Zitat zum Tag

Ist der Glaube, die von Beweisen unabhängige Gewissheit, nicht vielleicht die gefährlichste aller menschlichen Fähigkeiten (…)? Denn der Glaube mordet nicht nur, er liefert auch noch die Rechtfertigungen für das Morden und verleiht ihm eine höhere Weihe. Und wenn der Glaube die gefährlichste Eigenschaft ist, so ist der Zweifel die segensreichste, denn der Zweifel tötet nie, er unterdrückt nie, er zündet keine Scheiterhaufen an, er lässt leben, lässt gewähren und duldet. (Max Kruse)

6 comments

  1. stiller Mitleser

    Zweifel ist halt etwas lähmend, potentiell handlungsverzögernd und vereinsamend und viele „Tatsachen“ (z.B. bei akademischen Dienstleistungen durch Ärzte, Juristen und Statiker) müssen wir ohnehin unüberprüft glauben, da wir mangels Expertise sogar populärwissenschaftliche Erläuterungen oft nur holprig nachvollziehen können und nicht immer über Zeit und Mittel für eine Gegen-Expertise verfügen…
    Während der Glaube uns mit phantasierten Schutzmächten (nicht vergessen: wir sind hilflos geborene und ziemlich lange hilflos bleibende Säugetiere, verletzlich und bedürftig, jedes Küken ist uns überlegen!) eint und solcherart stärkt und beflügelt: zum Guten wie zum Schlechten.
    Humangeschichtlich gesehen ist Zweifel ein Luxus, Glaube aber eine Überlebensnotwendigkeit.

  2. Thomas F.

    @Thomas Holzer
    Der Glaube veranlasst den Menschen zu morden, ist natürlich gemeint.
    Beispiele gefällig? Einfach ein bisschen in den Geschichtsbüchern schmökern…

  3. Thomas Holzer

    @Thomas F.
    Ja eh!
    So viel verstehe ich auch, danke für Ihre „Aufklärung“.
    Aber: Glauben per se werden Sie nie und nimmer unterbinden können, egal. ob an ein Buch, ein übernatürliches Wesen, eine ideale Gesellschafts- und oder Wirtschaftsform ad infinitum.
    Die Anhänger des Nationalsozialismus haben genauso geglaubt wie die Anhänger des Internationalismus und vieler anderen „Ismen“.
    Die -meiner bescheidenen Meinung nach- wenigsten Toten hat bis dato der Liberalismus, respektive der Glaube an eine liberale Ordnung, gefordert; nichtsdestotrotz glauben! aber die Anhänger dieses Gedankengutes auch, daß eben diese ihre Idee am besten geeignet sei, ein halbwegs friedliches Zusammenleben zu ermöglichen

  4. Oliver H.

    @Thomas F.
    „Der Glaube veranlasst den Menschen zu morden, ist natürlich gemeint.“

    Welcher Glaube? Der jüdische, katholische, buddhistische, hinduistische oder der Glaube an die Zahnfee?

    Die Behauptung von Max Kruse ist grundfalsch und obendrein bedenklich aus dem Kontext einer generellen, kommunistisch inspirierten Religionsfeindlichkeit. Kruse lebte in der DDR und war in der Giordano-Bruno-Stiftung tätig, die sich für ein humanistisch-wissenschaftliches Weltbild ausspricht und aktuell eine deutsche Leitkultur ablehnt.

    Der Verweis auf Humanismus in der Kritik an Kruse ist nur scheinbar widersprüchlich, sobald man anerkennt, dass auch Humanismus bloss der Annahme entspringt, der Mensch nähme eine Sonderstellung ein. Jedes Aufstellen einer ersten Prämisse, eines Axioms, erfolgt in der zwangsweise unbeweisbaren Behauptung der Richtigkeit und leidet damit zugleich aus wissenschaftlicher Sicht exakt jenen Mangel des innewohnenden Zweifels.

    Kruses Aussage ist also weder logisch haltbar, noch in ihrer apodiktisch anmutenden Fürsprache für den Zweifel angetan, Menschen etwas Zweckdienliches in die Hand zu geben, weil sie jeder Entscheidung die Grundlage entzieht, ja selbst der Berechtigung des Zweifelns ansich oder der ihm entspringenden Duldsamkeit.

    ‚Bedenke die Folgen einer Tat!‘ ist das Einmahnen von Vernunft, doch ebendiese Vernunft lässt uns erkennen, wonach es ex ante niemals eine Gewissheit geben kann. Menschliches Handeln erfolgt immer im Kontext der Unsicherheit, niemand könnte gut begründet etwas tun oder unterlassen, ohne den Glauben, es wäre das Richige.

    Humanismus basiert wie reliöser Glaube auf einer nicht von Beweisen unabhängigen Gewissheit. Wissenschaftlichkeit per se ist ebenfalls keine zwingende Begründung für das Unterlassen von Morden. Wollte man als liberaler Humanist einem Max Kruse beipflichten, dann allein unter der Einschränkung, es gäbe sehrwohl Arten des Glaubens, die mit Humanismus vollkommen kompatibel sind.

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