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Buchtip: “Inflation oder Deflation?”

20. März 2012 | Autor:

(von ANDREAS TÖGEL)  Die Gefahr einer „deflationären Depression“ dient Politikern und Zentralbankern seit den Tagen John Maynard Keynes´ als Rechtfertigung für eine inflationistische Geldpolitik. Um die vermeintlich segensreiche Schwundgeldpolitik der Währungsmonopolisten in einem günstigen Licht erscheinen zu lassen, werden auch heute noch mit größter Inbrunst jene Gefahren beschworen, die eine abnehmende Geldmenge angeblich mit sich bringt. Der weitgehend vollständige Mangel an Wissen um Entstehung, Wesen und Bedeutung des Geldes erleichtert es Politikern, Zentralbürokraten und Bankstern, das Geldvermögen der Bürger mittels Inflationssteuern unbemerkt umzuverteilen – zu ihren Gunsten, versteht sich! Henry Ford brachte es auf den Punkt als er meinte: „Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“ Da sich jedoch nur eine Minderheit der Bürger mit Fragen der – korrupten und betrügerischen – staatlichen Geldpolitik beschäftigt, ist die Revolution bislang ausgeblieben. Als Sparer ist man versucht hinzuzufügen: leider! Markus Lindermayr, Janne J. Kipp und Christoph Schnabel unternehmen es in ihrem Buch „Inflation oder Deflation“, Licht ins Dunkel zu bringen. In einer auch für Laien verständlichen Sprache werden Grundbegriffe von Ökonomie und Geldpolitik erläutert und Begriffsumdeutungen, die in listiger Weise der Verschleierung von Ursache-Wirkungs-Beziehungen dienen, klar benannt: „Inflation“ bezeichnete ursprünglich die Ausweitung der Geldmenge, während heute damit eine allgemeine Teuerung gemeint ist. Auf diese Weise wird in der Öffentlichkeit der Eindruck vermittelt, Preissteigerungen wären das Werk profitgieriger Produzenten von Waren und Dienstleistungen und perfider Spekulanten, während dafür in Wahrheit einzig und allein die hemmungslose Ausweitung der Geld- und Kreditmenge – und damit der staatliche Geldmonopolist – verantwortlich ist. Allgemeiner Preisauftrieb ist die mit einiger Zeitverzögerung und nicht für alle Güter in gleichem Ausmaß eintretende Folge einer vorangegangenen Inflation! Nach einer Einführung in die verwendeten Begriffe werden die wesentlichsten Zusammenhänge und wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten erläutert, wobei die Autoren an ihrer Sympathie für die Analyse der „Österreichischen Schule“ keine Zweifel aufkommen lassen. Anschließend werden in einem historischen Teil zurückliegende Inflationsszenarien (beginnend mit dem berüchtigten Papiergeldexperiment des John Law in Frankreich) und die deflationäre Stagnation in Japan seit Anfang der 1990er-Jahre beschrieben. Danach wird den Gründen für die zyklische Natur des Konjunkturphänomens nachgespürt und der nach seinem Schöpfer benannte Kondratjew-Zyklus vorgestellt. Mit der Beschreibung globaler Trends und verschiedener denkbarer „Basisszenarien“ für die Weltwirtschaft endet der 284 Seite umfassende erste Teil des Buches. Der kurze, aber hochinteressante zweite Teil ist der Anlegerpsychologie gewidmet und beschreibt die von Investoren am häufigsten gemachten Fehler und deren Ursachen. Grundlegend mangelhafte oder selektive Wahrnehmung der Wirklichkeit, die unbewußte Ausblendung unangenehmer Wahrheiten, die Macht des „wishful thinking“ und das völlige Fehlen eines „Plans B“ im Falle des Eintretens unerwarteter Ereignisse, können in vielen Fällen zu schmerzhaften Vermögensverlusten führen. Zwei bedenkenswerte Zitate aus dem Schlusswort: „Die Weltwirtschaft ist nun dabei, den ausgeprägtesten Zyklus der Wirtschaftsgeschichte zu beenden.“ Welche überaus unerfreulichen Konsequenzen damit aller Voraussicht nach verbunden sind, dürfte nach der Lektüre des Buches den meisten Lesern klar sein. „Der Weg zurück zu einem nachhaltigen Gleichgewicht wird hart.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Inflation oder Deflation? Markus Lindermayr, Janne Jörg Kipp und Christoph Schnabel Finanzbuch Verlag 2012 336 Seiten, gebunden ISBN 978-3-89879-637-8 € 20,60,-

  1. 20. März 2012, 11:15 | #1

    Es kommt halt immer mehr Falschgeld in den Umlauf. Und hinter jedem Schein steht ein Bewaffneter…..

