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Gesucht: eine Lufthansa für die ÖBB

Die dezenten Versuche der ÖVP, das ÖBB-Debakel hinter vorgehaltener Hand als wieder einmal typischen Fall sozialdemokratischer Misswirtschaft zu denunzieren, greifen eindeutig zu kurz. Das komplette Versagen der Staatsbahn (als Dienstleister beim nicht wettbewerbsfähigen Produkt, als Investor bei Spekulationen, als Dienstgeber beim illegalen Anlegen von Akten und obendrauf dabei, das alles schadensbegrenzend zu kommunizieren) ist mittlerweile völlig unabhängig von der Partei, die dort gerade das Sagen hat.

Weder Schwarze noch Rote noch sonst wer sind offenkundig imstande, das völlig implodierte System wieder in Ordnung zu bringen. Das aus Kundensicht vielleicht schlechteste und aus Steuerzahlersicht teuerste Unternehmen des Landes ist schlicht und ergreifend unsanierbar, zumindest in der heutigen Form. Den jetzigen, wenig talentierten Vorstandsprecher abzulösen bringt daher ungefähr so viel wie Aspirin C gegen ein finales Krebsleiden.

Warum das so ist, beschreibt der Ex-Verstaatlichten-Manager Klaus Woltron: “Sie lenken ein Auto. Plötzlich greift jemand ins Lenkrad und steuert scharf nach links. Zugleich betätigt ein anonymer Fuß das Gaspedal. Parallel dazu koppelt jemand in voller Fahrt einen riesigen Anhänger an. Entsetzt stellen Sie fest, dass ihr Fahrzeug eine breite Bremsspur nachzieht, während der auf dem Rücksitz schimpfende Fahrgast der Presse per Telefon laufend mitteilt, was für ein lausiger Chauffeur sie sind . . .”

So muss es sich in der Tat anfühlen, ÖBB-Chef zu sein. Das Ganze ist kein Unternehmen, sondern eine Art “volkseigener Betrieb”, in dem vom Betriebsrat über die Bundes-, Landes- und Gemeindepolitiker bis hin zu Bauwirtschaft, Gewerkschaften, Parteien und Lobbys dutzende Interessen in verschiedenste Richtungen zerren. Dass da nebenbei noch Fracht und Passagiere befördert werden, überrascht schon fast. Solange das so bleibt, macht es keinen erkennbaren Sinn, die ÖBB sanieren zu wollen. Das geht nicht.

Da es in der österreichischen Realverfassung nicht vorgesehen ist, am Einfluss all dieser Institutionen (vor allem der Länder und des Betriebsrates) Substanzielles zu ändern, lässt sich das Problem ÖBB nur auf zweierlei Art lösen.

Erstens: Insolvenz – gingen die ÖBB pleite, fänden sich binnen kürzester Zeit ausreichend viele private wie staatliche in- und ausländische Betreiber, die das Geschäft übernähmen.

Zweitens (und vermutlich vernünftiger): die AUA-Lösung. Die Republik müsste bloß versuchen, einen ausländischen Betreiber wie etwa die Deutsche Bahn (DB) dazu zu bringen, den heimischen Bahnbetrieb zu übernehmen, so wie nach der Wende in der DDR. Das DB-Streckennetz würde einfach ein bisschen länger als jetzt, was praktisch keine zusätzliche Managementkapazität erforderte, während jene der ÖBB komplett obsolet würde. Man müsste der DB vermutlich relativ viel Geld dafür anbieten, sich das anzutun. Auf längere Sicht wäre das trotzdem die billigere Variante – und dazu die fahrgastfreundlichere. (WZ, 10.9.2009)

