High-Noon im Bobo-Saloon

(WERNER REICHEL) Warum? Das frage ich mich im Zusammenhang mit der aktuellen deutschen und österreichischen Einwanderungspolitik, der Appeasementpolitik gegenüber islamistischen Terroristen, der sozialistischen europäischen Finanzpolitik, dem Genderismus und vielen anderen politisch-korrekten Auswüchsen sehr oft. Bisher habe ich noch keine befriedigende Antwort darauf gefunden, warum Europa gerade kulturellen Selbstmord mit Anlauf begeht. Ich bin kein Freund von (Welt)Verschwörungstheorien, bei denen am Ende immer die Amerikaner und/oder die Juden/Israelis die Fäden in Händen halten und für so ziemlich alles was auf unserem Planeten geschieht verantwortlich sind. Diese bei sehr linken wie sehr rechten Menschen so beliebten Theorien konnten mich noch nie überzeugen, zumal die vermuteten Motive und Ziele dieser dunklen Verschwörungen wenig überzeugend, zumeist sogar recht hanebüchen sind. Europa ist kein Opfer dunkler Machenschaften, es ist für sein Schicksal und seine Zukunft selbst verantwortlich.

Der Versuch, diese Eigenverantwortung auf andere abzuschieben, ist typisch für Sozialisten aller Farben.
Warum aber gibt sich ein hoch entwickelter und prosperierender Kontinent ohne jede Not einfach auf, öffnet seine Grenzen und lässt unkontrolliert Millionen von Menschen einwandern, die den abendländischen Werten, Traditionen und unserem Lebensstil ablehnend bis feindlich gegenüberstehen. Wenn politische Entscheidungen direkt in Konflikte, Gewalt, Terror, Verteilungskämpfe, wirtschaftlichen und kulturellen Niedergang münden, warum trifft man sie dann? Warum?

Kurz vor Weihnachten bin ich der Antwort zumindest etwas näher gekommen. Und sie ist verstörender als irgendwelche mysteriösen und phantasievollen Verschwörungstheorien, in denen geheime Mächte mit bösen Absichten die Geschicke der Welt lenken.

Ab und zu gehe ich ein Café beim Wiener Rochusmarkt. So auch kurz vor Weihnachten. In diesem Lokal verkehren der Wohngegend entsprechend, vor allem nicht mehr ganz junge Gutmenschen und Bobos. Ich habe damit kein Problem, ich bin tolerant und kann andere Meinungen und Lebensentwürfe durchaus akzeptieren. Ich stehe mit einem Bier an der Bar mit Menschen, die ich nur flüchtig kenne. Mein Barnachbar – Typ Althippie mit weich gekifftem Hirn – sagt, ich weiß nicht mehr wie er darauf gekommen ist, Religionen seien das Schlimmste, was der Menschheit passieren konnte. Religionen hätten sicher viel Leid verursacht, aber was das massenhafte Töten von Menschen betrifft, waren die kollektivistischen Ideologien doch wesentlich effizienter und erfolgreicher, gebe ich zu bedenken.
Meine Antwort scheint den Althippie irgendwie überfordert zu haben. Er sagt nichts mehr und widmet sich wieder seinem Bier. Stattdessen schaltet sich mein anderer Barnachbar – Mitte 40, macht irgendetwas mit Medien, Fernsehen glaube ich – ein und fragt, wie ich das gemeint hätte. Als anschauliches Beispiel nenne ich ihm den kommunistischen Massenmord in der Ukraine im Winter 1932/33. Josef Stalin hat in nur einem einzigen Winter in nur einem einzigen Land je nach Schätzung zwischen vier und über zehn Millionen Menschen ermordet. Dieser Genozid ist als Holodomor in die Geschichte eingegangen. Bis zu den Gutmenschen am Rochusmarkt hat sich das, auch wenn es schon über 80 Jahre zurückliegt, aber noch nicht durchgesprochen.
Wenig beeindruckt von mehreren Millionen ermordeten Ukrainern sagt mein Barnachbar, ich solle keine „Schauermärchen“ erzählen. Ich bin doch etwas erstaunt, wie lockerleicht ein ahistorischer Gutmensch mehre Millionen Tote mit einer flapsigen Bemerkung beiseite wischt. Und außerdem…, versucht er die Kurve zu kriegen, seien ja Ideologien und Religionen ohnehin dasselbe. Aha. Ich versuche ihm den Unterschied zu erklären, doch das will er nicht hören und er stellt mir plötzlich in gewichtigem Ton, die offenbar für ihn in diesem Moment alles entscheidende Frage, ob ich böser Sozialismuskritiker (was sind schon Millionen von Toten) gegen den Sozialstaat sei, was ich mit einem knappen Ja beantworte.