  2. Der Wanderer
    20. März 2012, 13:39 | #2

    Die Politik macht sich auch das minimalistische Kurzzeitgedächtnis der meisten Bürger zunutze bzw. dass diese nicht 1+1 zusammenzählen können:

    an einem Tag wird erklärt, dass Deflation pfui ist, um die Geldmengenausweitung zu rechtfertigen. Anderntags wird die daraus folgende Preissteigerung den Unternehmern in die Schuhe geschoben und diese als gierige Kapitalisten denunziert.

    Die Leute glauben beides. Logik ist ihre Sache nicht.

  3. Der Wanderer
    20. März 2012, 13:57 | #3

    Aus der Amazon-Kurzbeschreibung:

    Führt die Kreditkrise zu Deflation, Depression und Staatsbankrotten oder fluten die Notenbanken die Wirtschaft hemmungslos mit neuem Geld und erzeugen damit eine Inflationswelle?

    Wie wir wissen, entschied sich die EZB für Letzteres. Es ist halt ein Jammer, dass Wirtschaftsbücher zur aktuellen Krise, kaum dass sie draußen sind, auch schon wieder überholt sind.

  4. Andreas Tögel
    20. März 2012, 14:36 | #4

    Verehrter Wanderer,
    das würde ich so nicht sagen. Es ist imho auch heute noch nicht ausgemacht, ob wir in absehbarer Zeit einen Deflationsschock oder eine Hyperinflation erleben werden – oder ob wir uns auf eine (Jahrzehntelange?) Phase “moderater” Geldentwertung (von 6 – 10%?) einstellen müssen. Es ist das Verdienst der Autoren des vorgestellten Buches, alle diese möglichen Varianten beschrieben zu haben.

    Das “Fluten der Märkte mit Zentralbankgeld aus den Notenpressen”, wie wir es momentan erleben, heißt nicht unbedingt, daß es nicht doch noch zu einem Deflationsszenario kommen kann. Die Lenkungskräfte der Zentralbürokraten (und die Notenbankster gehören dazu) sind nämlich keineswegs unbegrenzt;-.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Andreas Tögel

  5. Smarti
    20. März 2012, 15:59 | #5

    @Andreas Tögel

    Ganz richtig. Die willkürliche Manipulierbarkeit der Geldmenge durch die Zentralbank sorgt eben nicht für die notwendige Flexibilität im Kampf gegen die geradezu paranoid gefürchtete “Deflation”. Stattdessen führt sich “Geldpolitik” ad absurdum, weil sich ihre Wirkung auf die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes (denn darum geht es ja) nicht rational abschätzen lässt.
    Innerhalb eines Papiergeldsystems können und müssen die Marktteilnehmer Erwartungen über zukünftige Preisveränderungen bilden, Erwartungen welche sich allzu leicht selbst bestätigen können. Wird eine Inflation erwartet, setzen die Marktteilnehmer ihre Preise höher, und die Zentralbank ist gezwungen tatsächlich eine Geldmengenausweitung zu betreiben um die Wirtschaft am laufen zu halten. Erwarten die Marktteilnehmer dagegen fallende Preise, und weitet die Zentralbank die Geldmenge aus um die drohende Deflationsspirale zu bekämpfen, kann es passieren dass die Geldmengenausweitung entweder verpufft (weil alles frische Geld unter den Matratzen verschwindet) oder die Geldmenge irgendwann soweit ausgeweitet wurde, dass eine tatsächliche Umkehr der Deflationserwartungen zu einer massiven Inflation führen würden, weil die gehorteten Gelder auf einen Schlag in die Wirtschaft zurückfließen. So oder so ist es nicht allzuweit mit der angeblichen Flexibilität der Geldpolitik her.
    Der Punkt ist, dass es ohne “Geldpolitik” keine großartigen Preisänderungserwartungen geben wird, eben weil das willkürliche Element der Geldmengenmanipulierung fehlt.

