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Zahlen, bitte!

Vor einem” Europäischen Währungsfonds”, der marode Euro-Staaten vor der Pleite retten soll, hält ausgerechnet die Europäische Zentralbank (EZB) wenig. Ein Währungsfonds, meint etwa EZB-Chefökonom Jürgen Stark im “Handelsblatt”,  wäre der Start eines europäischen Finanzausgleichs, der “sehr teuer werden könnte.” Länder mit “finanzpolitischem Schlendrian” würden ihr Verhalten nicht ändern, warnt Stark. Er befürchtet, dass sogar “die öffentliche Akzeptanz des Euros und der Europäischen Union unterminiert würden”. - Eine unter den europäischen Eliten eher unpopuläre  Haltung (aússerhalb Griechenlands jedenfalls), für déren Plausibilität ziemlich vieles spricht.

  1. 10. März 2010, 10:41 | #1

    Hoffentlich setzt der sich durch.

  2. AD
    10. März 2010, 11:03 | #2

    @rubens
    ich hoffe nicht, denn je früher diese unsägliche konstruktion EUdSSR zusammenbricht, desto besser. lieber ein schnelles ende mit schrecken (und der chance dann etwas besseres zu machen) wie ein schrecken ohne ende.

  3. Stephan
    10. März 2010, 11:13 | #3

    An einem europäischen Finanzausgleich wird auch der Stark nicht vorbeikommen. Er sollte es am besten wissen, was es bedeutet zwei wirtschaftlich unterschiedliche Staaten in einer Wirtschafts- und Währungsunion zu verbinden. Ohne einen laufenden Finanzausgleich (Solidaritätszuschlag, etc.) wäre die ehemalige DDR heute ein menschenleerer Landstrich. Man kann halt nicht beides haben: eine Währungsunion und keinen wie auch immer augestalteten finanziellen Risikoausgleich.

    Das hat schon Robert Mundell in seiner Arbeit über eine “Optimal Currency Area” ausgeführt. Eine Bedingung für eine OCA ist “the system of risk-sharing, usually through fiscal transfers”. Die EWU ist leider keine OCA. Entweder sie wird dazu gemacht oder man lässt es bleiben, wurschtelt sich weiter durch und am Ende gibt’s wahrscheinlich doch wieder D-Mark, Schilling, …

  4. Oliver Lieberall
    10. März 2010, 11:18 | #4

    @Stephan

    man lässt es am besten bleiben…

  5. JS
    10. März 2010, 14:47 | #5

    eine “Optimal Currency Area” existiert dort, wo kein Geldmonopol herrscht sondern man sich die bevorzugte Tauschwährung am Markt frei aussuchen kann. Die Ökonomie-Huren des Staats wie Mundell verstehen unter “optimal” eine von, natürlich, ihnen selbst “geplante”, am besten global “eingeführte” Papierwährung, die schon by design auf massive Transfer zur Stabilisierung ihrer selbst angewiesen ist. Was nicht mal mehr in Abrede gestellt wird, sondern als “optimal” verkauft wird. Geht es um politisch beliebig manipulierbare Einheitswährungen sind die damit verschwindenden, unmittelbaren Transaktionskosten heilig und der Rest wird verschwiegen - andernorts müssen diese Transaktionskosten aber durch Einführung neuer “Transaktionssteuern” künstlich erhöht werden. Für beides finden sich mit Sicherheit Staats-Ökonomen, die das “Optimum” wortreich begründen.

  6. AD
    10. März 2010, 14:51 | #6

    @stephan
    als laie ist mir schon klar, dass eine einheitswährung einen gewissen ausgleich zwischen staaten mit verschiedenen wirtschaftlichen strukturen erfordert. deutschland hat es zwar geschafft, die DDR zu integrieren, aber ob es schaffen würde, für ganz Europa einen finanzausgleich zu leisten (mit geringster hilfe von vielleicht österreich, niederlande …)scheint doch mehr als zweifelhaft…ausser fortgesetzte reparationszahlungen sind politisch gewünscht.

  7. JS
    10. März 2010, 15:08 | #7

    20 Jahre nach der Wiedervereinigung wird in der veröffentlichten Meinung immer noch so getan als wäre die “Integration” der DDR eine ganz tolle Sache gewesen. Weder Linkspartei-Ossis noch liberale Wessis sehen das so. Sollen die doch ihren Sozialismus wieder herbeiwählen, ohne dass das Ergebnis vom Westen verfälscht wird. Damit ist beiden geholfen. Vielleicht kommen Sie ja diesmal ohne Stasi, Mauer und Schießbefehl aus - beteuert wird selbiges ja tagein tagaus. Und österreichischen Linken könnte man endlich wieder eine recht kostengünstige Auswanderungsoption in nächster Nähe ans Herz legen. Practice what you preach.

  8. FritzLiberal
    10. März 2010, 15:09 | #8

    AD :@stephan …ausser fortgesetzte reparationszahlungen sind politisch gewünscht.

    Von den Empfängern sicher.

  9. Stephan
    10. März 2010, 16:41 | #9

    @AD
    Ich bin was die EWU betrifft agnostisch. Aus ökonomischen Gründen war ich kein Befürworter, aber die politischen Gründe waren vielleicht zwingend (Frankreichs Paranoia, Wiedervereinigung, 2+4 Vertrag etc.) Jetzt haben wir halt die EWU und den €.