Nun wird es wirklich skurril, und die Begebenheit hat sich tatsächlich genau so zugetragen. Der Medienmann sagt nun in etwas hysterischem Ton, ich hätte nun genau fünf Minuten lang die Gelegenheit, ihn von meiner politischen Unbedenklichkeit zu überzeugen, ansonsten solle ich das Lokal verlassen, da er mit Menschen wie mir nicht an einer Bar stehen könne. Ich bin wirklich baff. Mir fehlen, ob dieser lächerlichen Selbstgerechtigkeit, dieser Borniertheit, dieser totalen Überschätzung der eigenen Bedeutung kurz die Worte und antworte dann, dass ich weder das eine noch das andere machen werde, beende das Gespräch und wende mich einer Bekannten zu. Er steht noch kurz da und begreift, dass ich ihn nicht ernst nehme und auch nicht vorhabe zu gehen. Er wechselt daraufhin mit zwei seiner Gesinnungsfreunde in einen anderen Teil des Lokals.
Es war ein sehr aufschlussreicher Abend. Ich habe den armen Mann offenbar völlig aus der Fassung gebracht. Er lebt dank seines Berufes, seines Bekanntenkreises und seiner guten Wohngegend seit mehreren Jahrzehnten in einer bunten Seifenblase. Er ist ein neosozialistischer Gutmensch durch und durch. Seine Überzeugungen und Ideen hat er nie ernsthaft verteidigen oder in Frage stellen müssen. Dazu gab es nie einen Anlass. Die Realität, die vor allem in den vergangenen Jahren zunehmend unschöner geworden ist, nimmt er nur gefiltert wahr, so wie die Höhlenbewohner im berühmten Gleichnis von Platon. Er sieht und hört nur die Nachrichten im Staatsfunk, besucht ausschließlich linke kulturelle Veranstaltungen, er liest die Zeit, Profil, Standard und Falter – okay das weiß ich nicht, aber die Wahrscheinlichkeit, dass er die Weltwoche oder diese Internetseite hier liest, liegt nur ganz knapp über Null – und er verkehrt ausschließlich mit Menschen, die so denken wie er. Seine Wahrnehmungen, nur Projektionen an der Höhlenwand. Kurz, der Medienmann lässt sich seine politische Haltung mehrmals täglich absegnen und bestätigen. Andere Meinungen und Kritik an der von ihm vertretenen Politik dringen niemals ungefiltert, sondern immer nur richtig aufbereitet zu ihm durch.
Genauso verhält es sich mit den Folgen der multikulturellen Bereicherung. In der linken Medienbranche und am schicken Rochusmarkt ist die Welt noch in Ordnung. In dieser Phantasiewelt sind alle, die anderer Meinung sind und andere politische Ziele verfolgen, sprich nicht links sind, dumm, debil und/oder böse. Wie in einem Kinderbuch. Wie Kater Karlo oder Donner-Karlsson. Und der kindliche Held ist ihnen in allen Belangen weit überlegen. Etwas anderes hat er in den vergangenen Jahrzehnten nie gelesen, gehört oder gedacht.
Wenn dann ein solcher Bösewicht plötzlich leibhaftig vor ihm steht und kein redaktioneller oder künstlerischer Filter ihn mehr vor dem grellen Licht der Realität schützt, wenn sich die politisch-korrekten Kinderbuch-Klischees in Luft auflösen und das schleimige, nichtlinke Monster sogar so intelligent und gebildet ist, dass der sich selbst als intellektuell einschätzende Medienmann nicht in der Lage ist, ihn argumentativ fertig zu machen, dann ist das offensichtlich ein ganz großer und tiefer Kulturschock.
Wenn der biedere linke Medienmann mit der ungefilterten Realität konfrontiert wird, auch wenn diese Konfrontation wie in diesem Fall äußerst harmlos ist, dann reagiert er hysterisch, trotzig, überzogen und panisch, versucht die Wirklichkeit mit aufgeregter Stimme und zugehaltenen Ohren zu verscheuchen, also mich aus dem Lokal zu werfen. Gleichzeitig erkennt er aber, wie macht- und hilflos er tatsächlich ist, denn um mich aus dem Lokal zu werfen, hätte er Gewalt anwenden müssen und dazu hatten ihm sowohl die Kräfte als auch die Eier gefehlt. Das was in Europa gerade passiert, ist kein Kinderbuchplot und lässt sich nicht mehr mit Geschwurbel, Mahnungen, Parolen und Gefuchtel ändern oder gar steuern. Ihr schafft das nicht.
Und weil der Medienmann mich, also die hässlicher Fratze der realen Welt, mit grimmigen Worten und bösem Blick nicht vertreiben konnte, hat er sich mit seinen Freunden zurückgezogen. Ich habe mit meinen Aussagen und meiner Anwesenheit im Bobo-Café die Grenzen seiner fragilen Scheinwelt verletzt. Im linken Stammlokal scheinen auch für Gutmenschen Grenzen plötzlich sehr wichtig zu sein, blöd nur, wenn man sie nicht schützen kann. Ich bin auch in linke Kreise recht schwierig zu integrieren, zahle allerdings mein Bier selbst. Wie wird solch ein Mensch reagieren, wenn er ganz direkt und brutal mit der neuen gesellschaftlichen Realität konfrontiert wird, für die er selbst mitverantwortlich ist?
Auf den Gedanken, sich mit mir und meinen Ansichten ernsthaft auseinanderzusetzen, ist er jedenfalls nicht gekommen. Nein, er ist nicht gewillt, seine Weltanschauung aufzugeben oder seine Einstellungen zu ändern. Denn dazu müsste er sich eingestehen, dass er sein ganzes Leben lang an die falschen Ideen geglaubt hat. Und dazu fehlt es dem Medienmann am Rochusmarkt offensichtlich an Größe. Weil er geistig und ideologisch völlig erstarrt ist, bleibt ihm als einzige Möglichkeit nur, seine bunte linke Scheinwelt solange es eben noch geht, aufrecht zu erhalten. Und jeder, der diese geistige Schrebergarten-Idylle stört, wird mit fuchtelnden Händen vertrieben.
Von dieser Sorte Mensch gibt es Hunderttausende in Österreich und Millionenen in Europa. Und sie stehen nicht nur im Bobo-Café an der Bar, sie sitzen vor allem auch in den Redaktionen, Ämtern, Gerichten, Ministerien, in den Schulen und Universitäten. Sie verfolgen keine großen Pläne und visionären Ziele. Sie werden auch zu nichts gezwungen. Sie sind einfach Kinder ihrer Zeit, brave Herdentiere, die nicht willens sind, nach jahrzehntelanger Treue ihren Leithammel zu wechseln. Sie haben als Jugendliche in den 1970/80/90er Jahren, als Europa noch von den Amerikanern gut beschützt, friedlich und wohlhabend war und im Nahen Osten und in Afrika noch weit weniger Menschen als heute gelebt haben, an eine bessere und gerechtere Gesellschaft geglaubt. Das war zwar schon damals naiv und verlogen, aber zumindest nachvollziehbarer als heute.
Seither hat sich die globale Lage dramatisch verändert. Europa steht vor einer seiner bisher größten Bewährungsproben. Aber auch das hat der Medienmann noch nicht so wirklich mitbekommen. Meine Wenigkeit empfindet er offenbar als größere Bedrohung, als die in Europa immer beliebter und mehr werdenden Islamisten. Rosarote Scheinwelt eben. Diese Menschen sind nicht in der Lage, auf die veränderte Situation in und um Europa adäquat zu reagieren und flüchten sich stattdessen in ihre Scheinwelten voller böser Nazis, fieser Konzernbosse, gieriger Kapitalisten, widerlicher Populisten, Klimaleugner, etc. Da sind sie noch immer die großen Helden in Strumpfhosen. Schattenboxer. Dieses Verhalten ist nicht böse, gemein, durchtrieben, sondern nur dumm, infantil und traurig. Und dieses Verhalten beantwortet zumindest teilweise die Frage nach dem Warum.
Viele dieser Menschen sitzen an verantwortungsvollen Stellen. Auch Spitzenpolitiker fallen genau in diese Kategorie. Das ist das Schlimme daran. Es gibt keinen Masterplan, keine finsteren Mächte, die diese Menschen für ihre bösen Absichten instrumentalisieren und manipulieren. Die Motive und Hintergründe für die rezenten Entwicklungen in Europa sind viel banaler und gleichzeitig viel komplexer als jede Verschwörungstheorie.

37 comments

  1. Seerose

    Auch ich frage mich warum? Ich habe natuerlich auch alle Verschwoerungstheorien, angefangen mit dem Hooton Plan gelesen. Nur, das ist fuer mich unlogisch, denn wem ist damit gedient, wenn Europa im Chaos versinkt, niemand mehr Mindestsicherung und vor allem Kinderbeihilfe bekommt… damit lohnt sich doch die Sache fuer die Zuwanderer nicht. Wem ist damit gedient, wenn jegliche europaeische Kultur dem Erdboden gleichgemacht wird, es kommen dann keine Touristen mehr und niemand betankt dann mehr Autos, was in Saudi-Arabiens Budget sicher fuer ein sehr grosse Luecke Defizit sorgt.
    Aber, vielleicht bin ich naiv, und irgendwer verdient sich Milliarden (so wie Erdogan), ohne viel tun.

    Auch die Theorie, die SPOE macht nur deshalb die Grenzen sperrangelweit auf, verzichtet auf jedliche Kontrollen, um neue Waehlermassen zu importieren: Also, das halte ich auch nicht fuer stichhaltig. Denn, wenn die Zuwanderer noch Familiennachzug der ersten und zweiten Ehefrau sowie der Kinderschar von jeder der Ehefrauen mitbringen und nach fuenf Jahren ein automatisches Bleiberecht (das von der SPOE mit Zaehnen und Klauen verteidigt wird), dann gruenden diese zugewanderten Menschen doch ueber kurz oder lang ihre eigene Partei und die SPOE (die zumindest im Moment noch die Gleichberechtigung von Frau und Mann in ihrem Parteiprogramm hat) ist Geschichte. Ich glaube, in diesem Fall muessten sich besonders die Anhaenger die Gruenen und Roten um ein Land umschauen, dass sie aufnimmt. Die Partei-Eliten werden damit ja kein Problem haben, da sie ueber genug Geld verfuegen.
    Eine absurde Moeglichkeit bleibt fuer mich: Frau Glawischnigg und Frau Vassilakou haben in ihren Augen das Alter erreicht, indem eine Burka und ein Sehschlitz fuer die Zukunft keine so schlechte Variante sind. Aber, auch diese Theorie ueberzeugt mich nicht.
    Also, ich verstehe nicht, was das alles soll.
    Aber, ich finde es reicht.
    Eine deutsch-oesterreichische „Zusammenarbeit“ hat bereits zweimal entsetzliche Folgen gehabt.
    Weiss Herr Faymann das nicht?
    Und alle maennlichen Europaeer – auch Soldaten und Polizisten – besitzen nach 70 Jahren Frieden nicht die Grausamkeit und Abgebruehtheit um Islamistischen Terroristen beizukommen.
    Ich finde das alles so traurig was mit unserem – schoenen – Land passiert.

  2. Mourawetz

    Diese Leute glauben an Sozialismus und Multikulti solange bis mal einer eine Bombe in eine Redaktionsstube schmeißt. Ach nein, das hatten wir ja schon beim Attentat auf Charlie Hebdo. Nicht einmal das konnte sie wachrütteln. Aber wie kann man auch an Sozialismus, einer Ideologie, die noch nirgends auf der Welt funktioniert hat, glauben. Erst zuletzt in Venezuela gescheitert. Und Multikulti hat auch noch nirgends funktioniert. Trotzdem hält man eisern daran fest.

    Mit Entsetzen muss ich der Erkenntnis Werner Reichels zustimmen. Diese lieben Leute sind beratungsresistent. Auch mir ist das im privaten Kreis über Politiknahe schon zugetragen worden…

    Wichtigster Satz ist: „Denn dazu müsste er sich eingestehen, dass er sein ganzes Leben lang an die falschen Ideen geglaubt hat. “ Genau daran haperts.

