Wie solide ist eigentlich die Schweizerische Nationalbank noch?

(KLAUS KASTNER)  Einige Schweizer Finanzkommentatoren säen zunehmend Misstrauen in die Schweizer Nationalbank (SNB). Begründung: in Folge der CHF-Kursbegrenzungsmassnahmen hat die SNB in ihrer Bilanz ein enormes Fremdwährungsrisiko aufgebaut. Bei Gesamtaktiva von rund 500 Mrd.CHF machen die Fremdwährungsaktiva den Gegenwert von rund 445 Mrd.CHF aus. Anders ausgedrückt: fast 90% der Bilanzsumme bzw. mehr als das 40-fache des SNB-Eigenkapitals sind dem Währungsrisiko ausgesetzt. Für dieses Risiko sind rund 50 Mrd.CHF an Rückstellungen gebildet; das sind rund 10%. Sollte der CHF um 10% aufwerten, dann sind diese Rückstellungen verbraucht. Sollte er um 20% aufwerten, dann ist das Eigenkapital der SNB vernichtet.

Darüber hinaus hält die SNB Goldreserven im Gegenwert von rund 40 Mrd.CHF, für die es keine Bewertungsrückstellungen gibt. Im Jahr 2013 musste die SNB dieses Gold um 15 Mrd.CHF abwerten und einen Bilanzverlust von 9 Mrd.CHF ausweisen. Es geht also bei der SNB primär um ein Bewertungsrisiko. Klassische Notenbanken sind diesem Risiko weniger ausgesetzt, weil klassische Notenbanken nicht der allgemeinen Rechnungslegung unterliegen. Stattdessen wird die Rechnungslegung im jeweiligen Notenbankgesetz festgelegt. Die EZB ist beispielsweise eine klassische Notenbank: ihre Statuten erfordern kein Mindesteigenkapital. Aus rein ökonomischer Sicht könnte die EZB mit einem negativen Eigenkapital problemlos weiter operieren. Sie kann nicht illiquide oder insolvent werden (weil sie Euros drucken kann und weil sie kein positives Eigenkapital benötigt). Das Schweizer Notenbankgesetz schreibt vor, dass die SNB ihre Bilanz „nach den Vorschriften des Aktienrechtes sowie nach allgemein anerkannten Grundsätzen der Rechnungslegung erstellt“. Gemäß Aktienrecht muss ein Unternehmen bei negativem Eigenkapital Insolvenz anmelden.

Das Eigenkapital der SNB betrug Ende 2012 rund 10 Mrd.CHF (für 2013 gibt es noch keine Bilanz, es ist jedoch davon auszugehen, dass der Bilanzverlust das Eigenkapital stark reduziert hat). Schweizer Panikmacher sehen ein Szenario, wo die SNB ihre Wechselkursstrategie aufgeben muss; wo der CHF gegen den Euro auf 1:1 steigt; und wo möglicherweise auch noch der Goldpreis sinkt. In diesem Szenario wäre das Eigenkapital der SNB rasch verbraucht.

Es ist natürlich unvorstellbar, dass die Eidgenossenschaft ihre Notenbank ‚fallen lassen‘ würde. Allerdings gäbe es im Falle eines Falles erschwerende Umstände. Die SNB ist nicht im Besitz der Eidgenossenschaft: 40% sind im Besitz privater Aktionäre und 60% werden von Kantonen und Kantonalbanken gehalten. Eine Rekapitalisierung der SNB seitens der Eidgenossenschaft würde diese Eigentümer weitestgehend verwässern. Darüber hinaus würde eine Rekapitalisierung die Grenzen der Schweizer Schuldenbremse testen. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Schweizer Volkswirtschaft sicherlich stark genug ist, um auch größere Finanzschocks wie z. B. eine notwendige Rekapitalisierung der SNB zu verkraften. Allerdings beweist der Umstand, dass überhaupt über eine mögliche Insolvenz der SNB nachgedacht wird, wie instabil das Vertrauen in die Finanzmärkte geworden ist.

20 comments

  1. Gregor

    Mir leuchtet es bis heute nicht ein,warum die SNB ein Währungsobergrenze für den Franken eingebaut hat.Sie muß die Inflation des Euro mitmachen und sie gibt es wirklich! Dabei werden die Ersparnisse der Schweizer weniger in der Kaufkraft und das nur,um die Exportwirtschaft am Laufen zu halten.Ich finde diese Politik sehr fragwürdig und auch destruktiv für den normalen Bürger.Er erhält nicht die Kaufkraft,die ihm zusteht und muß mehr für Importe bezahlen als nötig.Außerdem verschenkt er Exportartikel zum niedrigen Preis.

