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Ein Bundespräsident als Insider-Händler?

6. Oktober 2009 | Autor: Gast

(A. Unterberger) Geschichten eines Richard Lugner sind immer mit Vorsicht zu behandeln. Aber wenn nur ein Funken von dem stimmt, was er da lang und breit der “Süddeutschen Zeitung” erzählte, dann war Bundespräsident Adolf Schärf in den 50er Jahren in Zusammenspiel mit Funktionären der damaligen Länderbank ein Profiteur von Insiderhandel und Kursmanipulationen an der Wiener Börse.Gewiss: Selbst, wenn es stimmt, wäre alles längst verjährt; zudem waren die Gesetze damals deutlich anders. Aber die Story des Baumeisters sollte uns doch ein wenig zur Vorsicht gemahnen, vergangene Epochen von vornherein als moralisch gute und anständige Zeiten einzuordnen.

Man denke etwa auch an den heute unbestritten Hang John F. Kennedys zu exzessiven Seitensprüngen – während wir jahrzehntelang an die wunderschöne Story von der perfekten Idealfamilie jenes amerikanischen Präsidenten geglaubt hatten.

Vielleicht war früher nur die Bereitschaft viel größer, die unguten Seiten der Mächtigen zu vertuschen. Beamte, Geheimdienste, vielleicht auch Medien hielten das offenbar für ein notwendiges Element einer über allem stehenden Staatsräson. (WZ, 6.10.2009)

  1. Philipp Starl
    6. Oktober 2009, 11:56 | #1

    Sie ordnen trotz Kreisky vergangene Zeiten als moralisch gut und anständig ein? Verwunderlich :) .

  2. Calvin
    6. Oktober 2009, 14:01 | #2

    Hiezu kann ich nur “CIA: Die ganze Geschichte” von Tim Weiner empfehlen (obwohl ich es noch nicht ausgelesen habe). Eine augenscheinlich fundiert recherchierte Geschichte der CIA, die auch klar die Unmoral der jeweiligen US Praesidenten offenlegt. Hier wird ohne jeglichen Genierer ueber die Ermordung unangenehmer Staatschefs, den Umsturz unbequemer Regimes (auch wenn demokratisch gewaehlt), wenn noetig auch mit Gewalt, sinniert und eben dasselbe angeordnet.
    Das traurige ist eher, dass viele von der eingebildeten Idylle frueherer Zeiten auf die hohe Moral der zeitgenoessischer Politiker schliessen (wollen). Eher waere es angebracht, einen kritischen Zugang zu unseren Politikern zu haben - auch zu denen, deren Anhaenger wir sind.

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