  6. Der Wanderer
    20. März 2012, 16:18 | #6

    @Andreas Tögel
    Sehr geehrter Herr Tögel,

    genau das was Sie da kurz an die Wand malen, wäre interessant zu lesen: Welche Szenarien ergeben sich vor dem Hintergrund der nicht alltäglichen 1 Billion Euro-Beruhigungsspritze der EZB.

    Aber vielleicht ist das ja auch mehr ein Stoff für einen Artikel und weniger für ein Buch, das sich mit dem Thema Inflation/Deflation beschäftigt.

    LG

  7. 20. März 2012, 21:00 | #7

    @Der Wanderer

    “Welche Szenarien ergeben sich ..”

    Ohne direkt angesprochen zu sein, hier dennoch der Versuch einer Antwort:

    Faktum ist: Das Geld ist draußen und kann von den div. Zentralbanken nicht mehr einkassiert werden, da ihnen die dafür werthaltigen Assets fehlen. Nachdem die Geldmengenausweitung bereits geschehen ist und allenfalls zu einem Bruchteil durch die Zentralbanken einerseits oder einem entsprechend vergrößerten Warenangebot andererseits kompensiert werden kann, wird es auf jeden Fall zu Preisanstiegen kommen.

    Fraglich dabei ist a) wo im geographischen Sinne, b) wann und c) in welchen Assetklassen die Teuerung stattfindet.

    Auf den Euro bezogen könnte ein deflationärer Schock dadurch begründet sein, daß die Unsummen zuzüglich einem Panikaufschlag in fernen Ländern veranlagt werden und dort die Preise treiben. Ähnliches mag für Anlageklassen gelten, die auf das europäische Preisniveau wenig Einfluß haben.
    Nachdem aber diese Blasen der Euro-Inflation geschuldet sind, kommt das Geld beim Platzen der Blasen (=der entsprechende Markt schrumpft) früher oder später wieder nach Europa zurück und sorgt dort unweigerlich für steigende Preise.

    Die zweite mögliche Ursache für einen deflationären Schock ist nicht minder der vorigen Geldmengenausweitung geschuldet, nämlich dann, wenn die Wirtschaft draufkommt, daß all die begonnenen Projekte sich mangels tatsächlich greifbarer Ressourcen nicht rechnen, Firmen Pleite gehen und die Gesamtwirtschaft sich konsolidiert, inklusive entsprechender Freisetzung von Arbeitskräften. So fanden u.a. die “Roaring Twenties” ihr sattsam bekanntes Ende.

    Bedingt durch die wechselseitige Abhängigkeit — die Wirtschaft schaut auf die Zentralbanken und diese schaut wiederum auf die Wirtschaft — kann es m.E. keine tragfähige Prognose geben, außer jener, daß die Preise auf lange Sicht auf alle Fälle steigen werden. Was davor geschieht und wie die Wellen aussehen, die sich mehr minder um eine dank Geldmengenausweitung verstärkt steigende Gerade schlängeln, ist unverhersagbar.

    Verschärft wird die Unverhersagbarkeit durch die heutige und dank Globalisierung vergrößerte Mobilität des Geldes. Damit können sich Wellen mit diversen lokalen Ursprüngen ebenso gegenseitig verstärken, wie auch neutralisieren. Daß eine Immobilienblase in China auf den Rest der Welt einen Einluß haben könnte, wäre vor 30 Jahren hierzulande noch undenkbar gewesen. Schafft China ein sog. “soft landing” bei gleichzeitigem Niedrighalten seiner Währung (auf Kosten der eigenen Landsleute!), mag der aufsteigende Markt dort die Unsummen an Dollars und Euros noch einige Zeit aufsaugen und in Gegenzug Waren retour spülen, was ingesamt den Preisauftrieb hierzulande dämpft.
    Eine langsame und konstante Aufwertung des Renminbis ist allerdings eine ausgemachte Sache, weswegen inbesondere Europa lieber heute als morgen seine Hausaufgaben erledigen sollte.

