Buchbesprechung: „Iran Israel Krieg“

(von ANDREAS TÖGEL) Bahman Nirumand, persischer Dissident und Kenner der politischen Verhältnisse Irans, hat mit diesem Büchlein eine dichte und faktenreiche Analyse der brisanten Lage im Nahen Osten vorgelegt. Er beschreibt zunächst der Lage im Iran und beginnt mit einem historischen Abriß. Angesichts der gegenwärtig zwischen den beiden Ländern herrschenden Feindschaft, wird es viele überraschen, zu erfahren, daß Iran im Jahre 1948 bei den ersten war, die den eben gegründeten Staat Israel anerkannten. Auch der Umstand, daß im Iran bis heute eine große jüdische Gemeinde unbehelligt und gut integriert lebt, die, wie auch andere religiöse Minderheiten, ihre Gebräuche unbehelligt pflegt, dürfte manchen erstaunen, der beim Wort Iran sofort an den stets angriffslustigen Regierungschef Ahmadinejad und einen Klüngel ebenso reaktionärer wie korrupter Geistlicher im „Wächterrat“ des Landes denkt.

Bis zum Ende des Schah-Regimes pflegten Iran und Israel gute Beziehungen. Erst mit der islamischen Revolution im Jahre 1979 kam es zu einer Eiszeit.

Der Autor erblickt in den von einzelnen Exponenten der Regierung Mahmoud Ahmadinejads (der von Wikipedia als „ultrakonservativ“ qualifiziert wird, was nur durch Umdeutung dieses Begriffs möglich wird) fortgesetzten Schmähungen und Drohungen gegen Israel, keine ernsthafte Gefahr. Iran wäre Israel nicht nur militärisch hoffnungslos unterlegen – und seine Führer seien sich dessen bewusst – sondern er müsse es im Falle eines (mit konventionellen Mittelstreckenraketen) gegen Israel geführten Angriffs auch mit einer geschlossenen Front von Verbündeten des Judenstaates aufnehmen. Eine totale Niederlage – und damit ein Ende des herrschenden Regimes – wäre die unausweichliche Folge.

Das Regime stehe auf tönernen Füßen. Da sein Einfluß auf die Jugend verlorengegangen sei, habe die Regierung, angesichts der Tatsache, daß 60 % der 75 Millionen zählenden Bevölkerung des Landes jünger sind als 25 Jahre, ein veritables Problem. Internet, Facebook und Twitter machten es immer schwieriger, Propaganda wirkungsvoll zu vermarkten. Die wüsten Verbalattacken Ahmadinejads auf Israel spielten den Feinden des Landes – besonders den Falken in Israel – in die Hände. Zugleich gelinge es Iran allerdings, seinen Einfluß in Länden mit starken schiitischen Bevölkerungsanteilen (etwa im Irak und in Syrien) auszubauen. Die Unterstützung der Hisbollahmilizen im Libanon und der radikal antiisraelischen Hamas im palästinensischen Siedlungsgebiet, verschaffe dem Iran wachsende Reputation in der arabischen Welt. Der „arabische Frühling“ indes sei für die Ambitionen Irans ungünstig und führe zu Spannungen mit seinem wichtigsten Nachbarn, der Türkei. Diese unterstützt im syrischen Bürgerkrieg bekanntlich die Aufständischen, während Iran auf Seiten des Assad-Regimes steht.

 

Der Israel gewidmete Abschnitt des Buches fällt kürzer aus. Der Leser spürt die kritische Distanz des Autors zu diesem Staat, der schon bei der einleitenden historischen Betrachtung nicht gut wegkommt. Spätestens die durch das siegreiche Israel, als Konsequenz des „Sechstagekrieges“ 1967, erfolgte, entschädigungslose Enteignung großer Landflächen, habe die Chance auf eine „normale Nachbarschaft“ mit anderen Staaten im Nahen Osten zunichte gemacht. Der 2006 gegen den Libanon vom Zaun gebrochene Krieg habe zudem die israelische Armee des bis dahin bestehenden Nimbus´ der Unbesiegbarkeit beraubt.

