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Frau Mikl-Leitner verbrennt unser Geld

21. November 2012 | Autor:

(von ANDREAS TÖGEL) Daß der „Österreichische Arbeiter- und Angestelltenbund“, meist allein als Beamtenlobby wahrgenommen wird, ist kein Zufall. Schließlich rekrutiert diese Organisation ihr Führungspersonal bevorzugt in Kreisen, die einen auf Gewinn gerichteten Wirtschaftsbetrieb nachweislich niemals von innen gesehen haben. Insbesondere auf Lehrer scheinen Führungsaufgaben im ÖAAB eine besonders unwiderstehliche Anziehungskraft auszuüben. Gelegentlich fühlen sich die als Beamtenlobbyisten und Privilegienkonservatoren tätigen Zeitgenossen aber doch bemüßigt, auch normalsterblichen Unselbständigen, also produktiv Tätigen, etwas Gutes zu tun. Daß dabei nichts als Mumpitz herauskommt, liegt in der Natur der Sache jeder Arbeitnehmervertretung, die – in Umkehrung eines Vorbilds aus der klassischen Literatur – stets das Gute will und stets das Böse schafft.

Aktuell ist es das zu Herzen gehende Los der Pendler, das, nach Ansicht der Chefin des ÖAAB, der Kryptokommunistin „Her mit der Marie!“-Mikl-Leitner, einer dringenden Verbesserung bedarf. Zu diesem Zweck soll nach dem Ratschluß der gelernten Lehrerin, die derzeit gültige, angeblich „starre Regelung“ reformiert werden! Der folgende Satz aus einer E-Mail-Aussendung des ÖAAB, besticht nicht nur durch seine sprachliche Brillanz: “Der ÖAAB hat deshalb ein vereinfachtes, transparentes und gerechteres Pendlermodell entwickelt, welches die Mängel des derzeitigen Systems beseitigt und bringt den Pendlerinnen und Pendlern mehr Geld zum Tanken.“

Großartig, nicht? Zumindest Pendler, Erdölkonzerne und Tankstellenpächter werden sich freuen! Das Ziel der „Pendlerförderung“ soll durch Anhebung der „Fördersätze“ um durchschnittlich 14% erreicht werden. Außerdem wird „Der Pendlerzuschlag für Kleinverdiener von 141 auf 290 Euro mehr als verdoppelt.“ Selbst eiskalten Liberalen wird es angesichts derart selbstlos gewährter Wohltaten ganz warm ums Herz. Wer wird schon – schließlich gilt es doch, Mitmenschen Gutes zu tun, die durch das Arbeitsleid besonders schwer niedergedrückt werden – kleinlich nach den Kosten dieser Labsal fragen?

Wer wird schon die noch etwas grundsätzlichere Frage aufwerfen, welch seltsamen Überlegungen die Idee geschuldet ist, möglichst weite An- und Abreisen von und zum Arbeitsplatz zu prämieren? Eingedenk der nicht ganz neuen Erkenntnis, wonach allenfalls der Tod gratis ist, muß am Ende jede „Förderung“ schließlich auch bezahlt werden. Die der Pendler beispielsweise durch jene, die nicht in ihren Genuß kommen – die Nichtpendler. Wer sich einen Arbeitsplatz in der Stadt sucht, den er zu Fuß – und ohne nennenswerten CO2-Ausstoß – erreichen kann, ist selber schuld und daher nicht förderungswürdig. Wer aber, anstatt dorthin zu ziehen, wo es Arbeit gibt, den Segnungen des gesunden Landlebens partout nicht entsagen will und daher eine intensive Reistätigkeit entfaltet, um an seinen Arbeitsplatz zu gelangen, hat Anspruch auf „Förderung“. Arbeitnehmervertreterlogik vom Feinsten…

Daß derartige Lustbarkeiten in einem Wirtschaftssystem zelebriert werden, das auch die Genossen des ÖAAB immer wieder gerne als „kapitalistisch“ apostrophieren, komplettiert das Bild. Würden die Damen und Herren Arbeitnehmervertreter auch nur über rudimentären Sachverstand verfügen, wäre ihnen klar, daß in einem zu Recht marktwirtschaftlich oder kapitalistisch zu nennenden Wirtschaftssystem, derart grober Unfug absolut undenkbar wäre, wie ihn die Subventionierung eines gesellschaftlich offensichtlich unvorteilhaften Verhaltens darstellt…

  1. pepito
    21. November 2012, 11:21 | #1

    Vom Umweltschutz und sauberer Luft reden und zugelich Emissionen fördern.
    Um Stimmen zu kaufen ist jedes Mittel recht.
    Dies kann wohl nicht der Grundgedanke und Sinn von Demokratie sein.

