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35 Stunden sind eben nicht genug…

Einem normal begabten zehnjährigen Kind wird man wohl innerhalb weniger Minuten erklären können, dass man nicht wohlhabender werden kann, indem man weniger arbeitet. Nur Ökonomen und Politiker sind in zahlreichen Fällen entweder nicht willens oder imstande, diesen eher banalen Zusammenhang zu begreifen. Deshalb schenkt uns die hiesige Sozialdemokratie, zeitnah zum kommenden “Tag der Arbeit” am 1.Mai, nun gerade wieder eine Debatte über das ökonomische Konzept der “Arbeitszeitverkürzung”, in der Praxis also beispielsweise eine Reduktion der Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden, natürlich bei gleichem Lohn wie bisher für 38,5 oder 40 zu leistende Stunden Wochenarbeitszeit.

Politisch ist das durchaus nachvollziehbar: Ein allfälliger Wahlslogan “35 Stunden sind genug” klingt für viele Stimmbürger wahrscheinlich ziemlich attraktiv. Wir sind ja schließlich nicht in der Schweiz, wo erst unlängst die Mehrheit gegen mehr Urlaub gestimmt hat, um den Standort Schweiz im internationalen Wettbewerb nicht zu schwächen.

Ökonomisch sinnvoll wäre eine derartige Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich freilich nicht. Denn blöderweise steht Österreich – wie ganz Europa – mit fernöstlichen Kulturen in harter Konkurrenz, deren Bewohner in aller Regel nicht schon Donnerstag Mittag gedanklich ins Wochenende hinübergleiten, die Arbeit nicht per se für eine menschenrechtswidrige Zumutung des Neoliberalismus halten und die bereit sind, sich ein Mehr an materiellem Wohlstand notfalls hart zu erkämpfen.

In diesen brutalen Wettbewerb zu ziehen mit dem Konzept der “Arbeitszeitverkürzung” ist ungefähr so, als würde man sich auf einen Marathonlauf vorbereiten, indem man sämtliche körperliche Bewegungen auf ein Minimum reduziert. Das wird nichts werden.

Außerhalb Österreichs hat sich das auch schon herumgesprochen. In Frankreich ist die 2000 eingeführte und 2008 faktisch wieder entsorgte 35-Stunden-Woche mitverantwortlich für die bresthafte Wirtschaftslage der einstigen Grande Nation; in Deutschland hat der VW-Konzern die einstige 4-Tage-Woche wieder weitgehend entsorgt, in einigen Ländern gilt im öffentlichen Dienst gar wieder die 42-Stunden-Woche. Dass in Deutschland demnächst die 40-Stunden-Woche wieder zur Norm wird, wie die Industrie fordert, ist durchaus denkbar. Warum in Österreich Wohlstand schaffen soll, was anderswo gerade mit gutem Grund in der Sondermülltonne für nicht funktionierende Ideen landet, hat uns leider bisher noch keiner der einschlägigen Proponenten erklären können.

“Zeit für sich, die Familie und die persönlichen Leidenschaften zu haben, bereichert das Leben ungemein”, erklärt uns dazu der oberösterreichische SPÖ-Chef Josef Ackerl. Stimmt ja eh, ist aber halt irgendwie ungünstig, wenn die Konkurrenten in Fernost das anders sehen. Dann kann nämlich passieren, dass die hiesigen Beschäftigten früher oder später plötzlich viel mehr “Zeit für sich, die Familie und die persönlichen Leidenschaften haben”, als ihnen lieb ist. Weil sie ihre Arbeit verloren haben. (“WZ”)

  1. Reinhard
    28. April 2012, 08:39 | #1

    –“Zeit für sich, die Familie und die persönlichen Leidenschaften zu haben, bereichert das Leben ungemein”, erklärt uns dazu der oberösterreichische SPÖ-Chef Josef Ackerl.–
    Dass auch Arbeit das Leben ungemein bereichern kann kommt im Weltbild sozialistischer Klassenkämpfer ebensowenig vor wie in dem des normalfaul veranlagten Nordbalkaniers, der deswegen die roten Dolme begeistert bejubeln wird – der nächste Wahlsieg ist der SPÖ gewiss, außer die Blausozialisten springen noch schnell auf den Zug auf und fordern eine 30-Stunden-Woche nur für Österreicher und eine 60-Stunden-Woche für Ausländer. Nur dann könnte es noch eng werden…