  3. Marianne

    Für Massenzuwanderung und offene Grenzen habe ich fürs erste zwei mir plausibel erscheinende Arbeitshypothesen gefunden:
    1) Zuwanderer sind ein Wirtschaftsfaktor. Auf Kosten der Steuerzahler, mutieren sie zu einem Konjunkturmotor.
    2) Offene Grenzen waren dereinst eine tolle Sache. Eine Win-win-Situation sozusagen. Kein Warten am Brenner oder Walserberg, keine Kosten für Zöllner und Grenzschützer. Doch wo ist das eingesparte Geld hin? Längst versickert in den Tiefen des Budgets. Jetzt alles retour mit Grenzzäunen und Grenzschutz? Da ist das Gefasel von der grezenlosen europäischen Idee weit billiger.

  4. Hans

    Wenn sich Herr Reichel nicht mit Verschwörungstheorien und der Realität Soros (Open Society Foundations) befassen will, wird er nie eine Antwort auf seine eingangs gestellte Frage bekommen.

  5. Tom K.

    @ Werner R.

    Haben Sie vielen Dank für diese Perle von Beitrag. Die von Ihnen gemachte Erfahrung durfte auch ich bereits mehrfach teilen. Wie sie bereits anmerkten, wenn man mit solchen Menschen zu tun hat, erübrigt sich jegliche „Verschwörungstheorie“.

    Diese, von Ihnen beschriebene „Klientel“ ist derart weichgespült, gehirngewaschen und (man verzeihe mir diesen Ausdruck) vegan verschwult, dass ich mich während Gesprächen, oder Diskussionen mit diesen Leuten, ab und an gedanklich in der Welt des Hieronymus Bosch’s wähnte, bzw. sich ein Bild wie das „Weltuntergangs-Triptychon“ in meinem Kopf manifestierte; – mit einem Wort, – erschreckend …

    Der absolute Gipfel dieser perversen Naivität, Realitätsverweigerung und Selbstaufgabe ist das (selbst erlebt) „Schuldzuweisen“, wenn diesen (Gut)Menschen tatsächlich „Leid“ durch ihre „Schützlinge“ widerfährt. Wenn Sie selbst Opfer (auch von körperlicher Gewalt) ihrer „Gutmenschlichkeit“ werden. Da werden Täter zu Opfern gemacht und die Schuld auf das Versagen der Gesellschaft gelenkt. DAS ist der wahre Wahnsinn.

    Dieses Europa und dessen Gesellschaft befindet sich derzeit in einem kaum erfassbaren Umbruch, der meiner persönlichen Einschätzung nach, kein friedlicher sein wird. Wir alle werden einen unglaublich hohen Zoll bezahlen und am Ende werden alle anderen, nur nicht die, die sich dafür verantwortlich zeichnen, Schuld auf sich geladen haben – nach deren (gutmenschlichsozialen) „Wertevorstellungen“.

    Vermutlich ist dies einfach der Lauf der Geschichte. Imperien, Staaten und Länder zerfallen, wenn die Dekadenz ein gewisses Maß überschreitet, die Menschen satt, fett und faul werden und „Horden“ von Invasoren in diese Länder mit Gewalt drängen. Geschichte wiederholt sich und so sind auch wir verdammt diese zu wiederholen, da wir augenscheinlich aus derselben niemals lernen …

  6. Fragolin

    Der Kommunismus ist immer daran gescheitert, dass sich moralisch als Rettter der geknechteten Massen fühlende Wohlhabende in verrauchten Hinterzimmern trafen, dort den Gedichten klassenkämpferischer Poeten lauschten und bei Cognac und Havana über eine bessere Welt schwadronierten, von dort die Revolution planten, erst die Massen aufhetzten und dann mit ihrer weltfremden Ideologie im Stich ließen. Diese Salonkommunisten haben ihre würdigen Nachfolger in den modernen Bobos gefunden, gehobene Verwaltungsbeamte, Kammerfunktionäre oder Medienschaffende, die sich im Che-Guevara-Shirt unter dem Boss-Sakko bei Remis Martin (aber heute ohne kubanischer Tschick, weil Raucher faschistoide Egoisten sind) und Tofu-Burger de luxe mit Trüffel im Multikulti-Lokal mit nigerianischem Koch und mexikanischer Serviererin über den bösen neoliberalen Turbokapitalismus echauffieren, über die dumpfbackigen Loser von FPÖ-Wählern (ohne zu begreifen, dass diese dumpfbackigen Loser noch vorgestern das klassenkampfbewusste Proletariat waren, um welches zu retten die Bobos alle Superreichen in der Donau ertränken würden) und die ewiggestrige Schlechtmacher-Kritik moderner Regiefassungen von Shakespeare-Aufführungen durch rechtsnationale Kulturbanausen. Dann fahren sie voll moralischer Stärkung auf dem E-Bike gegen die Einbahn (der Revoluzzer steckt eben tief) heimwärts zum Nobel-Penthouse mit CO2-neutraler Energieversorgung und rümpfen die Nase über den Pöbel, der im Plattenbau mit Fernheizung haust und sich in Xeno-. Islamo- und wahrscheinlich sogar Bobo-Phobie suhlt, das Klima leugnet, billig aus Slowenien geschmuggelte Tschick raucht und genau das platte TV-Programm konsumiert, das ihm seine Bobo-Freunde vorsetzen.

    Und das schöne an der Sache: Der sich selbst als hochintellektueller und moralisch hochwertiger Klassenkämpfer für die Armen, die Eisbären und das Klima fühlende Bobo benimmt sich nicht anders als ein kleiner dummer Thälmann-Pionier, der stolz sein Halstuch trägt, seine Bobo-Uniform in seiner Bobo-Parallelwelt voller Klischees, Wahnvorstellungen und Vorurteilen. Er träumt von einer Welt ohne Kraftwerke, dafür voller E-Autos, und merkt den Widerspruch nicht einmal. Eigentlich sind diese Menschen arme Würstchen, die eigentlichen Versager, denn trotz wirtschaftlichem Polster (das nur selten aus eigener Arbeit entspringt, meist aus Steuergeldtöpfen, Mäzenatentum und/oder Erbschaft) haben sie sich vor lauter Selbstbetrug eine eigene Realität zwischen den Ohren konstruiert; den Konstruktivismus vehement als einzige Wahrheit verteidigend selbst das beste Beispiel für die Wahrheit vieler konstruktivistischer Aussagen. Ich nenne es „Pippi-Lamgstrumpf-Syndrom“: „Ich mach mir die Welt, wiedewie sie mir gefällt!“
    Und gegen alles, was von „rechts“ kommt (also nicht genau dem selbstkonstruierten Bild entspricht) hilft nur Abblocken, denn bei allem Mist, der aus den blauen Reihen schon gekommen ist, ist es eine beschämende Erkenntnis, dass das, was die Blauen in so primitiven Worthülsen und Zweizeilern den Proleten verkünden, weit mehr Bezug zur Realität zeigt als die hochgedrechselten Wortelfenbeintürme der selbstgefühlten moralischen Elite im Windschatten eines intellektuell eher der Innenbeleuchtung eines solchen angepassten Taxifahrers.

  7. mike

    „Viele dieser Menschen sitzen an verantwortungsvollen Stellen. Auch Spitzenpolitiker fallen genau in diese Kategorie. Das ist das Schlimme daran.“

    Genau dieses ist derzeit und vermutlich auch für längfere Zeit auch eines unserer Hauptprobleme, diese Idioten (oder auch ex-Taxler) „regieren“ uns nämlich !

  8. Thomas Holzer

    @Fragolin
    Die von Ihnen geschilderten Menschen nannte man vor noch gar nicht so langer Zeit Spießer und/oder Kleinbürger 😉

  9. Selbstdenker

    @Werner Reichel:
    Mir sind in der jüngsten Vergangenheit ähnliche Dinge passiert und auch ich glaube kurz vor Weihnachten eine (äußerst verstörende) Antwort dafür gefunden zu haben. Die toxischen und immer absurderen Hetzjagden in den sozialen Medien sowie die jüngsten Ereignisse an amerikanischen Universitäten und Eliteschulen haben mich dazu veranlasst die Hintergründe näher zu erforschen.

    Im englischsprachigen Raum haben sich mittlerweile für die meisten der von Ihnen geschilderten Phänomene Begriffe herausgebildet, während man sich im deutschsprachigen Raum immer noch schwer tut die Dinge beim Namen zu nennen ohne durch das Verwenden eines vergifteten Wortes als vermeintlich „Rechter“ gebrandmarkt zu werden.

