Buchtip: „Siegen oder Vom Verlust der Selbstbehauptung“

(C.O.) Es ist reichlich paradox: Der Westen, also ein loser Verbund von USA, Europa und ein paar anderen Demokratien wie Australien oder Kanada, ist seit 1945 die mit Abstand stärkste Militärmacht der Welt – und hat trotzdem in diesen sieben Jahrzehnten keinen Krieg wirklich gewonnen, von Vietnam über Afghanistan bis zum Irak. Warum das so ist und vor allem, was das für die Auseinandersetzung mit dem politischen Islam und seinem Kampf gegen diesen Westen bedeutet, untersuchen Parviz Amoghli und Alexander Meschnig in ihrem brillanten Essay „Siegen – Oder vom Verlust der Selbstbehauptung“. (weiter hier)

12 comments

  1. Selbstdenker

    Im Westen erkennen noch viele nicht die Art der Auseinandersetzung mit der wir spätestens seit dem Ende vom kalten Krieg konfrontiert sind: ein von lose verbundenen ideologischen Zellen asymetrisch und im Sinne eines endlosen Spiels geführter Konflikt, der nicht an einer klar definierten Front, sondern meist mitten im Westen geführt wird.

    Der Gegner wird nicht in die Knie gezwungen, indem man ihn militärisch besiegt, sondern in dem man sein Selbstverständnis bis zur Selbstaufgabe zermürbt. Die Förderung von Identity Politics in den demokratischen Staaten des Westens ist Teil dieser Zermürbungsstrategie.

    Insbesondere der radikale Feminismus zersetzt das gesellschaftliche Gefüge an so vielen Stellen, das dem Westen feindlich gesinnte Mächte keine mit atomaren Sprengköpfen bestückte Interkontinentalraketen, Kampfjets oder Panzer mehr benötigen, sondern nur die Spinnerten im Westen anfüttern, institutionell positionieren und steuern müssen.

    Den Rest erledigt der marodierende männliche Youth-bulge den Internet-Pornos und die europäischen „Sozial“-Systeme anlocken, den die kinderlose Merkel-Mama offiziell einlädt und für die ein Joint-Venture aus staatlich finanzierten „NG“Os und mehrheitlich islamistischen Schleppern den Transport nach Europa organisieren.

    Reden wir Klartext:

    Wer würde sein Leben riskieren wollen um Leute zu verteidigen, die seit Jahrzehnten ganz offen aussprechen, dass sie einem bei der nächsten passenden Gelegenheit an die Gurgel gehen wollen?

    > Ich nicht.

    Wer würde für radikalen Feministinnen im Kampf gegen ein geradezu prähistorisches Patriachat in die Schlacht ziehen wollen, das sie selbt bewusst ins Land geholt haben um das kultivierte europäische Patriachat zu zerstören?

    > Ich nicht.

    Wechselseitige Verteidigung setzt zumindest einen reziproken Altruismus voraus. Wer dieses Konzept nicht versteht, kann bei Ayn Rand nachlesen.

    Wenn diese Grundvoraussetzung fehlt, kann es auch keine Verteidigung geben. In einem Shit hits the fain Szenario würde ich für diese Spinner, die uns das alles eingebrockt haben, keinen Finger krumm machen.

    Meine Prognose:

    Die zur Super-Nova aufgeblasene EUdSSR wird in zahlreiche Kleinstaaten zerfallen. Die Grenzen werden – ähnlich wie in der ehemaligen UdSSR bzw. im ehemaligen Jugoslawien an religiösen, kulturellen, wirtschaftlichen, geographischen und ideologischen Brüchen gezogen.

    Vielleicht liegt darin sogar die Chance, das Europa einer sich abzeichnenden endlosen Abwärtsspirale doch noch entkommen kann.

    Wenn mit bestimmten Leuten kein Staat zu machen ist, hilft nur eine konsequente Grenzziehung.

  2. sokrates9

    Das gesamte Kriegsführung ist – ähnlich wie die Maginotlinie im 1. Weltkrieg intellektuell stecken geblieben! Früher eroberte man ein Land, der König wurde zum allgemeinen Gaudium geköpft und ausgetauscht, das “ Werkel“ lief weiter, der Bevölkerung war es relativ egal, es änderte sich wenig! Heute ist die „Eroberung eines Landes“ sicher nicht mehr in diesem Schema möglich! Der böse Putin fährt mit seiner Panzertruppe in die baltischen Staaten, riesige Gefechte, tausende Tote, dann besetzt er siegreich Vilnius, zieht im Schloss (kleine Hütte im Vergleich zum Kreml)ein, hisst die russische Flagge, hält Audienz, bereichert sich durch Plünderung der Staatskasse und ihrer Schuldscheine und ist froh nochmals tausende zusätzliche Probleme zu haben! An so ein Szenario glaubt nur mehr die Nato, wahrscheinlich die EU und hunderter Rüstungsfirmen die mit dem Hochrüsten der Armeen Milliarden verdienen! Diese Strategischen Konzepte sind alle vom letzten Jahrtausend!
    Zusätzlich sich für die die „Europäischen Werte“ einzusetzen und vielleicht für diese neufaschistischen EU seine Gesundheit durch Kampf zu riskieren, wird kaum wer tun!