  2. Reinhard
    28. April 2012, 08:44 | #2

    Nachtrag zur “Zeit für sich und die Familie” – jene Leute, die massenhaft Zeit haben, sind nach neuester Statistik die Unzufriedensten. Ohne sinnvolle Auslastung versauern sie vor dem Bildschirm, verlieren sich in PC-Spiele-Welten oder verjuxen vor Spielautomaten ihre Mindestsicherung. Und lassen ihre Kinder oft mehr verwahrlosen, kümmern sich weniger um sie als Menschen, die ihre Arbeit als Teil ihres Lebens akzeptieren und die Zeit mit der Familie (immer noch sehr viel!) genießen.
    Komisch, dass die gleichen Politclowns aus der linken Reichshälfte, die heute mehr “Zeit für die Familie” fordern, erst gestern die Kinder in die Ganztagsschule zwingen wollten. Dass keinem dieser Widerspruch auffällt…

  3. Thomas Holzer
    28. April 2012, 08:59 | #3

    Ob 30, 40 oder mehr Wochenarbeitsstunden, ob 40, 50, 70 oder mehr Lebensarbeitszeit genut ist, sollte jeder Einzelne für sich entscheiden dürfen, mit den entsprechenden finanziellen Konsequenzen.

    Eine Liberalisierung des Arbeitsmarktes in diese Richtung wäre zwingend notwendig.

    Mündigkeit dem Bürger, und nicht die sog. Interessensvertretungen und Politiker entscheiden lassen, was für den Einzelnen gut oder schlecht wäre; das weiß dieser doch viel besser.

  4. AD
    28. April 2012, 09:11 | #4

    @Thomas Holzer
    dem ist prinzipiell zuzustimmen. Doch mündige Bürger wachsen nur bei einem entsprechenden Bildungssystem heran. Ich denke nicht daß Sie da in Österreich die Voraussetzungen für mündige Bürger als gegeben ansehen

  5. Thomas Holzer
    28. April 2012, 09:13 | #5

    @AD
    Da haben Si recht; höchste Zeit für eine Umkehr ;)

  6. Behaimb
    28. April 2012, 10:29 | #6

    @Thomas Holzer
    Für manchen ist eine Stunde intelligent investierter Arbeit einträglicher als 12 Stunden blindwütiges Hackeln. Diese Verherrlichung spießbürgerlicher und letztlich auch sozialdemokratischer Slogans über den “Wert der Arbeit” sind schlicht hohl. Arbeit ist wert, was sie demjenigen der sie macht, einbringt und nicht eine Beschäftigungstherapie für gelangweilte Neurotiker.

  7. Karl Markt
    28. April 2012, 10:46 | #7

    Wenn in einer “Wegwerfgesellschaft”, also in einer Gesellschaft die mehr produziert wird als Sie benötigt, die Arbeitszeit nicht gesenkt werden kann bzw. sogar erhöht wird, sollte man sich die Frage stellen warum das so ist.

    “Ökonomisch sinnvoll wäre eine derartige Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich freilich nicht”

    Das sagen ausgerechnet die, die Meinen Kapitalismus basiert nicht auf Ausbeutung.
    Heiß nämlich umgekehrt nur “ökonomisch sinnvoll wäre Ausdehnung der Arbeitszeit bei niedrigerem Lohn”.

  8. Thomas Holzer
    28. April 2012, 11:34 | #8

    @Behaimb
    Stellt sich immer die Frage, wer entscheidet, was intelligente Arbeit und/oder blindwütiges Hackeln ist?
    Diese Entscheidung sollte wohl jedem Einzelnen überlassen werden.

  9. Karl Markt
    28. April 2012, 11:51 | #9

    @Thomas Holzer
    Warum zitieren Sie jetzt auf einmal das Kommunistische Manifest?

  10. Plan B
    28. April 2012, 12:28 | #10

    Karl Markt :
    @Thomas Holzer
    Warum zitieren Sie jetzt auf einmal das Kommunistische Manifest?

    Wie kommen Sie darauf? Der Unterschied zwischen intelligenter Arbeit und/oder blindwütigem Hackseln geht so:

    So hat die Idee, dass jeder zusätzliche Löffel Grünkohl den Hunger weniger befriedigt
    als der vorhergehende, einen wissenschaftlichen Namen: Grenznutzentheorie (gleich vorweg, das ist etwas völlig anderes als der Gebrauchsnutzen bei Marx). Erstmals formuliert wurde diese Idee vom Grenznutzen in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts von Leon Walras, Stanley Jevons und Carl Menger.

    Der Wert einer Mahlzeit (oder eines Gutes) hängt für jeden Einzelnen davon ab, ob und in welchem Ausmaß diese als nützlich empfunden wird. Es gilt für alle Dinge, dass sie für den Einzelnen nur dann einen Wert haben, wenn dieser ihm einen Wert zumisst. Wenn jemand eine Sache nicht mag, dann hat sie für ihn keinen Wert. Carl Menger, einer der drei Grenznutzenentdecker nennt dies die “subjektive Wertlehre”..

