Business as usual
5. März 2012 | Autor: Fremde Federn
“Die Zweifel nehmen zu, ob das zweite Kredithilfspaket über 130 Milliarden Euro für Griechenland und der angestrebte Schuldenschnitt ausreichen. Schon 2015 könnte ein drittes Hilfspaket von etwa 50 Milliarden Euro notwendig werden, heißt es im Umfeld der „Troika“ aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB)…” – Ausführlicher Bericht in der FAZ.
Wer von den politischen Akteuren denkt überhaupt noch 3 Jahre in die Zukunft ?
Wer weiß schon was nach der Wahl in Frankreich passieren wird, wie Spanien seine Probleme bewältigen kann, wie Italien seine Altschulden refinanzieren wird…
Alles kein Problem. Die Eliten haben die Lage fest im Griff. Oder ist es umgekehrt?
Die Euro-Füllhornochsen werden sich wundern, wenn in wenigen Wochen eine kommunistische (GR) und eine linkssozialistische (FR) den heiligen Abendmahltisch der Euro-Apostel bereichern werden, wie aus Meinungsumfragen hervorgeht.
Diese Regierungen werden alle Austerity-Schwüre, Unterschriften, Zusagen und Verträge ihrer Vorgänger in den Mülleimer werfen und mit den geschenkten Milliarden ihren Wählern lustige Volksfeste bescheren, die sie für ein Jährchen bei Laune halten. Anschließend wird das Fass ohne Boden auch keine Dauben mehr haben.
Aber das wissen die Fetischisten der “Friedenswährung”. Infam dabei ist, dass sie noch immer nicht müde werden, dieses Fass ständig mit dem Geld ungeborener Generationen aufzufüllen.
Griechenland hatte 2011 ein Leistungsbilanzdefizit von 21 Mrd. EUR; eine sensationelle Verbesserung gegenüber den 35 Mrd. EUR 2008, aber nichtsdestotrotz ein atemberaubendes und nicht aufrecht zu erhaltendes Defizit (über 10% des GDP!).
Die Exporte stiegen zuletzt eindrucksvoll im Bereich 15%+. Wie genau das geschafft wurde, ist nicht zu erfahren. Griechen ziehen es vor, über Eurobonds, Merkozy, etc. zu lamentieren, statt sich mit der eigenen Exporttüchtigkeit zu beschäftigen.
Importe sanken nicht, sondern stiegen nur wesentlich weniger an als Exporte. Daher die Verbesserung.
Der Rückgang bei Importen (sehr erfreulich!) ist allerdings nicht strukturbedingt im Sinne von Importsubstitution. Importe gingen ausschließlich konjunkturbedingt zurück: weniger Nachfrage, weniger Importe. Sollte die Konjunktur wieder anspringen, werden Importe wieder explodieren (weil Griechenland kaum eigene Wertschöpfung hat).
Somit hat Griechenland ein chronisches Leistungsbilanzdefizit, das finanziert werden muss. 20 Mrd. EUR p. a. scheinen die Untergrenze zu sein. Die Troika-Prognose geht jedoch davon aus, dass Griechenland in der Zeit 2015-20 einen Leistungsbilanzüberschuss haben wird. Die ist einfach nicht vorstellbar. Allein schon aus diesem Grund wird Griechenland wesentlich mehr Geld benötigen, als derzeit prognostiziert.
Und wenn keine Kapitalkontrollen eingeführt werden, dann wird Griechenland weiteres Geld benötigen, um die Kapitalflucht zu ersetzen. 65 Mrd. EUR wurden 2011-12 von Banken abgehoben. Noch gibt es rund 170 Mrd. EUR Spareinlagen. Sollte der bisherige Trend aufrecht bleiben, dann sind auch diese Spareinlagen nach 2-1/2 Jahren weg. Dann muss auch dieser Abgang finanziert werden.
Griechenland – wie die anderen Länder auch – genießt natürlich den Vorteil des Target-2 Cash Management Systems der EZB. Dieses System ist vergleichbar mit einer Kreditkarte ohne Limit. Über das Target-2 System finanzieren derzeit die Überschussländer den Lebensstandard der Griechen. Wie lange noch?
http://klauskastner.blogspot.com/2011/06/geldverwenung-verschwendung-der.html
Die Zweifel nehmen zu……bei den in den letzten Jahren so in Mode gekommenen “Experten”.
Nicht-Experten hingegen wissen es schon längst: Griechenland schafft es nicht/will es gar nicht schaffen, es pokert, in der Annahme, das deutsche Gutsein-um-jeden-Preis-Streben ewig bewirtschaften zu können.
@herbert manninger
Schön gesagt. Aber zum Pokern gehört mehr als langjährige Erfahrung im levantinischen Hütchenspiel. Ab und zu braucht man, wenn man auch noch so gut bluffen kann, ein gutes Blatt.
Manchmal genügt dazu ein As im Ärmel. Aber die griechischen Asse wurden schon so oft zum Schummeln benutzt, dass neue Karten angeschafft werden müssen. (Gibt’s die Firma Piatnik noch? Die druckt Drachmenscheine wahrscheinlich fälschungssicherer als die ins Gerede geratene österreichische Staatsdruckerei. Oder war’s, wie zu Kaisers Zeiten, die Staatliche Münze? Hier befinde ich mich auf Glatteis.)
Was heisst die Zweifel nehmen zu, die sind längst da, nur die Zweifler können noch mehr werden, aber sie müssen sich beeilen, denn die Gewissheit wird bald alle Zweifel erübrigen.
@Passant
Nicht die Zweifel nehmen zu, wie Sie richtig schreiben, sondern die Anzahl! der Zweifler, was ja auch nicht unerheblich ist.
Ob in diesem Fall die vermehrte Anzahl an Zweiflern mit ihren Zweifeln eine Änderung der derzeitigen Politik beeinflussen können, wage ich leider zu bezweifeln.
Ich hoffe jetzt ganz fest, dass alles gut wird.
da es ja Mode ist zu allen Gelegenheiten (Jubiläen, Geburtstagen etc)
statt Geschenken für etwas “Gutes” zu sammeln, schlage ich einen “Griechenland-Jubiläums-Fond” vor.
dieser soll vorallem dafür sorgen daß in Griechenland
- weiterhin 300 Parlamentarier (bei unwesentlich höherer Bevölkerung wie
Österreich) ihr Auslangen finden
- die Spitzengehälter der Regierungsmitglieder weiterhin garantiert sind
- Verstorbene die Pension nicht verlieren
- unverheiratete Töchter weiterhin einen Erbanspruch auf die Pension
ihres Vaters haben.
usw.
am Besten richten wir diesen Fond bei der Kommunalkredit ein, die scheint auf Griechenland spezialisiert