  3. astuga

    Naja, schon die grundanahme dieser these ist etwas fragwürdig. Der Westen ist kein monolithischer block. Und Der Westen war auch nicht geeint in all diesen konflikten engagiert. Bei diesen „Kriegen“ handelte es sich auch überwiegend nicht um klassische kriege zwischen nationen. Und was heißt im konkreten fall zu siegen? Im irak hat man gegen das regime gesiegt, aber politisch verloren weil die dahinterstehende politische agenda und kurzsichtig dumm war. Wer argumentiert wie die autoren könnte auch den 2.WK. als niederlage auffassen. Denn umfassend gesiegt im sinne von machtzuwachs und gebietsgewinn hat dann bloß die Sowjetunion… Die später ihrerseits aber in Afghanistan verloren hat.

  4. astuga

    Nachsatz: die autoren lassen auch erfolgreiche militäreinsätze unter den tisch fallen. Etwa von Frankreich in nordafrika gegen libyen, oder von Großbritannien im oman bzw yemen. Oder nehmen wir vietnam, ich würde behaupten, die usa haben trotz militärischen misserfolgs dennoch langfristig gegen den kommunismus dort politisch gesiegt.

  5. Selbstdenker

    @astuga:
    Die Vietkong haben selbst zugegeben, dass sie sich militärisch nie gegen die USA durchsetzen hätten können, sondern das sie diesen Krieg politisch-medial in den USA gewonnen haben. Das war von Anfang an ihre Strategie.

    Der Einsatz in Libyen mag militärisch „erfolgreich“ gewesen sein, wenn der „Erfolg“ so definiert ist, Muammar al-Gaddafi zu stürzen. Ein „Nebeneffekt“ ist nun, das eines der ehemals stabilsten und wohlhabendsten Länder Nordafrikas im Chaos versinkt, als sprichwörtlich sicherer Hafen für islamistische Schlepper dient und nun die Migrationsroute von Afrika nach Europa völlig offen is.

    Ob es das wert war?

  6. namor

    Erstens; wer sagt, dass die Kriege im Irak und in Afghanistan nicht erfolgreich waren? Der Nahe Osten ist ein Trümmerhaufen, der syrische Bürgerkrieg hatte sein Einfallstor über den Irak. Syrien und Afghanistan sind die Länder mit den aktuell meisten Flüchtlingen. Nur weil man sagt man bringt Demokratie, muss man das nicht tatsächlich wollen. Es ist zu allererst ein tauglicher casus belli, sowas muss man erst einmal haben in den postheroischen Gesellschaften.

    Zweitens: Die Opferbereitschaft spielt, gemessen an jungen Männerleben, keine Rolle. Ein Krieg ums Eingemachte wird nicht mehr von Millionen verheizten Männern gewonnen, sondern von Technik, Wirtschaft und materiellen Ressourcen.

    Drittens: Da ist er ja, der mögliche missing Link, die „Rückkehr eines existentiellen Gegners“. Wäre ohne Massenansiedelung in Europa nie dazu gekommen.

    Konklusion: Der existentielle Gegner hat folgende Auswirkung: Überwachungsstaat ist doch alternativlos, „Itaka“ und „Tschuschen“ sind nun Verbündete (siehe Freundschaft FPÖ und Serben), Freund-Feind-Schema macht uns zu Europäern mit gemeinsamer Aussengrenze und gemeinsamen Militär, gemeinsamer Aussenpolitik z.B. bei Rückführungen, gemeinsamen Werten (Vereinigte Staaten von Europa), der Feind meines Feindes ist Israel, ….

  7. Falke

    Es ist ein sehr ungleicher Kampf: während die europäischen Regierungen ständig von allergrößter Sorge getragen werden, die „Rechtsstaatlichkeit“ einzuhalten, enschließlich aller – gegebenenfalls auch staatlich finanzierter – Einspruchsmöglickeiten bis zu den Höchstgerichten, zusätzlich noch behindert von den EU-Gerichten, brauchen sich die Islamisten und anderen Feinde der Demokratie um nichts derartiges zu kümmern und können frisch, frei und fröhlich ihre Attentate und sonstigen Terrorakte ausführen. Wer letztlich siegreich bleiben wird, kann sich wohl jeder selbst ausrechnen.

  8. astuga

    @Selbstdenker – eben, alles nicht so klar wenn man deutlicher hinsieht. Vietnam setzt heute auf den kapitalismus wie china. Im fall von Libyen bezog ich mich nicht auf den sturz von Ghaddafi, sondern auf die französische militärhilfe als er seinen südlichen nachbarn überfiel. Ich gaube mali war das(?).

  9. astuga

    Die Tuareg sind bis heute bei den Schwarzafrikanern wenig beliebt, weil sie ua. dort vor allem als Räuber und Sklavenhändler in Erinnerung sind.
    Mehr ehemalige Raubritter der Wüste denn edle Ritter hoch zu Kamel.

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