Die Lieblingssteuer der kakaotrinkenden Massen
13. Januar 2012 | Autor: Christian Ortner
Angela Merkel will sie, Nicolas Sarkozy will sie, also kommt sie nun in irgend einer Form: die Besteuerung von Finanztransaktionen. Die Hoffnung, diese Steuer würde von den Banken getragen werden, ist bestenfalls naiv: So wie Ölkonzerne die Abgaben auf Benzin an ihre Kunden weiterreichen, die Airlines die Kosten der CO2-Zertifikate auf den Ticketpreis aufschlagen werden, so wird auch die Finanztransaktions-Steuer natürlich von den Bankkunden berappt werden müssen. Aber die trinken – als Wähler – offenbar gern von dem Kakao, durch den sie gezogen werden.
Gewerbliche Bankkunden wiederum reichen die Aufwände über die Endkundenpreise an die Verbraucher weiter. Einmal mehr: Es gibt weder eine Steuer noch Abgabe, die nicht beim Mann auf der Straße ankommen würde.
Da aber weder Kleinkinder noch sonstwie Alimentierte diese Aufschläge erwirtschaften werden, kann sich jeder andere bei den kolportieren 55 Mrd. Euro pro Jahr, die damit laut Versprechen der EU ohne Nebeneffekte aus der Luft destilliert würden, auf einige Hunderter netto weniger einstellen.
Nicht nur trinken die Wähler den Kakao, sondern sie empfinden darüber hinaus die Reibungswärme beim Durchziehen sogar als besonders wohlig.
In den Medien wird die Finanztransaktionssteuer als eine Steuer auf den Handel von Aktien und Anleihen sowie für Derivate von Aktien und Anleihen beschrieben. Nebeneffekt wäre die Eindämmung von Spekulationen über inzwischen z.B. über Computerprogramme laufende, in der Regel kurzfristige Ein- und Verkäufe dieser Finanzprodukte. Ist damit nicht der belastete Kreis = Käufer bzw. Verkäufer von Aktien und Anleihen eingeschränkt? Bisher habe ich noch nichts darüber gelesen, dass Firmen oder Privatpersonen bei Zahlung ihrer Rechnungen abgezockt werden sollen.
Mich interessiert nur eins seit wann und wo sind diese Transaktionen kostenlos. Also wenn ich auf die Abrechnung schaue, dann gibt es da immer einen Haufen an Kosten.
@Holmes
Sie sollten schreiben: “ERHOFFTER Nebeneffekt….”
Andererseits gibt es eine EU-Studie, welche eine BIP-Reduktion EU-weit von ca. 1,5% pro Jahr ausweist, und den Netto-Steuergewinn EU-weit auf ca. 100 Millionen berechnet.
Aber, was tun die Politiker nicht alles, um dem Volk nachzulaufen
@Holmes
genau aus dem Grund halte ich diese Steuer für die raffinierteste Gaunerei die sich unsere Regierungen in der letzten Zeit ausgedacht haben. Man zieht wirklich jedem Bürger das Geld aus der Tasche und wird dafür auch noch gefeiert weil alle denken, man würde damit den vermeintlich bösen Zockern an den Kragen gehen.
Wenn Sie eine Lebensversicherung haben, oder eine private Altersvorsorge (oder was auch immer), dann wird dieses Geld von Ihrem Versicherer/Ihrer Bank in Aktien und Anleihen etc. angelegt, sonst gibts am Ende durch Inflation weniger raus als Sie eingezahlt haben, irgendwo muss die Rendite ja herkommen. Jedes mal wenn man nun Ihr Geld von einem Wertpapier aufs andere schaufelt, werden ab sofort 0,1% der Transaktionssumme fällig. JEDESMAL. Wieviel Geld sind Sie bereit dem Staat noch zu schenken? Ich für meinen Teil garnichts. Die sollen erstmal lernen mit dem Geld umzugehen das sie haben.