Israel sehe eine Bedrohung der Einzigartigkeit seiner strategischen Partnerschaft mit den USA in deren starkem Engagement in einigen Staaten der arabischen Halbinsel. Ein dauerhafter Frieden in der Region läge nicht in seinem Interesse, da damit seine privilegierte Stellung vollends verloren ginge. „Spätestens nach Benjamin Netanjahus Machtübernahme 1996 mußte die Hoffnung auf einen Frieden und einen autonomen palästinensischen Staat wieder begraben werden.“ In der Tat lässt sich die zwischen 1993 und 2000 erfolgte Verdoppelung der Zahl jüdischer Siedler auf palästinensischem Gebiet als Desinteresse an einer politischen Lösung der Konflikte interpretieren.

 

Die im Westen seit der Veröffentlichung von Büchern wie Rushdies „Satanische Verse“, Mahmoodys „Nicht ohne meine Tochter“, besonders aber Huntingtons „Kampf der Kulturen“ aufgekommene Islamophobie – die Gleichsetzung von Terrorismus mit einem islamischen Glaubensbekenntnis – sei Gift für die friedliche Entwicklung im Nahen Osten.

Der „arabische Frühling“ bringe zunehmende Unsicherheit in der unmittelbaren Nachbarschaft Israels mit sich. Iran sei für Israels Regierung ein willkommener Popanz, um von den damit verbundenen, echten Problemen des Landes abzulenken.

Daß Israel eine militärische Intervention gegen Iran (unter dem Vorwand einer präventiven Maßnahme gegen die nukleare Aufrüstung dieses Landes) erfolgreich durchführen kann, wäre denkbar. Die Konsequenzen einer solchen Aktion jedoch seien unabsehbar – und zwar nicht nur für Israel selbst. Daß in dieser brisanten Situation Präsident Obama dem Iran offen drohe, eröffne keine erfreulichen Aussichten. Wiederholt habe er seine Bereitschaft betont, militärische Gewalt anzuwenden, um Iran am Bau von Atomwaffen zu hindern. Angesichts der unbestrittenen Existenz eines beträchtlichen israelischen Nuklearwaffenarsenals, kann hier wohl von der Messung mit zweierlei Maß gesprochen werden. Der Autor konstatiert eine „wachsende Stimmung für einen Angriff auf den Iran“.

Einziger Lichtblick seien gegenwärtig die in beiden Staaten vorhandenen Kräfte, die einer militärischen Auseinandersetzung ablehnend gegenüberstünden. Ob die von Nirumand zitierten Friedensaktivisten über den notwendigen Einfluß verfügen, um die Kriegstreiber beider Seiten in die Schranken zu wiesen, darf bezweifelt werden.

Als Europäer braucht man sich nicht der Illusion hinzugeben, einer solchen Auseinandersetzung als unbeteiligter Zuschauer beiwohnen zu können. Ein Blick auf die Hauptrouten der europäischen Energieversorgung reicht: die Alte Welt wäre durch einen Krieg zwischen Iran und Israel unmittelbar betroffen…

 

Iran Israel Krieg

Bahman Nirumand

Verlag Klaus Wagenbach, Berlin2012

109 Seiten, broschiert

ISBN: 978-3-8031-2697-9

€ 9,90,-

 

Tagebuch

13 comments

  1. Mez

    „unter dem Vorwand einer präventiven Maßnahme gegen die nukleare Aufrüstung dieses Landes“

    Unter dem Vorwand also? Und was wäre das wirkliche Interesse Israels das zu tun (an dieser Stelle folgt dann meist das alte Lied der Linken: Innenpolitische Motive; die Juden seien kriegslüstern; Imperialismus)? Passend dazu wird auch die angebliche „Islamophobie“ in Europa bejammert. Muss das sein?

  2. aneagle

    ich kann das ewige gelabere von israel als größtem problem für den frieden zwischen moslems(!)nicht mehr hören, so unrichtig wie das ist.

    Erschütternd, wie sich ca. 75% der europäer mit dieser simplen sichtweise kritiklos , fast scheint es erleichtert, zurücklehnen.

    Einfach mal israel, ein volk von ca. 11 millionen menschen weg und das problem von 1,3 milliarden moslems ist nachhaltig behoben? Oder soll, je nach geschmack, auch die amerikanische nordküste „befreit“ werden ?