  2. Erich Bauer
    21. November 2012, 11:38 | #2

    Dieser Artikel erinnert mich wieder einmal mehr an das “Orwell’sche Gesetz” der Zusammensetzung der Gesellschaft und der “Machtbestrebungen” der Schichten:

    Oberschicht-Mittelschicht-Unterschicht. So setzt sich ein Gemeinwesen zusammen. Die Oberschicht will Oberschicht BLEIBEN und drückt nach unten, gegen die aufstiegswillige Mittelschicht. Die Mittelschicht will Oberschicht WERDEN und zerrt an der beharrenden Oberschicht.

    Die Unteschicht spielt bei diesem Ringen um Macht NIEMALS mit. Die Unterschicht wird immer nur benützt… Für den Machterhalt der Oberschicht oder für den Machtgewinn der Mittelschicht.

    Derzeit scheint es sich so zu verhalten, daß die Oberschicht über die Jahrzehnte hinweg die Unterschicht durch großzügige Alimentation an sich gebunden hat. Unnötig zu erwähnen, daß diese Alimentationen der Mittelschicht (Nettozahler) “entnommen” wird. Die Mittelschicht hat daher keine Chance die Unterschicht für sich zu gewinnen. Die Nettozahler haben “nichts zu verschenken”… Die Mittelschicht hat daher auch keine Chance zu Machtgewinn! Die Mittelschicht kann bestenfalls ein bißchen störrisch “reagieren”… aber “agieren” kann sie nicht (und manchmal hab’ ich den Eindruck sie WILL es auch nicht).

    Ich fürchte, die derzeitige gegenderte, gequotete und p.c.-umerziehende Oberschicht kann nur durch einen totalen Systemabsturz verschwinden. Erst danach könnte die Mittelschicht “Neue Karten” ausgeben…

  3. Rado
    21. November 2012, 11:58 | #3

    Sehr geehter Herr Tögel!
    Dass Sie Beamte nicht wirklich herzlich mögen und sich über Misstände Luft machen, ist ja legitim.
    Aber sich als Beamter in einen Topf mit Johanna Mikl-Leitner werfen zu lassen, die als “gelernte Lehrerin” betitelt wird, geht mir doch zu weit.
    Sieben Jahre auf der WU zu hocken und ein Jahr (lt Parlamentsbiografie 1998-1990) “Lehrerin” zu sein, macht für mich keine Beamtin aus, wie ich den Begriff verstehe.
    Gelernt hat Mikl-Leitner das flutschen durch die ÖVP-Ochsentour und mit Beamten, die (trotz Ministerinnen wie dieser) sich ein Berufsethos bewahren können ist nach meiner Auffassung ein dicker Strich zu ziehen.

  4. Edgar W.
    21. November 2012, 13:10 | #4

    Frau M-L ist schon ein Prachtexemplar an Volxveadretta füa die Brolokradtie.

  5. Christian Peter
    21. November 2012, 23:21 | #5

    Die ÖVP war immer schon eine Partei für Subventionsempfänger :
    Beamte, Bauern, Ärzte, um ein paar Beispiele zu nennen.

  6. Fr. Schmidt
    22. November 2012, 00:38 | #6

    Christian Peter :
    Die ÖVP war immer schon eine Partei für Subventionsempfänger :
    Beamte, Bauern, Ärzte, um ein paar Beispiele zu nennen.

    … und vor allem die ÖBB nicht vergessen, eine reine ÖVP-Partie.

  7. Christian Peter
    22. November 2012, 12:29 | #7

    @Fr. Schmidt

    Beinahe die gesamte Republik Österreich teilt sich in ein
    schwarzes und in eine rotes Reichsgebiet.

  8. menschmaschine
    22. November 2012, 17:50 | #8

    der tod ist mitnichten gratis, er kostet das leben.