@Micha
Von wegen raffinierter Gaunerei dürfen Sie niemals die deutsche Energiepolitik vergessen. Das ist eine sehr umfassende Umverteilung von unten nach oben, gerechtfertigt mit einem prinzipiell nicht bezifferbaren, aber extrem fragwürdigen Nutzen für spätere Generationen.
Bei Finanztransaktionen kann man ja wenigstens noch was berechnen, wobei ich den Eindruck habe, dass man nur das Parteibuch des Studienleiters gesehen haben muss, um die Tendenz der Studie (dann aber sicher) zu prognostizieren. (Wenn man zu Volkswirten höflich sein will, fragt man sie, wie die Wirtschaft WAR, und zwingt sie nicht, Aussagen über die Zukunft zu treffen.)
Prof. Tobin (der Erfinder von Tobin Steuer) pflegte zu sage: Ein Transaktionssteuer ist wie ein Ungeheuer vom Loch Ness. Mal Taucht er auf, mal taucht er ab, mal taucht er auf, mal taucht er unter u.s.w.
Schweden hat es damit experimentiert und ist auf die Nase gefallen. Jetzt will Sarkozy und Schäuble es wissen. Die Leidtragenden werden natürlich Fondssparer. Kein namhafter Wirtschaftsprofessor hat jemals bewiesen, dass mit dem Steuer die Kurse stabiler werden.
Wem übrigens stört die Spekulation? Hauptsächlich den Deutschen. Die wurden in der Nazizeit auf die Varachtung von Spekulanten konditioniert. Die Spekulanten wärer die vormeintlichen Volksschädlinge. Vor allem die Amerikano-Englische Spekulanten. Das Bild ist bis heute aktuell. Nur der der Sand mit dem Schaufel von einer Haufe auf die andere umschichtet, verrichtet die richtige Arbeit (Realwirtschaft). Dieses Bild ist bis heute in Deutschland akutell. In den anderen Kuturen ist die Spekulation auf der Börse ein normales Geschäft, mit dem man Geld verdient. Freiheitsbegriff bezeichnet, dass alles was nicht ausdrücklich per Gesetz verboten ist, ist erlaubt. Und jeder Mensch darf erlaubte Handlungen unternehmen. Nur eine Wertegesellschaft hebelt eine Rechtsgeseollschaft auf und bewertet die Handlung als moralisch oder unmoralisch unabhängig von der Rechtslage. Das ist im Fall eines Bundespräsidenten vielleicht richtig, aber im Zusammenhang mit einem Börsentrader ist bescheuert ihn bestrafen zu wollen. Die die das tun, haben keine Ahnung davon wie schwer ist der Job eines Spekulanten.
@Holmes
… Sie glauben die Finanztransaktionsteuer bezahlen die Banken, ist so wie die Forderung nach einer höheren LKW-Maut welche auch den Verkehr verringern soll, … leider ist das nur ein schlechter Traum.
Vielmehr ist es so, wie im Beitrag von Micha zu lesen ist.
Man sollte doch mal festhalten, dass kein normaler Mensch diesen ganzen Unsinn benötigt. Bei mir würde die Steuer also sicher nicht ankommen
@gms
Es gilt als soziale Kompetenz die Reibungswärme, die entsteht, wenn man Menschen über den Tisch zieht, als Nestwärme zu verkaufen.
Die Finanzmärkte sind nicht die Verursacher der Krise sondern die Überbringer der Botschaft. Während Politiker – quasi wie Archäölogen – in der Vergangenheit nach gemachten Fehlern suchen, sind die Finanzmarktteilnehmer die Detektive, die in der Gegenwart nach Schieflagen suchen bzw. diese aufdecken. Daran hat die politische Klasse selbstverständlich kein Interesse und so ist es nur naheliegend, dass man versucht, der Tätigkeit so weit als möglich zu erschweren. Dass man sich dabei als “Robin Hood” feiern lassen kann, ist selbstverständlich ein gern in Kauf genommener Nebeneffekt.
Der Beweis kann auch nicht erbracht werden, weil das exakte Gegenteil zutrifft. Liquidität im Markt glättet die Kursverläufe, je mehr Teilnehmer den Kurs eine Papieres beeinflussen, desto geringer werden die Ausschläge. Daher springen wenig gehandelte Nebenwerte umso intensiver — zum Nachteil der Kleinanleger.