    Sie sind einem Social Justice Warrior (SJW) begegnet, der einem idelogischen Geflecht namens Neoprogressivismus anhängt. Diskussionen mit SJW scheitern daran, dass diese Leute ihr Gegenüber nicht nach dem beurteilen was jemand sagt oder tut, sondern dass sie diese nach einer ad hoc Klassifizierung (Opferstatus, ideologisches Bekenntnis) einteilen. Als weißer, offenbar heterosexueller Mann mit nicht abgelegten linken Bektenntnis erachtet man Sie als einen rechten Untermenschen und Eindringling in einen öffentlichen Raum, den eine Gruppe von SJW als Safe Space (ein – wenn man so will – privater, kritikfreier Raum) für sich beansprucht.

    Dieses ideologische Krebsgeschwür innerhalb des linken politischen Segments gedeiht ähnlich wie der islamistische Extremismus oder auch Scientology in abgeschotteten Communities. Diese Leute befinden sich – wie Sie treffend beschreiben – von klein auf in der gleichen ideologischen Seifenblase. Ihre Ideologie wird gleich dogmatisch ausgelegt wie religiöser Fundamentalismus. Abweichungen davon kommen einer Apostasie gleich und und resultieren zumindest in Exkommunikation und Verbannung.

    Interessant ist die politische Entwicklung einiger No-Go Zonen in Frankreich: zuerst jahrzehntelang kommunistisch dominiert, dann plötzlich mit einer kurzzeitigen Mehrheit des Front National und nunmehr islamisch administriert.

    Und hier schließt sich der Bogen zum IS: bestens vernetzt mit westlichen Symphatisanten, wissen die IS-Ideologen über die gegenwärtigen Entwicklungen im Westen (insbesondere Europa) zum Teil mehr Bescheid als die Europäer selbst. Die Sicherheitsbehörden wissen nicht mehr, was alles in den No-Go Zonen abgeht (oder sie wollen es – so wie in Roterham – gar nicht wissen); der IS weiß dank seiner Außendienstler jedoch bestens Bescheid.

    Dazu kommt, dass der IS selbst ein Hybrid aus radikalem Islam und halal-konformen Elementen des Neoprogressivismus ist. Er spricht die Sprache der Jugendlichen in den Banlieues und holt sie in den sozialen Medien für eine einmalige Reise in den religiösen Extremismus ab.

    @Hans:
    George Soros ist meiner Meinung nach eine Leitfigur des Neoprogessivismus: er verdient Milliarden durch das Ausnützen von Schwächen des von ihm als „neoliberal“ abgekanzelten internationalen Finanzsystems um damit NGOs mit einer ihm genehmen politischen Agenda zu finanzieren.

    Es ist – wie Werner Reichel treffend beschreibt – keine ideologische Verwörung aus einem Guß, sondern das Aufeinandertreffen toxischer Ideologien, jahrzehntelangem Wegsehen, Machtmissbrauch, jeder Menge nützlicher Idioten mit fehlgeleiteten Glauben und auch völliger Entfesselung niedrigster Instinkte.

  10. Selbstdenker

    Von der Theorie zur Praxis im Planet Neoprogressive (Schweden):
    http://www.gatestoneinstitute.org/7133/sweden-rapes-acquittals-severed-heads

    Man beachte, wie sich die in Schweden grassierende ideologische Verblendung mit den nicht gerade frauenfreundlichen kulturellen Eigenheiten vieler Migranten „ergänzt“.

    Nein, diese Ideologie ist keineswegs harmlos. Sie ist Steilvorlage und „Legitimationsgrundlage“ für Verbrechen jeglicher Art (solange Täter und Opfer der „richtigen“ Gruppierung angehören). Sie ist der Wegbereiter für das was immer näher kommt.

  11. astuga

    „Wie wird solch ein Mensch reagieren, wenn er ganz direkt und brutal mit der neuen gesellschaftlichen Realität konfrontiert wird, für die er selbst mitverantwortlich ist?“

    Sich Schuldige suchen die in sein Weltbild passen natürlich.
    Ohnehin genau das was wir bereits die ganze Zeit erleben, etwa in Bezug auf Islamismus.

    Erinnert mich daran wie eine spätere österreichische Literatur-Nobelpreisträgerin beim Kollaps der DDR wörtlich in einem Interview gemeint hat:
    Das hätte man doch nicht wissen können, dass in der DDR so schlimme Zustände herrschten.

    Ach wirklich?

  12. Selbstdenker

    @astuga:
    Stammt von dieser österreichischen Literatur-Nobelpreisträgerin zufälligerweise das folgende Zitat:
    „Die Klarheit, mit der Jack Unterweger die Ursachen für seine Kindheit, die er mit großer literarischer Qualität beschrieben hat, hat großen Eindruck auf mich gemacht.“

    War es jene Literatur-Nobelpreisträgerin, die zusammen mit anderen „Intellektuellen“ eine Petition an Bundespräsident Dr. Rudolf Kirchschläger richtete, mit der die Freilassung von Jack Unterweger gefordert wurde?

    Wahrscheinlich hat sie auch nicht gewusst was Jack Unterweger vor seiner Inhaftierung getan hat und nach seiner Haftentlassung sehr wahrscheinlich wieder tun würde…

  13. sokrates

    Ichg glaube was Reichel hier treffend beschreibt ist das ergebnis einer nun 40 – jährigen Indoktrination begonnen vom Kindergarten über die Mittelschulen bis zu den Universitäten. In den 60-ern gingen wir auf die Strasse skandierend unter den Talaren der Muff von tausend Jahren..Es gelang diese Talare zu lüften, doch dann folgte eine unreflektierte Akzeptanz aller Richtungen und Philosophien. Dabei ging die 2000 – jährige Evolution von jüdisch – christlichem Glauben, Griechischer Kultur, römisches Rechstssystem, all die Märchen, Storys und Sagen, die ja meist einen moralische erkennztnis haben, verloren. These Synthese antithese, alles Fremdwörter für unsere heutigen egozentrischen Bobos. Die wählen auch einen Taxifahrer; diesem fühlen sie sich intellektuell überlegen!

