Home > Allgemein > Vor uns der nächste Crash?

Vor uns der nächste Crash?

In der klassischen griechischen Tragödie verursacht der unselige Protagonist bekanntlich schreckliches Unglück just, indem er genau dieses Unglück zu verhindern trachtet.Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank (Fed), läuft immer mehr Gefahr, ein Held dieses Zuschnittes zu werden. Denn ein knappes Jahr, nachdem die Welt ohne jede Übertreibung am Rande einer ökonomischen Apokalypse stand, retten sie die US-Regierung und die Fed mit Therapien, die sich früher oder später als noch lebensbedrohender als die zu kurierende Krankheit erweisen könnten: mit einer Politik der kostenlosen Kredite in nahezu unbegrenztem Ausmaß für die Finanzindustrie. Erst dieser Tage erklärte Bernanke, er wolle an dieser Methode bis auf weiteres festhalten.

Der Grund ist grundsätzlich klar und nachvollziehbar: Der ohnehin noch recht blässliche US-Konjunkturaufschwung soll nicht sofort von steigenden Zinsen und knapperem Geld erdrückt werden, die Arbeitslosenrate von zehn Prozent soll nicht noch weiter steigen. Ehrbare Motive also.

Ziemlich wahrscheinlich generiert Washington damit freilich auch, was der US-Ökonom Nouriel Roubini “die kommende Monster-Blase” nennt. Derzeit borgen weltweit institutionelle Investoren gewaltige Mengen an Dollar zu nominell fast null Prozent Zinsen aus, spekulieren – bis jetzt erfolgreich – zusätzlich auf einen fallenden Dollarkurs und kommen damit real auf Zinsen deutlich unter null. Damit kaufen sie Aktien, Rohstoffe, Gold – was auch immer, und bisher konnten sie damit traumhafte Gewinne erzielen (im Fachjargon nennt man das “Carry Trade”) – nicht zuletzt deshalb, weil auch jetzt die Hausse schon wieder die Hausse nährt.

Früher oder später, argumentiert Roubini plausibel, werde das allerdings den “größten Crash aller Zeiten” auslösen: weil der Dollar nicht endlos fallen kann; weil die Finanzierungskosten der Investoren irgendwann wieder steigen – die, wie gehabt dem Herdentrieb folgend, alle gleichzeitig verkaufen werden. Ob aber die Regierungen jene Panik, die ein solcher Crash auslösen könnte, abermals mit Garantien, Haftungen und Rettungspaketen von Dagobert Duck’schen Ausmaßen beruhigen werden können, ist nicht wirklich absehbar (von den Kosten und deren Finanzierbarkeit ganz zu schweigen). Die Folgen mag man sich lieber nicht ausmalen.

Dahinter scheint ein eher simples politisches Kalkül zu stehen: Würde die Fed das Geld jetzt verknappen und verteuern, um eine derartige Entwicklung zu verhindern, wären prolongierte Rezession und steigende Arbeislosigkeit zwingend die Folge – so hingegen muss sie bloß die Möglichkeit einer künftigen Katastrophe hinnehmen, die irgendwann eintreten kann – oder nicht.

Indem sie weiterhin Gratis-Geld en masse zur Verfügung stellt, nimmt die US-Geldpolitik dieses Risiko des “größten Crash aller Zeiten” jedenfalls bewusst in Kauf. Insofern unterscheidet sich Bernanke vom Helden der klassischen griechischen Tragödie: Letzterer wusste ja nicht wirklich um die Risiken, die das vermeintliche Verhindern der Katastrophe in sich barg. Bernanke schon. 

  1. 7. November 2009, 15:59 | #1

    Ein riesiger Betrug an das gemeine Volk wird munter weitergeführt. Hier sieht man wie sich der Geldadel abgehoben hat und das Verhalten von Regierungen beeinflusst. Das kann nicht gut gehn.

  2. 7. November 2009, 18:03 | #2

    @rubens:

    Das kann nicht gut gehn.

    No, es werd sich scho’ rechnen für den Geldadel …

  3. franzerl
    7. November 2009, 19:41 | #3

    Die Arbeitslosigkeit in den USA beträgt offiziell 10,2%, laut NYT in Wirklichkeit 17,5%. Ich meine, wie schlimm kann es eigentlich noch werden, bis alles explodiert oder implodiert?