  9. Rennziege
    22. November 2012, 19:30 | #9

    @menschmaschine

    Kostet das Leben? Und nicht nur das! Die Kosten einer Beerdigung oder auch nur Kremation, wie ich aus Freundeskreisen höre, sollen gewaltig sein. Falls irgendwelche Pompfüneberer börsennotiert sein sollten oder Gesellschafter aufnehmen, bitte ich um Mitteilung Eingeweihter. :-)

    Auch hier ihm hohen Norden, wo Seebestattungen eine alte Tradition haben — früher körperlich, in Segeltuch eingewickelt wie in “Master and Commander” oder bei Admiral Nelson, damit die Haie nicht aussterben; heute nur noch mit in die Wogen gestreuter Asche —, ist das Ableben ein teurer Luxus geworden. Wer kann sich das noch erlauben oder gar leisten? :-)

  10. Christian Peter
    22. November 2012, 19:52 | #10

    Stasi-Methoden an Österreichs Schulen : Niederösterreichs Landeshauptmann
    Pröll (ÖVP) installiert Spitzelnetzwerk an öffentlichen Schulen, um Bürger
    auszuhorchen :

    http://lehrer.diepresse.com/home/lehrerbildung/1286375/NOe_Gruene-zeigen-Landesschulinspektorin-an

  11. feldscher
    22. November 2012, 20:25 | #11

    @christian peter: als landbader mit 34 berufsjahren muß ich wohl in selbiger zeit die subventionen glatt übersehen haben… wo hätte ich mich da anmelden müssen??

  12. Christian Peter
    22. November 2012, 21:17 | #12

    @feldscher

    40,8 % des EU – Budgets von 147 Milliarden Euro sind für Agrarsubventionen
    (60 Milliarden Euro) reserviert. Daneben existieren unzählige Förderungen
    auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene, die den Steuerzahler in Öster -
    reich etwa 700 Millionen Euro jährlich zusätzlich kosten.

    Auch österreichischen Landwirten gewährte Steuerprivilegien stehen im Blick-
    bund des öffentlichen Interesses : Alleine durch das Privileg der pauschalen
    Besteuerung entgehen dem Fiskus Einnahmen von 300 – 400 Millionen Euro
    pro Jahr.

    gien Österreichischer Bauern im Visier des öffentlichen Interesses (pauschale
    Besteuerung). Der Verlust, den der Fiskus durch

  13. Christian Peter
    22. November 2012, 23:26 | #13

    @feldscher

    Freilich versickert (wie bei allen öffentlichen Ausgaben) eine Menge Geld
    davon in der Verwaltung (EU – Bürokratie, Bauernkammern, Agrarmarkt
    Austria, usw), vor allem in Ländern wie Österreich.

  14. Menschmaschine
    23. November 2012, 12:19 | #14

    @Rennziege
    bitte nicht so laut, sie bringen sonst noch die uns beherrschenden auf neue gedanken, wie die steuerzuckerln für die nächste und übernächste wahl zu finanzieren seien. durch drastische anhebung der beerdigungsgebühren nämlich. das wäre fast genial: zuerst treiben sie die bevölkerung mit monster-steuern in den wahnsinn und kassieren dann von den hinterbliebenen der sich in verzweiflung entleibenden den rest ab. wegen der verteilungsgerechtigkeit, logisch.

  15. feldscher
    23. November 2012, 15:20 | #15

    @christian peter nachdem wir mit beamten und bauern genannt wurden…. ich wollte ja nur fragen, wer meine subventionen veruntreut hat! meine arztkollegen im sprengel haben auch keine bekommen… sollen wir statt patienten besser zuckerrüben behandeln?? :-) )

  16. Christian Peter
    23. November 2012, 18:06 | #16

    @feldscher

    Was Ärzte betrifft : Nur in den USA kann man im öffentlichen Dienst noch mehr
    verdienen, als in Österreich. Spitzengehälter bis zu 100.000 Euro monatlich sind
    für Chefärzte in Österreichs Spitälern möglich – auf Kosten der Steuerzahler.

    Auch niedergelassene Ärzte gehören zu den großen Profiteuren des Sozialstaats,
    denn etwa 70 % der Leistungen eines niedergelassenen Arztes in Österreich
    werden von der Allgemeinheit bezahlt.

    Dringend erforderliche Reformen im Gesundheitswesen scheitern in Österreich
    regelmäßig am erfolgreichen Lobbyismus durch Ärzte und der Pharmaindustrie.

  17. Christian Peter
    23. November 2012, 22:36 | #17

    @feldscher

    Warum wehren Sie sich dagegen, in einem Zug mit Beamten genannt zu werden ?
    Aus Sicht der Steuerzahler bzw. Krankenkassenpflichtversicherten gibt es da ke -
    nen Unterschied.

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