Es muß nicht immer Liebe sein…
22. Februar 2012 | Autor: Fremde Federn
“…„Versöhnung“ war stets auch als Fesselung Deutschlands gedacht, und Frankreich zu beschwichtigen war deutsche Staatsräson.All solche durchaus legitimen, aber nicht unbedingt freundschaftsstiftenden sicherheits- und machtpolitischen Ziele lagen (und liegen?) an der Wurzel des Europaprojekts. Die Zweifel wachsen, dass damit eine gute Basis gegeben ist, um von Deutschland heute und in Zukunft unbegrenzte „Solidarität“ zu fordern. Von Freundschaft ganz zu schweigen…” – Lesenswerte Analyse des deutsch-französischen Verhältnisses von Cora Stephan.
Der Link scheint nicht zu funktionieren (Diesen Kommentar können sie nach Korrektur gerne löschen)
Hier ist der richtige Link:
http://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article13880370/Freunde-sollt-ihr-sein.html
apropos liebe:
das forum verkommt immer mehr zu einer ähnlichen wadelbeisserei wie der standard. ich finde das schade, gleichzeitig frage ich mich, warum das in österreich anscheinend so oft dermaßen in diese richtung ausartet. ich kannte deutsche foren, die es leider nicht mehr gibt, da war das nicht so.
sind wir eine nation von wadelbeissern? oder haben wir im schnitt einfach so schöne wadeln, daß man sich darin so gerne verbeißt?
ich weiß es auch nicht. eines ist aber sicher: wir brauchen mehr liebe. bezahlt oder unbezahlt, wurscht. “make love, net woa?”
Dieser Kommentar ist deutlich besser und objektiver:
http://www.faz.net/aktuell/politik/europaeische-union/europa-in-der-krise-renaissance-des-vorurteils-11657335.html
@world-citizen
Der Artikel ist in der Tat nicht gar so schlecht, doch läßt er den Leser mit einigen Plattitüden und halbgaren Widersprüchen recht ratlos zurück.
Der Reihe nach:
FAZ: “Natürlich gibt es in Europa gewaltige Unterschiede in den Mentalitäten zwischen Nord und Süd, zwischen Ost und West.”
Nach einer unstrittigen und eindeutigen Ansage kommt das erste Eigentor:
FAZ: “Dass die EU-Bürger einander trotz Binnenmarkt und Freizügigkeit fremd geblieben sind, zeigt, dass die Europapolitik die Beharrungskraft des Nationalgedankens unterschätzt hat.”
Werden zuerst die gewaltigen Unterschiede der Mentalitäten betont (man ist ja objektiv), zieht der Autor danach vorhersagbar wie das morgige Kalenderblatt den Nationalgedanken aus dem Zylinder, um dieses Kaninchen über die nachfolgenden Absätze zu treiben, was auch schnurstracks zu der immer wieder perpetuierten Falschbehauptung hoppelt, andere europäische Völker würden dem vormals braun behemdeten Deutschland auch heute noch nicht über den Weg trauen.
FAZ: “Eine gewisse Grundskepsis gegenüber diesem großen Land in der Mitte des Kontinents, dessen Gründung und Aufstieg die Nachbarn seit dem 19. Jahrhundert mit viel Blut bezahlen mussten, ist gerade in den kleinen europäischen Ländern nie verschwunden.”
Das sattsam bekannte Strickmuster: “Der Nationalgedanke! Die andere hassen uns Deutsche noch immer! Macht die Geldbörse auf!” — Seit Helmut Schmidts jüngster Parteitagrede ist dieser Alleskleber die Lieblings-Chemikalie des deutschen Feuilletons, eine Substanz, die dort ebenso lustvoll synthetisiert wie postwendend an alles Mögliche und Unmögliche draufgekleistert wird.
Bloß weil Helmut Schmidt in absolut bewundernswerter Manier mehr Zigaretten vertilgt als ein Zirkuselefant Heustengel, so bleibt doch von seinen Worten wenig übrig, wenn man die Rauchringe an griffigen Seilen auffädeln will.
Weltweit gesehen ist nämlich das genaue Gegenteil zutreffend, da Deutschland das beliebteste Land auf diesem Globus ist, vor GB, Kanada und Japan [1]. Franzosen und Briten sind ausgewiesene Deutschland-Fans, die Polen haben seit langem ihren Frieden mit Deutschland. Dänemark, das Baltikum und Belgien detto, ja selbst die Griechen haben einer Umfrage eines deutschen Fernsehsenders [2] ein positives Bild der Deutschen, weil sie deren Fleiß und Innovationskraft schätzen.
All die im Mainstream hochgeplusterten Merkel-mit-Hakenkreuz-Bilder aus dem fernen Süden beschreiben definitiv nicht die Sichtweise der Mehrheit der Griechen. Ich wage die Behauptung, diese onmipräsenten Karrikaturen sind das Ergebnis einer kleinen Minderheit in Griechenland und einer sensationsgierigen Medienlandschaft hierzulande, wie ebenso einer rot-grünen Medienlandschaft, der diese Bilder verdammt gut in die eigene politische Agenda passen.
Sollte (Konkunktiv) aber tatsächlich ein “kleines Land” in der Tat noch ein faschistisch latentes Deutschland wittern, so müßte es damit selbst fertig werden, weil dieses latente Problem definitiv und objektiv nichts mehr mit dem aktuellen Deutschland zu tun hat.
Zwischendurch noch die unwissentliche Selbstbeweihräucherung des Autors:
FAZ: “Die gute Nachricht ist, dass die Politik mit diesen Meinungsströmungen im Großen und Ganzen vernünftig umgeht.”
Ein Wunder? – Der Mainstream behauptet Meinungströmungen und ist zufrieden, wenn die Regierung auf diesem artifiziellen Strom dahinsegelt und einen Scheck nach dem anderen ausstellt.
[1] 011 BBC Country Rating Poll
In total 28,619 citizens in 27 countries, were interviewed face-to-face, or by telephone December 2, 2010 and February 4, 2011.
–
In Europe, Italian and French views are even warmer than British ones. Almost nine in ten Italians (89%) give Germany positive ratings (up 12 points, the highest percentage among all countries surveyed). Positive ratings are 84 per cent in France. Russian views have improved, and close to seven in ten rate Germany positively (68%, up seven points).
–
[2] Quelle suche ich bei Gelegenheit raus.