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Was kommt, wenn der Euro geht?

16. Juni 2012 | Autor:

(von ANDREAS TÖGEL) Noch heuchelt die politische Elite der EU Optimismus hinsichtlich der Zukunft des von ihr verordneten, gemeinschaftlichen Zwangsgeldes. Indessen mehren sich die Signale, daß es– all ihrem kostspieligen Aktionismus zum Trotz – demnächst zum Untergang dieses historisch beispiellosen Währungsexperiments kommen könnte. Das ist durchaus kein Grund zur Panik, denn – anders als uns die Regierenden unter Beschwörung der behaupteten „Alternativlosigkeit“ des ungeliebten Esperantogeldes weismachen wollen – wird das weder ein Ende Europas, noch des Friedens daselbst bedeuten – eher im Gegenteil.

Es ist daher angebracht, sich langsam Gedanken über die „Zeit danach“ zu machen – auch wenn es den Regierenden und den Zentralbankern gelingen sollten, das zur Groteske entartete „Wir-retten-den-Euro-Drama“ noch eine Weile auf dem Spielplan zu halten. Wie soll es weitergehen? Kann Europa, nachdem das monopolisierte Schuldgeldsystem ein wirtschafts- und gesellschaftspolitisches Trümmerfeld produziert hat, zu „echtem“ Geld zurückkehren? Und – wenn ja – wie sollte es beschaffen sein? Antworten auf diese Fragen zu finden, ist deshalb so schwierig, weil auf dem Boden des real existierenden Wohlfahrtsstaates, politisch durchsetzbare Lösungen keine nachhaltigen Ergebnisse zeitigen können, ökonomisch richtige Lösungen aber nicht mehrheitsfähig sind. Zu lange haben die führenden Köpfe in Banken und Regierungen das Volk darauf konditioniert, jederzeit auf Knopfdruck „billiges Geld“ zur Finanzierung schier jeden Unfugs abrufen zu können. Und Süchtige sind bekanntlich schwer zu entwöhnen. Trotzdem sei hier der Versuch unternommen, ein nachhaltig funktionierendes Geldsystem – allerdings ohne Rücksicht auf die Wahrscheinlichkeit seiner Umsetzung – zu skizzieren.

Die neoklassische Wirtschaftstheorie – insbesondere die bis heute tonangebende Fraktion der (Neo-)Keynesianer – hat das Fundament für die gegenwärtige Krise gelegt. Schließlich hat die von ihr propagierte Methode, Geld nach dem Gusto der Regierenden aus dem Nichts zu schöpfen, die Welt dahin geführt, wo sie heute steht: am Rande des Abgrunds. Sparer als Volksschädlinge zu denunzieren, die durch ihr Verhalten die Wirtschaft ruinieren; Kreditfinanzierten Konsum zur Kardinaltugend und den goldenen Weg zum Wohlstand hochzujubeln; Das Auffressen der buchstäblich letzten Reserven zu propagieren, um die Illusion scheinbar mühelos zu schaffenden Überflusses aufrechtzuerhalten; Das hat´s, wie Herr Hinz und Frau Kunz soeben auf die harte Tour lernen müssen, nicht gebracht. Zahltag! Von den Protagonisten der beschriebenen Voodoo-Ökonomie – in welcher Bank oder geschützten (steuerfinanzierten) Werkstätte sie auch immer hocken mögen – ist daher keine plausible Antwort auf die Frage nach dem „richtigen“ Geldsystem zu erwarten. Denn sie alle gehören, dank des nach R. Cantillon benannten Umverteilungseffekts der monopolisierten Geldproduktion, zu den bis in die Haarspitzen korrupten Profiteuren dieses Systems. Fündig wird man dagegen bei der im Zuge des vollständigen Bankrotts der Mainstreamökonomie einen regelrechten Popularitätsschub erlebenden „Österreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre.“ Ein Blick auf die Geschichte der Geldes zeigt, wo der Hase im Pfeffer liegt: Einerseits ist es die staatliche Monopolisierung der Geldproduktion, andererseits die den Regierungen, dank der Abkehr von jeglicher Warenbindung und die Einführung der Teilreservehaltung der Geschäftsbanken, in die Hand gegebene Möglichkeit zur theoretisch unbegrenzten Ausweitung der Geld- und Kreditmenge. (Literaturempfehlungen: http://www.amazon.de/Ethik-Geldproduktion-Edition-Sonderwege-H%C3%BClsmann/dp/3937801197, http://www.amazon.de/Die-Trag%C3%B6die-Euro-System-zerst%C3%B6rt/dp/3898796701, http://www.amazon.com/Money-Bank-Credit-Economic-Cycles/dp/0945466390 ). Um zu einem soliden Geldsystem zu kommen, ist zweierlei unerlässlich: Eine „Entstaatlichung des Geldes“ (wie von F. A. Hayek 1990 gefordert) und / oder eine Gelddeckung durch eine allgemein begehrte, „werthaltige“ Ware (z. B. Gold). Papiergeld würde in diesem Fall (wieder) den Charakter eines „Depotscheines“ annehmen. Die „Austrian School“ kennt also zwei Modelle: Einmal das Hayek´sche, das private, miteinander konkurrierende Währungen vorsieht (das in seinem Buch „Denationalisation of Money“ präsentiert wird. Gratisdownload: http://mises.org/books/denationalisation.pdf). Der auf dem Markt stattfindende „Entdeckungsprozeß“ sorgt dafür, daß das Beste davon, dasjenige nämlich, dem die Geldbenutzer am ehesten vertrauen, sich am Ende durchsetzt, bzw. die größten Marktanteile erringt. Betrugsversuche, z. B. durch eine hemmungslose Herausgabe von Noten, würden vom Publikum nicht hingenommen werden, da – anders als im Falle eines zwangsbewehrten, staatlichen Monopolgeldes – jederzeit Alternativen zur Verfügung stünden. Zum anderen das 1963 von Murray Rothbard präsentierte, einer zu 100% durch Gold gedeckten Währung, wie er es in seinem Buch „What has Government Done to Our Money?“ gefordert hat. Gratisdownload: http://mises.org/books/whathasgovernmentdone.pdf. In beiden Fällen haben die Regierenden keine Möglichkeit, sich durch ungebremste Geldproduktion (Inflation) am Eigentum ihrer Untertanen, namentlich dem der Sparer, zu vergreifen. Beim Hayek-Modell würden nicht länger die Büttel des Leviathans, in Gestalt von Notenbankstern, sondern der Markt die Geldmenge limitieren; Im Rothbard´schen das (Förder-)Potential der Goldminen. Die „Stock to Flow-Ratio“ (das Verhältnis der bereits existierenden zur laufend geförderten Menge) von Gold würde das Geldmengenwachstum auf etwa 1,5% p. a. begrenzen. Das ist die jährlich geförderte Menge, gemessen am bereits vorhandenen Bestand. Dieser (50% davon wurden in den letzten 50 Jahren aus dem Boden geholt) beläuft sich gegenwärtig auf rund 165.000 Tonnen (was einem Würfel von etwa 20m Seitenlänge entspricht). Die Jahresproduktion beträgt gegenwärtig rund 2.500 Tonnen – Tendenz fallend. Gold ist rar und nicht beliebig vermehrbar. Eine galoppierende Geldentwertung, wie wir sie heute kennen, wäre daher unmöglich. Hyperinflationen würden der Geschichte angehören.