    Ich denke das Ganze wird wahrscheinlich so laufen: jetzt wird mal ein EWF aus der Taufe gehoben, dann wird ein Euro-Bond Markt etabliert. Und später wird es eine EU-Steuer geben. (+?)1-2% von MWSt.? Nicht schön, aber absehbar.

    Was die Hellenen betrifft. Das Thema gehört abgehakt. Wenn die Eurozone von heute auf morgen beschliesst alle Schulden Griechenlands zu tilgen, dann würde das den Schuldenstand in jedem Land um 3% erhöhen. Peanuts im Vergleich zur Bankenrettung von gestern.

  10. FritzLiberal
    10. März 2010, 18:45 | #10

    @Stephan: + Portugal + Spanien + Italien

  11. JS
    10. März 2010, 19:10 | #11

    für 3% Neuverschuldung kann man aber alternativ auch viele Fürsprecher und Wähler kaufen - statt irgendein Regime um der Einheitswährung willen rauszuhauen. Irland fehlt auch und die “EU-Steuer” gibts in Nettozahler-Ländern längst. Brüssel-Bonds sind natürlich der feuchte Traum des EUDSSR-Kartells, damit eröffnen sich ganz neue Spielräume.

  12. Stephan
    10. März 2010, 19:44 | #12

    @FritzLiberal
    Fritz. Jetzt werden wir mal nicht paranoid. Portugal: noch ne kleinere Nummer als die bösen Griechen. Italien: seit Jahr und Tag hochverschuldet, die Rate per anno ca. 4,0% mehr Schulden (DE: 9,6%). Da gähnen die Bondhändler nur und kaufen gerne mal wieder made in Italia. Spanien: Die haben Schulden/BIP 57,2% (DE: 77,5%). Von wegen SGP Sünder. Da können sich Deutschland und Österreich (AT: 65,2%) selbst erstmal in den Brüsseler Schulden-Beichtstuhl setzen.

    Mal abgesehen davon, dass die SGP Kriterien an und für sich Schwachsinn sind. Was man auch nicht vergessen darf, die Bondmärkte und Banken brauchen Bonds sonst schaut’s düster gemäss Basel II. Griechenland war eine Einladung mal ein bisserl die Yields hochzuschrauben. Und die Amis sind gerade sauer, dass die Europäer sie jetzt effektiv vom EU Bondmarkt ausgeschlossen haben. Da tobt Wall Street’s Revolverblatt WSJ im Namen der Master of the Universe.

    Pech! Gestern noch grossartig auf Staatsbankrott per CDS wetten und heute ganz viele Anleihen kaufen wollen geht halt nicht immer. Aber ich hab mittlerweile auch kapiert, dass einige Teilnehmer in diesem Forum ganz gerne in düstersten Untergangsszenarien schwelgen. Allen voran der Untergangs-Ober-Cheerleader Mr. Ortner. Mein Kommentar dazu: Be careful what you wish for, because you might just get it!

    Oder wie die liebe Mutter Theresa mal sagte: “More tears are shed over answered prayers than unanswered ones.” Der Spruch gfallt ma immer wieder ;-)

  13. xRatio
    10. März 2010, 23:57 | #13

    Stephan :
    Man kann halt nicht beides haben: eine Währungsunion und keinen wie auch immer augestalteten finanziellen Risikoausgleich.

    Für diese (und Ihre sonstigen) mit Verlaub absurden Behauptungen aus der sozialistischen Klamottenkiste sollten Sie sich mal an einer Begründung versuchen.

    Es wird Ihnen nicht gelingen.

    Für eine Währung ist es völlig wurscht, ob Ihr Nachbar oder sonst jemand (wer auch immer) pleite geht. Pleiten sind ein normales und notwendiges marktwirtschaftliches Geschehen - und für Staaten ganz nebenbei die gerechte Strafe für sozialistische Korruption.

    xRatio

  14. FritzLiberal
    11. März 2010, 00:02 | #14

    @Stephan: alles ganz nette Momentaufnahmen. Sie übersehen in Ihrer tollen Ansammlung aber leider - wie meist bei Anhängern der Mainstream-Ökonomie - den menschlichen Faktor. Griechenland wird von den anderen EU-Staaten rausgehauen? Wunderbar! Dann ist z.B. Portugal der nächste Problemfall. Wozu Sparen, wozu Probleme mit den Süchtlern im eigenen Land, die an der Nadel namens staatliche Subvention hängen - die dämlichen Deutschen zahlen eh. Ist ja wieder nur ein Peanuts-Fall. Und die Zinsen für Anleihen steigen weiter. Und zwischendurch vielleicht mal wieder ein Bankencrash oder irgendein anderes Problem in irgendeinem Euro-Land (z.B. Italien) - wir stellen uns wieder bei der EU, also eigentlich bei den Deutschen um Hilfe an, denn die Griechen und Portugiesen durften ja auch. Usw. usw. Ist wie bei der Broken-Windows-Theory.

  15. xRatio
    16. März 2010, 23:29 | #15

    Für eine Währung ist es völlig wurscht, ob Ihr Nachbar oder sonst jemand (wer auch immer) pleite geht. Pleiten sind ein normales und notwendiges marktwirtschaftliches Geschehen - und für Staaten ganz nebenbei die gerechte Strafe für sozialistische Korruption.

    xRatio

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