Das Geheimnis des Euro-Bekenntnisses

(KLAUS KASTNER) Es gehört zum Repertoire seriöser Politiker aus seriösen Parteien, von allfälligen Koalitionspartnern ein klares Bekenntnis zum Euro zu verlangen, sehr oft verbunden mit der Moralkeule, dass ein Zweifel am Euro auch einen Zweifel an der EU, dem bekanntermaßen großen Friedensprojekt, bedeuten würde.

Leider verschweigen diese seriösen Politiker einen wichtigen Teil der Wahrheit, warum sie dieses Bekenntnis einfordern. Für die wirtschaftlich starken Länder wie Deutschland oder Österreich bedeutet der Euro einen erheblichen Wettbewerbsvorteil gegenüber den wirtschaftlich schwachen Ländern der heutigen Eurozone. Gäbe es in den Ländern der heutigen Eurozone Lokalwährungen, dann würden beispielsweise eine DM oder ein Schilling deutlich gegenüber den anderen Währungen aufwerten. Aller Wahrscheinlichkeit würden diese Währungen auch gegenüber Drittwährungen aufwerten. Als Ergebnis würden in den wirtschaftlich starken Ländern die Exporte in die Länder der heutigen Eurozone sinken (wahrscheinlich auch die Exporte in Drittländer), die Importe würden steigen (vor allem aus den Ländern der heutigen Eurozone) und das Wirtschaftswachstum würde unter Druck kommen.

Eine ehrliche Aussage seitens der wirtschaftlich starken Länder über das Bekenntnis zum Euro müsste folgendermaßen lauten: „Wir wollen den Euro, weil er uns einen Wettbewerbsvorteil verschafft, den wir ohne den Euro nicht hätten und weil wir für diesen Wettbewerbsvorteil nichts zahlen müssen“. Letzteres stimmt nicht ganz, denn zahlen werden die wirtschaftlich starken Länder früher oder später müssen: entweder, weil sie Kredite an die wirtschaftlich schwachen Länder abschreiben oder weil sie Transfers leisten müssen (oder weil sie weniger exportieren können). Anders geht das nicht in einer Währungsunion von Volkswirtschaften unterschiedlicher Produktivität und Leistungskraft.

Der große europäische Liberale Prof. Ralf Dahrendorf (2009 gestorben als Lord Dahrendorf) hatte 1995 in einem Spiegel-Interview folgendes gesagt: „Das Projekt Währungsunion erzieht die Länder zu deutschem Verhalten, aber nicht alle Länder wollen sich so verhalten wie Deutschland. Für Italien sind gelegentliche Abwertungen viel nützlicher als feste Wechselkurse, und für Frankreich sind höhere Staatsausgaben viel sinnvoller als starres Festhalten an einem Stabilitätskriterium, das vor allem Deutschland nützt. Der Preis (für Italien und Frankreich) ist sehr hoch, und es kann sich schon bald herausstellen, dass er zu hoch ist – psychologisch, politisch und ökonomisch“. Nach dem ersten Euro-Jahrzehnt wusste man, dass man manche Länder nicht zu deutschem Verhalten erziehen kann, vor allem nicht mit einer Währung.

 

Der weltweit anerkannte Finanzjournalist Ambrose Evans-Pritchard schrieb unlängst in der Financial Times ein Plädoyer, dass „Italien auf sich selbst schauen muss“ und dass der einzige Weg aus der Krise für Italien eine Rückkehr zur Lire ist. AEP erinnerte daran, dass Italien zu Lire-Zeiten oft einen Handelsbilanzüberschuss mit Deutschland hatte und dass sein Industriesektor zu den Großen der Welt gehörte.

 

Vor diesem Hintergrund ist es schlichtweg fahrlässig, am Dogma „fällt der Euro, dann fällt die EU“ festzuhalten. Der Euro in seiner heutigen Struktur kann nur unter zwei Voraussetzungen langfristig überleben: entweder (a) eignen sich die Südländer (inkl. Frankreich) zügig deutsches Verhalten an oder (b) Deutschland und andere starke Wirtschaften eignen sich südländisches Verhalten an. Keine dieser Voraussetzungen erscheint erfolgsversprechend und eine Mischung zwischen beiden ist weder Fisch noch Fleisch.

