Der Fluch der Interventionsspirale

(ANDREAS TÖGEL) Liberale Denker werden nicht müde, vor den Folgen staatlicher Regulierungen und Interventionen zu warnen. Nicht nur im wirtschaftlichen Bereich wie etwa im Gefolge der Festsetzung von Löhnen und Preisen, sondern auch nach Entscheidungen von gesellschaftspolitischer Relevanz ziehen diese stets einen Rattenschwanz weiterer Regelungen nach sich, die zur Korrektur der dysfunktionalen Wirkung der Erstmaßnahme erforderlich werden.

Ein wunderbares Beispiel dafür liefert die Alkoholprohibition in den USA nach dem Ersten Weltkrieg, die das organisierte Verbrechen zu einer florierenden Industrie anwachsen ließ, die dann von einer Armee von Polizeiagenten bekämpft wurde. Ohne das sinnlose Alkoholverbot kein Vorwand für die Regierung, ins Privatleben rechtschaffener Menschen hineinzuregieren.

Heute geht es nicht mehr um Alkoholverbote. Dafür beschäftigen sich weltweit Zehntausendschaften von Kriminalpolizisten, ja in einigen Ländern sogar reguläre Militäreinheiten, mit der Bekämpfung jener Art von Gesetzesbrechern, die durch eine völlig unsinnige Drogengesetzgebung produziert werden. Zirka 50 Prozent der in US-Gefängnissen einsitzenden Straffälligen sitzen ein für Taten, die im Zusammenhang mit dem Handel illegaler Drogen stehen.

In der Frage des privaten Waffenbesitzes stehen die Dinge ähnlich: Solange es keine überflüssigen Restriktionen gibt, die ohnehin nur für harmlose, staatsgläubige, gesetzestreue Untertanen Bedeutung haben, braucht es auch keinen steuerfinanzierten Apparat, der unentwegt damit beschäftigt ist, unbescholtene Menschen zu überwachen und mit regelmäßig stattfindenden Hausdurchsuchungen zu peinigen. Diese unmittelbar gegen amtsbekannte private Waffenbesitzer gerichteten Maßnahmen sind aber nur der eher harmlosere Teil der Folgeinterventionen einer restriktiven Waffengesetzgebung. Viel gefährlicher ist der Plan zur Beschränkung oder gar Abschaffung des Bargeldes, der mit schöner Regelmäßigkeit mit dem „Kampf gegen die Drogen“ und die „Waffenschieberei“ gerechtfertigt wird.

Es beschleicht einen das Gefühl, dass der immer weiter zunehmende Regulierungs- und Verbotswahn des Leviathans keinem anderen Zweck dient als der Beschäftigung von Zeitgenossen, die nicht an der Wertschöpfung teilnehmen. Seine hässliche Fratze zeigt der Staatsapparat dann, wenn er beginnt, die gemeinhin als Notwehr bezeichnete Abwehr einer unmittelbar drohenden Gefahr zu unterbinden. So geschehen an der schönen blauen Donau, als im Gefolge eines anlässlich der langsam Folklorecharakter annehmenden Demo gegen den Wiener „Akademikerball“ erfolgten Übergriffs mehrerer linker Randalierer auf einen Identitären ein „Waffenverbot“ verhängt wurde. Nicht etwa gegen die Angreifer – wo kämen wir denn da hin –, sondern gegen den Bedrohten, der eine Pfefferspraypistole als Notwehrmittel eingesetzt hatte.

Der Angegriffene wird so etwas  künftig mit leeren Händen entgegentreten müssen. Bleibt nur, ihm zu wünschen, dass er über die Kampfkünste des legendären Bruce Lee verfügen möge. Das gilt übrigens auch für den Rest der Bürger Deutschlands und Österreichs, denen das Beisichtragen wirkungsvoller Selbstverteidigungsmittel grundsätzlich bei Strafe verboten ist. Genehmigungen zum Tragen scharfer Waffen werden, außer für Personenschützer und professionelle Geldboten, nämlich so gut wie nicht mehr erteilt.

Der Staat sorgt für die Flutung des Landes mit Hunderttausenden von aus Zivilisationen stammenden Männern, in denen Gewaltanwendung alltäglich ist. Da er es seinen Untertanen unmöglich macht, sich selbst zu schützen, nimmt das Unsicherheitsgefühl zu. Um dem zu begegnen, braucht es mehr Polizei. Und um die zu bezahlen, werden Steuererhöhungen unumgänglich.

Eine Interventionsspirale vom Allerfeinsten. Um sie zu durchbrechen, wäre nichts weiter nötig, als die restriktiven Waffengesetze zu liberalisieren oder abzuschaffen. Die wirklich Bösen scheren sich ohnehin nicht drum.

