Buchtip: „Wenn der Wind sich dreht“

(ANDREAS TÖGEL) Ausgehend von der Feststellung eines Identitätsverlustes in den westlichen Gesellschaften, und deren aufgrund verschiedener Ursachen immer deutlicher werdenden Spaltung, unternehmen die Autoren den Versuch, eine Therapie zu finden, die dem negativen Trend Einhalt gebietet.

In der Medizin stehen vor jeder wirksamen Therapie Anamnese und Diagnose. Diesem Prinzip folgen auch die beiden Autoren der vorliegenden Publikation. Eine der Ursachen für die Spaltung unserer Gesellschaft, in der sich Menschen mit unterschiedlichen Weltsichten mit immer größerem gegenseitigem Unverständnis gegenüberstehen, sind die Pathologisierung und Kriminalisierung des politischen Gegners. Ein offener Diskurs wird dann am Ende unmöglich, wenn die Kategorien richtig und falsch durch Gut und Böse ersetzt werden. Der von den über die Deutungshoheit gebietenden Intellektuellen eingeengte Meinungskorridor, der als zulässig erachtete Positionen rigoros von den „nicht hilfreichen“ scheidet, führt zwangsläufig zur Erosion der Demokratie, die ja letztlich vom und für den Meinungspluralismus lebt.

Die immer stärker werdende „Entfaltung der Gesinnungsethik“, die auf die Folgen einer Handlung niemals Rücksicht nimmt und für die allein die „gute“ Intention Bedeutung hat, und eine zunehmend grassierende „Kultur der Gegenaufklärung“, bedrohen die Freiheit. Die intellektuelle (direkt oder indirekt steuerfinanzierte) Priesterklasse hat inzwischen jede Bodenhaftung verloren. In ihren marktfernen Biotopen materiell wohlversorgt, verachtet sie alle jene, die ihr Geld unter immer härter werdenden Wettbewerbsbedingungen zu verdienen haben und denen sie ihr letztlich ihr bequemes Leben zu verdanken hat.

Der von der Linken auf das heftigste angefeindete deutsche „Antisoziologe“ Helmut Schelsky, erkannte schon vor Jahrzehnten, dass es der „intellektuelle Klerus“ darauf abgesehen hatte, „ein das ganze Verhalten des Menschen bestimmendes Grundverhältnis zur Wirklichkeit“ zu etablieren“, das nicht anders als „religiös“ genannt werden kann.

In einer ganzheitlichen Menschenbildung, die über das bloße Erlernen von stereotyp anzuwendenden Problemlösungstechniken weit hinausgeht, liegt der Schlüssel zur Umkehr. De facto läuft das auf eine Wiederbelebung der Werte der Aufklärung hinaus – auf eine Abkehr vom „betreuten Denken“, die jeder einzelne vorzunehmen hat.

 

Wenn der Wind sich dreht / Zeitfenster in eine neue politische Ära

Daniel & Fabio Witzeling

Verlag Frank & Frei

117 Seiten, broschiert

ISBN: 978-3-903236-09-7

2 comments

  1. astuga

    Zwischen den Dogmatikern und Inquisitoren des linken „intellektuellen Klerus“ und seinen religiösen Vorgängern vergangener Jahrhunderte besteht tatsächlich eine überraschende Ähnlichkeit.

    Allerdings fühlte man sich früher wenigstens dem Schutz und Erhalt Europas verpflichtet.
    Die heutigen linksintellektuellen Wiedergänger sehen das völlig anders.
    Hier geht es nur um Nihilismus, ideologische Instrumentalisierung, einen intellektuell wie moralisch unredlichen Relativismus und um Selbstinszenierung.

  2. Kluftinger

    Wenn der Herr VdB in seiner Funktion als BP vom Ausbau der Demokratie spricht (fordert), so sollte er hinzufügen und betonen, dass die auch Meinungs- und Diskussionsfreiheit heisst.!
    Dann sollte man tunlichst die Institution „Meldestelle für Hasspostings“ wieder abschaffen und der Justiz die Möglichkeit geben, Auswüchse dieser Art zu verfolgen (ohne Agentur).

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