  2. Reinhard

    @Gregor
    „Außerdem verschenkt er Exportartikel zum niedrigen Preis.“
    Erstens verschenkt er nicht sondern verkauft zum niedrigeren Preis und zweitens würden viele Artikel zu einem höheren Preis eben nicht mehr verkauft werden. Eine nochmalige Verteuerung der Exportartikel um 20-30%, nur weil kleine wie große Währungsspekulanten auf den Franken setzen, würde die Exportwirtschaft nicht überstehen.
    Wenn ich die Wahl habe, die Realwirtschaft zu schützen indem ich die Finanzwirtschaft beeinflusse oder im Sinne freier Währungsspekulation den Zusammenbruch der Realwirtschaft riskiere, sollte ich klug wählen. Noch leben wir von den Produkten der Realwirtschaft, während der Zirkus der virtuellen Geldjongleure noch keine einzige belegte Semml produziert hat.

  3. Thomas Holzer

    @Reinhard
    „….während der Zirkus der virtuellen Geldjongleure noch keine einzige belegte Semmel produziert hat.“

    Produziert nicht, aber ermöglicht, die produzierte belegte Semmel zu kaufen 😉

  4. gms

    Reinhard,

    „Eine nochmalige Verteuerung der Exportartikel um 20-30%, nur weil kleine wie große Währungsspekulanten auf den Franken setzen, würde die Exportwirtschaft nicht überstehen.“

    Spinnt man den Gedanken weiter, sind besagte Spekulaten auf dem gezielten Trip ihrer eigenen Verarmung, führte doch ausgerechnet ihr Wirken mit dem Erdrosseln der schweizer Wirtschaft zur Entwertung der an den Wert des Frankens gebundenen Assets.

    Sonderbar. Überall Idioten, dies- und jenseits der Grenzen, und bloß ein einziges Irrtumskollektiv, das deren Treibem Einhalt gebieten könnte. Der alternative Ansatz, wonach die auf den Außenhandel angewiesenen Schweizer nach eigenem Ermessen in Fremdwährungen fakturieren oder sich individuell gegen Kursschwankungen absichern, ist offenbar zu naheliegend, zu liberal, zu vernünftig, um flächendeckend Einzug in die Mehrheit der maßgeblichen Köpfe zu finden.

    Unterm Strich ist die Behauptung nicht haltbar, eine zentrale Planung wäre langfristig von Segen. Das gilt weder für die Wirtschaft im Allgemeinen, noch im Speziellen für jenes Element, das Wirtschaften im nicht trivialen Sinne erst ermöglicht und landläufig „Geld“ genannt wird.

  5. Reinhard

    @Thomas Holzer
    Geld ist eine Krücke, um aus dem unpraktischen direkten einen bequemen indirekten Tauschhandel zu ermöglichen. In dieser Eigenschaft ist es wirklich nötig, um den Kauf der Semmel zu ermöglichen.
    Aber der Hin- und Herkauf von virtuellen Bündeln diverser Währungen, um über Kursschwankungen Gewinne zu lukrieren, ermöglicht produktiv gar nichts sondern produziert nur jene Blasen, deren Platzen dann einen bebenden Knall durch die eigentlich davon unberührte Realwirtschaft jagt.

    @gms
    Ich gehe sogar einen Schritt weiter und denke gar nicht an zentrale Planung. Ich denke an eine einfache Regel, die aufzustellen den Markt revolutionieren und befreien würde: Es darf nur mit real vorhandenen Gütern gehandelt werden. Punkt. Kein Kaufen und Verkaufen von Schwankungsprophezeiungen, Ausfallwetten oder ähnlichem Schwachsinn.
    Jeder Kredit muss besichert sein, jede Besicherung verbrieft.
    Aber da würden sogar unsere revolutionären Gewerkschafter Sturm gegen laufen, denn dann würde jeder kleine Konteninhaber das bekommen, was er verdient, nämlich keine Zinsen…

  6. Klaus Kastner

    Zu den obigen Kommentaren — ja, man würde erwarten, dass eine Aufwertung des CHF von 1.60 auf 1.20 verheerende Auswirkungen auf die Schweizer Exportwirtschaft und Wirtschaft im Allgemeinen haben würde. Nur — auch hier überrascht die Schweiz: die Aufwertung hat das Exportwachstum keinesfalls unterbrochen. Im Gegenteil, Exporte stiegen auch nach der Aufwertung, während Importe relativ stabil blieben. Der Handelsbilanzüberschuss stieg weiter und der Leistungsbilanzüberschuss liegt derzeit bei weltrekordverdächtigen 12% vom GDP. Wie kann so etwas – nahezu Unerklärliches – erklärt werden?

