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Befehlsausgabe in Berlin

8. Februar 2010 | Autor: Gast

(Franz Schellhorn) Wie immer man zum Ankauf gestohlener Kundendaten durch die deutsche Bundesregierung auch stehen mag – eines ist der Aktion nicht abzusprechen: Sie ist der vermutlich größte politische Coup, den eine europäische Regierung in der jüngeren Vergangenheit landen konnte. Innerhalb von zwei Jahren hat die Bundesrepublik das „Geschäftsmodell Schweiz“ mithilfe von Kriminellen zu Fall gebracht. Konnten sich Kunden aus aller Welt bis vor Kurzem noch der Diskretion eidgenössischer Banken sicher sein, wissen sie heute, dass diese längst die Kontrolle über die Daten ihrer Klienten verloren haben.

Fast täglich werden dem deutschen Staat, der sich in der Szene der Datendiebe einen Namen gemacht hat, geklaute Informationen zum Kauf angeboten. Im Rausch des Erfolges denkt Berlin nun auch schon in größeren Dimensionen. So meinte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in einem Interview mit der Sonntags-„NZZ“: „Und ich sage Ihnen voraus: Wir werden das Bankgeheimnis in Europa abschaffen.“ Hört, hört! Vielleicht schaffen „wir“ demnächst ja auch gleich das Recht auf Privatsphäre ab – samt Datenschutz, Briefgeheimnis und was sonst noch so dazugehört. Und das nur, um ein paar Steuerflüchtlinge zu fangen.

Möglicherweise unterhält sich aber auch jemand mit Herrn Schäuble ein wenig über den Begriff „wir“. Neben Deutschland wären da ja noch 26 andere EU-Mitgliedsstaaten. Auch wenn dieser Umstand die Arbeit deutscher Steuerfahnder auf fast unzumutbare Weise erschwere sollte… (Presse, 8.2.2010)

  1. Erich Bauer
    8. Februar 2010, 12:42 | #1

    …Neben Deutschland wären da ja noch 26 andere EU-Mitgliedsstaaten…

    Wer zahlt befiehlt! Naturgemäß gewöhnungsbedürftig für andere “Steuerhinterziehungsstaaten” und Nettoempfängerländer. Was natürlich passieren kann: “Das Gute will ich stets, allein das Böse schaff ich.”

  2. Adolescent
    8. Februar 2010, 12:58 | #2

    @Erich Bauer
    oder auch:
    “Der Weg zur Hölle ist stets gepflastert von guten Intentionen”

  3. karpfen56
    8. Februar 2010, 13:37 | #3

    Der Coup daran ist, daß es gar keine Steuer-CD gibt.
    Man kann es nicht oft genug wiederholen.

  4. Leopold
    8. Februar 2010, 14:03 | #4

    @karpfen56
    was meint er denn damit?

  5. karpfen56
    8. Februar 2010, 14:06 | #5

    @Leopold
    Ist das so schwer ?
    Es gibt die CD gar nicht. Alles Schwindel.
    Man b raucht sie auch nihct.
    Es geht auch so.
    Und. Sie können nie beweisen, daß es die CD nicht gibt.

  6. Stefan
    8. Februar 2010, 14:15 | #6

    Vielleicht ist es ja eine Blu-Ray?
    Seis drum, der Staat hat Bürger nicht mit gestohlenen Waren zu verfolgen und er hat keine Geschäfte mit Dieben zu machen!

  7. karpfen56
    8. Februar 2010, 15:04 | #7

    @Stefan
    Es gibt die Daten gar nicht.

  8. Erich Bauer
    9. Februar 2010, 11:03 | #8

    @karpfen56 Es gibt mehr Daten “unter dem Himmel” als man sich vorstellen kann. Und wenn der Zugriff auf Bankbewegungen/Bankeinzahlungen “verboten” ist, läßt man vielleicht jemand anderen das “Verbotene” tun.

  9. Gerhard
    9. Februar 2010, 11:53 | #9

    Als nach dem 2. Weltkrieg einmal der 26. April zum schulfreien Tag erklärt wurde, fragte meine Großmutter spontan: “Ist es schon wieder soweit?”
    Ähnliche Gefühle kommen in mir auf, wenn ich die Worte aus Berlin vernehme: “Wir werden das Bankgeheimnis in Europa abschaffen”.

  10. Erich Bauer
    9. Februar 2010, 12:09 | #10

    @Gerhard Könnte es sein, daß Sie vielleicht den 20. April meinen? Den Tag der “Eiernockerl”?

  11. Gerhard
    9. Februar 2010, 12:58 | #11

    @Erich Bauer
    Sie haben Recht, danke für die Berichtigung. Der 20. April war der Tag, wo wir das an der Klassenwand hängende Bild vom Gröfaz mit Frühlingsblumen schmücken mussten. Diese Arbeit müssen sich die heutigen Schüler beim UHBP-Bild nicht mehr antun.

  12. Erich Bauer
    9. Februar 2010, 14:48 | #12

    @Gerhard Beim heutigen UHBP könnte man vielleicht die Klasse geschlossen “austreten” lassen. Ist ein Erfolgsrezept!

  13. Josef Schiffer
    10. Februar 2010, 13:15 | #13

    @Erich Bauer
    “Austreten” war auch damals nicht unbedingt unerwünscht, sondern durchaus im Sinne des NS-Systems — wobei man die Parallelen, siehe gestern, niemals überstrapazieren sollte, denn am Schluss hängt dann erst alles mit allem zusammen und wird aussagelos.

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