  14. Mithrandir

    Vielen Dank für diesen Artikel Herr Reichel, so etwas würde ich gerne öfter lesen.
    In beinahe allen Punkten kann ich Ihnen vorbehaltlos zustimmen, ich bin jedoch der Meinung daß Ihre Folgerung über die Ursache des Problemes nicht tief genug geht. Natürlich ist bei vielen Menschen die Ursache in einer gewissen intellektuellen Untermotorisierung zu suchen, dennoch kenne ich genügend Personen auf die dies nicht zutrifft. Menschen die ich als durchaus intelligent einschätze und die auch eine herzeigbare Ausbildung vorzuweisen haben sind fest davon überzeugt daß die Grünen tolerant, der Standard objektiv, sämtliche Einwanderer hochgebildet, Gender Studies eine Wissenschaft und die Gesamtschule eine gute Idee sei.
    Dummheit alleine kann meiner Meinung nach also nicht das Problem verursachen und eine solche Vorstellung würde auch die Gefahr in sich bergen dieses Milieu zu unterschätzen, da dieses – wäre die Dummheit die Ursache seines Verhaltens – logischerweise in seinem selbstgeschaffenen geistigen Biotop festsitzen müsste ohne den Rest der Menschen behelligen zu können.
    Die Ursache liegt meiner Meinung nach wesentlich tiefer, nämlich in typisch menschlichen psychologischen Prozessen, genauer gesagt in der Zusammenarbeit von Bewusstsein und Unterbewusstsein. Diese wurde höchst treffend auf den Punkt gebracht durch den Satz „Ihr Unterbewusstsein würde beinahe alles tun um Ihnen weis zu machen, daß Sie klug, kompetent und bewundernswert sind“.
    Um Dies etwas ausführlicher zu beschreiben könnte man sagen daß es in unserer Psyche zwei Konstanten gibt nach denen wir unser Handeln ausrichten, nämlich das Selbst und das Weltbild – welche logischerweise nur den Teil der Realität beinhalten können der uns auch bekannt ist. Diese Beiden enthalten alles, was wir über die Welt, ihre Zusammenhänge und Wirkungsweisen und unseren Platz darin wissen, sowie die Vorstellungen die wir von unserer eigenen Person und deren Natur haben. Indem wir uns an Diesen orientieren können wir schnell und zielstrebig handeln ohne dabei unser eigenes Wohl oder unsere Position in der Gruppe unabsichtlich zu gefährden. Würden Welt oder Selbstbild über ein gewisses Maß hinaus beschädigt oder gar zerstört werden, wären wir bis zum Aufbau einer neuen Version desselben praktisch handlungsunfähig. Aus Diesem Grund beschützt unser Unterbewusstsein diese verinnerlichten Vorstellungen ebenso wie es uns vor körperlichem Schaden zu beschützen sucht, indem es unsere Handlungen und teilweise auch unsere Wahrnehmung manipuliert, potentiell destruktive Fakten und Erkenntnisse ausblendet und scheinbare Fehlleistungen hervorruft um „unangemessenes“ Handeln zu verhindern. Das kann im Extremfall sogar zu vorrübergehenden Lähmungserscheinungen führen.
    Was genau das Unterbewusstsein dabei als gefährlich erachtet hängt im wesentlichen von dem jeweiligen Selbstbild – also eigentlich der Kernpersönlichkeit – eines Menschen ab. Definiert sich ein Mensch wesentlich über seinen Wunsch zur Verbesserung des eigenen Selbst, also über das Lernen von Neuem und die Erweiterung der eigenen Horizontes, so liegt die Toleranzschwelle normalerweise sehr hoch – die Erkenntnis daß es Dinge gibt die dieser Mensch nicht weiß und die daraus folgende Fähigkeit zur Selbstreflexion sind gewissermaßen Grundbestandteile seines Wesens und machen es ihm leicht auch grundlegende Veränderungen zu akzeptieren. Der begangene Fehler ist nicht der Beweis der eigenen Unzulänglichkeit sondern die unvermeidbare Folge des Lernprozesses.
    Diametral entgegengesetzt sind Personen deren Selbstbild auf der Idee der eigenen Vollkommenheit basiert – im Grunde eine mehr oder weniger ausgeprägte Form des Narzissmus. Diese Menschen leben in der Vorstellung alles besser zu können, zu wissen und zu verstehen. Jede eigene Fehlleistung stellt dieses Selbstbild in Frage und muss deshalb ignoriert, negiert oder – falls beides nicht möglich ist – auf einen Sündenbock abgewälzt werden. Für keines ihrer Probleme sind diese Leute verantwortlich, immer ist alles die Schuld von dubiosen Verschwörungen, Netzwerken oder der Gesellschaft was den Vorteil mit sich bringt daß sie sich, indem sie sich der Bekämpfung dieser Bösewichte widmen den Anschein der Bedeutung und Heldenhaftigkeit geben – und vor allem selbst an diese infantile Vorstellung glauben können. Wer mit einem Pflasterstein nach seinen Mitmenschen wirft ist einfach nur ein gewalttätiger Dummkopf – wirft er aber denselben Stein nach einem Polizisten hält er sich für einen Freiheitskämpfer, der die ganze Menschheit vor dem bösen „System“ verteidigt und gibt hinterher im Internet damit an.
    Genau diese Personen sind es, die immer besonders eifrig darin waren ihre Mitmenschen im Dienst der „Guten Sache“ zu belästigen, terrorisieren und drangsalieren, denn damit bestätigen sie sich ihre eigene Wichtigkeit und moralische Überlegenheit und heroisieren ihre eigene im Grunde völlig banale Person. Ob sie dabei im Dienst der Inquisition, Hitlers, Stalins, Pol Pots oder des IS stehen ist im Grunde unerheblich, in jedem Fall wird nur ein grundlegender Defekt der eigenen Psyche auf ein geeignetes Medium projeziert. Welches das im jeweiligen Fall ist, ist nur eine Frage der Sozialisierung des jeweiligen Akteurs und wie gewalttätig dieses Verhalten ausfällt ist eine Folge einerseits der Akzeptanz seiner Taten durch die Gesellschaft, seiner Dummheit und des Ausmaßes seiner eigenen psychischen Probleme andererseits. Neonazis und der Schwarze Block unterscheiden sich somit nur durch die jeweilige Sozialisierung – psychisch sind sie so gut wie ident.
    Dies lässt mich zu der eigentlich entscheidenden Frage kommen: wieso nehmen derartige Phänomene derzeit so rasant zu wie seit Jahrzehnten nicht mehr? Meiner Meinung nach liegt die Ursache in einer grundlegenden Fehlausrichtung von Politik, Medien und veröffentlichter Meinung.
    Seit Jahren werden Egoismus und Rücksichtslosigkeit als Ausdruck der Selbstverwirklichung geadelt, während die Konsequenzen zuerst verschwiegen und dann umso heftiger angeprangert werden – ohne den Zusammenhang mit dem sie verursachenden Verhalten anzusprechen.
    Man kauft billige Kleidung aus Bangladesh und regt sich dann darüber auf daß die heimische Textilindustrie zu Grunde geht.
    Man beschimpft jede Frau die ihre Kinder selbst erziehen will im Namen der Emanzipation als rückständig, erhöht jahrelang keine Familienbeihilfen und wundert sich dann über die geringen Geburtenzahlen.
    Man stellt jeden Lehrer der den Kindern tatsächlich etwas beibringen – und nicht nur Kumbaya mit ihnen singen will als Unmenschen hin und jammert dann über die schlechten Pisa Ergebnisse – kurz man tut alles um den Menschen beizubringen daß kurzsichtiger Egoismus etwas Gutes, Erfolgreiches ist und an ihren Problemen immer jemand anders Schuld hat.
    Erschwerend kommt noch eine absolut inkonsequente Verhaltensweise in Bezug auf gewalttätiges und antidemokratisches Verhalten dazu – kommt dieses von links wird es systematisch verharmlost, relativiert oder gar als wünschenswert hingestellt. Wenn dann die Rechtsextremisten die Verhaltensweisen nachmachen, für die ihre geistigen Brüder zuvor von Medien und Politik entschuldigt oder sogar gelobt worden sind ist das natürlich wieder die Schuld aller Anderen, nur nicht derer die zuvor nicht müde wurden Gewalt als legitimes Mittel zur Durchsetzung verschwurbelter Ideen zu verharmlosen.
    Die Folge ist der Teufelskreis, in dem wir uns derzeit befinden. Kurzsichtiges, narzisstisches und gewalt-affines Verhalten bildet die Basis von Politik, Berichterstattung und Medienlandschaft und diese „Werte“ werden von allen Seiten mit der Intensität einer Gehirnwäsche an die Menschen herangetragen. Die logische Folge ist eine emotionale und geistige Verkrüppelung der Menschen – Filme wie „Robocop“ der bei seinem Erscheinen vor wenigen Jahrzehnten noch als extrem brutal und unmenschlich galt laufen heute im Haupt-Abendprogramm und niemand denkt sich etwas dabei. Die so verbildeten Menschen handeln nicht nur entsprechend egoistisch, rücksichtslos und kurzsichtig, sie wählen ihrerseits Politiker deren Markenzeichen gerade diese Eigenschaften sind und die in ihrer Politik und durch ihren Einfluss auf die Medien die Probleme noch zusätzlich verstärken und die narzisstische Grundhaltung begünstigen. Die derzeitigen Probleme mit Wirtschafts- und Migrantenkrise sind nur der Dünger der diese abscheuliche Saat zur vollen Entfaltung bringt.

  15. Fragolin

    @Thomas Holzer
    Die Bobos von heute sind ja auch die Kiinder der Spießer von gestern. Sie ließen sich mit Papas Mercedes zur „Rettet die Wale“-Schuldemo fahren und bringen heute ihren Spross mit dem Hybrid-SUV zur „Rettet das Klima“-Schuldemo. Wenn sie noch welche haben. Denn Kinder in eine solche verderbte Welt setzen ist ja auch micht mehr mit dem Gewissen vereinbar (und eine gute Ausrede, um sich nicht mit kleinen windelkackenden Schreibälgern abgeben zu müssen, die einen jahrelang vom Besuch des Stammbeisels abhalten oder sonstwie die egozentrischen Kreise stören…). Das einzig Positive: So sterben sie aus… 🙂

  16. Selbstdenker

    @Mithrandir:
    Haben Sie vielen herzlichen Dank für diese ausgezeichnete Analyse! Was das Thema Mediennutzung anlangt, erlaube ich mir noch ein paar Gedanken einzubringen:

    Noch weit mehr als der passive Medienkonsum verroht die aktive Mediennutzung über die sozialen Netzwerke. Dort treffen die von Ihnen beschriebenen narzistischen Charaktäre auf Kommunikationstechnologien, die häufig nicht den fair ausgetragenen Wettbewerb der Ideen, sondern Mitkopplungseffekte bei Sichtweisen und Emotionen bewirken.