    Als Karl Marx sein “Kommunistisches Manifest” und später das “Kapital” schrieb,
    gab es weder eine Grenznutzentheorie, noch eine subjektive Wertlehre. Marx
    stützte sich bei der Formulierung seiner ökonomischen Theorie immer noch auf die
    Arbeiten von Adam Smith. Und diese wiederum basierten auf der Idee, dass eine
    Sache ihren Wert durch die Arbeit erhielt, die in sie hineingesteckt wurde (also Arbeitswertlehre oder bei Marx “objektive Wertlehre”).

    Nicht Ihr Hunger ist das Maß für den Wert des gekochten Grünkohls, sondern die Menge der Arbeit, die Sie hineinstecken. Auf die Spitze getrieben, ist es nach der Marx’schen Theorie
    vollkommen egal, ob Sie überhaupt etwas Essbares kochen. Der Wert einer Sache
    ergibt sich immer aus der Arbeit, die dafür aufgewandt wurde.

    Vereinfacht gesagt, der Unterschied zwischen Kapitalismus und
    Sozialismus besteht darin, dass im Kapitalismus der Kunde bzw. Konsument
    das Maß aller Dinge ist, während im Sozialismus die Arbeit und damit die
    Produktion zur bestimmenden Größe wird.

    PS: Ich lebe lieber in einer „Wegwerfgesellschaft“ als in einer Gesellschaft zum Wegwerfen.

  11. AD
    28. April 2012, 13:00 | #11

    @Behaimb
    “Arbeit ist wert, was sie demjenigen der sie macht, einbringt….”

    dem ist nicht so, denn Wert ist nicht gleich Ertrag ist nicht gleich Preis

  12. Lodur
    28. April 2012, 13:07 | #12

    Da in der kapitalistischen Marktwirtschaft die Entlohnung des Arbeitnehmers nicht auf dem Leistungs-, sondern auf dem Mängelprinzip basiert, die Arbeitskraft also ein Produktionsmittel ist, dessen Preis (=Lohn) von Angebot und Nachfrage abhängt, ist diese Diskussion absolut unnötig, da mehr Arbeitszeit nicht zwingend einen höheren Lohn ergibt, außer für einen selbständig Erwerbstätigkeiten, der direkt von den Erträgen seiner Mehrwertschöpfung profitiert. Im Gegenteil, ist doch der profitorientierte Unternehmer bemüht, die Produktions- und somit auch die Lohnkosten so gering wie möglich zu halten, um günstige Produkte herstellen (lassen) zu können und so ein konkurrenzfähiges Verkaufspreisniveau zu erreichen. In der kapitalistischen Marktwirtschaft bedeutet eine arbeitsrechtliche Erhöhung der Normarbeitszeit eher eine Progression der Arbeitslosenrate, da ja nun der Arbeitgeber mit weniger Arbeitnehmern den gleichen oder sogar höheren Produktausstoß als vor der gesetzlichen Arbeitszeiterhöhung erzielen kann. Und warum sollte er dann nicht den Arbeitnehmerstand seines Unternehmens reduzieren, sprich die Produktionskosten senken, wenn das als rentabel erscheint?

  13. Lodur
    28. April 2012, 13:10 | #13

    Und das war jetzt keine Wertung, sondern nur eine trockene volkswirtschaftliche Analyse in Bezug auf Normarbeitszeiterhöhungen und ihre Folgen in der kapitalistischen Marktwirtschaft.

  14. Behaimb
    28. April 2012, 13:13 | #14

    @Thomas Holzer
    Ja eh, nichts andere sage ich doch. Ich entscheide, ob mir das was am Ende des Tages an Geld bleibt, für mein Auskommen reicht. Falls nicht, dann muss ich mir etwas anderes überlegen oder eben “mehr” arbeiten. Wobei sich nur die Frage stellt, ob das sinnvoll ist.
    Wie kommen Sie nur auf die Idee, dass ich die Entscheidung darüber nicht jedem einzelnen überlasse? Aber ich erlaube mir schon, etwas “blindwütiges Hackeln” zu nennen, wenn jemand für ein paar Euro die Stunde Schwerstarbeit verrichtet statt einmal seine Denkmaschine zu bemühen.

  15. Lodur
    28. April 2012, 13:18 | #15

    Außer die Erhöhung der Normarbeitszeit ist mit einer gesetzlich fixierten Maßnahme zur Erhöhung des Lohns verbunden, also mit einem Eingriff des Gesetzgebers in den Markt. Damit besteht jedoch die Gefahr einer Erhöhung der Arbeitslosenrate, und zwar besonders dann, wenn die Erhöhung der Normarbeitszeit nicht zu einer Erhöhung des Gewinnes eines Unternehmens beigetragen und damit nur die Arbeitskraft teurer wurde.