    Ein kurzer blick in die bisherige geschichte und auf den aktuellen geostrategischen stand der verschiedenen islamischen entwicklungen und ziele, lifert ein komplett konträres bild, da hilft auch kein buch aus der nabelschau des heutigen iran.

  3. Astuga

    Die juden als mini-minorität haben reine alibi-funktion. Der umgang mit den bahai zeigt das wahre gesicht des regimes. Und gerade weil die jugend das regime ablehnt ist es gefährlich – die zeit läuft den mullahs davon und sie wissen es. Ihr historisches window of opportunity schliesst sich. Zur angebl. Islamomanie… äh, phobie siehe unter Muhareb.

  4. gms

    Mez :
    Unter dem Vorwand also? [..] Muss das sein?

    Da Andreas Tögel das Buch von Bahman Nirumand rezensiert und sich dabei, wie es seine typische Art dabei ist, mit eigenen Ansichten konsequent zurückhält, oder andernfalls selbige zweifelsfrei als eigene Einschätzung erkennbar sind, gelten Ihre rhetorischen Rückfragen einzig Herrn Nirumand.

    Zum Thema selbst: Alle beteiligten Konfliktparteien haben ein nachvollziehbares Interesse, die vom Gegner ausgehende Gefahr überhöht darzustellen. Anders aber folgt die Darlegung eigener Stärke diesem Prinzip nicht immer. Daher ist die m.E. richtige Einschätzung, Isreal könne gar keine militärische Aktion führen, die das Atomprogramm des Iran nachhaltig zunichte macht, medial nicht präsent, zumal keine der beteiligten Parteien durch diese Beurteilung Vorteile hätte. Daß wiederum unter Obama die USA einen militärischen Schlag Israel gegen den Iran unterstützten, ist so wahrscheinlich wie das Singen der Bundeshymne beim Superbowl-Finale 2013 durch Elvis Presley.

    Was wir erleben, ist eine veritable Patt-Situation, in der sich die Erringung selbst kleinster Vorteile unendlich mühsam gestaltet. Wenn aber mit Fakten nichts weitergeht, verlegt man sich auf die Rhetorik.
    Falls Sie gestatten, stelle ich Ihr „Muß das sein?“ in einen etwas anderen Kontext und halte fest: Es wird sprachlich noch dreckiger kommen.

  5. Mona Rieboldt

    @Astuga

    So ist es, die Bahai werden gnadenlos verfolgt und viele sind schon im Gefängnis, die Religion ist verboten. Was die jüdische Minderheit angeht, so haben sie keine wirklichen Rechte, dürfen bestimmte Berufe gar nicht ausüben etc.

    Und wenn ich mich recht erinnere, so ist dieser Nirumand der Ehemann von Frau Amirpur, die in der Süddeutschen mal geschrieben hat, Ahmadinedschad hätte nicht gesagt, er wolle Israel vernichten. Das wäre eine falsche Übersetzung. Er hätte gesagt, er wolle Israel von der Landkarte löschen. Von der Vernichtung Israels hat Achmachmirdenjihad sehr wohl gesprochen und nicht nur er, sondern auch andere iranische Mullahs.

    Nirumand macht lediglich Werbung für den Iran. Und ob er dem dortigen Regime so fern steht, wage ich zu bezweifeln.

  6. gms

    @Mona Rieboldt

    Es bedarf zur Einschätzung Nirumands nicht des Umweges über seine geschichtsklitternde Ehefrau, allein seine Geschichte und seine Aussagen offenbaren ihn als einen weiteren jeder linken Spinner, deren es als Kommentatoren des Nahostkonfliktes schon zur Genüge gibt.

    Nicht alles was er sagt ist falsch, aber was er im Speziellen über Israel ausführt, ist unterste Schublade. Weil er ein Linker ist, braucht er auch keine Belege für sein Urteil, er begnügt sich (typisch links) mit Zuschreibungen von Motiven, wonach Israel keinen Frieden wolle, eine Sonderstellung anstrebe, sich politisch, wirtschaftlich und kulturell nicht in die Region einbetten möchte, Staatsterror gegen die Palästinenser betreibe, etc. pp.
    Dem gegenüber steht der Iran, der „völlig umzingelt von amerikanischen Stützpunkten und Streitkräften“ ist und dessen Regierung bei der Bevölkerung die Legitimation verliert. Wer wollte sich da wundern, „dass sich die Ayatollahs in Teheran bedroht fühlen und entsprechende Schutzmaßnahmen treffen wollten.“

    Nirumand hat sich seine Schublade selbst gezimmert. Er ruhe dort in Frieden.