    Es ist erstaunlich, wieviele Menschen neuerdings einen gesunden Bezug zu ihrer Körperlichkeit verloren haben. Beispiel: In Foren über Fett- oder Magersucht treffen sich Gleichgesinnte und bestärken sich gegenseitig, dass das Problem in der Wahrnehmung durch die Gesellschaft und nicht etwa in ihren Lebenswandel oder ihrer Selbstwahrnehmung liegt.

    Zusätzlich steuert der akademische Bereich Neuauflagen gescheiterter Ideologien bei, die nunmehr jeden Aspekt der menschlichen Existenz in Dichotomien zu erklären versucht. Jeder kann sich so eine bestimmte für ihn genehme Opferrolle aussuchen.

    Narzissmus trifft auf Social Media und neoprogressive Ideologie.

  17. Selbstdenker

    @Fragolin:
    Definitiv. Es sollte einem zu denken geben, dass z.B. ausgerechnet die privillegierten Kinder der Mittel- und Oberschicht an US-Eliteschulen und Universitäten derartige Wesenszüge entwickeln. Ich erlaube ein Repost:

  18. gms

    Werner Reichel,

    Sie schreiben unter anderem: „Bisher habe ich noch keine befriedigende Antwort darauf gefunden, warum Europa gerade kulturellen Selbstmord mit Anlauf begeht. Ich bin kein Freund von (Welt)Verschwörungstheorien, bei denen am Ende immer die Amerikaner und/oder die Juden/Israelis die Fäden in Händen halten und für so ziemlich alles was auf unserem Planeten geschieht verantwortlich sind.“

    Dem ist uneingeschränkt zuzustimmen, eine monokausale Erklärung gibt es nicht. Dieser bedarf es aber zur Erklärung des gerade Ablaufenden auch nicht, sobald man realisiert, wonach kurz- und mittelfristig recht unterschiedliche und einflußreiche Akteure dieselben Ziele mit identen Mittel verfolgen, und dem wiederum keine potenten Player entgegenwirken.

    Karl Marx war Jude und viele kommunistische Anführer ebenso, während zugleich die jüdische Kultur, verkürzt formuliert, die regelrechte Antithese zu kollektivistischen und totalitären Ideologien darstellt. Anerkennt man, wonach Juden zumeist smarter agieren, erklärt sich auch ihr Mitwirken an prominenter Position in vielerlei Organisation mit wiederum gegenläufigen Interessen, weshalb es, egal welche Ziele man selbst verfolgt, im gegnerischen Lager fast immer einen namhaften Juden geben wird. Derjenige wird attackiert, der den Ball hat, und wenn sich fast in allen Mannschaften Spieler mit dem Davidstern finden, ist die Wahrnehmung regelrecht aufgelegt, unabhängig davon, welches Team ein Spiel gewinnt.
    Zugleich gibt es hinter den Kulissen kein einheitliches Lager, was sich exemplarisch jüngst an Spannungen betreffend Ukraine sowie Iran zwischen Juden in der Diaspora und jenen in Israel veranschaulichen läßt. Selbst wenn man Juden als Gemeinschaft die Wahrung ihrer Interessen konzediert, so besteht doch innerhalb dieser Gemeinschaft keine Einigkeit darüber, wie und mit welchen Mitteln dies geschehen solle.

    Ja, Juden haben auch Einfluß auf die Politik der USA, doch das haben andere nichtjüdische Tycoons ebenso. Sponsoren, Thinktanks, NGOs, Pressuregroups und so weiter und so fort verfolgen eigene Ziele, aber — und das ist der Punkt — decken sich diese oftmals mit offen kommunizierten geopolitischen Interessen der USA, die wiederum ihre Ziele mit und innerhalb von supranationalen Organisationen verfolgen. Einer konzertierten Verschwörung bedarf es nicht.

    Egal wie man’s dreht und wendet, gemeinsam ist all diesem Anstrengungen das Ziel, Einfluß und Souveränität von unten nach oben zu transferieren. In einem historischen Treppenwitz finden sich heute die Interessen der Antipoden vereint, wenn Internationalsozialismus Seite an Seite kämpft mit Großkapitalisten, für die nationale Souveränität ein Hemmnis beim Zugriff auf Ressourcen darstellt.
    Für Soros, Rockefeller und Konsorten sind heute Flüchtlingsmassen ebenso ein gezielt geschaffener und hernach instrumentalierter Rammbock zur Herstellung des für sie gewünschten Zustandes inform von noch mehr Fiatmoney, höherer Verschuldung und ökonomischer Strohfeuer, wie zugleich für Linke zwecks Schleifung aller gesellschaftlichen Unterschiede.

    Struktursozialismus der Besitzenden, vereint mit genuinem Sozialismus plus US-amerikanische Geopolitik, aufgepeppt mit sonstigen Gruppierungen wie Pan-Europa und Spinelli, streben langfristig vielleich völlig divergierene Endzustände an, das Zwischenziel jedoch ist dasselbe, nämlich die Homogenisierung Europas. Es sind zugleich diese Gruppen, die auch und inbesondere über Medien jene glitzernden Seifenblasen generieren, auf deren Oberflächen der Bobo als Scheuklappen tragender ‚Bildungsbürger‘ täglich seine Superiorität bestaunen kann.
    Der Proletarier fiel als revolutionäres Subjekt vor langer Zeit schon aus, der Kultursozialismus erzeugt andere Akteure und adressiert diese hernach — jene, die an den Gatekeepern der Univerisitäten vorbeikamen, sich deshalb gebildet und wissend wähnen und es medial immer wieder aufs Neue bestätigt bekomen.

  19. mariuslupus

    Die 68-er sind auf ihren marxistisch-maoistischen langen Marsch durch die Institutionen weiter erfolgreich unterwegs. Die 68-er Ideologie wird wahrscheinlich erfolgreicher sein als die zwei anderen totalitären Ideologien des 20. Jahrhunderts. Keiner von diesen beiden Ideologien ist es nicht gelungen so konsequent alle gedanklichen Positionen zu besetzen. In bezug auf die Meinung der Mehrheit der Bevölkerung waren die vorangegangenen Ideologien weniger erfolgreich. Dieser Ideologie ist es tatsächlich gelungen die Meinungen gleichzuschalten. Die Anzahl derer die versuchen eine andere Meinung zu hören, oder sogar zu akzeptieren, ist nach dem Trommelfeuer der Propagandamedien, verschwindend gering. Wer würde in diesen Medientotalitarismus noch BBC, Radio Free Europe, Radio Liberty oder sogar Radio Erivan hören wollen. Die Meinung ist gleichgeschaltet, Abweichungen werden nicht geduldet, jeder sein eigener Zensor.

  20. Pingback: Viel banaler und komplexer als jede Verschwörungstherie | Aron Sperber
  21. vanmuert

    Ich gehe davon aus, daß Ihre Analyse, Herr Reichel, richtig ist. In meinem, sagen wir mal etwas bobolastigen Umfeld deutet sich aber schön langsam ein Umdenken an. Die Herrschaften haben alle Kinder, das Geld wird immer knapper und offensichtlich dringt mehr Realität an sie ran. Das ist aber zu wenig. Ich denke man sollte, so sich die Gelegenheit bietet, die Störgeräusche verstärken. Unsere lieben Linken haben es mit Agitprop ja immer wieder vorgemacht. Die weniger technikaffinen Leser mögen entschuldigen. Voraus geschickt sei, daß man das nicht machen darf und es sich nur um ein Schul/Uni/was auch immer Projekt handelt.
    https://developer-blog.net/hardware/raspberry-pi-wird-zum-fm-radio-sender/
    http://makezine.com/projects/pirate-radio-throwies/
    Was kann man mit einem solchen Kleincomputer und einer Festplatte alles machen kann ;). Und billig ist es obendrein

  22. Dorfbewohner

    @ Tom K.
    das Chapeau! hatte ich Fragolin für seine tollen Statements auch schon einmal gezollt.
    Sie haben sich für Ihre Zeilen aber auch einen gezogenen Hut verdient!