    So oder so, wieder einmal ein weiterer Beweis für die Dysfunktionalität der kapitalistischen Marktwirtschaft, wenn man sich von ihr ein allgemeines Wohlstandswachstum erwartet.

  16. Lodur
    28. April 2012, 13:19 | #16

    beigetragen hat natürlich.

  17. Karl Markt
    28. April 2012, 13:39 | #17

    @Plan B
    Das ist aber lieb, dass Sie mich aufklären wollen.
    Dann erklär ich Ihnen mal wo die Fehler sind:

    1) “einen wissenschaftlichen Namen: Grenznutzentheorie”
    Die Grenznutzenlehre oder subkjektive Nutzenlehre hat mit Wissenschaft nicht viel zu tun und taugt auch nicht zur Erklärung der Ökonomie.

    Ein “Grenznutzen” ist nicht messbar und schon gar nicht intrapersonell vergleichbar. Eine Therorie, welche eine nicht Messbare Größe schon zur Grundlage hat, kann keine Wissenschaft sein.

    Folglich können auch Preise mit der Grenznutzenlehre nicht verstanden werden. Zumal ein logischer Zirkel vorliegt:
    Der Preis bestimmt ja schon das Kaufverhalten. Wie kann also das Kaufverhalten die den Preis bestimmende Größe sein?

    “Der Wert einer Mahlzeit (oder eines Gutes) hängt für jeden Einzelnen davon ab, ob und in welchem Ausmaß diese als nützlich empfunden wird”

    Stimmt. Und zwar der subjektive Wert. Aber genau dieser Wert ist es, der NICHT den Preis bestimmt. Sie mögen Grünkohl? Ich nicht. Hmmm… Aber trotzdem kostet er für uns beide gleich viel.
    Wie erklären Sie das mit der subjektiven Nutzenlehre?

    “Auf die Spitze getrieben, ist es nach der Marx’schen Theorie
    vollkommen egal, ob Sie überhaupt etwas Essbares kochen. Der Wert einer Sache ergibt sich immer aus der Arbeit, die dafür aufgewandt wurde.”

    Ohne es auf die Spitze zu treiben kann man sagen, dass Sie (wie alle Möchtegernökonomen) Null Ahnung von von Marx’ Arbeitswertlehre haben.

    Die Arbeit (und zwar die gesamtgesellschaftlich aufgewandte Arbeit, nicht die Individuelle!) bestimmt den Tauschwert (~Preis) einer WARE.

    Eine WARE kann aber nur etwas sein, was ein gesamtgesellschaftliches Bedürfnis befriedigt. (Auto, Zahnbürstl, Essen….).

    Es ist also überhaupt nicht egal, ob Sie etwas nützliches produzieren oder nicht. Wenn Sie etwas produzieren, was keiner braucht, haben Sie auch keinen Tauschwert produziert.

    “Als Karl Marx sein “Kommunistisches Manifest” und später das “Kapital” schrieb,
    gab es weder eine Grenznutzentheorie, noch eine subjektive Wertlehre”

    Weil die Grenznutzenlehre eine ideologisch motivierte, bürgerliche Abwehrreaktion gegen die marxistische Wirtschaftslehre ist.

  18. Karl Markt
    28. April 2012, 13:42 | #18

    Man könnte ironischerweise behaupten, ohne Marx keine Grenznutzenlehre…

  19. AD
    28. April 2012, 14:31 | #19

    @Lodur
    “…. Im Gegenteil, ist doch der profitorientierte Unternehmer bemüht, die Produktions- und somit auch die Lohnkosten so gering wie möglich zu halten, um günstige Produkte herstellen (lassen) zu können und so ein konkurrenzfähiges Verkaufspreisniveau zu erreichen……”

    und der nicht profitorientierte Sozialstaat ist bemüht, die Produktions- und Lohnkosten (besonders des Managements/Regierung und der Verwaltung) so hoch wie möglich zu halten, da der Konsument das
    “Produkt” ja zu einen “Zwangspreis” (Steuern) kaufen muss, könnte man dem jetzt entgegenhalten.

    nennen Sie mir einen Staat in dem das Modell welches Ihrer Ideologie entspricht (sagen wir) über 50 Jahre funktioniert hat, ohne daß jemand einen Nachteil gehabt und alle Freiheitsrechte genossen hätte