Der Beitrag erschien zuerst in der Printausgabe Nr. 171 des Magazins „eigentümlich frei“

8 comments

  1. Andreas Tögel

    Verehrte Antonia,
    „Zustände wie in den USA“? Welche meinen Sie? Die in New York, Washington DC oder Chicago, wo restriktivere Waffengesetze herrschen als hierzulande und wo die Gewaltkriminalität ein gewaltiges Problem darstellt? Oder die „Zustände“ in Städten, in denen liberale Waffengesetze gelten, wie etwa Salt Lake City oder Denver – wo es wesentlich weniger Gewalttaten gibt als in den erstgenannten?

    Der Punkt ist, dass jeder potentielle Gewalttäter (sei er freischaffender Krimineller oder politisch/religiös motivierter Terrorist) spielend leicht an Schießzeug aller Art kommt, wie die einschlägigen Statistiken belegen: Fast alle bei Straftaten zum Einsatz kommende Schusswaffen wurden illegal beschafft. Der brave Bürger, der keine Vorstrafe nach dem Waffengesetz riskieren kann oder will, steht nach dem Willen des Gesetzgebers aber mit leeren Händen da und kann, anstatt sich wirkungsvoll gegen Kriminelle zur Wehr zu setzen, nur mit Davonlaufen reagieren.

    Seltsam, dass Sie sich vor Waffen unbescholtener Bürger mehr fürchten als vor denen in der Hand von Desperados.

  2. Thomas Holzer

    „………erfolgten Übergriffs mehrerer linker Randalierer auf einen Identitären ein „Waffenverbot“ verhängt wurde.“

    Angeblicher Weise bestand dieses Waffenverbot gegen diesen Mann schon, bevor! dieser behauptete Übergriff stattfand, respektive publik gemacht wurde.

    Daß Böses fortwährend Böses gebären muß, ist ja hinlänglich bekannt; leider lassen sich weder die gewählten Politikerdarsteller von ihrem unseligen Tun abhalten, noch wehrt sich der Untertan auch nur auf irgendeine halbwegs bemerkbare Art und Weise.

  3. TomM0880

    _______________________________
    Zitat: Antonia Feretti
    „Schusswaffen sind notwendig für Polizisten und ok für Bodygards, aber mir graut vor einer Zivilgesellschaft, in der jeder komplexbehaftete Pubertierende oder an der Senilitätsgrenze verzweifelnde Impotenzler (pardon!) mit einer Schusswaffe herumläuft und, wenn seine Frustrationsgrenze überschritten ist, einen Amoklauf veranstaltet!
    Zuständ wie in den USA sind doch wirklich nicht erstrebenswert!“
    _______________________________

    Man sieht aus Ihrem Beitrag, dass Sie sich mit dem Thema nicht befasst haben oder einfach keine Ahnung haben.

    In Österreich gibt es ein sehr gut funktionierendes Waffengesetz (das in letzter Zeit durch die EU wieder torpediert wird).

    In Österreich kann jeder volljährige Bürger eine Repetierbüchse oder Langwaffen mit manueller Ladefunktion kaufen gehen.

    Bei Faustfeuerwaffen und halbautomatische Repetierbüchsen sieht die Sache schon anders aus. Dazu muss eine Waffenbesitzkarte beantragt werden, die nicht jeder bekommt. Strenge Auflagen müssen erfüllt werden (zB psychologisches Gutachten). Es wird die Zuverlässigkeit des zukünftigen Waffenbesitzers überprüft.
    Sollte der unbescholtene zuverlässige Bürger dann endlich eine Waffenbesitzkarte durch die Behörde erhalten, wird in einem Zeitraum von allen 5 Jahren der sorgsame Umgang des Waffenbesitzers mit seinen Geräten durch die Polizei überprüft (Aufbewahrungspflicht, Umgang mit der Waffe).

    Eine Waffe zu besitzen heißt aber noch lange nicht sie auch führen zu dürfen. Dies ist nur Besitzern eines Waffenpasses erlaubt. Diese werden zurzeit aber nicht einmal mehr an Polizisten ausgestellt, damit diese ihre Dienstwaffe auch privat tragen dürfen (sehen Sie die Idiotie?). Wer wenn nicht Polizisten wären zuverlässiger als Polizisten, die eigentlich einen geschulten Umgang mit der Waffe haben sollten?

    Wie viel hätte verhindert werden können, wenn nur Polizisten im richtigen Moment (Polizist bleibt auch Privat ein Polizist) ihre Schusswaffe dabei gehabt hätten.

    Der Vergleich mit den USA hinkt natürlich auch wieder. Auch in den USA sind die allermeisten Straftaten mit Hilfe ILLEGALER Schusswaffen durchgeführt worden.