Im Speziellen sind es gerade High-Frequency-Trading-Systeme, welche /frühzeitig/ noch die geringsten Gewinne realisieren. Für Otto-Normalanleger ist dieses minimale Flackern der Charts völlig belanglos — er wird dabei nicht abgezockt, allenfalls pars pro toto schiebt die Deutsche Bank der UBS eine Million rüber, die sie sich in wenigen Sekunden wieder retour holt.
Die Ansicht von Laien, sogenannte Flashes (=extremer Kursabfall in kürzester Zeit) würde durch HFT verursacht, löst bei Brokern nur Kopfschütteln aus. Es sind jene ganz normalen und konservativen Stops, die seit Ewigkeiten in den Büchern stehen und einer nach dem anderen durch einmalige und zumeist fehlerhafte Ordergrößen (“fat fingers”) lawinenartig gerissen werden. HTF-Systeme klinken sich dabei idR aus, weil derartige Situationen automatisiert nahezu nicht handelbar sind, zumal sie als Ausnahmeereignisse auch keinem Muster folgen.
@gms
Absolut korrekt, aber versuchen Sie mal, dies Herren wie Faymann, Spindelegger, Baroso etc. zu erklären.
Noch dazu, wenn alles PC-konformen Medien auf den Zug der Tobin-Steuer aufspringen.
Es bräuchte halt Staatsmänner, welche wider den Mainstream agieren/regieren, und nicht Hampelmänner wie obgenannte
Die Laien applaudieren zu solchen Steuerplänen, weil sie grosso modo zu faul sind, sich zu informieren.
A wie Austria?
Das Verhältnis zwischen Politik und Bürger verkommt zur sado-masochistischen Zweckgemeinschaft, und die Armen im Geiste stöhnen lustvoll und laut vernehmbar als glückliche Sklaven zur Erhaltung des umfassenden Friendens. Was Nietzsche einst als Nagel bezeichnete, den die Sozialisten den Menschen als “Gerechtigkeit” in den Kopf trieben, sitzt heute fester denn je. Der soziale Frieden ist die Nestwärme im Stall der Verhaustierten, deren Hervorbringungen konsequent abgefackelt werden.
A wie Animal-Farm.
Gleiches fand sich auch bei den Verboten von ungedeckten Leerverkäufen. Auch hier applaudierte die Masse zu den Tönen der Rattenfänger. Selbst eine Studie der EU-Kommission, in der Kontraproduktivität des Verbots aufzeigt wurde, änderte rein garnichts. Was aktuell auf der Tagesordnung steht um die Märkte zu gängeln, etwa im Bereich des Handelsverbots für bestimmte Ausfallversicherungen oder OTC-Trading (ausserhalb der Börse), folgt derselben Idiotie: Egal was – Hauptsache, es wird etwas getan. Und wenn das Ganze dann in die Hose geht, dann hat man eben noch nicht genug getan!
Es ist untergeordnet, was der Fall ist. Entscheidend ist jenes, was die Menschen glauben, es sei der Fall. Und an diesem Glauben halten sie fest.
@Thomas Holzer
@gms
Gentlemen,
Sie verbreiten hier solides Wissen, das auch mich beeindruckt, obwohl ich nicht gerade eine Börsen-Nonne bin. Sätze wie …
“Die Laien applaudieren zu solchen Steuerplänen, weil sie grosso modo zu faul sind, sich zu informieren”
und
“Für Otto-Normalanleger ist dieses minimale Flackern der Charts [durch HFT] völlig belanglos —”
… könnten Sie aber auch so manchem Analysten, Journalisten oder Börsenbrief-Tintenstrolch ins Stammbuch schreiben; denn zu 90% haben die keine Ahnung davon, zu 10% verschweigen sie es bewusst, um ihre Penny Stocks oder komatösen Fonds zwecks eigenen Gewinnen zu verhökern.
