Rehabilitiert die Unternehmer!

(CHRISTIAN ORTNER) Wäre die Republik Österreich ein Kreuzfahrtschiff, würden auf der Kommandobrücke wohl schon die Alarmsirenen aufheulen, die roten Lichter flackern und der Kapitän mit seinen Offizieren eiligst Maßnahmen zur Rettung des Schiffes und der an Bord befindlichen Menschen einleiten. Denn ganz offensichtlich gibt es da ein paar schlimme Lecks im Schiffsrumpf, durch die Wasser eindringt. Eine Katastrophe naht.

Nun ist die Republik zwar kein Vergnügungsdampfer (schon gar nicht für ihre Steuerzahler), aber wirtschaftlich betrachtet in einer durchaus ähnlichen Situation. Fast eine halbe Million Arbeitslose, der höchste Wert seit Menschengedenken, allein die jüngste Zielpunkt-Pleite mit 3.000 zusätzlichen verlorenen Jobs; ein viel zu geringes Wirtschaftswachstum; ein nach wie vor nur mit fünf Milliarden neuer Schulden darstellbarer Staatshaushalt; eine der höchsten Steuer-und Abgabenquoten Europas; ein Abstieg des Landes in allen verfügbaren ökonomischen Statistiken von Spitzenplätzen in Richtung unten; ein stetige Verschlechterung der Kreditwürdigkeit des Landes; die Abwanderung von besonders gut Qualifizierten ins Ausland, der Zuzug von wenig bis schlecht Qualifizierten Menschen; die nach wie vor nicht wirklich nachhaltig abgesicherten Pensionssysteme – es sind ganz schön viele Lecks, durch die da Wasser in den Rumpf der „MS Austria“ eindringt.

Trotzdem herrscht auf deren Kommandobrücke nicht eben eine Atmosphäre der Dringlichkeit, wie sie der Lage angemessen wäre. Die Alarmsirenen jaulen zwar, die roten Lichter blinken, aber die Offiziere scheint das nicht übertrieben zu beeindrucken. Alles ok, versichern sie der Besatzung und den Passagieren, auf anderen Schiffen gibt es noch größere Probleme, im Vergleich geht es uns doch eh recht prächtig, und im übrigen ist alles im Griff auf dem sinkenden Schiff.

Man weiß, wie das auszugehen pflegt.

Tatsächlich bräuchte Österreich angesichts der sich dramatisch verschlechternden Lage dringend ein Ende der Beschwichtigungspolitik und ein ehrliches Eingeständnis und eine schonungslose Diagnose der multiplen ökonomischen Probleme – und anschliessend ein wirksame Therapie an Stelle jener ökonomischen Kosmetik, mit der momentan herumgedoktert wird.

Ins Zentrum einer derartigen Therapie gehörte eine Rehabilitierung des Unternehmers und des Unternehmertums, der einzigen und ausschliesslichen Quelle neuer Arbeitsplätze und damit natürlich auch von Kaufkraft und Steueraufkommen.  Nicht erst die Causa Zielpunkt zeigt, dass der Unternehmer in der Öffentlichkeit, aber bei  großen Teilen der politischen Klasse unter einer Art permanenten Generalverdacht stehen, entweder kriminell oder Steuerhinterzieher oder beides zu sein. Gleichzeitig wird er vom Staat bis aufs Blut mit immer neuen bürokratischen Ausheckungen drangsaliert, vom Finanzamt und den Sozialversicherungen ausgequetscht wie eine Zitrone – dass sich das alles noch jemand antut, gehört zu den vielen ungelösten Rätseln der Wirtschaftswissenschaften. Zumal in einer zunehmend eigentumsfeindlichen Gesellschaft, die privaten Besitz zimmer mehr  als öffentliches Ärgernis versteht, auch die Motivation, sich das alles anzutun immer schwächer wird.

Möglich, dass selbst unsere politischen  Eliten eines fernen Tages bemerken, dass nicht sie, sondern ausschließlich die Unternehmer Arbeitsplätze schaffen. Dann könnte es freilich schon zu spät sein. (F&F)

15 comments

  1. Ehrenmitglied der ÖBB

    Dazu kommt noch die Penetranz einiger Behörden bzw. Sozialinstitutionen. Wenn jetzt die Finanz auch noch bei den freiwilligen Helfern von Hilfs- und Sportorganisationen zugreift (Wurstsemmel, Anorak etc als Sachleistung zu versteuern), wenn in den Medien jeder Unternehmer als Ausbeuter bezeichnet werden kann,dann ist das auch ein Resultat langjähriger Stimmungsmache (AK; ÖGB etc…)
    Und noch etwas: es muss wieder erlaubt sein Leistung zu verlangen. Sowohl in der Schule als auch an den Universitäten und selbstverständlich auch in den Betrieben!