    Die SNB unterscheidet beim Reporting der Handelsbilanz zwischen „Spezialhandel“ und „Sonstiger Warenverkehr“. Spezialhandel betrifft jenen Bereich, wo die Schweiz lediglich Weiterverarbeiter ist: Produkte werden importiert, weiterverarbeitet und wieder exportiert. Dieser Spezialhandel macht den überwältigenden Teil der Schweizer Exporte aus und ist gewissermaßen währungstechnisch geschützt, weil bei einer Aufwertung die Importe billiger werden. Beim Spezialhandel wird ein jährlicher Überschuss von rund 25 Mrd.CHF erzielt (steigende Tendenz).

    Der Sonstige Warenverkehr leidet unter dem hohen Schweizer Preisniveau. Dort wird derzeit ein jährliches Defizit von 6 Mrd.CHF eingefahren. 2011 war es noch 9 Mrd.CHF. Man sieht, dass die Schweiz auch hier lernt, mit einem teuren CHF umzugehen.

    Schweizer Exporte in die EU stagnieren. Das Wachstum ist in den USA und, vor allem, in China. Auch das zeigt, wie clever die Schweiz ist: sie leidet nicht mit der EU-Stagnation, sondern expandiert dort, wo auch Wirtschaftswachstum ist. Möglicherweise ist das nur Glück. Möglicherweise ist es etwas mehr als nur Glück.

  7. Thomas Holzer

    @Reinhard
    „Ich denke an eine einfache Regel, die aufzustellen den Markt revolutionieren und befreien würde: Es darf nur mit real vorhandenen Gütern gehandelt werden“

    Und das Verfassen von Statistiken, das Halten von Vorträgen sind „reale Güter!?!

    Ich denke an eine noch einfachere Regel!
    Nämlich an KEINE Regel!
    Jeder soll mit dem handeln, mit dem er handeln möchte, zu dem Preis, den er für diesen seinen Handel erzielen kann, und -und dies wäre die einzige Regel- jeder muß für seinen Erfolg/Misserfolg mit seinem Vermögen/Nichtvermögen gerade stehen!

    Gäbe es die demokratische Politik nicht, wäre das Leben sehr einfach 😉

  8. FDominicus

    @ThomasHoldzer: „Jeder soll mit dem handeln, mit dem er handeln möchte, zu dem Preis, den er für diesen seinen Handel erzielen kann, und -und dies wäre die einzige Regel- jeder muß für seinen Erfolg/Misserfolg mit seinem Vermögen/Nichtvermögen gerade stehen! – See more at: http://www.ortneronline.at/?p=26819#comments

    Lassen Sie sich knuddeln 😉 Danke, danke und noch mal danke.

  9. Thomas Holzer

    @Reinhard
    Nachtrag:
    Blasen produziert nicht der Handel, sondern die Politik, welche durch ihr Handeln Marktteilnehmer erst „auf die Idee“ bringt, mit Währungen et al. zu spekulieren, weil die Politik durch ihr sinnentleertes Intervenieren die Währungen erst so ins Schwanken/Wanken bringen, daß eine Spekulation auf diese Schwankungen erst Gewinne ermöglicht 😉

  10. Thomas Holzer

    @FDominicus
    Verzeihung, seien Sie mir bitte nicht böse! 😉
    Aber ich bestehe darauf, daß man meine „Persönlichkeitsblase“ akzeptiert :) insofern wird es nichts mit dem „Knuddeln“ :)

  11. gms

    Reinhard,

    „Ich denke an eine einfache Regel, die aufzustellen den Markt revolutionieren und befreien würde: Es darf nur mit real vorhandenen Gütern gehandelt werden. Punkt.“

    Wow — der Geldsozialmus hat ganze Arbeit geleistet! Zuerst hat er aus Geld ein mysterisches Abstraktum gemacht, hinsichtlich dessen einzig die entsprechenden Prister einer neuen Religion Deutungs- und Gestaltunghoheit besitzen, und dann hat er selbst vernunftbegabten Menschen eingebläut, diese Ursupation sei legitim, zwangsläufig und unumkehrbar.