    Überhaupt sind sowohl der Artikel von Herrn Reichel, als auch alle ergänzenden Kommentare ein Labsal für die geschundene Seele.

    Und so halte ich es mit den Worten des vanmuert: „Ich denke man sollte, so sich die Gelegenheit bietet, die Störgeräusche verstärken.“

    Nutzen wir das kommende Jahr vor allem nach diesem Motto!

    Guten Rutsch allen Artikelschreibern und Kommentatoren!!!

  23. Jsmith

    Dem Artikel ist voll und ganz zuzustimmen! Schon selbst mehrmals die argumentative Hilflosigkeit der linken Gutmenschenszene miterlebt….dann kommt Spott welchen ich mit Gegenspott und Schmäh zu beantworten pflege…dann kommt trotziges Schnaufen….und wo bei einem geerdeten Mann dann die Watschen folgen würde…da kommt dann Kopfschütteln und das Bewusst werden der fehlenden Cochones und der Rückzug in die Scheinwelt.
    Diesen Menschen ist nicht zu helfen…erst wenn sie den faschistoiden Islamisten gegenüberstehen werden, dann wird ihnen kurz ein Licht aufgehn…bevor das Licht ausgeht….

  24. Selbstdenker

    @Jsmith:
    „…erst wenn sie den faschistoiden Islamisten gegenüberstehen werden, dann wird ihnen kurz ein Licht aufgehn…bevor das Licht ausgeht….“

    Siehe No-Go Zones in Frankreich: zuerst jahrelang kommunistisch, dann plötzlich kurzzeitig vom FN und schließlich islamisch administriert. Michel Houellebecq kennt seine Pappenheimer, das muss man ihm lassen.

    In Österreich und Deutschland werden die Bobos aber ohne Umweg zu den Islamisten überlaufen:
    If you can’t beat them, join them.

    Von islamischer Seite gibt es jedenfalls keine „politischen Berührungsängste“:
    http://freebeacon.com/issues/iranian-cleric-i-converted-hitlers-grandson-to-islam/

  25. gms

    nattl,

    > Yuri Bezmenov: The four steps of Subversion [1]

    herzlichen Danke für den Verweis auf diesen Klassiker, der umso mehr Bedeutung erlangt, so man sich vergegenwärtigt, daß dieses Interview bereits in den 80ern stattfand. Anbei einige Auszüge:

    Ideological subversion is the process which is legitimate overt and open, you can see it with your own eyes. All you can do, all Americans needs to do is to unplug their bananas from their ears, open up their eyes and they can see. [..]
    What it basically means is, to change the perception of reality, of every American, to such an extent that despite an abundance of information no one is able to come to sensible conclusions in the interest of defending themselves, their family, their community and their country. It’s a great brainwashing process which goes very slow and is divided into four basic stages.
    The first one being demoralization. It takes from fifteen to twenty years to demoralize a nation. Why that many years? Because this is the minimum number of years required to educate on generation of students in the country of your enemy, exposed to the ideology of the enemy. In other words, Marxism, Leninism ideology is being pumped into the soft heads of at least three generations of American students, without being challenged or contra-balanced by the basic values of Americanism, American patriotism. Most of the activity of the department was to compile huge amount, volume of information on individuals who were instrumental in creating public opinion. Publishers, editors, journalists, actors, educationalists, professors of political science, members of Parliament, representatives of business circles. [..]
    They are contaminated, they are programmed to think and react to certain stimuli in a certain pattern. You cannot change their mind even if you expose them to authentic information, even if you prove that white is white and black is black you still cannot change the basic perception and illogical behavior.—

    Dreh- und Angelpunkt des flächendeckenden Brainwashings ist u.a. die „Frankfurter Schule“ mit ihrer „Kritischen Theorie“, ein Mix aus Freud und Marx und sorgfältig gedrechselte Verschwurbelung dessen, was man vorgeblich wissenschaftlich als wahr erkennen kann. Ein Ausfluß und Seitenarm davon ist „Repressive Toleranz“, die heilige Kuhe heutiger „Social-Justice-Warriors“ (danke @Selbstdenker, fürs wiederholte Thematisierien hier).

    Wie prominente noch lebende Vertreter dieser mentalen Unsportart argumentieren, veranschaulicht paradetypisch [2], wo Prof. Dr. Wolf-Lüder Liebermann sich im „Tagesspiegel“ gegen jene richtet, die ihren Unmut in Sachen massierten Zuzugs ausgerechnet mit Fakten unterfüttern:

    Die schon vor Wochen, wenn man aufmerksam gelesen hat, vor allem in überregionalen Medien manchmal nur widerwillig zugestandene Euphorie ist vorüber. [..] Infam, heimtückisch und gefährlich ist aber der inzwischen gängige Münze gewordene Rekurs auf den Realitätssinn.[..]
    Doch was ist Realität? Aus Fakten allein ergibt sich noch keine „Realität“. Hätten die Herren, die sich ihrer so unbedarft und bedenkenlos bedienen, in der Schule besser aufgepasst, so wären sie sich bewusst, dass nach Ansätzen bereits in der griechischen Antike „Realität“ seit Beginn der Neuzeit, dezidiert aber im 20. Jahrhundert ein prekärer Begriff geworden ist. Es hat sich in allen Disziplinen die Erkenntnis breit gemacht, dass Realität jeweils erst durch Perspektive konstituiert wird. Das gilt umso mehr für „realistisch“. Konsequenterweise ist der von Seehofer bejubelte (und von ihm brutal betriebene) rasche Umbruch von einer „reinen Willkommenskultur“ zu einer „realistischen Flüchtlingspolitik“ heuchlerische Spiegelfechterei; [..]
    Leider leistet das geistige und allgemein-gesellschaftliche Umfeld dem Vorschub, Gefühl und Stimmung haben Konjunktur, Rationalität keine unbestrittene Geltung, seit einiger Zeit sogar in gewissen Bereichen der Wissenschaft. Symptomatisch scheint die beinahe zur Mode gewordene, argumentativ keineswegs untermauerte pauschale Abqualifizierung von Jürgen Habermas als „Vordenker von gestern“. Das ist eine Entwicklung von bedrohlicher Brisanz. –Zitatende–

    Jede Person mit geistiger Schärfe über der einer Bowlingkugel kann solch heuchlerischen Spiegelfechtern (sic!) mit Leichtigkeit den Stöpsel aus der Wanne ziehen und den zuvor lustvoll im eigenen Saft Plantschenden verdammt nackt aussehen lassen, so er nur den Mut zum eigenständigen Denken aufbringt.
    Dann nämlich taugt nicht mal mehr das putzige Feigenblatt, welches Wolf-Lüder Liebermann versuchsweise zwischen sich und seine Leser quetschen will, wenn er zwecks übergeordneter Immunisierung seiner Seifenblasen doziert: „Aufgabe von Politik, Parteien und Presse wäre es allerdings, zur politischen Meinungsbildung im Sinne von Verständlichmachung und Aufklärung beizutragen – dafür werden sie finanziert, wie Habermas kürzlich völlig zutreffend betont hat.“

    Krieg ist Frieden, jeder rote Ideologe ein Einsteins des Kosmos zwischen den beiden Ohren eines menschlichen Kopfes, und Aufklärung am besten unter geballter Anleitung durch die üblichen Verdächtigen zu erlangen. Fehlt nur noch ein „Danke & Bussi auf’s Bauchi“.