  2. Zaungast

    „… dass sich das alles noch jemand antut, gehört zu den vielen ungelösten Rätseln der Wirtschaftswissenschaften.“

    Ja, das ist höchst erstaunlich. Die Leute müssen Masochisten sein.

  3. Urban Galler

    das kommt davon, wenn der Kapitän nur einen Taxischein hat und die Chrew die Gesamtschule absolviert hat. Daher halten sie die Sirenen und roten Lichter für ein Feuerwerk anlässlich der höchsten Abgabenquote usw.

  4. Marianne

    @cmh
    Danke. Kannte ich noch nicht. Treffender kann der Zustand der Republik nicht dargestellt werden.

  5. Lisa

    Ein Betrieb, sei er noch so klein, muss schon etwas „Mehrwert“ erbringen. Ausser es handelt sich um einen Selbstversorger 😉 . Idealerweise investiert er den Gewinn wieder so floriert die Wirtschaft. Wenn der Staat schon da seinen Geldsauger ansetzt, wird jede Initaitive im Keim erstickt. Zudem haben Politiker Angst vor allzu mächtigen Untertanen (Besitz ist auch Macht!), die sich nämlich nicht einfach von irgendwelchen aufgeblasenen „Eliten“ kujonieren lassen, denen eine erfolgreiche Wahl zu Kopf gestiegen ist.

  6. Thomas Holzer

    Die politischen „Eliten“ wissen doch schon seit jeher, daß sie keine Arbeitsplätze zu schaffen vermögen….sie trommeln halt diese Phrase und viele andere wider besseres Wissen, weil das Wahlvolk mittlerweile (leider erfolgreich) anscheinend schon total verblödet ist

  7. Christian Peter

    Großunternehmen und Konzerne werden von den korrupten Altparteien mehr als genug gehätschelt. Es ist der Mittelstand, der netto mehr als 80 % der öffentlichen Finanzen (Steuern und Sozialabgaben) trägt, während Großunternehmen und Konzerne als mehr Subventionen erhalten als Steuern bezahlen (Netto-Subventionsempfänger).

  8. Thomas Holzer

    @Urban Galler
    Das kommt noch erschwerend hinzu!
    Fakt ist aber auch, daß leider mittlerweile alle Parlamentsparteien, egal wie sie sich bezeichnen, und deren Vertreter dem Sozialismus verfallen sind

  9. Reini

    Urban Galler,… sehe eher das der Hausverstand fehlt,… und 99% der Politiker würden in der freien Marktwirtschaft untergehen,… andersrum welcher gesund wirtschaftlich Denkender geht freiwillig in die Politik, 😉 … bzw. wäre er in der Politik und würde wirtschaftliches Gedankengut umsetzen – er hätte keine Wähler, außer echt leistungsorientierte arbeitende Steuerzahler!!! …

  10. gms

    „Wäre die Republik Österreich ein Kreuzfahrtschiff ..“

    Daß die Roten auf Kollisionskurs bleiben, komme was wolle, ist weder im Allgemeinen noch im Speziellen neu [1]. Auch der angesagte Kampf um Arbeitsplätze wurde geführt und siegreich beendet, stehen doch dieselben Sozialisten auf der Brücke wie eh und je.

    [1] images.derstandard.at/t/12/2013/06/26/1371212985553-Juni.jpg

  11. Falke

    Dazu passt ja das gerade von Experten im Auftrag des Finanzninisteriums ausgearbeitete „Pensionspapier“, das Vorschläge enthält, wie die Pensionen langfristig gesichert werden können, ohne den Staat in die Pleite zu treiben. Die Reaktion des Sozialminsters: er sei „allergisch“ gegen Expertenpapiere, jedenfalls totale Ablehnung.

  12. Bösmensch

    Nicht ganz, Herr Ortner. Die rotschwarzen Schönwetterkapitäne auf der Kommandobrücke hören die Alarmsirenen nicht mal.

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