    Wollen wir den oben zitierten „Punkt“ ein wenig plattwalzen, stellt sich die Frage, welche banalen Fakten aus den Hirnen der Untertanen getilgt werden mußten, um mit besagter Religion derartig reüssieren zu können. Ganz oben auf der Liste findet sich: Geld ist ein Gut, das sich aufgrund einiger weniger Eigenheiten durch aussergewöhnliche Marktfähigkeit von anderen Gütern abhebt.

    Im linken Kosmos ist Kranheit gesund, Knechtschaft gleich Freiheit, und, kann man diesen Wahnsinn doch beliebig auskleiden, ausgerechnet das beste Tauschmittel dem Handel zu entziehen. Weitere Steigerungen sind denkbar, deren Darlegung aber mich ebenso langweilen würde, wie eine vernunftbegabte Leserschaft. Manchmal kann Verstörung aber auch langweilig sein. Das nennt man dann „interessante Zeiten“.

  12. Reinhard

    Ich entziehe nicht das Tauschmittel dem Handel, sondern erlaube nur den Handel mit dem realen Tauschmittel. Sie können weiterhin mit real nicht existentem Virtualgeld bezahlen, Sie können aber nicht virtuelles Geld gegen anderes virtuelles Geld solange Hin- und Hertauschen, bis mehr virtuelles geld entstanden ist.
    Dass die Politik mit den Banken eine Einheit bildet, sie sich also ihre Geschäfte zum gegenseitigen Nutzen absichern, sieht jeder.
    Dass hier einerseits das aus dem nichts geschöpfte Geld, das durch virtuelles Hin- und Herhandeln real nicht vorhandener Werte erzaubert wird, als Grund allen Übels deklariert, gleichzeitig aber im Sinne der grenzenlosen Freiheit für Alles genau diese Geldschöpfung aus dem Nichts als grundlegendes Menschenrecht verteidigt wird, erstaunt mich ebenso wie irgendwelche „Geldsozialismus“-„Priester“-Bemerkungen.
    Man wird doch Geld als die Tauschkrücke sehen dürfen, die es ist. Irgendwelche mystischen Werte werden dem geld nur von jenen zugeschrieben, die glauben, man müsse nur Geld mehrmals Hin- und Herschieben, und schon wird plötzlich mehr daraus, ohne die Realwirtschaft dabei auch nur ansatzweise zu tangieren.
    Wenn ich wegen meiner strikten Unterscheidung der privaten unabhängigen realwirtschaft und der Polithure Finanzwirtschaft für Sie plötzlich zu einem „Linken“ mutiere, bitteschön.

  13. Thomas Holzer

    @Reinhard
    „Wenn ich wegen meiner strikten Unterscheidung der privaten unabhängigen realwirtschaft…..“

    Es gibt keine „unabhängige private Realwirtschaft mehr“ seit mindestens 50 Jahren.
    Diese von Ihnen so „schön geschriebene“ Privatwirtschaft ist mittlerweile genauso eine „Polithure“ wie die von Ihnen kritisierte Finanzwirtschaft.
    Die ach so hoch gelobte Demokratie -und vor allem deren angeblichen Vertreter- haben beide diskreditiert!
    Es gibt keinen Markt mehr, wir leben spätestens seit 1989 im realen Sozialismus!

  14. Thomas Holzer

    @Reinhard
    „Sie können weiterhin mit real nicht existentem Virtualgeld bezahlen, Sie können aber nicht virtuelles Geld gegen anderes virtuelles Geld solange Hin- und Hertauschen, bis mehr virtuelles geld entstanden ist.“

    Verzeihung, kann man derzeit sehr wohl! :)
    ab und zu schadet es nicht, der Realität ins Auge zu sehen

  15. Christian Peter

    @Reinhard

    Die heutige Finanzwirtschaft hat mit ihrer ursprünglichen Funktion als Dienstleister der Realwirtschaft längst nichts mehr zu tun. Großbanken wie etwa die Deutsche Bank erwirtschaften mit dem klassischen Bankgeschäft weniger als 10 % ihres Gewinns. Finanzwirtschaft ist heute reiner Selbstzweck, spekulative Blasenwirtschaft auf Kosten aller anderen Marktteilnehmer : Unser Geldsystem muss auf völlig neue Füße gestellt werden, möchte man die Wirtschaft und Politik endlich aus der Geiselhaft der Finanzindustrie befreien.