  20. Lodur
    28. April 2012, 14:45 | #20

    @AD
    Interssanterweise habe ich heute keine ideologischen Inhalte kundgetan.
    Und der nicht profitorientierte Sozialstaat ist deshalb nötig, um die unrentablen Arbeitskräfte (=Arbeitslose) nicht verhungern zu lassen und/oder um soziale Unruhen/Verteilungskämpfe vorzubeugen. Dabei ist es vollkommen egal, ob die Kosten für die Arbeitskraft noch zusätzlich durch Sozialversicherungsabgaben oder Steuern erhöht werden, da der Unternehmer seinem Arbeitgeber eine Art von Gegenleistung anbieten muss, die ihn überhaupt einmal motiviert, für ihn zu arbeiten. Und selbst ein Sklave muss auf irgendeine Art und Weise alimentiert werden (sprich, verursacht Kosten), damit seine Arbeitskraft erhalten bleibt. Also der Sozialstaat ist eine Folge des Kapitalismus. Und zur Funktionalität. Funktioniert die kapitalistische Marktwirtschaft, die sich global mehr oder weniger durchgesetzt hat? Unter der Prämisse des Gemeinwohls nicht, unter der des partiellen Wohls, das auf Kosten anderer erwirtschaftet wird, schon.

  21. Lodur
    28. April 2012, 14:47 | #21

    Was spricht also gegen eine Arbeiterselbstverwaltung, in der alle Beschäftigten die gleichen Kosten/Risiken tragen sowie gleichermaßen von den möglichen Gewinnen profitieren?

  22. AD
    28. April 2012, 14:54 | #22

    @Lodur
    habe auch nicht behauptet dass Sie heute ideologische Inhalte kundgetan haben. ansonsten scheinen Sie mich falsch verstanden zu haben – habe mich vielleicht auch missverständlich ausgedrückt.

    meinte nur daß der nicht profitorientierte staat vor allem ein überbezahltes und zu teures management hat und die verwaltungsangestellten auch zu hoch entlohnt werden….also zu viel (finanzielle) gegenleistung für zu wenig leistung, im gegensatz zu ihrem leitbild von der freien marktwirtschaft (zu viel leistung für zu wenig gegenleistung)

  23. Plan B
    28. April 2012, 15:04 | #23

    @Karl Markt

    = Eine Therorie, welche eine nicht Messbare Größe schon zur Grundlage hat, kann keine Wissenschaft sein. =

    Wenn Sie Wissenschaft auf das Messbare reduzieren wollen, dann bleiben nur die Naturwissenschaften.

    Aber Sie haben recht; in der Ökonomie glaubt man jeden Unsinn mit “Messungen” beweisen zu können – besonders in den Denkschulen der 5-Jahres-Pläne.

  24. Plan B
    28. April 2012, 15:18 | #24

    Erweiterung: auch die Denkschulen der Konjunkturprogramme und Falschgeld-Drucker dürfen hier nicht fehlen.

  25. Lodur
    28. April 2012, 15:18 | #25

    Wobei diese finanzielle/pekuniäre Motivationsgrenze zur Aufnahme einer Erwerbsarbeit wesentlich von der ökonomischen Notwendgkeit des Erhalts eines Lohns abhängt. Wenn nun jemand ein gewisses Maß an Vermögenstiteln und/oder Produktionsmitteln innehat, wird diese natürlich höher sein als bei einem Besitz- bzw. Eigentumslosen. Gemessen an der Tatsache, dass wir in einer historisch gewachsenen Klassengesellschaft leben, die sich unter anderem in der ungleichen Verteilung von Vermögen und Produktionsmitteln unter der Bevölkerung manifestiert (So verfügen 10% der österreichischen Bevölkerung über 54% des Geld- und 61% des Immobilienvermögens.), ist die Motivationsgrenze zur Aufnahme einer Erwerbsarbeit bei vielen Bevölkerungsschichten dementsprechend niedrig. Das bedeutet, dass die Arbeitgeber (=Eigentümer der Produktionsmittel) in einer prinzipiell besseren Verhandlungsposition sind als die lohnabhängigen Arbeitnehmer. Gewerkschaften, Arbeits- und Sozialrecht (alles Phänomene der kapitalistischen Marktwirtschaft) sorgen lediglich für eine lebensnotwendige Verbesserung der Verhandlungsposition der lohnabhängigen Klassen.

  26. Lodur
    28. April 2012, 15:21 | #26

    Deshalb wettern ja Wirtschaftsliberale permanent gegen diese gesamtgesellschaftlich notwendigen Institutionen, da diese ein lebendiges Mahnmal für die Dysfunktionalität des Kapitalismus sind.

  27. Lodur
    28. April 2012, 15:23 | #27

    Und das ist eine rationale, ideologiefreie, statistisch und sozialempirisch gedeckte Analyse des sozioökonomischen Ist-Zustandes der österreichischen Klassengesellschaft bzw. der kapitalistischen Klassengesellschaften überhaupt.