 

Es geht nicht darum, für eine Auflösung der Eurozone zu plädieren. Vielmehr geht es darum, endlich einmal eine ergebnisoffene Diskussion zuzulassen, welche Alternativen es zur heutigen Eurozone geben könnte. Vorschläge von Ökonomen und Finanzjournalisten gibt es genug. Was es noch nicht gibt, ist die Bereitschaft seriöser Politiker aus seriösen Parteien, sich auf eine ergebnisoffene Diskussion einzulassen

7 comments

  1. Christian Peter

    ‚Für die wirtschaftlichen starken Länder wie Deutschland und Österreich bedeutet der Euro einen erheblichen Wettbewerbsvorteil gegenüber den schwachen Ländern der Euro-Zone‘

    was sollte es für ein Gewinn sein, die Exporte zu verschenken, indem die Südländer nordeuropäische Waren nur mithilfe der Druckerpresse finanzieren und dadurch gewaltige Target-Verbindlichkeiten auftürmen, die niemals beglichen werden ? Außerdem werden Länder der Eurozone als Handelspartner immer unwichtiger, nur mehr 35 % des Außenhandels wickelt Deutschland mit Ländern aus der Eurozone ab, Tendenz : stark sinkend.

  2. MM

    So sieht es aus: Es bringt nichts immer so zu tun, als ob beispielsweise Italien oder in anderer Lesart beispielsweise Deutschland vom Euro profitierten. Beide Länder haben einen großen Schaden durch den Euro. Es gibt nicht immer einen Verlierer und einen Gewinner. Beim Euro gibt es nur Verliererländer. Und wenn man ihn abschafft nur Gewinnerländer. Manche Banken gehören vielleicht jetzt zu den Eurogewinnern. Der Arbeitslose Italiener und der steuergeplagte Deutsche haben aber vom Euro beide nichts. Nur unseren Politikern sind die Bürger egal; ihnen geht es um den Ausbau des Staatseinflusses. Und der Euro ist eine klasse Gelegenheit, Macht nach Brüssel zu schieben und der Kontrolle des Bürgers noch mehr zu entziehen.

  3. Christian Peter

    @MM

    ‚Beim Euro gibt es nur Verlierer‘

    Sie sagen es. Aus der erhofften one-size-fits-all Währung entwickelte sich der Euro zu einer one-size-fits-none Währung.

  4. Mourawetz

    Den Währungsvorteil für Deutschland durch den Euro hat es nie gegeben. In den Nullerjahren war Deutschland der sprichwörtliche kranke Mann Europas. Investitionen wurden in den Südländern getätigt, nur durch Produktivitätssteigerungen konnte sich Deutschland dem Würgegriff des Euros entwinden. Zweitens, die Ausfuhren in die Eurozone sanken immer mehr ab und sinken auch heute noch, sie werden nur ausgeglichen durch China und Emerging Markets. Wenn der Euro etwas Deutschland gebracht hat, dann das, dass er Deutschland zu einem neuerlichen Kraftakt gezwungen, um zu überleben. Eine Anstrengung, zu der die Südländer erwiesenermaßen nicht fähig sind. Ein Austritt dieser Länder ist daher die logische Konsequenz. Oder aber Deutschland muss austreten.

  5. Christian Peter

    Lösungen liegen doch längst am Tisch : Temporäre Aufgabe des Euro in Ländern, die innerhalb des Währungsverbundes keine Chance haben, wirtschaftlich jemals wieder auf die Beine zu kommen. Sobald es den betreffenden Ländern wieder besser geht, können diese dem Währungsverbund wieder angeschlossen werden.

  6. Thomas Holzer

    off topic!
    Glawischnigg, die Radikalsozialistin!
    „dort is was zum holen, da kemma was nehmen“

    Die überholt die Sozialisten links von links……………….

    Ein Beweis mehr; 6 „Parlamentsparteien“, 6 sozialistische Parlamentsparteien ………..

    Schafft diese Quasselbude einfach ab 🙂

    Was wollen schon 6 idente Parteien diskutieren?!

  7. H.Trickler

    Der Artikel bringt die Fakten auf den Punkt.

    Es bleibt herauszufinden, wie man das emotional zu aufgeladene Thema versachlichen und die Bereitschaft seriöser Politiker aus seriösen Parteien, sich auf eine ergebnisoffene Diskussion einzulassen, fördern könnte?

    Dies ist – wie allzu oft – kein fachliches Hindernis sondern ein emotionales!

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>