  8. Christian Peter
    20. März 2012, 22:43 | #8

    Vermutlich beides. Während in den Südstaaten eher deflationäres Klima herrscht,
    wird es in den Nordländern demnächst zu kräftigen Preissteigerungen kommen -
    während die PIGS Geld wie Heu drucken, wird in Deutschland das Geld geschred -
    dert.

  9. Christian Peter
    20. März 2012, 22:44 | #9

    Vermutlich beides. Während in den Südländern eher deflationäres Klima
    herrscht, wird es im Norden demnächst zu kräftigen Preissteigerungen
    kommen – während die PIGS Geld wie Heu drucken, wird in Deutschland
    das Geld geschreddert.

  10. Der Unternehmer
    21. März 2012, 08:56 | #10

    Und was lernen wir daraus: die Forderung nach Abschaffung des staaichen Geldmonopols greift viel zu kurz. Alle staatlichen Monopole müssen fallen, insbesondere auch das Bildungsmonopol.

  11. Mercutio
    21. März 2012, 09:17 | #11

    @Der Unternehmer
    Ja ja, wat mut, dat mut, was “müsste” nicht alles sein? Aber keine Angst: Träumen ist erlaubt.

  12. Der Wanderer
    21. März 2012, 12:55 | #12

    @gms
    Und was ist mit den Staatsanleihen? War es nicht so, dass nach der Flutung des Geldmarktes durch die EZB Italien und Co sich plötzlich wieder zu moderaten Zinsen finanzieren konnten?

    Die – südländischen – Banken, die billiges Geld von der EZB ausgeliehen haben, haben ihre eigenen Staaten finanziert und damit die Staatsschuldenkrise prolongiert.

  13. 21. März 2012, 14:36 | #13

    @Der Wanderer

    Ja, das ist richtig. Wie Christian Peter schon schrieb, bleibt dieses Geld vorerst in Europa und wandert eher gegen Norden.
    Rund 780 Mrd. der EZB-Geldspritzen sind allerdings immer noch für 1% Zinsen bei der Zentralbank geparkt, in Staatsanleihen floß bislang nur ein geringer Anteil. Wieviel in den kommenden Jahren davon noch in Anleihen investiert wird, kann ich nicht beurteilen. Für 2012 beläuft sich der Refinanzierungsbedarf in Europa insgesamt auf rund 620 Mrd.

    Auch hier gibt es eine wechselseitige Abhängigkeit: Machen die Staaten ihre Hausaufgaben, brauchen sie die Gelder in dieser Höhe nicht. Erledigen sie ihren Job aber nicht, vertrauen ihnen die Geldgeber wiederum nicht und sehen sich anderswo um, etwa bei Unternehmensanleihen.
    So oder so – das Geld ist vorhanden, das System steht auf der Kippe. Im besten Fall laufen die Gelder ohne Wellen langsam ins System mit geschätzten Teuerungsraten knapp unter 10%. Wer Geld zu veranlagen hat, ist in diesem Szenario m.E. zur Inflationsabsicherung mit Aktien und Rohstoffzertifikaten noch am Besten bedient.

  14. FritzLiberal
    21. März 2012, 16:34 | #14

    gms :Im besten Fall laufen die Gelder ohne Wellen langsam ins System mit geschätzten Teuerungsraten knapp unter 10%. Wer Geld zu veranlagen hat, ist in diesem Szenario m.E. zur Inflationsabsicherung mit Aktien und Rohstoffzertifikaten noch am Besten bedient.

    Mit dem “besten Fall” würde ich aber nicht rechnen.

  15. 21. März 2012, 18:02 | #15

    @FritzLiberal

    Keine Frage. Die Alternativabsicherung besteht nun mal in Edelmetallen und Auslandskonten, einer Waffe und Vorräten sowie guten Beziehungen zu den Nachbarn, aber auch ein gepackter Koffer mit gültigem Reisepass, ergänzt um geistige und körperliche Fitness — sprich alles was nötig ist, wenn’s ganz dick kommt.

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