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Mehr Schulden, weniger Wachstum

Wenn die Verbindlichkeiten eines Staates 60% der jährlichen Wirtschaftsleistung (BIP) überschreiten, nimmt deren Wirtschaftswachstum deutlich ab, wenn die Schulden 90% oder mehr betragen, kommt das Wachstum gänzlich zum Erliegen: das ist jedenfalls das Ergebnis einer neuen wirtschaftshistorischen Studie („Wachstum in Zeiten der Schulden“) der bekannten Ökonom Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart. Das Duo hatte das Wirtschaftswachtum von 44 Staaten in den letzten 200 Jahren untersucht. Dabei hat sich herausgestellt, dass hohe Schulden in fast allen Fällen zu entsprechnd geringerem Wachstum geführt hatten. Das heißt nicht zwingend, dass auch in den kommenden Jahren die extremen Schuldenberge zu Stagnation führen müssen – es ist bloß statistisch gesehen sehr wahrscheinlich. Einen signifikanten Zusammenhang zwischen hohen Staatsschulden und hoher Inflation konnten die Forscher interesanter weise nicht feststellen. Wenigstens ein Lichtblick, wenn es denn stimmt.

  1. Stephan
    8. Februar 2010, 10:05 | #1

    Ich staune! In dem Paper steht:

    “First, the relationship between government debt and real GDP growth is weak for debt/GDP ratios below a threshold of 90 percent of GDP. Above 90 percent, median growth rates fall by one percent, and average growth falls considerably more. We find that the threshold for public debt is similar in advanced and emerging economies.”

    Mit anderen Worten: Wenn die Schulden unter 90% des BIP liegen, gibt es so gut wie keine Korrelation zwischen Wachstum und Schuldenstand. Ab 90% kann es dann zu einer Abnahme des Wirtschaftswachstums kommen. Von Stagnation sprechen Rogoff und Reinhart nicht.

    “Second, emerging markets face lower thresholds for external debt (public and private)—which is usually denominated in a foreign currency. When external debt reaches 60 percent of GDP, annual growth declines by about two percent; for higher levels, growth rates are roughly cut in half.”

    Für Emerging Markets mit externen Schulden, die in ausländischer Währung denominiert sind, kommt es, wenn diese Schulden über 60% vom BIP sind, zu Wachstumseinbussen.

    Zusammenfassung: Herr Ortner, wenn sie schon die Wirtschaftswissenschaften nach Bestätigungen für Ihre Untergangsvisionen abgrasen, dann zitieren Sie aus Ihren Fundstücken wenigstens richtig und basteln sich nicht Bestätigungen zusammen. Hier war offensichtlich der Wunsch Vater des Gedanken.

  2. 8. Februar 2010, 11:29 | #2

    @stephan: besten dank für die ergänzende präzisierung!

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