    [1] youtu.be/bX3EZCVj2XA
    [2] tagesspiegel.de/politik/fluechtlinge-in-deutschland-medien-an-der-grenze-zur-hetze/12756290.html

  26. Franz

    nun gut, vieles in dem artikel sehe ich auch so. in summe erkenne ich jedoch genau das gegenstück zum medienbobo. selbstgerecht und klischeehaft in der eigenen denkweise. da einige themen aber nur als „beweislast“ zur dummheit des bobos angeführt sind ohne weiters darauf einzugehen, bleibt die möglichkeit dass in wirklichkeit inteligentere schlussfplgerungen dahinter stehen als der artikel vermuten lässt. wie auch immer.

    zum thema selbst: ich vertrete die meinung dass nicht ein ereigniss oder eine person, ideologie usw. derart umfangreiche auswirkungen haben kann. es sind immer verschiedene bereiche die aufeinander einwirken. für mich selbst habe ich als einen dieser bereiche folgenden satz formuliert:

    „angst vor rechts frißt hirn“

    ich glaube (was ja bekannterweise nichts mit wissen zu tun hat) dass viele menschen aus der tragödie des 2 WK den schluss gezogen haben dass wir nur genau dass gegenteil von dem machen müssen was damals abgelaufen ist, und alles wird gut. natürlich ist das naiv. aber die strahlkraft der nazis wirkt offensichtlich nicht nur auf deren anhänger, sondern auch auf jene, die deren gedankengut abstößt. ähnlich verhält es sich ja mit den leuten die verbrechen oder leistungen vom christentum und islam gegeneinander aufrechen (was meist schon im detail an den interpretationen der geschichtlichen abläufe scheitert) um daraus schlüsse für deren heutige legitimation zu finden. auch wirr in meinen augen. den neben den interessanten geschichtlichen aspekten ist es einfach unerheblich was vor 500 jahren passiert ist. die menschn heute und ihr tun sind entscheidend. unserer gesellschaft würde es jedenfalls gut tun die nazizeit unter diesem gesichtspunkt einzuordnen. der heute noch betriebene nazikult der fans und feinde ist einfach nur schlecht für unserer gesellschaft. oft kommt es mir vor wie wenn wir uns alle für die nächsten jahrzehnte jeden morgen selbst geißeln sollen weil wir alle schreckliche nachkommen „der“ nazis sind. wie sich diese verbohrtheit auf aktuelle generationen auswirkt sehen wir bei der flüchtlingsdebatte. nur ja nichts tun dass nur im ansatz mit den daten von damals in verbindung gebracht werden könnte. und dass bis zum bitteren enden durchziehen….

    letztlich geht es mir aber auch so dass ich nicht fassen kann was passiert. aber lassen wir mal die kirche im dorf. (ist dass jetzt schon rassistisch?) in wirklichkeit weiß niemand von uns wie sich das ganze langfristig auswirken wird. vielleicht kommt es zu bürgerkriegsartigen zuständen. ( und ja, auch die globalisierung und liberale marktwirtschaft kann einer der auslöser sein ) vielleicht geht aber unsere zeit such in die geschichte ein in der der mensch einen wichtigen wandel zu „einem besseren“ menschen durchgemacht hat. wer weiß das schon.

    abschliessend möchte ich noch sagen dass ich die meinung vertrete dass selten etwas nur gut oder nur schlecht ist. vielmehr kommt es auf die details, die umsetzung an. — wie, wieviel, warum, wozu….— wenn wir uns auf das einigen könnten wären wir als gesellschaft schon viel weiter. leider werden die meisten debatten von extremisten doiminiert.

  27. Selbstdenker

    @gms:
    Es ist erstaunlich wie schnell sich hier ein durchwegs konsistentes Gesamtbild zusammenfügt; die Thematik scheint viele auf dem Ortner Blog zu beschäftigen.

    Folgende zwei Zitate aus Ihren Kommentar verstören mich etwas, weil sie genau meine Beobachtungen in Deutschland wiedergeben:

    „What it basically means is, to change the perception of reality, of every American, to such an extent that despite an abundance of information no one is able to come to sensible conclusions in the interest of defending themselves, their family, their community and their country.“

    Ich hatte diesbezüglich schon einige Diskussionen im Bekanntenkreis: die Leute sehen die Dinge ganz klar vor ihren Augen und sie können sie rein vom Ablauf her auch genau wiedergeben. Sie können die Geschehnisse jedoch nicht als das begreifen, was sie sind, weil sie nicht glauben wollen, was sie gerade sehen.

    „[…]Publishers, editors, journalists, actors, educationalists, professors of political science, members of Parliament, representatives of business circles. [..]
    They are contaminated, they are programmed to think and react to certain stimuli in a certain pattern. You cannot change their mind even if you expose them to authentic information, even if you prove that white is white and black is black you still cannot change the basic perception and illogical behavior.“

    Ja, das sind im Wesentlichen die üblichen Verdächtigen und sie reagieren auf bestimmte Stimuli wie der Pawlowsche Hund. Zudem ist eine ganze Generation von Kindesbeinen auf mit Grundannahmen vollgepumpt worden, die nie ernsthaft hinterfragt wurden und die in zahlreichen Unterhaltungen völlig beiläufig und gedankenlos immer wieder weiterverbreitet werden.

    Ohne ins Details gehen zu wollen, erlaube ich mir noch eine (zugegeben) steile These einzuwerfen: wenn die Sexualität aus dem tiefen Unterbewusstsein kommt, ließen sich wohl im Unterbewusstsein manifestierte äußere Einflüsse daraus ablesen, oder?

  28. gms

    Selbstdenker,

    „wenn die Sexualität aus dem tiefen Unterbewusstsein kommt, ließen sich wohl im Unterbewusstsein manifestierte äußere Einflüsse daraus ablesen, oder?“

    Ich bin nicht sicher, ob ich die Frage richtig verstehe, daher nachfolgend nur einige Bausteine für eine mögliche Antwort: Äussere Einflüsse als Erlebnisse manifestieren sich fraglos auf die eine oder andere Art im Bewußten wie auch im Unbußten. Beide beeinflussen wiederum, wie Wahrgenommenes bewertet wird und dementsprechend auch Denken und Handeln. Wenn sich Eindrücke auch manifestieren (in-formieren: etwas in eine bestimmte Form bringen), so ist die umgekehrte Funktion, das Ablesen, welcher Abdruck welcher Information geschuldet ist, schon weitaus schwieriger.

    Unser mächtigstes Sexualorgan ist das Gehirn, äußere Einflüsse darauf haben daher auch fraglos Wirkung auf unsere Sexualität. Was diesbezüglich bei traumatischen Erlebnissen unstrittig ist, bleibt am anderen Ende der Skala zu hinterfragen bei streßfreien Erlebnissen, die oberflächlich betrachtet nicht als Störung daherkommen und vordergründig rein die Vernunft adressieren.

    Brainwashing wirkt, wird in der Regel aber mit robusten Methoden kombiniert. (Übrigens war Pawlow diesbezüglich nicht bloß mit Hunden beschäftigt [1]). Auf den grassierenden Genderismus übertragen, ruft dieser bei Jungs tatsächlich Verwirrung hervor, ob in und mit ihnen alles mit rechten Dingen zuginge. Es scheint daher plausibel, die vermehrt beobachtete Unsicherheit des Nachwuchses einem gezielt von außen verankerten Selbstzweifel zuzuschreiben, dem Gefühl, mit sich selbst nicht im Reinen zu sein.
    Genderismus (das vorgebliche Heilmittel gegen das von ihm Evozierte) erfüllt beim psychological warfare eine Doppelrolle, indem es nicht nur den Mann als potentiellen Verteidiger der Gemeinschaft unterminiert, sondern obendrein für Lernwillige ein Alternativstudium zu Sinnvollem anbietet und generell die Gesellschaft mit Hirnwichsen ohne Hand und Hirn auf Trab hält.

    Ebenso deklarierte und gleichzeitig zu behandelnde Ziel-1-Gebiete durch ideologische Subversion im ersten Stadium („demoralization“) sind Religion und Werte ansich, das Verhältnis zwischen Arbeitnehmern und -gebern, die Einstellung zu Verbrechern (Opfer!) und last not least das absurde Trommeln von Gleichheit. Der hier schon genannte Yuri Bezmenov bietet dem Interessierten jede Menge Déjà-vus. Er hat es gelernt und in einigen Ländern praktiziert.
    Wer sich fragt, worauf das Ganze hinausläuft: Auf „destabilization“ und den Wunsch des Volkes nach einem Erlöser, den es in Form des Big Brothers auch erhält (zynisch „normalization“ genannt).

    Das offensichtliche Gegenmittel nennt Yuri Bezmenov — das Aufzeigen, worauf Kommunismus abzielt und mit welchen Mitteln dies geschieht. Ansich ein easy Job, wären nicht schon so viele Menschen mit rotem Gift abgefüllt. Zugleich, was hier schon genannt wurde, bedienen sich auch nicht genuine Sozialisten dieser Methoden zur Verschiebung der Macht von unten nach oben, sei’s gezielt oder als installierte nützliche Idioten.

    [1] scribd.com/doc/23469047/Brainwashing-TheStoryOfMenWhoDefiedIt-EdwardHunter-1956-BW

  29. Selbstdenker

    @gms:
    Haben Sie vielen herzlichen Dank für Ihre ausführliche und hilfreiche Antwort! Ich werde die von Ihnen erwähnten Querverweise ausführlich studieren, da an der Sache etwas dran sein düfte.

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