  28. Thomas Holzer
    28. April 2012, 15:45 | #28

    @Behaimb
    Vielleicht besteht die Möglichkeit, daß jemand gerne hobelt oder das Schweißgerät bedient, auch schon daran gedacht?!

    Nicht jedem liegt es, seine Denkmaschine zu bemühen.

    Ich kann mich an meine Ferialpraktikantenzeiten erinnern, während derer ich eine ganze Menge Personen kennengelernt hatte, welche ihre Arbeit verrichteten -und mit dieser laut deren eigener Aussage nicht unzufrieden waren- danach im Kollegenkreis ihr Bier konsumierten, um danach nach Hause zu fahren und mit der Freundin einen Videoabend zu genießen. Und laut deren Aussagen waren die mit ihrem Leben zufrieden.

  29. Karl Markt
    28. April 2012, 16:23 | #29

    @Plan B
    “Wenn Sie Wissenschaft auf das Messbare reduzieren wollen, dann bleiben nur die Naturwissenschaften.”

    Naja, da schlug halt der Naturwissenschaftler in mir durch.
    Auch in der Psycholgie werden statistische Methoden angewandt etc..

    Der subjektive Nutzen ist jedoch eine sehr schwammige Größe, welche niemals empirisch getestet werden kann. Das macht das ganze schon ein wenig willkürlich.

    Von Planwirtschaft habe ich kein Wort gesagt. Ist das alles was Ihnen dazu einfällt?

  30. 28. April 2012, 16:30 | #30

    @Karl Markt
    Sie sagen also: Die Arbeit (gesamtgesellschaftlich gemeint, um sie korrekt zu zitieren) bestimmt den Tauschwert (Preis) einer Ware.

    Das bedeutet dann also im Klartext: Wenn die Benzinpreise steigen, dann haben die Ölscheichs und ihr Volk mehr für die Ölgewinnung gearbeitet als vorher. Umgekehrt, wenn die Benzinpreise fallen, dann arbeiten sie entsprechend weniger. Richtig?

    Wenn Ihre Superökonomie richtig ist, dann hoffe ich inständig, dass die Ölscheichs bald überhaupt nichts mehr arbeiten. Dann müsste der Benzinpreise ja auf Null fallen. Einfach genial!

  31. PP
    28. April 2012, 16:49 | #31

    Vergessen sie es sozialistische Weltverbesserer von der Idee abzubringen, dass man die Welt verbessern kann und daher muss. Das hat etwas unheilbar Quasireligiöses. Die guten und bösen Ismen und Gesellschaftsformen usw – IMHO alles ein Riesenschaß. Mehr als Freiheit und Recht braucht der Mensch nicht.

  32. Behaimb
    28. April 2012, 17:16 | #32

    @Thomas Holzer
    Ich meinte nicht: “die Denkmaschine bemühen” im Sinne von nur geistig-intellektuell tätig zu sein. Aber auch einem Handarbeiter wird es nicht erspart bleiben über die Sinnhaftigkeit seiner Arbeit überhaupt nachzudenken und ob er nicht sich nach neuen Horizonten umtun sollte, wenn sein Lohn wenig befriedigend ist. Die allerbefriedigendste Arbeit ist wenig sinnvoll, wenn man kaum über die Runden kommt. Nachdenken bedeutet auch effizienter Machen von mühsamen Arbeiten, auch hier hilft ein wenig Nachgrübeln oft über schweißtreibende und unnötige Arbeiten hinweg. Deswegen ist Fleiß ohne Hirnschmalz für mich keine Tugend!
    Nur soviel zur Erklärung, da Sie mich wieder mal missverstanden haben (was vielleicht an miener verkürzten Ausdrucksweiese lag).

  33. Karl Markt
    28. April 2012, 17:23 | #33

    @JM
    “Wenn die Benzinpreise steigen, dann haben die Ölscheichs und ihr Volk mehr für die Ölgewinnung gearbeitet als vorher. Umgekehrt, wenn die Benzinpreise fallen, dann arbeiten sie entsprechend weniger. Richtig? ”

    Nein, falsch.

    Bzw. kommt darauf an warum die Preise steigen.
    Angebot und Nachfrage drücken den Preis einer Ware nach oben oder unten, führen also zu Schwankungen um den eigentlichen Wert.
    Händler oder die Produzenten nutzen hohe Nachfrage um einen Extraprofit zu erhalten.
    Ist die Nachfrage nach einem Gut dauerhaft hoch, so dass der Preis dauerhaft über dem eigentlichen Wert liegt (also dem, der durch die Arbeitszeit bestimmt ist), so steigen andere Produzenten in diese Branche ein, bis Angebot und Nachfrage sich wieder decken.
    Umgekehrt, bei einem Warenüberschuss geht der Preis unter den Wert, Produzenten scheiden aus (weil Sie pleite gehen oder die Produktion einstellen) und Angebot und Nachfrage kommen wieder ins Gleichgewicht.