Die dadurch verlorene Möglichkeit zur (betrügerischen) Manipulation aber garantiert den erbitterten Widerstand der politischen Klasse, die, wie J. M. Keynes, goldgedecktes Geld gerne als „barbarisches Relikt“ verunglimpft. Da das Wesen moderner Demokratien in der systematischen Verletzung von Eigentumsrechten – der Umverteilung des Wohlstands von Produktiven zu Unproduktiven – besteht, ist deren Festhalten am beliebig produzierbaren, nur durch heiße Luft gedeckten Papiergeld, tatsächlich „alternativlos“. An die Einführung eines von privaten Produzenten herausgegebenen, nichtmonopolisierten Fiat-Money, oder (die nach Meinung des Autors solideste aller Varianten) eines Warengeldes – am besten des Goldstandards mit 100%iger Notendeckung – ist ohne eine tiefgreifende Änderung des politischen Systems nicht zu denken.

Solange Regierungen nicht von Bürgern bestimmt werden, die für die Gesellschaft die wertvollsten Leistungen erbringen, sondern von denjenigen Parteien, welche die größte Wählerzahl repräsentieren, ist eine Abkehr vom herrschenden Schwundgeldprinzip nicht durchsetzbar. Je größer (und verantwortungsloser) der Kreis der Wahlberechtigten, desto mieser das Geld! Die langfristige Abwesenheit wertbeständiger Zahlungsmittel indes steigert die Zeitpräferenz, reduziert die Bereitschaft zu sparen, behindert die Kapitalakkumulation und reduziert damit den künftigen Wohlstand. Ohne radikalen Systemwechsel scheint die Tendenz zur langfristigen materiellen Verarmung demokratischer Gesellschaften folglich unvermeidlich…

  1. astuga
    16. Juni 2012, 13:18 | #1

    Bleibt die Frage, ob die USA mitspielen würden.
    Denn afaik waren sie Hauptprofiteur, als es um die Abkehr von der Goldbindung ging.

  2. aondara
    16. Juni 2012, 13:51 | #2

    Ah, Zensuswahlrecht also. Wer nicht arbeiten kann, soll kein Recht haben, die Gesellschaft mitzubestimmen. Ah ja, und auch kein Recht, zu leben, Umverteilung ist ja Sozialismus.
    Da werden einem die Sozen direkt sympathisch… Haben wenigstens noch ein bisschen Herz und sind nicht so durch und durch menschenverachtend.

  3. FritzLiberal
    16. Juni 2012, 14:44 | #3

    aondara :
    Ah, Zensuswahlrecht also. Wer nicht arbeiten kann, soll kein Recht haben, die Gesellschaft mitzubestimmen.

    Genau die Tatsache, dass Typen wie Sie demokratisch über das Leben ihrer Mitmenschen “mitbestimmen” ist die Wurzel des Problems.