Die politische Klasse hält anlagebereite Bürger im Spagat zwischen Gfrießa- und Sparbüchl dumm — und vernichtet durch prohibitive Besteuerung (besonders in Österreich) sogar das bisschen Aktienkultur, das sich erst während der Schüssel-Ära zu bilden begann. Man könnte heulen, wie hirnverbrannt die Wiener Börse geradezu staatspogromhaft von Anlegern gesäubert wird, deren Kapital gerade diese Republik (sofern diese Bezeichnung noch stimmt) bitter benötigt, um die ärgsten Konsequenzen ihrer betrügerischen Politik zu mildern.
Aber vermutlich wissen unsere Volksbeglücker eh schon, wohin das führt, und es ist ihnen wurscht: “Kuah hin, Kalbl aa hin.” Dennoch: Diese Idiotie schreit zum Himmel.
@Rennziege
naturalmente
Aber, ich hoffe auf die ach so geschmähten Rating-Agenturen.
Wenn alles gut! verläuft, dann werden in Kürze einige Euro-Staaten abgestuft werden; und wenn es, wie es momentan aussieht, die “Grande Nation” erwischt, dann können Alle mit ihrem ESM und ESFS einpacken
p.s.: niemand wird -noch nicht- gezwungen, den Ausführungen von Börsengurus, -Analysten etc. zu lauschen und danach zu folgen.
Aber: wenn erst Alles in staatlichem Besitz ist, wenn Zinssätze -frei nach Schulmeister- staatlich festgesetzt werden, dann wird Alles gut
Die Tobinsteuer ist praktisch die deutsche Ökosteuer in blau. Funktionierte die Ökosteuer, so würden die Bürger weniger Benzin verbrauchen. Das wäre gut für’s Klima, aber sehr schlecht für den Finanzminister, da er ja dann weniger Mineralölsteuern, Mehrwertsteuern, Gewinnsteuern der Ölkonzerne, Einkommenssteuern der Ölkonzernmitarbeiter usw. usf, einnehmen würde. Funktionierte hingegen die Ökosteuer nicht, dann würde zwar die Staatskasse vor lauter Mehreinnahmen überquellen, dafür würde aber weiterhin das ach so arme bedränkte Weltklima unter mehr Co2-Ausstoß leiden müssen. Genauso ist es mit der Finanztranzaktionssteuer bzw. der Börsenumsatzsteuer. Funkionierte die Lenkungsfunktion der FTA-Steuer, insofern das “spekulieren” eingedämmt würde, so würde der Staat ja so gut wie keine FTA-Steuern einnehmen. Zudem würden die Banken, falls sie dadurch weniger Eigenhandel betrieben, weniger Gewinne erwirtschaften und in Folge weniger Gewinnsteuern an den Staat abführen. Also ein Nullsummen-, wenn nicht gar ein Minusspiel. Wäre hingegen die FTA-Steuer ein Rohrkrepier und würden die Spekulanten nicht weniger, sondern hingegen sogar viel mehr spekulieren, da sie ja aufgrund dieser Umsatzsteuer eine höhere Kostenbelastung haben, die durch mehr Trades aufgefangen werden muss, um aus den roten in die schwarzen Zahlen zu kommen, so würde sich zwar das Finanzamt freuen, aber weninger die Iniatoren dieses Gesetzes, die ja eben genau dieses angeblich so sozialschädliche Gebahren der Finanzmarktakteure weitgehenst aus der Welt schaffen wollen.
FAZIT: Man kann nicht etwas besteuern und auf Mehreinnahmen hoffen, was gleichzeitig in der Summe weniger werden soll(zB. weniger Benzinverbrauch oder auch weniger Spekulation). Das ist nämlich ein Paradoxon mit einem absolut unüberwindlichen Zielkonflikt!!!!!
