Wag the Dog: Von Clinton bis Trump

(GEORG VETTER) Dass ein amerikanischer Präsident zwecks Ablenkung von seinen Sexaffären die Streitkräfte aktiviert, war nicht nur Thema des Satirefilms „Wag the dog“, sondern hat auch schon Bill Clinton praktiziert. Als er sich im Zusammenhang mit der Affäre Monica Lewinsky in die Enge getrieben sah, ließ Clinton im Jahr 1998 ein paar Bomben auf Bagdad, Afghanistan und den Sudan werfen. Im letzten Fall wurde übrigens eine Giftfabrik als Ziel angegeben.

Nun ist es Präsident Trump, der wegen der Affäre Storming Daniels in Bedrängnis gerät. Das FBI hat bei seinem Anwalt bereits eine – nicht unumestrittene – Hausdurchsuchung durchgeführt. Der Anwalt soll der Pornodarstellerin 130.000 Dollar an Schweigegeld bezahlt haben. Sie plauderte trotzdem. Frustriertes Schweigegeld als verbotene Wahlkampfspende zu qualifizieren scheint in die Kategorie der bemerkenswerten juristischen Interpretationen in den USA zu fallen.

Sollten der betroffene Anwalt mit den ihm eigenen Methoden des Öfteren behilflich gewesen sein und sollten die US-Medien einen ähnlich guten Zugang zu staatsanwaltlich beschlagnahmtem Material haben wie die österreichischen Medien, darf eine voyeuristische Öffentlichkeit auf weitere brisante Enthüllungen hoffen. Natürlich könnte sich in den Akten des Anwalts auch sonst noch Interessantes über Donald Trump finden. Privatheit scheint eher ein Privileg der Bürger zu, nicht aber des Präsidenten und seiner Berater.

Politisch ist also Feuer am Dach und da kann sich ein kleiner Krieg als durchaus willkommen erweisen.

Wenn nun das Regime in Syrien Giftgas gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt haben soll und diese Tat als Rechtfertigung für das Abfeuern amerikanischer Bomben dienen könnte, ist unter gegeben Rahmenbedingungen Skepsis angesagt. Skeptisch sollte man immer sein, wenn jemand behauptet, dass zurückgeschossen wird. Gerade erst haben in England zwei mutmaßliche Giftattackenopfer das absolut tödliche Nowitschok überlebt. Skeptisch sollte man aber auch dann sein, wenn die Gift-Prämisse stimmt. Wer legitimiert die USA zum Eingreifen, wenn irgendwo auf der Welt ein Regime die eigene Bevölkerung massakriert? Punktuelles Eingreifen abseits der internationalen Gemeinschaft maximiert eher das Ungerechtigkeitsgefühl.

Als Clinton seine Bomben im Nahen Osten abwerfen ließ, war Russland angeschlagen. Heute ist Russland wieder ein Player und könnte sich durchaus verpflichtet sehen, seinem Verbündeten Syrien im Falle eines Angriffs zur Seite zu stehen. Das Risiko eines Bombardements im Jahr 2018 ist unvergleichbar höher als jenes im Jahr 1998. Wenn Trump per Twitter „Get ready, Russia“ ruft auf seine neuen, schönen und smarten Raketen verweist, provoziert er wie niemals ein anderer Präsident vor ihm.

Dass der Friede nach einem kräftigen amerikanischen Erstschlag ausbricht, erscheint eine eher naive, schlafwandlerische Annahme zu sein.

15 comments

  1. Der Tschakkomo

    Der syrische Diktator ist sicher kein Waisenknabe. So viel man mitbekommt, sind die „Rebellen“ allerdings auf die Giftgasstadt zurückgedrängt. Die Rebellen stehen kurz vor der endgültigen Niederlage. Assad kurz vor dem großen Sieg. Warum sollte er jetzt genau das machen (Giftgas), was ihm international die meiste Gegenwehr einbringt und somit in eine schlechtere Position? So kurz vor dem Sieg…?!?

    Ich werde den Eindruck nicht los, die Rebellen profitieren von diesem Giftgasangriff deutlich mehr….

  2. Thomas Holzer

    Der Beitrag scheint nicht beendet worden zu sein 😉
    Abgesehen davon, darf ich dem Herrn Dr.Vetter natürlich recht geben

  3. cmh

    Als im Iran-Irak-Krieg Giftgas verwendet wurde kamen die vergifteten/verwundeten Soldaten nach Wien zu Behandlung. Warum werden nicht wenigstens die Kinder, zumindest das Mädchen mit den großen Augen im Video, zur Versorgung nach Germony gebracht? Aufnahme fänden sie sicher.

    Und mit den amerikanischen Präsidenten wird immer die „rote Linie“ begrifflich verbunden bleiben. Es könnte sein, dass auch im Homeland selber rote Linien überschritten werden, die dann unvorhergesehene Reaktionen hervorrufen könnten. Das wird sicher nur zum Schaden der Vereinigten Staaten ausgehen. Uns bleibt dabei nur die Zuschauerrolle und die Hoffnung, die europäischen Politiker werden das Beste für Europa dabei herausholen.

  4. Kluftinger

    Obama hatte damals von einem Angriff abgelassen, da die CIA den Verdacht äusserte, dass die Türkei et. al bei diesem Giftgasangriff die Hände im Spiel hatten. Trump scheint in diese Falle zu gehen?

  5. Thomas F.

    Russland hat versprochen, die Raketen abzufangen. Trump ist überzeugt, sie dringen durch.
    Eine Seite wird sich blamieren.

  6. Astuga

    Hm, ich war zwar nie ein fan von clinton. Aber beim vorwurf des „wag the dog“ ging es damals um den balkankrieg.

  7. Thomas Holzer

    Daß sowohl in „heißen“ als auch „kalten“ Kriegen Propaganda. Lügen, „halbseidene“ auf allen Seiten eingesetzt wird, war schon immer so und wird auch immer so bleiben; liegt in der Natur der Sache

  8. Thomas Holzer

    „wag the dog“ scheint auch für die Frau May zu gelten; lt. britischen Medienberichten sind britische U-Boote auf dem Weg ins östliche Mittelmeer.

    Die haben sie wirklich nicht mehr alle 🙁

  9. Thomas Holzer

    Und der Herr Macron posaunt hinaus, daß (ausgerechnet) Frankreich Beweise für den angeblichen Chemiewaffeneinsatz in Syrien hat.

    Diese Beweise legt er aber natürlich der Öffentlichkeit nicht vor.

  10. Luke Lametta

    Stormy Daniels bitte. Das ist jene Dame, die seit Ihrem ersten Auftritt in der großen Donald-Show für dessen Zustimmungs-Zwischenhoch verantwortlich zeichnet (mE tatsächliche Kausalität, nicht Koinzidenz). Was auch immer ihn zu seinen erfrischend comichaften Tweets und außenpolitischen Verhaltensauffälligkeiten treibt – wag the dog mE weniger.

  11. Rennziege

    Donald Trump may have wagged his tail quite a few decades ago, privately, but he never even considered waggin‘ it in the Oval Office. And Billy „the Kid“ Clinton? Just ask Monica Lewinsky or his wife, Hillary Rodham Clinton who never had the pleasure (?) of viewing his twisted dick waved at her; he did all his wagging in other women’s beds and boudoirs.

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