Europas Endspiel
(von ANDREAS UNTERBERGER) In Europa kommt es zum Finale. So wie in der Champions-League oder bei Dancing Stars ziehen sich die Dinge zuerst lange hin, bis dann schlagartig die Entscheidung fällt. Nun fallen auch für Europa die Würfel: Wohin geht der Kontinent?
Seit Jahrzehnten konkurrieren zwei Konzeptionen. Auf der einen Seite steht die Idee eines Europas der Vaterländer, in dem die Staaten Träger der Macht sind, von der sie nur im Falle konkreten Nutzens einen Teil an die EU delegieren. Auf der anderen Seite steht der Traum Vereinigter Staaten von Europa. Anders gesagt: Eine Konzeption, von der die Mehrheit der Europäer überzeugt ist, steht gegen ein Projekt der Eliten.
Fast jeder, der irgendeine noch so kleine Rolle in einer EU-Institution bekommt, wird über Nacht zum begeisterten Europäer. Siehe etwa die österreichischen Grünen:1994 noch vehement gegen die EU, sind ihre EU-Abgeordneten wenig später deren fanatische Anhänger. Das Motiv des Gesinnungswandels ist immer gleich: Man kann in der EU oft leichter Regelungen für 500 Millionen durchsetzen, als daheim solche für acht Millionen. Das verleiht ein Gefühl der Macht. Und Macht hat eine berauschende Wirkung. Man beobachte etwa die vollmundigen Politiker aus dem winzigen Luxemburg. Sie alle vergessen, dass der Erfolg Europas im letzten halben Jahrtausend ein Erfolg der Vielfalt, des Wettbewerbs und der Freiheit war.
Die Bürger aber sind der zentralistischen Ideen zunehmend überdrüssig. Sie empfinden Brüssel als regulierungswütigen Moloch. Sie sind ob des Bruchs vieler von der EU selbst gesetzter Regeln und Versprechungen frustriert.
Der Konflikt vertieft sich, obwohl beide Seiten in einem weitgehend übereinstimmen: Bei der Schaffung eines großen Binnenmarktes war die EU sehr erfolgreich. Der Binnenmarkt funktioniert und hat die Europäer reicher gemacht.
Mehr aber wollen diese meist gar nicht. Die Bürger Europas empfinden – im Gegensatz zu den polyglotten Eliten, die täglich durch den Kontinent düsen, – die kulturellen, sprachlichen und ökonomischen Unterschiede als zu groß, um sich als Einheit zu empfinden. Um diese Ablehnung wissend haben die Eliten versucht, ihr Projekt an den Bürgern vorbei so weiterzuentwickeln, dass es nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.
Nun zwingt aber die Schuldenkrise die Entscheidung herbei: Werden sich jene durchsetzen, die durch eine enge politische Union mit gleichen Steuern, gleichen Gesetzen, gleicher Justiz und gemeinsamen Schulden die Rettung versprechen? Oder aber jene, die überzeugt sind, gerade in stürmischen Zeiten ist der Nationalstaat die wahre Zuflucht, weil nur dort Identität und Solidarität zu finden sind?
Es gibt freilich auch noch eine dritte Möglichkeit: In chaotischen Zeiten könnte bei einem solchen Grundsatzstreit auch der Binnenmarkt selbst auseinander brechen, also der unbestritten nützliche Teil der EU. In der Fußballwelt nennt man das einen Spielabbruch. (Tagebuch)
und woher weiß Christian Ortner, was “die Europäer” wollen?
Bis auf Baden und Württemberg sind in Deutschland jedenfalls alle Länderfusionen gescheitert. Die Bürger wissen, dass sie Selbstbestimmung gegen die Illusion von Mitbestimmung tauschen würden.
Amen!
@jussuf
Er fragt Andreas Unterberger.
Wann endlich wird es auch die Masse begreifen, daß die europäische Vielfalt nur durch Mischung erhalten werden kann, aber nicht durch die Errichtung von abgegrenzten Monokulturen.
Und zur Beurteilung der Arbeit der EU-Beamten sind nur solche Menschen legitimiert, die ihn persönlich kennengelernt haben. Diejenigen auf die das nicht zutrifft sollten dies besser unterlassen:
http://tinyurl.com/8ya9hpg
@world-citizen
Vielfalt durch aktiv vorangetriebene Mischung – interessanter Ansatz.
Nur sind Völker und Kulturen keine Kaffeebohnen.
Was an kulturellem Austausch sinnvoll ist, findet überwiegend von alleine statt.