@Major
Gut argumentiert. Ein Markt der, -dank dem vielen Geld der Spekulanten “schwer” ist- der lässt sich nur mit viel Mühe manipulativ stark nach oben oder nach unten treiben. Ein Markt, der “leicht ist “, der ist hingegen bei der Preisfindung(Kurs) viel, viel mehr von den Launen und individuellen Meinungen/Überzeugungen einzelner (großer)Käufer oder Verkäufer abhängig. Daher ist dann die Schwankungsbreite(Volarität) dieser ausgedünnten Märkte auch viel größer.
Generell sollte es so sein, dass die Mehrheit der Teilnehmer an einem Finanzmarkt solide(sprich: “seriöse”) Investoren sein sollten, die bei ihrer Geldanlage in langfristigen bis sehr langfristigen(über Jahrzehnte hinweg) Zeiträumen denken(wie zB. Warren Buffet). Sind hingegen die Spekulanten in der Überzahl, so kann das durchaus zu einem Problem werden, da diese in turbulenteren Zeiten ebenso schnell ihr Kapital abziehen, wie sie es zuvor in den Markt eingebracht hatten. Siehe die Krisen der Emerging Markets, also zB. die Asien-Krise 1998 oder auch damalige Russland-Krise, wo sich der russische Leidindex aufgrund starker spekulativer Kapitalzuflüsse aus dem Ausland innerhalb kürzester Zeit verzehntfacht hatte, um anschließend wieder noch viel schneller, -quasi im freien Fall- um über 90 Prozent auf dem ursprünglichen Ausgangswert vor der Hausse zurückzufallen.
@PP
Der ist gut.
@Medley
Denkt man liberal/libertär, sollte es jedem überlassen sein, lang- und/oder kurzfristig an den Märkten zu agieren!
Auf der einen Seite verteufeln die Politiker die “Spekulanten”/Investoren, weil diese angeblich kurzfristig agieren und Profit erwirtschaften wollen, auf der anderen Seite versuchen gerade diese Politiker, von den ach so bösen Investoren Geld für deren Wahlgeschenke zu erlangen.
Zu viel Geld an den Märkten gibt es nur deswegen, weil die angeblicher Weise unabhängigen Zentralbanken Geld drucken wie Schwachsinnige!
@Thomas
“Denkt man liberal/libertär, sollte es jedem überlassen sein, lang- und/oder kurzfristig an den Märkten zu agieren!”
Richtig. Nichts desto trotz sollte man auf einen gesunde Mischung achten. Nur Kotlett essen macht genauso krank, wie nur Kartoffeln mampfen. Kotlett, Kartoffeln, Gemüse und zum Nachtisch ein Eis mit etwas Sahne, so sollte es auch an den Finanzmärkten sein.
Ist das so? Na gut, ich sehe mir mal die letzte Mechanikerrechnung an …
Ja, in der Tat, Sie haben recht, da steht doch glatt für jede einzelne gelöste und später wieder angezogene Schraube ein vom Gewicht der gedrehten Schraube abhängiger Zusatzbetrag, den die Werkstatt mir zweimal pro Schraube abknöpfte und an den Staat ablieferte.
Sehen wir mal weiter .. ahja, da haben wir’s: “Fünf Kabelbinder durchtrennt und später durch neu angebrachte ersetzt ..” – Hmmm- keine weitere staatliche Abgabe für diese zehn Transaktionen.
Wie sieht es bei Schläuchen aus? .. Auch hier — zwei Schläuche wurden abgezogen und später wieder angesteckt, aber keine Schlauch-Ab&Ansteck-Steuer für den Staat. Sonderbar, nicht wahr?
“Ach lass mich mit der Politik in Ruhe” die Standard-Antwort eines steuerzahlenden, echt arbeitenden Mitbürgers.
Das lass ich mir seit einer Weile nicht zweimal sagen.
Wenn er dann jammernd kommt, werfe ich ihm diese Standard-Antwort zurück. Denn dann bin ich gespannt, ob er darauf eingeht. Zu 90% nicht.
@gms
Was sind ein paar Promille Transaktionssteuer gegen 20% Mehrwertsteuer auf jede von mir tagtäglich getätigten “Transaktionen” des täglichen Bedarfs?
@Behaimb
Mit Mehrwertsteuer haben Sie sich die Antwort schon selbst gegeben.