    Ihnen graut davor, dass jeder komplexbehaftete Pubertierende oder an der Senilitätsgrenze verzweifelnde „Impotenzler“ mit einer Schusswaffe rumlaufen würde? Genau da ist der Punkt. Unser gutes Waffengesetz würde das verhindern. Warum sollte eine auf die Zuverlässigkeit geprüfte Person nicht auch eine Waffe führen dürfen?

    Die von Ihnen angesprochenen Personenkreise dürfen ohne weiteres Fahrzeuge mit mehreren Tonnen befördern, was meiner Meinung nach aber sehr bedenklich ist. Attentate der letzten Zeit haben gezeigt, dass es nicht mal Schusswaffen benötigt um eine größere Anzahl von Menschen zu töten.

    Das strengste Waffengesetz der Welt würde nicht verhindern, dass Menschen durch Schusswaffen sterben. Aber ein liberales Waffengesetz würde wenigstens dafür sorgen, dass es auch mal die richtigen erwischt und nicht jene, die durch die zur Zeit herrschende Politik zur Schlachtbank geführt werden.

  4. TomM0880

    Nachtrag:
    Übrigens besteht gegenüber straffälligen Personen in Österreich generell ein Waffenverbot. Das System funktioniert, nur die bösen Jungs möchten sich einfach nicht danach richten (seltsam oder?).

  5. Hanna

    Also ich lerne jetzt schießen, offiziell. Trage keine Waffe mit mir herum, aber sollte einmal der Fall des Falles eintreten, werde ich mich verteidigen können, ohne irgendeine Rücksicht auf den/die Angreifer. Sportschießen ist eine feine Sache, kann ich nur empfehlen. Nicht mit „scharfen“ Waffen natürlich, nur mit zB Luftdruckpistolen, 4.5 Blei, 20 m Reichweite, und gemma. Plus: Ich, weiblich, 1,72, über 50 J., habe früher Karate gemacht. Kann ich nur sagen „Don’t f*ck with me“ … und ich meine das so, gell @Antonia.

  6. mariuslupus

    Second Amendment, ist ein Teil der Bürgerrechte. Bedeutet aber nicht, dass der Staat dessen Regierung sich verpflichtet hat, seine Bürger zu schützen, auf sein Gewaltmonopol verzichtet.
    Genau das haben die failed states in der EU und die EU selbst getan.
    Zuerst wurden die Grenzen abgeschafft, dann wurde der Schutz der eigenen Bürger vor fremden Eindringlingen aufgehoben, dann haben die Staaten der EU aufgegeben zu kontrollieren wer auf ihren Staatsgebiet überhaupt leben darf, die Parlamente haben aufgehört die Exekutive zu kontrollieren, die sog. unabhängige Justiz mutierte zu Klassenjustiz und die „vierte“ Macht im Staate wurde zum Propagandainstrument der Rechtsbrecher, als Regierungsmitglieder getarnt, umfunktioniert.
    Der Bürger existiert auch nicht mehr, nur möchte man ihm die Illusion seiner Existenz noch nicht rauben. Zu bezweifeln ist, dass er es, als braver Wähler, überhaupt wird merken. Wird weiter die wählen für die er zu Manövriermasse verkommen ist.
    Summa summarum, dass Problem sind nicht die Waffengesetze.

  7. stiller Mitleser

    @Tom
    stimme Ihnen zu,
    @ Hanna
    ohne Waffenpass kann man sich nur auf dem eigenen Grundstück, in der eigenen Wohnung gegen Einbrecher verteidigen und das ist gar nicht so einfach (Distanzen etc…)
    .
    Frei erhältliche Luftdruckpistolen, aber auch andre, vermutlich illegale, Waffen sind, wie man an Munitionsfunden (und nicht nur am 1. Jänner!) auf öffentlichen Grünflächen der Flächenbezirke feststellen kann, sehr verbreitet.

  8. Kebhart Hans Peter

    Andauernd kommt der Vergleich bezüglich der Waffenfreiheit in den bösen USA, niemand erwähnt die Schweiz???? In der Schweiz hat fast jeder Haushalt eine Schußwaffe, sogar automatische Waffen die bei uns strengstens verboten sind. In der Schweiz leben ca. gleich viel Menschen wie in Österreich und die moralischen Grundsätze sind ident. Jetzt meine Frage dazu: hört irgendjemand von der Schweiz wieviel Tote und Verletzte es da täglich durch Schußwaffen gibt? Laut der Theorie der Linken/Politiker müsste die Schweiz in Blut versinken, tut es aber nicht und warum nicht, weil es genauso ist wie Herr Tögel es mehrfach beschreibt, durch Waffenliberalisierung mit registrierten Waffen und Menschen mit Meldepflicht, also legale Waffen, wird unsere Gesellschaft sicherer.
    Mfg Kebhart HP

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>