  1. Adolescent
    9. Oktober 2009, 18:51 | #1

    Gute Idee, doch die SBB ist noch besser als die DB.
    Wobei ein Problem wäre, dass der österreichische Staat Schulden in die ÖBB ausgelagert hat- ein so extrem hoch verschuldetes Unternehmen wie die ÖBB würde niemand ernsthaft kaufen wollen!
    Außerdem sollte der österreichische Staat um die Interessen der Bürger zu wahren, die Infrastruktur zumindest teilweise behalten.
    Denn die DB würde sich beispielsweise sicher nicht um einen Neu- bzw. Ausbau sämtlicher Bahnhöfe bemühen. Ich als Steuerzahler bin für meinen Teil nämlich grundsätzlich bereit, so viel Steuern an den Staat zu zahlen, dass ich in einem sauberen, zuverlässigen Land mit gut ausgebauter Infrastruktur leben kann- mehr allerdings auch nicht.
    Eben ganz nach dem Motto: “Soviel Staat wie nötig, aber so wenig wie möglich”
    Leider bleibt das Ganze (noch) Spekulation und Wunschtraum, denn im sozialistischen Österreich, in dem Frühpensionisten mehr bestimmen als die unter 30-jährigen, glaube ich nicht an besonderen Fortschritt…

  2. FritzLiberal
    9. Oktober 2009, 19:48 | #2

    Und bitte auch den ORF nicht zu vergessen. Vielleicht will RTL ihn ja erwerben und sogar noch etwas dafür bezahlen. Sonst müssen wir in zwei Jahren noch 500 Millionen dazuzahlen, dass ihn jemand nimmt.

  3. franzerl
    9. Oktober 2009, 22:34 | #3

    Die Situation um die ÖBB ist ja nur mehr tragisch und kurz gesagt ein Wahnsinn. Kann mir jemand erklären, wie es um die SBB steht? Die scheint ja wesentlich effizienter zu arbeiten? Stimmt das? Worin liegt das begründet? Ich bin ja jedes mal beeindruckt, wo in der Schweiz überall öffentliche Verkehrsmittel gebaut wurden (und auch genützt werden), insbesondere auch aufgrund der erschwerenden Alpenregion.

  4. Adolescent
    9. Oktober 2009, 22:38 | #4

    @franzerl
    Im Falle der SBB hat es der Staat geschafft, in langwierigen und schwierigen Verhandlungen sich gegen die starke Eisenbahnergewerkschaft durchzusetzen und die SBB schließlich zu teilprivatisieren.

    Die Unternehmenszahlen sind jedenfalls um Welten besser als die der ÖBB:
    http://mct.sbb.ch/mct/konzern_unternehmen/konzern_kennzahlen.htm

    Hoffe ich konnte weiterhelfen ;)

  5. Off topic
    10. Oktober 2009, 11:26 | #5

    Auf Unterbergers Homepage ist ortner online verlinkt. Hier aber findet sich kein Link zu Unterberger.
    Er wurde sang- und klanglos dienstfrei gestellt, weil man es nicht mehr erwarten konnte. Ich nehme an, seine Kollegen wollen nun die eigene Haut retten und sich nicht das Maul verbrennen, damit man sie nicht auch noch feuert, oder?

  6. Off Topic
    10. Oktober 2009, 15:20 | #6

    Danke

  7. günter. k.
    11. Oktober 2009, 12:45 | #7

    Nich nur, aber auch wegen politischer Altlasten gehört die Transportwirtschaft (u.a. ÖBB, Postbus, etc…) in Österreich zu den Branchen mit sehr beträchtlichem Unternehmensrisiko.
    siehe auch: http://tinyurl.com/ycr2jhz

  8. Jonas
    12. Oktober 2009, 17:22 | #8

    @Adolescent

    Die SBB wurde keinenwegs teilprivatisiert. Sie wurde allerdings 1999 aus der Schweizerischen Bundesverwaltung ausgegliedert und in eine AG überführt, die sich 100 % in Staatsbesitz findet (So wie die ÖBB). Durch diesen Prozess wurden Tausende von Arbeitsplätzen abgebaut.

    Ich denke der momentanige Erfolg ist viel mehr den politischen Rahmenbedingungen zu verdanken und weniger den SBB. Neben SBB existieren ja noch die zahlreichen Privatbahnen. Die Schweier Politik hat in den vergangenen Jahren sehr viel in die Infrastruktur investiert.

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