Erstens trifft diese Steuer nur Endverbraucher und ist für Gewerbliche ein reiner Durchlaufposten.
Zweitens bekommen Sie die Mehrwertsteuer ja wieder in voller Höhe retour, wenn der Händler Ihnen die Ware aus Kulanz oder sonstigen Gründen wieder abnimmt.
Mit der wundersamen Finanztransaktionssteuer würden Sie nun (a) mehr bei Händler lassen, und darüber hinaus (b) beim Retournieren der Ware einen nochmaligen Abschlag in Kauf nehmen müssen. Weder Sie noch der Händler haben nach diesem Tausch- und Rücktausch einen Vorteil.
So zwingend und natürlich wie das Atmen zum Leben, ist das Begleichen einer Schuld in der Wirtschaft. Hierbei als Staat die Krallen auszustecken, ist infam bis zum Kotzen.
@gms
Trotzdem werden meine privaten Ausgaben mangels Firma auf absehbare Zeit deutlich höher sein als für Finanztransaktionssteuern …
Wissen Sie, auch die Broker können nicht alles an den kleinen Kunden weitergeben, dafür sollte es genügend Wettbewerb geben, zumindest außerhalb von Ö …
@Behaimb
natülich “Ausgaben für MWSt.”
Würde man morgen alle Menschen mit IQ über 130 erhöht besteuern, könnte Ihr Befund nicht anders lauten.
Hätten Sie aber einen Grund zum Fürchten gehabt, wäre Ihnen die Irrelvanz der analogen Aussage aufgefallen: “Mangels Vermögen wird auf absehbare Zeit eine Vermögenssteuer meine jetzigen MwSt-Aufwände nicht überschreiten.”
Relevant? Irrelvant? — Wie wäre es mit einer Behaimb-Steuer, dessen Höhe sich am Jahresende an der entrichteten MwSt. orientiert und exakt 1€ ausmacht? Na gut, dieser eine abgezogene Euro würde das Kriterium “deutlich darunter” verletzen. Jetzt sind Sie am Zug: Wie weit darunter darf’s aus Ihrer Sicht sein, damit die Behaimb-Steuer auch den Namen Ihres Erfinders tragen darf?
Was Ihr Argument des Wettbewerbs anbelangt: Damit ließe sich jede beliebige Gängelung rechtfertigen. Wenn alle gewürgt werden, hat doch niemand einen Nachteil.
Was Sie weiters verkennen, ist der völlig Bruch bisheriger Prinzipien, wonach der Staat dann und nur dann mitschneidet, wenn nach einer Aktion nach dem Urteil der Partizipienten ein halbwegs objektivierbarer Vorteil eingetreten ist.
Bei der Transaktionssteuer ist es völlig egal, ob die Teilnehmer nach ein, zwei, hundert oder tausenden Transaktionen einen Erfolg haben und zufriedener sind als zuvor, denn die Teilnehmer verlieren immer, auch wenn sich nach Tausch- und Rücktausch rein garnichts verändert hat.
Der Tausch ist das Atmen der Wirtschaft. Das Bezahlen einer Schuld ist immanenter Bestandteil unserer Kultur. Warum nicht auch eine Steuer aufs Atmen — solange es doch unter den Aufwänden für die MwSt bleibt?
@gms
Darauf wollte ich nicht hinaus. Es geht ja darum die Spekulation einzudämmen, weil man eben “Kosten” hat. Aber die hat man derzeit auch schon. Dämmt das die Spekulation ein? Die Intention ist ja die “bösen” Spekulanten zur Kasse zu beten. Nur wenn ich meine Ausgaben dafür habe sind es eben Einnahmen für die Bank und was muß die Bank mit diesen Einnahmen machen? Genau Steuern bezahlen. Nun der Bank ist es mit Sicherheit egal ob Sie einem 1% an Kosten in Rechnung stellen oder 1.1 %. Es geht hief doch nur um ein um neue Einnahmequellen für Staaten und nur darauf wollte ich hinaus.
