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Hilf, interventionistischer Staat!

“Obwohl angesichts der Herausforderungen der Wirtschaftskrise die politischen Eliten weder professionell noch moralisch überzeugender wirken als die wirtschaftlichen, werden die Rufe nach einem interventionistischen Staat, der die Härten der Marktwirtschaft abfedern, Krisen verhindern und für sozialen Ausgleich sorgen soll, lauter…” Ausgezeichnete Analyse von Gerhard Schwarz in der NZZ. Must read!

  1. Ulrich Elkmann
    5. März 2012, 01:25 | #1

    “Lauter” kann eigentlich nicht bestätigt werden. Hier handelt es sich um das unverbrüchliche Credo, den festen Urgrund des Glaubens unserer Medieneliten, samt Telepolitikern und Kirchenfürsten, und das betet so seit vielen vielen Jahrzehnten auf allen Kanälen. Wenn mal etwas intensiver gebetet wird, dann, weil der Staat dooh sicher noch ein paar Krakenarme mehr ausfahren könnte, um das, was er angerichtet hat – Verzeihung: was die Heuschrecken und Banker und Investoren und die blöden Markteilnehmer angerichtet haben – andersrum zu biegen.

  2. dw-seneca
    5. März 2012, 07:27 | #2

    Wunderbar zusammengefaßt.

  3. Fr. Schmidt
    5. März 2012, 08:06 | #3

    Wenn ich zurückdenke, wie naiv ich damals war, als ich mir vom EU-Beitritt eine Umkehrung dieses Verstaatlichungsprozesses erhoffte. Ausgerechnet EU!
    Ich hatte wirklich nicht die hinter den Schönreden verborgene EUDSSR erkannt.
    Mea culpa! Maxima!

  4. rubens
    5. März 2012, 08:53 | #4

    @Fr. Schmidt
    Auch die die es erkannt haben, hängen mit in den Seilen. Ob diese sich schon fürchten müssen?

  5. rubens
    5. März 2012, 09:30 | #5

    Die Rufe werden GESTEUERT lauter. Das ist meines Erachtens veröffentlichte Meinung gekaufter Medien, die ja selbst Angst vorm Wettbewerb haben.

  6. Sven Lagler
    5. März 2012, 10:19 | #6

    Auf dem Weg zum interventionistischen Staat EuDSSR kann ich die Dokumentation „Ich Putin“ in der ARD Mediathek oder auf Youtube (so ACTA es noch zulässt) empfehlen.
    Man sieht darin u.a. wie eine Firmenschließung rückgängig gemacht wird. Der rüde behandelte Befehlsempfänger ist niemand geringerer als Deripaska, der ansonsten sicher nicht zartbesaitet und kleinlaut ist.
    Das Primat der Politik über die Wirtschaft ist offensichtlich.

    Wenn der Euro kollabiert würde es mich andererseits nicht wundern, wenn ein Großteil der Bevölkerung einen undiplomatischen Macher wie Putin will. Die UdSSR ist kollabiert, (inkl. Währungsreform) und der Wunsch nach einem Minimum an Ordnung war groß.

  7. Rennziege
    5. März 2012, 15:24 | #7

    @Sven Lagler
    Die UdSSR ist dem Kollaps weit weniger nah als die UdSSR. Selbst die feurigsten Anti-Putinisten konzedieren, dass er die Wahl auch ohne potentielle Schiebung haushoch gewonnen hätte.
    In Russland hat sich vieles zum Besseren entwickelt. Schwerfällig natürlich, nach 90 Jahren Kommunismus. Die russische Seele wollte auch unter der bolschewikischen Knute stets einen Zaren als Staatsoberhaupt. Stalin und Chruschtschow haben ihnen diese Illusion vermittelt; ihre Nachfolger waren taube Nüsse, wobei wir Jelzin nicht vergessen wollen; der war wenigstens so trinkfest wie die Mehrzahl der Russen. (Man erinnere sich: Als der im Westen als Heiland gepriesene, offiziell abstinente Gorbatschow als Präsident kandidierte, schenkten ihm knapp acht Promille der Wähler ihr Vertrauen.)

    Russen wollen seit Zarenzeiten eine starke Hand. Putin gibt sie ihnen, lässt aber auch die Wirtschaft großteils in Ruhe, und es geht aufwärts. Das Demokratie-Gefasel aus dem Ausland lässt ihn und die Russen völlig kalt. Erstens erscheint ihnen diese Staatsform völlig fremd — und zweitens sehen sie ja täglich, wie peinlich sich die Demokratien der Welt täglich blamieren.

