalmierend.

Zu diesem Schluss muss jedenfalls kommen, wer die Daten der jüngsten internen Untersuchung der EU-Kommission über die Tiefe der Krise betrachtet. Demnach ging etwa die Zahl der monatlich in der EU von Firmen bestellten Lkw von rund 38.000 Stück im Jänner 2008 auf 600 im November zurück; in der Stahlindustrie wurden die Aufträge in der selben Zeit um mehr als 50 Prozent reduziert.

Zahlen wie diese werden nun fast täglich publik, und sie deuten allesamt in die gleiche Richtung. In der Euro-Zone sackte die industrielle Produktion im Dezember um zwölf Prozent ab; zwischen August und Ende 2008 schrumpfte die deutsche Industrieproduktion um ein Drittel (aufs Jahr hochgerechnet), Deutschlands Exporte werden bis Ende März um vermutlich um 20 Prozent innerhalb eines halben Jahres gefallen sein. Zum Vergleich: In den Jahren der Großen Depression dauerte es von 1929 bis 1933, dass die globalen Handelsvolumina um ein Viertel fielen. Ende Jänner entließen große Konzerne in der EU, den USA und Asien an einem einzigen Tag 72.800 Menschen. “Die Zeichen mehren sich, dass die aktuelle Wirtschaftskrise schlimmer wird als die Große Depression der 1930er”, fürchtet nicht ganz zu Unrecht ein Kommentator der “Financial Times”.

Ganz in dieses Bild passt (leider) auch eine Studie der beiden renommierten US-Ökonomen Kenneth Rogoff und Carmen Reinhardt (“The Aftermath of Financial Crises”) über die Auswirkungen aller 18 Finanzkrisen, die seit 1945 die Welt erschütterten. Im Durchschnitt verfallen demnach im Verlauf eines derartigen Crashs die Aktienkurse binnen dreieinhalb Jahren um 55 Prozent, die Arbeitslosigkeit steigt vier Jahre lang um sieben Prozentpunkte, und die Staatsverschuldung nimmt um atemberaubende 87 Prozent zu.

Der kleine Haken: In diese Durchschnittswerte sind auch die Daten vergleichsweise harmloser Finanzkrisen eingegangen. So kletterte die Arbeitslosigkeit während der finnischen Krise (1991) um 13 Prozentpunkte nach oben, in Island wiederum verfielen die Aktienwerte seit 2007 um schlanke 90 Prozent. Zu befürchten ist daher: Wenn wir am Ende der gegenwärtigen Depression mit einem Minus dastehen, wie es dem langjährigen Krisen-Durchschnitt entspricht, haben wir verdammt viel Glück gehabt. („Wiener Zeitung“, 14.2.2009)

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