    Dadurch entsteht die Illusion, dass Angebot und Nachfrage die dem Preis zugrundeliegende Mechanismen sind.
    In Wahrheit brauchen Angebot und Nachfrage aber einen Bezugspunkt.

    Ein Beispiel: Was ist der Preis, wenn Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht sind? Wodurch wird er dann bestimmt?
    Warum sind Fernseher billiger als Autos, wo doch für beide ungefähr die selbe Nachfrage herrscht (Jeder hat eins/einen)?
    Warum steigt der Benzinpreis zu Ostern ausgerechnet von, sagen wir 1,5 auf auf 1,6?

    Steigende Preise sind also meist ein Indikator für lokale Nachfragesteigerung. Aber der Preis, von dem die Steigung erstmal ausgeht, ist durch die “gesamtgesellschaftlich zur Reproduktion dieser Ware notwendigen Arbeitszeit” bestimmt.

    “Wenn Ihre Superökonomie richtig ist, dann hoffe ich inständig, dass die Ölscheichs bald überhaupt nichts mehr arbeiten. Dann müsste der Benzinpreise ja auf Null fallen. Einfach genial!”

    Halbrichtig. Richtig ist, dass der Preis dan auf Null geht, allerdings bleibt das Benzin dann auch unter der Erde.
    Falsch ist, dass die Ölscheichs arbeiten. Arbeiten tun die Arbeiter am Ölfeld, die Ölscheichs kassieren nur ab.

  34. Thomas Holzer
    28. April 2012, 18:03 | #34

    @Behaimb
    Man sollte aber auch zumindest tolerieren, daß es sehr wohl Personen gibt, welche mit ihrem status quo zufrieden sind.

  35. 28. April 2012, 18:56 | #35

    @Karl Markt
    Was ist der “eigentliche Wert” einer Ware, z. B. einer Flasche Schnaps? Gemäß Ihrer Methode.

  36. Plan B
    28. April 2012, 19:07 | #36

    Zum Generalthema: Der Zeitaufwand für Arbeit bestimmt die Höhe des Energieumsatzes. Und somit die Menge der Güterproduktion.

    Alle vom Menschen geschaffene Werte sind gemäß der VVL „objektive Werte“. Die dabei umgesetzte Energie kann prinzipiell physikalisch und damit wirtschaftlich nicht gemessen werden. Es gilt aber, dass „objektive Werte“ quantitativ auf Energieumsatz (Wandlung in Arbeit) und sonst nichts beruhen. „Objektive Werte“ kann man zunächst nur mit einander vergleichen. Identische Objekte gleicher Größe und gleicher Qualität haben den gleichen Wert. Um Werte messen zu können ist in der VVL der Begriff „Kosten“ eingeführt worden. Er ist definiert als bewerteter sachzielbezogener Güterverbrauch. Kosten sind also der „Gegenwert“, den ein Käufer bereit ist zu zahlen; also das Maß für einen Wert. Da die Erzeugung von „objektiven Werten“ quantitativ auf Energieumsatz beruht, sind die gemäß VVL definierten Kosten reine Energiekosten. So viel zur Messbarkeit im objektiven Sinne mit der Feststellung, dass Energie und Kosten einander äquivalent sind; Kosten sind zu 100% Energiekosten (wir reden von VVL und nicht der Hilfskonstruktion BWL).

    In der modernen Mikroökonomik gehen wir aber von einem subjektiven, am Nutzen orientierten Wertbegriff aus; gebildet durch Angebot und Nachfrage. Je nach Marktlage, also Käufer- und Nutzerverhalten, wird sich der „objektive Wert“ sowohl positiv als auch negativ ändern. Die Kosten sind also nicht mehr identisch mit denen des physikalischen Energieinhalts. Der Wandel von „objektivem Wert“ in den „Marktwert“ ist eine Grundfunktion im Wirtschaftsgeschehen einer Marktwirtschaft.

    Wenn jetzt zum Beispiel Karl Markt eine Erwiderung von 20 Zeilen schreibt und Lodur ebenfalls, so ist der Energieumsatz 100% des objektiven Wertes „20 Zeilen“. Denn dafür benötigen beide eine Energiezufuhr, die den Körper permanent auf eine Betriebstemperatur von 36,5 Grad Celsius hält.

    Beim subjektiven Wert entscheidet aber: Currywurst oder Tafelspitz?