  16. Thomas Holzer

    @Christian Peter
    Verzeihung, Schwachsinn
    Die Politik begibt sich in eine allfällige Geiselhaft, ist in einer allfälligen Geiselhaft. Man verwechsle bitte nicht Ursache und Wirkung.
    Außerdem, egal ob Real- oder Finanzwirtschaft, das Einzige, was „zählt“, ist die Privathaftung, und sonst gar nichts.
    Diese geht vor „Asylantenbezahlungen, Kirchenquoten und alles sonst noch Mögliche/Unmögliche“ welches Sie kritisieren.

  17. Reinhard

    @Thomas Holzer
    Natürlich kann man das derzeit sehr wohl, denn derzeit gibt es diese von mir erwähnte Regel ja auch nicht. Deshalb entstehen ja derzeit auch jene Blasen aus Nichts, die dann genau jenes Elend verursachen, unter dem die Realwirtschaft stöhnt. Ich sehe die realität sehr wohl und ich sehe, dass diese Realität die Quelle des aus Nichts geschöpften Irrsinns ist, den unser Fiat-Geld darstellt.
    Und ja, die Realwirtschaft wird momentan am Gängelband der Regulierungsfanatiker und Machtbesessenen geführt anstatt sie real zu „entfesseln“, aber genau deswegen bin ich ja für eine solche Regel!
    Keine Sorge, die wird eh nicht kommen, denn dazu verdienen sich Politiker und Banker (oft in der gleichen Person vereint) viel zu dumm und dämlich…

    Trotzdem erstaunlich, wie hier gegen das Fiat-Geld gewettert wird, ein System, das dessen Entstehen unterbindet aber als sozialistische Freiheitsberaubung verteufelt wird. Leute, lauwarme Eislutscher gibt es nicht.
    Freiheit kennt auch Regeln.

  18. gms

    Reinhard,

    Ich achte und schätze Sie als Person und Ihr positives Wirken hierzublogs viel zu sehr, um unsere kleine Differenz nicht einem Mißverständnis zuzuschreiben. Falls ich Ihre obigen Darstellungen richtig und zulässig vereinfachend zusammenfasse, so begründen Sie ein Verbot von Währungspekulationen damit, daß im heutigen Geldwesen Grundlegendes falsch ist, was sich an zwei miteinander korrespondierenden Aspekten festmachen läßt: Erstens Fiat-Money, zweitens die Verbandelung zwischen Politik und Geldwesen.

    Nachdem Währungsspekulationen durch Private bislang das einzige Mittel darstellen, sich dem Unwesen zumindest ein Kleinwenig zu entziehen, hätte ein Verbot bestenfalls den Effekt, den bereits existierenden Unmut noch weiter anzufachen, mit der möglichen Folge einer vollkommenen Neugestaltung des Systems nach einer unvermeidbaren Revolution. Die Schrauben des Werkels würden dabei über die höchstmögliche Grenze des Absurden überdreht.

    Begründung: Der sogenannte Forex-Markt ist hinsichtlich Handelsvolumen weltweit der mit riesigem Abstand größte Markt der Welt, gegen den alle anderen, wie etwa jener für Staatsanleihen, wie die Pommes-Bude eines Dorfes in den Weiten Nebraskas wirken. Die Vermutung ist unzutreffend, auf diesem Markt würde aus Geld noch mehr Geld gemacht, entsprechen hierbei doch recht exakt Verluste des einen die Gewinne eines anderen. Die Teilnahme ist freiwillig, das Wissen um staatsnahe ~big player~ auf diesem Markt ist den Teilnehmern idR bekannt. Daß in den Bilanzen privater Banken nennenswert riskante Devisenvorräte stecken würde, ist mir nicht bekannt und angesichts der trivialen Handelbarkeit auch kaum vorstellbar.

    Zugeich ist die Vermutung unzutreffend, hier seien eingedenk des Handelsvolumens absurd hohe Summen gebunden, ist doch das hohe Volumen Folge der Vielzahl von Transaktionen. Eine Milliarde tausend mal über den Tisch geschoben, macht eine Billion, ohne daß deswegen die sogenannte Realwirtschaft auf eine Billion verzichten müßte.
    Jedem linken Spinner, der in einer Talkshow mit dem Strapazieren von Phantastillionen punkten will und zur Verblödung der Massen auch immer wieder punkten kann, könnte postwendend die Luft rausgelassen werden, säßen in diesen Runden nicht entweder selbst Unbeleckte, oder eben solche, denen angesichts solchen Bockmists bloß die Luft wegbleibt. Vergleichbare und unwidersprochene Irrtümer kursieren bezüglich Derivate, wo verschärfend zur Vielzahl der Trades zumeist auch die Summen der Basis mit eingerechnet werden. Dröselt man aber ein beliebiges Derivat auf, so führt es immer in die Realwirtschaft, sei dies nun ein Rasenziegel in Los Angeles, ein Ölfeld in der Nordsee, die Arbeitskraft eines pakistanischen Bauarbeiters oder einem Sack Reis in China.