  4. Steve Webber
    7. November 2009, 22:33 | #4

    Ben Bernanke war vor seiner Zeit bei der Notenbank einer der wichtigsten Makroökonomen im akademischen Bereich weltweit. Er hat sich in vielen Arbeiten speziell mit den grossen Wirtschaftskrisen auseinandergesetzt (z.B. „Essays on the Great Depression.“ Princeton University Press, Princeton 2000). Während sich Greenspan nach zwei gossen Blasen während seiner Amtszeit 2006 verabschiedet hat ist nun einer der es theoretisch wissen müsste an einem der wichtigsten Schalthebel der Welt.
    Hätten wir doch auch das Glück solche Leute in wichtigen Positionen zu haben: aber wir setzen auf Zahnarztassistentinnen, pragmatisierte Berufspolitiker und Neffen von ebensolchen.

  5. karpfen56
    7. November 2009, 22:46 | #5

    “von Dagobert Duck’schen Ausmaßen”
    1. Hätte Onkel Dagobert das mit Goldtalern gemacht. Sehr zu empfehlen …
    2. Gewinnt Onkel Dagobert gegen die Panzerknacker immer. Das ist hier nicht so sicher. Bei uns sind die Onkeln andere Typen … Die Neffen allerdings haben eine gewisse Ähnlichkeit …
    3. Vielleicht hilft ja Gustav Gans …
    4. Die kleinen Neffen sicher nicht. Die stehen hier auf der Straße und rufen nach der Mami. Und das Pfadfinderhandbuch haben sie auch nicht dabei …

  6. karpfen56
    7. November 2009, 23:14 | #6

    “To finance the American Revolution, the Continental Congress printed the new nation’s first paper money. Known as “continentals,” the fiat currency notes were issued in such quantity they led to inflation, which, though mild at first, rapidly accelerated as the war progressed. Eventually, people lost faith in the notes, and the phrase “Not worth a continental” came to mean “utterly worthless.”"
    http://www.federalreserveeducation.org/fed101/index.htm?CFID=2321147&CFTOKEN=15170758

    Geschichte wiederholt sich nicht …

    “Es besteht aus dem Board of Governors, zwölf regionalen Federal Reserve Banks und einer Vielzahl von Mitgliedsbanken und anderen Institutionen” …
    “Für ihre Anteile erhalten die Mitgliedsbanken eine festgelegte Dividende von 6%.” …
    http://de.wikipedia.org/wiki/Federal_Reserve_System

    No ja, von irgendwo her muß das ja kommen …

  7. karpfen56
    7. November 2009, 23:29 | #7

    Es wissen ja hier sicher einige besser als ich.
    Das ganze System ist auf Schulden aufgebaut.
    Das ist auch der tiefere Sinn des Umverteilungssystems (auch wenn es die sozialistischen Operettenfiguren hier gar nicht begreifen).
    Die einen werden so abgeschröpft, daß ihnen zum Sparen wenig übrig bleibt, aber die Kreditaufnahme überschaubar bleibt. Sie bekommen aus dem System ungefähr so viel heraus, wie sie einzahlen. Mit ihnen könnte man die Maschine im Leerlauf betreiben.
    Die anderen werden gerade so alimentiert, daß sie Lust auf mehr bekommen und Kredite aufnehmen.
    Den Dritten wird so viel Geld gelassen, daß sie das System schmieren und Geld anlegen können, das für Kredite verwendet werden kann.
    Und das Ganze muß sich sehr schnell drehen.
    Dreht es sich langsam oder stockt es, wird klar, daß es ein Pyramidenspiel ist.
    Dreht es sich zu schnell, fliegt uns das ganze Ding um die Ohren.

  8. karpfen56
    7. November 2009, 23:35 | #8

    Jetzt ist aber etwas verschwunden.
    Habe ich irgendwie eine falsche Taste erwischt oder hat Herr Ortner eingegriffen ? Was ja sein gutes Recht wäre, aber …. ?

  9. karpfen56
    7. November 2009, 23:35 | #9

    Schon wieder da. Pardon.