  37. Karl Markt
    28. April 2012, 19:20 | #37

    @JM
    Im Prinzip ist das der Preis beim Marktgleichgewicht. Müsste also der markträumende Preis sein, um es mit Worten der VWL auszudrücken.

  38. Karl Markt
    28. April 2012, 19:28 | #38

    @Plan B
    “In der modernen Mikroökonomik gehen wir aber von einem subjektiven, am Nutzen orientierten Wertbegriff aus; gebildet durch Angebot und Nachfrage”

    Und genau das ist der Fehler. Das kommt von der österr. Schule, genauer von Böhm-Bawerk und co, welche es sich am Beginn des 20.Jh auf ihre Fahnen schrieben, Marx zu widerlegen.
    Prinziell ist das auch gerechtfertigt, muss deshalb aber nicht automatisch stimmen. Und das tuts leider nicht.

    Der Tauschwert einer Ware wird bestimmt durch die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zur Erzeugung der selben.

  39. Plan B
    28. April 2012, 19:45 | #39

    @Karl Markt
    = Der Tauschwert einer Ware wird bestimmt durch die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zur Erzeugung der selben. =

    Genau. Trabbi für alle. Wozu noch einen Golf?
    Da war doch mal was mit 1000 Golf im Arbeiter- und Bauernparadies. Schön nachrechnen: Tauschwert Trabbi / Golf in notwendiger Arbeitszeit.

  40. Karl Markt
    28. April 2012, 20:25 | #40

    @Plan B
    “Das Kapital” handelt vom Kapitalismus, nicht von der realsozialistischen Planwirtschaft…
    Das Marx’sche Wertgesetz gilt für kapitalistisch produzierte Waren.

  41. Plan B
    28. April 2012, 20:58 | #41

    @Karl Markt
    = Das Marx’sche Wertgesetz gilt für kapitalistisch produzierte Waren.=

    Wie Charles Darwin schon sagte:
    “Theorien gehen. Fakten bleiben”.

    Nun kannte Marx noch nicht das Energie-Kosten-Aquivalenz-Gesetz als Ableitung von Energie und Masse sind äquivalent (Einstein; E = mc(hoch)2). Natürlich sind “objektive Werte” messbar anhand der 100% Energiekosten.

    Aber dies sagt eben nichts darüber aus, dass für identische Produkte im Energieinhalt verschiedene Preise am Markt gezahlt werden (subjektive Präferenz).

  42. Karl Markt
    28. April 2012, 21:34 | #42

    @Plan B
    “Nun kannte Marx noch nicht das Energie-Kosten-Aquivalenz-Gesetz als Ableitung von Energie und Masse sind äquivalent (Einstein; E = mc(hoch)2). Natürlich sind “objektive Werte” messbar anhand der 100% Energiekosten.”

    ?

    Also was Sie jetzt aufeinmal mit der Energie haben versteh ich noch nicht ganz.

    Und heutige Ökonmomen kennen auch nicht Marx, also insofern…

  43. Plan B
    28. April 2012, 21:41 | #43

    @Karl Markt
    = Also was Sie jetzt auf einmal mit der Energie haben versteh ich noch nicht ganz. =

    Dann haben Sie meinen Text #36 entweder nicht vollständig gelesen oder nicht verstanden.

  44. Karl Markt
    28. April 2012, 21:56 | #44

    Das von Ihnen geschriebene ist auch nicht zu verstehen.

  45. Prinz Eugen von Savoyen
    29. April 2012, 09:23 | #45

    @AD

    Doch mündige Bürger wachsen nur bei einem entsprechenden Bildungssystem heran…

    Sorry, AD, das ist noch dümmer als das Gequatsche der Linkslinken hier. Bei dem Semmel, der inzwischen hier herinnen steht, geht man eh lieber weiter.

  46. Behaimb
    29. April 2012, 12:25 | #46

    @Thomas Holzer
    Nein, finde ich nicht, es wäre besser, wenn mehr Menschen über den “Status quo” nachdenken würden. Wenn Sie es nicht tun wollen, “toleriere” ich es sehr wohl. Andererseits ist es auch nicht verboten, dazu zu animieren. Ich kann darin nichts Schlechtes oder gar “Zwang” erkennen.

  47. Behaimb
    29. April 2012, 12:29 | #47

    @Plan B
    “Beim subjektiven Wert entscheidet aber: Currywurst oder Tafelspitz?”

    Das ist leider falsch, denn ist angenommen Curry mal knapp, dann kann Currywurst viel teurer sein als Tafelspitz. Die Knappheit von Gütern kann jederzeit schwanken und die bestimmt letztlich den Preis.
    Vom persönlichen Geschmack her können einem ja auch Käsespätzle lieber sein als Austern, aber was hat das mit Energie, Angebot und Nachfrage zu tun?

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