  7. Aron Sperber

    Bahman Nirumand war einer jener kommunistischen kleinen Deppen, die den Mullahs zur Macht verhalfen.

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2012/11/09/irans-intelligenzija-und-ihr-mossadegh-mythos/

    Als die iranische Revolution begann, ihre marxistischen Kinder zu fressen, floh keiner von den kleinen Antiimperialisten in einen sozialistischen Bruderstaat, sondern man bevorzugte als Exil den imperialistischen Westen, wo auch schon oft die eigenen Eltern warteten.

    Im westlichen Exil haben viele alte iranische Marxisten – zumindest aus der Ferne – ihren Frieden mit dem Regime geschlossen. Es ist allerdings auch leicht, die antiimperialistischen Ideale hochzuhalten, indem man sich der sozialistischen oder islamistischen Realität durch ein Exil im bösen Westen entzieht.

  8. Aron Sperber

    Geboren wurde er 1936 in Teheran, als Sohn einer wohlhabenden Beamtenfamilie, er ist deutscher und iranischer Publizist, Journalist und Schriftsteller und studierte Germanistik, Philosophie und Iranistik in Deutschland und promovierte an der Universität Tübingen. An der Universität Teheran arbeitete er dann als Dozent für vergleichende Literaturwissenschaft. Doch Mitte der 60iger Jahre geriet er in Konflikt mit dem Shah nach der Gründung der militanten marxistisch-leninistischen Terrorgruppe “Goruhe Kadreh“, die als Stadtguerilla in den iranischen Städten dienen und den Antiimperialistischen Kampf in Iran aufnehmen sollte. 1965 floh er nach Deutschland um seiner gerechtfertigten Verhaftung zu entgehen. Er hatte großen Einfluss auf die Studentenbewegung in Deutschland und war ein enger Freund der Topterroristin Ulrike Meinhof. Das von ihm 1967 verfasste Werk Persien, Modell eines Entwicklungslandes oder die Diktatur der Freien Welt und die darin enthaltenen Lügen über Iran und die Pahlavi-Dynastie waren der geistige Boden für den Sturz des Shahs. Im Oktober 1967 erschien im Spiegel ein kritischer Beitrag, in dem zahlreiche Informationen, die Nirumand in seinem Buch über den Iran veröffentlicht hatte, als zweifelhaft, wenn nicht gar falsch eingestuft wurden. Er ist ein Anti-Iraner und geistiger Brandstifter der ersten Stunde. Dieses wertlose Buch war Vorlage für viele Zeitungsartikel über Iran. Gerne wird dieser Verräter auch heute noch von ZDF und ARD zu Politdiskussionen eingeladen und dort erlaubt sich dieser Anti-Iraner für die Exiliraner in Deutschland zu sprechen. Gerne spricht er dabei über die Leiden der Palästinenser, verbunden mit versteckten verbalen Angriffen auf Israel und kein Wort über die Leiden des iranischen Volkes unter den muslimischen Fremdherrschern.

    http://parseundparse.wordpress.com/2011/10/04/anti-iraner-peter-schneider-uber-anti-iraner-bahman-nirumand/

  9. Pingback: Ulrike Meinhofs iranischer Genosse « Aron Sperber
  10. Fritz Wunderlich

    „Auch der Umstand, daß im Iran bis heute eine große jüdische Gemeinde unbehelligt und gut integriert lebt, die, wie auch andere religiöse Minderheiten, ihre Gebräuche unbehelligt pflegt, dürfte manchen erstaunen, der beim Wort Iran sofort an den stets angriffslustigen Regierungschef Ahmadinejad und einen Klüngel ebenso reaktionärer wie korrupter Geistlicher im „Wächterrat“ des Landes denkt.“

    Wenn das eine Rezension sein soll, dann die eines Ahnungslosen, der nichts über die Verfolgung der jüdischen Minderheit im Iran seit der Mullah-Machtübernahme weiß und darüber, dass die meisten aus dem Iran geflohen sind.

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