    Man kann dieses Spielfeld zum Handel mit Geld und Derivaten nun per Verordnung allein den Zentralbanken überlassen, doch bedeutete dies zugleich den Ausschluß eines Korrektivs, eines kleinen Seismographen in den Händen von Abermillionen privaten Partizipienten, die emsiger als alle anderen die Welt nach Indizien abklopfen, ob die großen Player fair, ein wenig unfair, völlig falsch spielen oder nur bluffen.

    Wenn Sie sich erinnern, so hat die Aussage eines gewissen Herrn Draghi („And believe me, it will be enough“) mittelbar auch den weniger an Wirtschaft Interessierten klar vor Augen geführt, daß heutiges Geld verdammt wenig mit Werten zu tun hat, sondern von einigen Wenigen, wie die Lautstärke in einer Diskothek, per Schieberegler manipuliert werden kann.
    Sie, Reinhard, wollen das Korrektiv ausschalten, ich will es beibehalten, weil es entweder notwendige Korrekturen herbeiführt, oder eben zu jenen Aktionen führt, die, analog zur oben beschriebenen, für jedermann sichtbar zum Kern des Übels führen.

    Bleibt die Frage, ob ein Verbot von Handel mit Währungen auch den Zentralbanken untersagt werden könnte. Die Antwort ist eine klares Nein, zumal es mengenmäßig kein handelbares Subtitut gibt, dessen Eintausch die beabsichtent Effekte zeigte. Daß die Schweizer Notenbank mitterdings bis zur Dachrinne mit Euros vollgestopft ist, ist unvermeidbare Konsequenz ihrer gegenwärtigen Kurspolitik zur Verteidigung der 1,20er Marke. Die Alternative wäre ein beschleunigtes Franken-Drucken, sprich Inflationieren.
    Wollte die SNB ihre Fremdwährungsreserven gegen Gold tauschen, bedeutete dies Daumen mal Pi eine Verzehnfachung ihrer aktuellen Edelmetalbestände. Bezahlte sie das Gold mit zusätzlichen neuen Fiat-Franken, hätte sie bestenfalls, wenn überhaupt, den Franken ab-, den Euro aber noch nicht aufgewertet, sprich sie müßte zum Halten der kritischen Marke von 1,20 weit mehr Handfestes einkaufen, als dies beim Kauf von Euros notwendig wäre. Flankierend wären die neuen Franken mit Gold gedeckt, der Abwertungseffekt also überschaubar.
    Zeitigte also der Kauf von handfestesten Werten entsprechende Effekte, so glaube ich, die Schweizer hätten diesen Weg praktiziert.

    Man kann es drehen wie man will — Geld ist eine Ware. Den Handel mit Waren zu erlauben, zugleich den Handel von bestimmten Warensorten zu untersagen, kann bloß zu widersinnigen Effekten führen, wenn zugleich nahezu jeder Handel den Tausch einer Ware gegen eine bestimmte Warensorte darstellt.

  19. Reinhard

    Werter gms,

    diese Wertschätzung beruht stark auf Gegenseitigkeit!
    Mag sein, dass ich über das Ziel hinausgeschossen bin, aber Sie haben vollkommen Recht: mir geht es um die unselige Allianz aus Politik und Banken und deren idiotisches Fiat-Money-System, dem Entwertungen, Krisen, Ungerechtigkeit (wie der Sozialisierung der Verluste durch Inflation und Steuererhöhung) und damit verbundenes Not und Elend immanent sind. Und ich sehe in dem krankhaften Verschieben virtueller Banknoten im Millisekundentakt einen Auswuchs dieses kranken Systems, das vergessen hat, dass Wertschöpfung und Geldschöpfung zwei vollkommen unterschiedliche Paar Schuhe sind..
    Ich glaube auch, dass es keinen Ausweg aus diesem System gibt, außer einem radikalen. Zur Not mit radikalen Regeln; aber keinen auf bestimmte Personengruppen zugeschnittenen samt Ausnahmen für dies und das sondern einfache Grundregeln, an deren Klarheit sich die Anwälte ihre Zähne ausbeißen können.
    Man wird ja wohl noch träumen dürfen… :-)

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