Sorry, man kann nicht gleichzeitig sparen und nicht sparen
23. Juni 2012 | Autor: Christian Ortner
Die vier größten Volkswirtschaften der Euro-Zone, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien, schnüren ein sogenanntes “Wachstumspaket”. Mit 130 Milliarden Euro sollen Investitionen angekurbelt und Jobs geschaffen werden. Klingt super, hat nur einen kleinen Haken: werden 130 Milliarden neue Schulden aufgenommen, dann wird die Schuldenkrise mit noch mehr Schulden bekämpft, was nur schlecht ausgehen kann. Oder aber die 130 Milliarden stammen aus Umwidmungen vorhandener Mittel – dann wird das Wachstumspaket kaum Wachstum schaffen können.
Sehr geehrter Herr Ortner,
heute morgen wurde mir wieder einmal mehr bewusst, warum “ortneronline” inzwischen zu meiner unverzichtbaren Tageslektüre geworden ist. Sie brauchen gerade mal sechs Zeilen um den entscheidenden Knackpunkt des Ergebnisses des sogenannten Vierer-Gipfels zu entlarven. Warum sind die öffentlich-rechtlichen Medien, aber auch die “kritische Qualitätspresse” nicht in der Lage, diesen doch eigentlich simplen Zusammenhang zu transportieren und zu hinterfragen?
@Bertram Wieland
weil sie gekauft sind
weil Opportunisten, diese Leute stützen
@rubens
und zusätzlich will das “vulgus populus” keine Wahrheiten hören!
Es gäbe schon noch eine dritte Möglichkeit für ein Wachstumspaket: die Regierungen könnten Incentives schaffen (z. B. optimale Rahmenbedingungen für Investitionen), damit privates Kapital investiert wird. Wenn geschickt gemacht, müsste das die Steuerzahler nicht unbedingt etwas kosten. Und es könnte sogar funktionieren, weil private Investoren nur dann investieren, wenn sie realistische Erfolgschancen sehen. Moment mal, was spricht eigentlich dagegen?
@Klaus Kastner
Dagegen spricht, dass die Personen der Öffentlichkeit nicht alles unter ihre Kontrolle brächten, das privates Kapital gerade in den Nettozahlerländern in großem Stil eben von der Öffentlichkeit abgetrotzt wird und dass in den Südländern massig Kapital vorhanden wäre, dass auf Weißwaschungen wartet.
faymann & Co schaffen das locker: mit Abschaffung der Grundrechnungsarten kein Problem
Bin vollkommen derselben Meinung. Solche Konjunkturprogramme sind Opium fürs Volk und haben immer nur oberflächlich Effekt gebracht. Viel klüger wäre es, man würde lernen, intelligent und kontrolliert zu schrumpfen. Die Gesellschaft krankt infolge von Fehlentwicklungen und Fehlinvestitionen, die in der Vergangenheit ja durchaus als BIP in Erscheinung getreten sind. Werden die kranken Prozesse eliminiert, ist ein sinkendes BIP zunächst ein Zeichen der Normalisierung. Das muß eine moderne Volkswirtschaft ein paar Jahr lang aushalten können. Sonst haben die Ökonomen versagt. Es versteht sich von selbst, daß man dem Öffentlichen Dienst dann keine 6% mehr Lohn über den Tisch schieben kann.
Wir sollten Konjunkturprogrammen eine Chance geben, bevor wir sie aus ordnungspolitischen Gründen ablehnen. Ach ja, haben wir ja schon in den geliebten 70′ern.
@Suwarin
@Hugo
Hugos Ansicht erscheint mir realistischer, Suwarin: Opium fürs Volk. Denn das “Wachtumspaket” von 130 Mrd. €, wie auch schon aus den ersten verwaschenen Sprechblasen erkenntlich, wird nur für Öl auf die Wogen verbraucht werden:
Um die unvermeidlichen sozialen Einschnitte der fallierenden Staaten ein wenig schmerzloser zu machen und den im Quartalsrhytmus wechselnden Regierungen den Futtertrog zu bewahren, auf Wiederwahl hoffend.
Das Wachstumspaket mag ein Tranquilizer sein — für soziale Normalität, Wachstum, Konjunktur und Arbeitsplätze wird es sicherlich nicht sorgen.