@gms
Die Frage ist: Wen trifft die Steuer und der darfv dann jammern. Einem Nichtraucher kann die tabaksteuer auch egal sein. Sie fordern mehr Solidairät als die Sozis ein, ist Ihnen das schon aufgefallen?
Die Steuer wird auch Sie treffen, je nach Ihrer Leistungskraft resp. Alimentationsgrad mit dem Gegenwert eines Laptops — Jahr für Jahr.
Daß Sie weiters Kritik an einem evidenten Bruch eines vernünftigen Prinzips als Jammern qualifizieren, macht Ihren Sichtweise auch nicht plausibler.
Ich weiß nicht, was das obige “nur” bedeuten soll.
Zur Frage, ob eine Bank nun 1% verrechnet, oder 1,1%: In nicht-trivialen Systemen erfolgt eine Tranaktion von A nach E über die Zwischenschritte B, C und D, genaus so, wie IP-Pakte über unzählige Zwischenrechner (“hops”) laufen. Die Stellen hinterm Komma fallen dann schon anders aus.
Arbeitsteilung und Spezialisierung bringt eine Unzahl von Playern ins Spiel, die untereinder nach völlig unterschiedlichen Gesichtspunkten wie Flat-Fee, Gutschriften und Gegenverrechnung, etc. pp. ihre jeweiligen Schulden begleichen.
Die Pönalisierung einer Zahlung ist in mehrfacher Hinsicht ein absolutes Unding. Was meinen Sie, wieviele Geldtransaktionen im Hintergrund laufen, damit Amazon das Geld für das bestellte Buch erhält? Für den Kunden ist es oberflächlich betrachtet einen einzige Transaktion, im Hintergrund jedoch würde vom Staat bei jedem Hop mitgeschnitten. Wenn Amazon das Buch aber wieder zurücknimmt und das Geld retour schickt, schneidet der Staat erneut x-mal mit, haben doch die Einzeltransaktionen im Finanzwesen kein Mascherl der Art “FDominicus, Kauf von ‘Ethik der Geldproduktion’ vom 23.11.2001″. Ärmer wird dabei nur der Käufer.
Für den Staat ist es “nur” eine neue Einnahmequelle, für mich als Liberaler ist diese Einnahmequelle ein absurdes Monster wider alle Prinzipien des Marktes. Man begleicht seine Schuld — etwas Natürlicheres gibt es nicht.
Die Steuer müsste dann also allein für Österreich 4 bis 5 Milliarden Euro im Jahr erbringen. Lachhaft!
@Behaimb
Was an “je nach Ihrer Leistungskraft resp. Alimentationsgrad” verstehen Sie nicht?!
55 Mrd, welche die Steuer laut EU-Kommision einbringen soll, stehen 500 Mio Europäer gegenüber, inklusive Säuglinge, Pensionisten und Arbeitslose. Der Hunderter, der nach Adam Riese pro “Mann und Nase” fällig ist, wird von bestimmten Nasen aber ganz garantiert nicht erwirtschaftet werden.
Nicht grundlos jubilliert ein gewisser Faymann diesbezüglich mit Einnahmen für den Staat Österreich bis zu einer Milliarde. Bei rund 3,5 Mio Haushalten sind das drei Hunderter pro Haushalt.
Lachhaft? Mehr als der Betrag juckt mich die Dummheit und Ignoranz der Massen.
@gms
“Für den Staat ist es “nur” eine neue Einnahmequelle, für mich als Liberaler ist diese Einnahmequelle ein absurdes Monster wider alle Prinzipien des Marktes. ”
Eben, und was schreibe ich? Es geht simpel und einfach um einen weiteren Diebstahl und egal was bei Amazon dabeisteht es steht dort nicht 5 € + Transaktionsstuer + Mehrwertsteuer etc. Aber bei den Transaktionen steht genau das. Nämlich summe und davon x % als Courtage oder wie es auch immer heißen mag und bald vielleicht Transaktionsstuer xy %. Ich als Bank würde mir diesen Seitenhieb nicht verkneifen.