  8. Rennziege
    5. März 2012, 15:26 | #8

    @Rennziege
    Diese drahtlosen Tatstauren! Pardon!
    Eerster Satz muss lauten: “Die UdSSR ist dem Kollaps weit weniger nah als die EUdSSR.”

  9. Sven Lagler
    5. März 2012, 21:41 | #9

    @Rennziege
    Putin sagt selber in diesem Beitrag, dass er das macht was die russische Bevölkerung von ihm erwartet und ich habe den Eindruck, dass er damit bei einem Großteil der Bevölkerung Recht hat.

    Im Gegensatz zur chinesischen politischen Elite mit ihren wohldosierten Floskeln, die oftmals sogar UHBP Heinz Fischer an Nichtaussagen überragen, führt Putin ab und zu Diskussionen mit politischen Gegnern und gibt der Presse teilweise Interviews mit einem unverhüllten Klartext den man von westlich diplomatisch konsensorientierten Politikern nicht gewohnt ist, mit wenigen Ausnahme wie Schwarzenberg oder Klaus.

  10. Prinz Eugen von Savoyen
    5. März 2012, 21:52 | #10

    @Rennziege

    Gnädige Frau, Ihr seht in Uns auch einen Putin-Liebhaber. Der Mann weiß, was er will, und auch Baroness von Kesteven würde in ihm keinen wet erkennen.

  11. Rennziege
    5. März 2012, 22:11 | #11

    @Prinz Eugen von Savoyen
    Baroness Thatcher of Kesteven würde in so vielem, was die heutigen Retter des Erdreichs als heilsbringend betrachten, kein einziges Hundstrümmerl erkennen, das eines Blickes würdig wäre. Allein, Ew. Hoheit, das Wörtchen “wet” in Eurer Botschaft lässet in mir kein Glöckelein erklingen.

  12. Prinz Eugen von Savoyen
    6. März 2012, 01:37 | #12

    @Rennziege

    Gnädige Frau haben Wir auch niemals zu den wets gezählt, schon in Anbetracht der ruhmreichen Attacken, die sie in den Religionskriegen gegen Unsere Schlachtreihen geführt hat. Aber seit dem Grundsatz cuius regio, eius religio herrscht Frieden.

  13. Samtpfote
    6. März 2012, 09:36 | #13

    @Rennziege
    Von Russland aus gesehen, ist der Westen – nicht nur geographisch – links.
    Und so argumentiert auch die hiesige Journaille.

  14. Rennziege
    6. März 2012, 12:56 | #14

    @Prinz Eugen von Savoyen
    Seid inniglich bedankt, durchlauchtigster Prinz, für die Schließung meiner peinlichen Wissenslücke. Nun weiß ich um die Nebenbedeutung des Wörtchens “wet”, von der Baroness in ihren Memoiren vollständig ins Bild gesetzt:

    “On their return in September, Sir Ian Gilmour, along with education secretary Mark Carlisle and the leader of the lords, Lord Soames, were sacked while Mr Prior was moved to Northern Ireland, cutting off his ability to influence economic strategy.
    The departing ministers were replaced by key Thatcher allies, including Norman Tebbit and Nigel Lawson.
    As a result, she said afterwards, “the whole nature of the Cabinet changed”.
    “The ‘wets’ had been defeated,” she wrote in her memoirs, “but they did not yet fully realise it”.”

    http://www.huffingtonpost.co.uk/2011/12/29/margaret-thatcher-iron-lady-wets_n_1174070.html

    Übertrage ich Ihren weisen historischen Imperativ “Cuius regio, eius religio” auf S.P.Q.A. (Senatus Populusque Austriacus), muss ich allerdings eilig zur weltweit einzigen Religion des Friedens übertreten. Meine Burka (‏چادرى‎ + ‏چادر‎) wird bereits geschneydert.

  15. Prinz Eugen von Savoyen
    6. März 2012, 15:16 | #15

    @Rennziege

    “The ‘wets’ had been defeated,” she wrote in her memoirs, “but they did not yet fully realise it”.”

    Perhaps they never will…

    Das finde ich aber ganz nett, dass Sie diese treffende Beurteilung der Baronesse nicht kannten. Dabei sind wir von wets umgeben.

  16. Rennziege
    6. März 2012, 16:20 | #16

    @Prinz Eugen von Savoyen
    Fand alles vor meiner aktiven Phase statt, unsereine ging damals noch in den Kindergarten. Aber die Memoiren der Baroness, Statecraft: Strategies for a Changing World (2002) hab’ ich bei amazon.uk soeben geordert.

  17. Prinz Eugen von Savoyen
    6. März 2012, 17:01 | #17

    @Rennziege

    Als sie ihre Memoiren vorstellte signierte sie im Harrods. Ich Depp war an dem Tag dort frühstücken und habe sie verpasst.

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