  4. 16. Juni 2012, 15:16 | #4

    aondara :
    [kein Recht zu leben] .. und sind nicht so durch und durch menschenverachtend.

    Diese Phrase lautet korrekt “.. durch und durch menschenverachtend und zynisch”. Ohne den obligatorisch beigefügten Zynismusvorwurf bleibt der Verdacht im Raum stehen, Sie würden Ihre Behauptung, man wolle bestimmten Bürgern jegliche gesellschaftliche Mitbestimmung oder gar das Recht auf Leben absprechen, tatsächlich ernst meinen. Der so Adressierte antwortet dann mit: “Das macht mich jetzt betroffen und auch ein klein Wenig traurig.”

  5. DailyMirror
    16. Juni 2012, 15:31 | #5

    Solange Regierungen nicht von Bürgern bestimmt werden, die für die Gesellschaft die wertvollsten Leistungen erbringen…

    Ich unterstelle mal: mit den “wertvollsten Leistungen” meint Herr Tögel seine eigenen “Leistungen”. Die Frage, wer denn bestimmen soll, welche Leistungen die wertvollsten sind, übergeht er dabei.

    Je größer der Kreis der Wahlberechtigten, desto mieser das Geld!

    Denkt man diesen Gedanken zu Ende, bedeutet das, die besten Geldysteme müsste es in Diktaturen und absolutistischen Monarchien geben. Geschichtlich nachvollziehbar ist das nicht.

    Letztlich outet sich Herr Tögel hier als überzeugter Antidemokrat. Dass solche Ansichten in einem angeblich “liberalen” Blog verbreitet werden, spricht Bände über das Demokratie- und auch über das Liberalismusverständnis der heutigen Neoliberalen.

  6. Andreas Tögel
    16. Juni 2012, 15:55 | #6

    Verehrter Daily Mirror,
    welche Leistungen ein Mensch für die Gesellschaft erbringt, ist ohne jede weiterführende Debatte leicht anhand der Steuerleistung zu erkennen. Mir scheint es plausilbel zu sein, daß jemand, der viel Geld an den Staat abführt, auch mehr mitzureden haben sollte, als Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger und Rentner.

    Im einzigen wirklich nachhaltig funktionierenden demokratischen System – dem Markt – gilt: Jeder Euro eine Stimme. Wer zahlt, schafft an. Perfekt! Mir ist kein stichhaltiges Argument bekannt, weshalb dasselbe nicht auch im politischen Raum gelten sollte.

    Ich bin keinsweges ein “überzeugter Antidemokrat”, sondern bevorzuge einfach eine andere Art von Demokratie, als die im Wohlfahrtsstaat zelebrierte. Im antiken Original ging es nicht – wie heute – ums Nasenzählen, sondern um die Betätigung “verdienter Männer” im Dienste des Staates. Das ist exakt meine Position! Daß das im Realsozialismus der Gegenwart eine Minderheitenposition ist, ist mir schon klar…
    Mit freundlichen Grüßen,
    A. Tögel

  7. Rennziege
    16. Juni 2012, 17:20 | #7

    @Andreas Tögel

    Dass Sie kein “überzeugter Antidemokrat” sind, weiß jedermann, der Ihre Beiträge liest. Der Realsozialismus listet halt jeden, der ihm nicht den Speichel leckt, als reaktionären Blutsauger.
    Ich fürchte halt nur, dass die verdienten Männer (und Frauen) heutzutag’ was Besseres zu tun haben, als die Gummistiefel anzuziehen, die das Waten durch den politischen Schlamm unserer Zeit erfordert. Der Demokratie immer noch als Pamphlet vor sich herträgt, aber sie längst abgeschafft hat.
    Wer, dem sich weit bessere Betätigungsfelder anbieten, geht schon freiwillig im Schweinestall arbeiten und ausmisten?
    Die Pseudodemokratie, die uns blumenreich vergönnt wird, lebt ja auch davon, alle echten Talente frühzeitig wegzumobben, so dass die Geber und Nehmer gemächlich an ihren wohlgefüllten Futtertrögen verweilen dürfen.

    Ab einer gewissen Größe entwickelt die Schweinemast halt eine Eigendynamik, die alle möglichen Ferkel auch fernab des Schweinestalls gedeihen lässt.

  8. Ingo Klamann
    29. Juni 2012, 15:43 | #8

    @Andreas Tögel
    Hallo Herr Tögel,
    darf ich versuchen, Sie mit ein paar Argumenten gegen die Regel “Ein Euro – eine Stimme” bekannt zu machen?
    1. Jeder Mensch ist gleich an Rechten geboren und niemand ist wertvoller, als ein anderer.
    2. Da unsere Mütter mit unserer Erziehung weder Euro noch Mark verdient haben, hätten sie auch kein Stimmrecht und könnten damit die Gesellschaft in keiner Weise mitbestimmen.
    3. Mit gutem Grund haben wir uns vom “Recht des Stärkeren” als Gesellschaftsprinzp verabschiedet. Das “Recht des Reicheren” ist nicht besser.

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