  10. Gernot Zeilinger
    8. November 2009, 09:47 | #10

    Ich find der Glenn Beck hat das in seiner Sendung sehr gut erklärt, was da gerade in den USA vor sich geht:

    http://www.youtube.com/watch?v=tCTQnxoFVy0(so ab Minute 2)
    http://www.youtube.com/watch?v=F4DiODl47ps

  11. FritzLiberal
    8. November 2009, 10:28 | #11

    @Steve Webber: Bernenke ist nicht primär Politiker. Wenn man sich die politische Führung in den USA ansieht, sind wenig Unterschiede zu unsere Nomenklatura festzustellen. Als Führer etwa wurde ein ehemaliger Winkeladvokat gewählt, der im wesentlichen zwei Qualifizierungsmerkmale hat: er ist zur Hälfte schwarz und er kann vom Teleprompter ablesen.

    Und ob die Handlungsweise Bernenke’s der Situation angepasst ist oder ob er eher nach dem Vorbild eines im Wald Verirrten handelt - wir rennen mit ständig steigender Geschwindigkeit konsequent in die falsche Richtung - wird die nähere Zukunft zeigen. Wenn man die Lehren der Österreichischen Schule für Nationalökonomie liest und ernstnimmt, drängt sich eher die zweitere Variante auf.

  12. Gernot Zeilinger
    8. November 2009, 12:05 | #12

    @FritzLiberal

    Die politische Führung in den USA ist mit der unserigen Vergleichbar? Ich glaube selbst der korrupteste Demokrat ist besser als alles, was wir in Österreich(wahrscheinlich sogar in der EU) zu bieten haben.
    Ron Paul, Rand Paul, Rudy Guliani, Shadegg, Romney, Bloomberg, Jindal, Gravel, Thompson…; die Liste ist wohl noch ewig, vorallem weil es eine sehr große Gruppe von Leuten die wirklich sich für smaller goverment einsetzten; haben Sie schon einmal irgendeinen liberären Ansatz in Österreich vernommen; oder auch die Bürgerbewegungen dort, zB die aktuell laufenden Tea Party Protests, wo sich Millionen von Menschen entschließen, ohne das eine politische Partei dahinter steht, sich dafür einzusetzten, dass das Schuldenmachen ein Ende hat, sich die Regierung nicht in das Leben der Menschen einmischt und zB auch gegen Bail-Outs und Universal HealthCare einsetzt so etwas würde es in Ö bei unserer Staatshöhrigkeit wohl kaum geben;

    PS: Ich halte Ben Bernake prinzipiell für eine Koffer, einen Linken Staatsideologen, einen von denen der an dem ewigen Schuldenmachen schuld ist genau wie Greenspan; also wenn es nach mir geht, nach libertären Grudnsätzen sollten sie eigentlich die ganze FED zusperren

  13. FritzLiberal
    8. November 2009, 12:48 | #13

    @Gernot Zeilinger: da haben Sie natürlich vollkommen recht.

  14. Steve Webber
    8. November 2009, 19:09 | #14

    @FritzLiberal

    Bernake müsste theoretisch wissen wie es geht. Bures, Mitterlehner und Hahn wissen auch theoretisch nichts.

  15. Gernot Zeilinger
    8. November 2009, 19:16 | #15

    @Steve Webber
    Naja der Schieder hat auch VW studiert und trotzdem steine Ahung. Und der grüne Professor hat auch VW unterrichtet und höhere Steuern für die Reichen um die Armen zu fördern gefordert.
    Allein der Gedanke einer Volkswirtschaft ist ja schon kollektivistisch.

  16. Gernot Zeilinger
    8. November 2009, 19:48 | #16

    @Steve Webber
    Ich möchte ihnen aber Recht geben: die Regierungsmitglieder haben von nichts eine Ahnung

  17. Oblomow
    9. November 2009, 06:13 | #17

    Auch wenn ’s hier keinen interessieren wird: 1) Die FED und Bernanke machen ihre Sache im großen und ganzen gut und richtig. 2) Die Funktion und Möglichkeiten einer Notenbank werden vielfach falsch eingeschätzt - gerne auch von mehr oder weniger prominenten Ökonomen, seien sie US oder EU; ganz zu schweigen von den vielen Hobby-Ökonomen diverser Tageszeitungen und Blogs. 3) Nur weil die meisten täglich mit Geld zu tun haben, bedeutet das noch lange nicht, daß es auch verstanden wird. 4) Auch ein abgeschlossenes VWL-Studium schützt nicht vor Irrtum & Aberglauben - ja ist oftmals sogar dessen diplomierte Grundlage.

