Wachstum in Zeiten der Schulden
9. März 2010 | Autor: Christian Ortner
Einer jüngst in den USA veröffentlichten Umfrage (der New
York Times) zufolge brennt den Amerikanern derzeit nichts so sehr unter den Fingernägeln wie der Wunsch, die Regierung möge sich gefälligst um Jobs kümmern. Am anderen, untersten Ende der Prioritätenliste steht hingegen die Sorge um die Staatsverschuldung: nichts läßt die Amerikaner derzeit kälter als dieses Problem, und das, obwohl die USA verschuldet sind wie kaum je in ihrer Geschichte. Angesichts der auch hierzulande doch recht stark angestiegenen Arbeitslosenrate ist stark zu vermuten, dass die Stimmung der Bevölkerung nicht viel anders sein wird. Und weil heuer erstens ein Wahljahr ist und zweitens in Wahljahren „politics by polls“ (Regieren nach Meinungsumfragen) besonders beliebt ist, werden wir drittens ein ziemliches Problem haben. Das Problem nämlich, dass sich die Politik des Problems Arbeitslosigkeit ganz besonders annehmen wird. Und zwar nicht auf möglichst effiziente, sondern auf möglichst populäre Art und Weise. Effizient wird Arbeitslosigkeit nur auf eine einzige Art und Weise gesenkt: durch entsprechend starkes Wirtschaftswachstum. Punkt. Alles andere ist Vodoo-Ökonomie. Kräftiges Wirtschaftswachstum aber entsteht in aller Regel, auch wenn das auszusprechen derzeit ein Sakrileg ist, unter den Bedingungen niedriger Steuern, geringer Regulierung, starken Wettbewerbs, funktionierender Arbeits“märkte“ und erträglicher Sozialabgaben. Punkt. Alles andere ist Vodoo-Ökonomie. Zu befürchten ist leider, dass ein Rehab-Programm für den Arbeitsmarkt nicht aus diesen Medikamenten bestehen wird. Zum Teil, weil sie nicht oder nicht ausreichend verfügbar sein werden (Geld für Steuersenkungen), zum Teil, weil ihre Anwendung nicht stimmenmaximierend ist (Wettbewerb, Arbeitsmarkt, Deregulierung). Zu befürchten ist daher auch, dass eher etatistische Rezepturen zur Anwendung gebracht werden, um die Illusion einer Entspannung am Arbeitsmarkt zu erzeugen. Dass die Gewerkschaften Druck in Richtung Arbeitszeitverkürzung entwickeln, ist zwar deren gutes Recht, wird das Problem aber leider nicht lösen können; vor allem dann, wenn die vom Gewerkschaftsboß Foglar geforderte „Beibehaltung der Kaufkraft“ trotz weniger Arbeitsstunden durchgesetzt würde. Denn dann würden entweder die Unternehmen entsprechend weniger konkurrenzfähig – oder der Steuerzahler zur Kasse gebeten werden, um die Differenz zu alimentieren. Beides wären nicht Maßnahmen nur Schaffung, sondern eher zur weiteren Vernichtung von Arbeitsplätzen. In nahezu allen Staaten Europas hat sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten gezeigt: was langfristig Vollbeschäftigung generiert, ist kurzfristig unpopulär. Und was kurzfristig populär ist, schafft langfristig keine Jobs. Von jenen Arbeitsplätzen, die in Österreich im Laufe der Zeit (vor allem in den 1970er und 1980er Jahren) vom Staat auf Pump „geschaffen“ oder „gerettet“ worden sind, ist in den allermeisten Fällen nichts übriggeblieben als die Schulden. Dass Staatschulden – jenseits einer gewissen Höhe - das Wachstum nicht befördern, sondern ganz im Gegenteil stark abbremsen, haben erst jüngst die Harvard-Ökonomen Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart in einer interessanten Studie („Wachstum in Zeiten der Schulden“) festgestellt. Österreich hat diese Grenze zwar noch nicht erreicht, nähert sich ihr aber zügig und vor allem bis dato ungebremst. Das Problem ist, dass noch immer viele Wähler unter einer Bruno Kreisky geschuldeten Gehirnwäsche („Besser ein paar hundert Millionen mehr Schulden als ein paar tausend Arbeitslose“) leiden und diesen Unsinn von Jobs durch Schuldenpolitik glauben. Das noch größere Problem ist freilich, dass all zu viele Politiker meinen, auf Basis dieser verbreiteten wirtschaftspolitischen Illusion auf Stimmenfang gehen zu müssen.Und diese Rechnung dann auch noch aufgeht. (IV-Positionen 3/2010)
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gratuliere zu dieser formatierung
guter Artikel
Die Mehrheit mag ja so denken, doch da die Anhänger von RON PAUL immer zahlreicher werden und die Tea-Party Bewegung immer stärker, darf man hoffen…