Dazu braucht es keine dümmlichen Ideologen, an deren Wesen die Welt multikulturell genesen soll.
@world-citizen
“Wann endlich wird es auch die Massen begreifen, daß die europäische Vielfalt durch Mischung erhalten werde kann, aber nicht durch die Errichtung von abgegrenzten Monokulturen”
Angesichts der gegenwärtigen Situation im EU-Raum eine wohl gewagte, realitätsfremde Behauptung.
Jedoch, Europa ist von Vielfalt geprägt – durch Mischung kann der Erfolg Europas in der Vergangenheit also kaum entstanden sein.
“Alles lebt vom Unterschied” – Wird dieser Grundsatz ignoriert ist ein Scheitern die Folge.
Man vergleiche die bunte Blumenwiese mit den abgegrenzten monokulturellen Blumenbeeten diverser Parkanlagen.
Die Wiese entsteht von alleine; Parkanlagen dagegen müssen permanent gepflegt werden. Wenn die Pflege aussetzt, wird auch aus diesen eine Bunte Wiese.
Nachdem Vielfalt also von allein ensteht, können wir uns die gesamte EUdSSR-Oligarchie wie EU-Parlament, EU-Kommissare, EU-Bürokratie und wie sie alle heißen schenken. Passt.
Und wer sorgt dann dafür, daß die unsinnigen Grenzen beseitigt werden?
Träumer, die EUdSSR Nomenklatura beseitigt gar nichts von der bestehenden Verwaltung, sondern setzt noch eine weitere Ebene unnützer Schmarotzer oben drauf.
http://griechenlandblueht.wordpress.com/2012/05/03/die-demokratische-gefahr/
@world-citizen
Ah, endlich! Robert Menasse (von den wenigen Freunden seiner Schreibe gern “Melasse” genannt) … dass ich das noch erleben darf!
Der Mann ist ein Staatskünstler von Gnaden der großen Koalition, ein Langweiler unterster Kajüte; gegen den ist ja sogar die Jelinek noch spannender.
Wer so einen peinlich angepassten Lohnschreiber empfiehlt, WC, kann ihn nur auf demselben genossen haben.
Wo es keine Argumente mehr gibt, kommen die Schläge unter der Gürtellinie.
Passt sehr gut als Beschreibung der “Argumente”, die auf diesem lächerlichen Blog verwendet werden:
http://griechenlandblueht.wordpress.com/
“Wir wissen, dass – wie bei uns in Österreich – nur die Nazis und Faschisten europafeindlich sind.”
ROFL. Wer anders denkt als ich, ist ein Nazi.
Und dazu die lächerlichen Figuren, die rechts (huch!) als “UnterstützerInnen” firmieren …
Der ist leicht, einfach die nationalen Verwaltungseinheiten auch zum Teufel schicken.
@Schnabeltierfresser
Genau, “machen wir”, sprachen die Mäuse, die der Katze das Glöckchen umhängen wollen, nur wer traut sich ran??
Wollen wir wirklich zurück ins 19. Jhd.?
http://tinyurl.com/6tjdt6g
@world-citizen
Ohne Weltuntergangsvision durch Rote, Grüne, Schwule, EU etc. ist es der Unterberger einfach nicht …
“Wollen” ist irrelevant. Fakt ist, das Pendel schlägt gerade wieder zurück in Richtung Nationalstaaten, das können Sie und Menasse noch so viele verbale Kopfstände machen.
Wie auch immer: für alle die den “totalen Krieg”, der zwangsläufig eine Folge einer Rückkehr zu den Nationalstaaten wäre, nicht mitmachen wollen gibt es nur die Option des Gegensteuerns, so lange es möglich ist und im worst case die Suche nach einer Fluchtinsel.
Wenn man weiß, welche Schäden durch Kriege angerichtet werden, muß man in Betracht ziehen, ob es nicht doch besser ist, die Kriegstreiber prophylaktisch vorab ungefährlich zu machen.
@world-citizen
“Wie auch immer: für alle die den “totalen Krieg”, der zwangsläufig eine Folge einer Rückkehr zu den Nationalstaaten wäre, nicht mitmachen wollen …”
Leider, verehrter WC, haben wir Sie überschätzt: Sie sitzen, wie Ihre herzigen Mutmaßungen beweisen, auf einem Plumpsklo des 19. Jahrhunderts. Mit einem putzigen Herzerl in der Tür.
Na, dann machen Sie mal schön, Don Quichotte.