  18. FritzLiberal
    9. November 2009, 09:04 | #18

    @Oblomow: wenn man der Österreichischen Schule für Nationalökonomie glaubt - und deren Vertreter verstanden m.M.n. sehr viel von Geld - macht Bernanke dzt. genau das Gegenteil von “gut und richtig”.

    Aber egal, wozu streiten, beeinflussen können wir es eh nicht. Also einfach zurücklehnen und zusehen. Ganz großes Kino.

  19. Philipp Starl
    9. November 2009, 12:34 | #19

    @FritzLiberal

    @Oblomow

    Bernanke kann gar nichts gut machen, da er und seine Institution selbst das Problem sind.

  20. Oblomow
    9. November 2009, 23:23 | #20

    @FritzLiberal
    > …. wenn man der Österreichischen Schule für Nationalökonomie glaubt ….

    Eben. Hier geht es um einen Glauben. Ich bin diesbezüglich ein Ungläubiger.

    > Aber egal, wozu streiten, beeinflussen können wir es eh nicht.

    Da sind wir uns völlig einig.

  21. Philipp Starl
    9. November 2009, 23:39 | #21

    @Oblomow

    Seit wann geht es bei Fakten um den Glauben?

  22. Oblomow
    9. November 2009, 23:53 | #22

    @Philipp Starl
    > Seit wann geht es bei Fakten um den Glauben?

    Naja, wenn man “die Erde ist eine Scheibe” und “Wasser fließt bergauf” als Fakten betrachtet….

  23. Philipp Starl
    10. November 2009, 00:02 | #23

    @Oblomow

    Dass das Teilreservesystem Diebstahl am Eigentum der Bankkunden ist und die von den Notenbanken erzeugte Geldmenge durch nichts gedeckt ist, außer durch Papier vergleichen Sie also mit der Erde als Scheibe, soso. Tja Realitätsverweigerer soll es immer wieder geben.

  24. Oblomow
    10. November 2009, 00:32 | #24

    @Philipp Starl
    Jedem seine Esoterik. Voll im Trend der Zeit.

  25. Philipp Starl
    10. November 2009, 00:48 | #25

    @Oblomow

    Ausweichen, statt sachlich eingehen, auch voll im Trend, vor allem bei Halbgebildeten.

  26. Oblomow
    10. November 2009, 01:06 | #26

    @Philipp Starl
    > Dass das Teilreservesystem Diebstahl am Eigentum der Bankkunden ist ….

    Falsch. Richtig ist, daß das Teilreservesystem kein Diebstahl am Eigentum der Bankkunden ist.

    > … und die von den Notenbanken erzeugte Geldmenge durch nichts gedeckt ist, außer durch Papier

    Falsch. Richtig ist, daß die von den Notenbanken erzeugte Geldmenge durch Forderungen und Sicherstellungen gedeckt ist.

    Wird aber einen Halbgebildeten nicht weiter kratzen.

  27. Philipp Starl
    10. November 2009, 01:23 | #27

    @Oblomow

    Begründung dazu? Welche Sicherstellungen?

    Und: wie gebildet Sie sind, scheint vor allem durch, wenn Sie zwischen Forderungen und Sicherstellungen unterscheiden. Eine Sicherungszession (und das meinen Sie wohl in Wahrheit, wenn Sie von Forderungen als Deckung sprechen, auch wenn Sie anscheinend nicht wissen, was das ist) ist nämlich eine Sicherstellungsform.

    Zur Deckung von gedrucktem Geld ist eine Sicherungsabtretung jedoch völlig ungeeignet, denn von Nichts kommt Nichts, oder können die Notenbanken seit Neuestem Vermögen qua Druckmaschine produzieren? Wo ist denn der Gegenwert, wenn die Notenbank 100.000.000 Euro druckt? Hat die Bank da eine Goldmine gefunden?

  28. Paul
    10. November 2009, 09:34 | #28

    Es wird Feuer mit Feuer bekämpft. Auch um den Preis eines potentiellen Crashs. Aber bei einer Arbeitslosenrate U6 - also mit allen die statistisch nicht mehr erfasst werden - von fast 18 % ist der politische Druck zu Nullzinsen enorm. Leider fließt das Geld von der FED in die Spekulation und nicht in die Realwirtschaft. Über den Umweg der Boni für die Broker landet dann zumindest ein Teil in der Realwirtschaft…

  1. Bisher keine Trackbacks