Das Elend der Gewerkschaften

(ANDREAS TÖGEL) Die schwarzblaue österreichische Bundesregierung braucht sich vor Aktivitäten der Oppositionsparteien gegenwärtig nicht zu fürchten. Die verfügen nämlich weder über relevante programmatische Ansagen, noch über einigermaßen vorzeigbares Spitzenpersonal. Ein beinahe bemitleidenswerter Haufen.

Nicht zu unterschätzende Gefahren dräuen allerdings an zwei anderen Fronten. Zum einen von der quer durch die Medienlandschaft verbreiteten linken Propaganda. Auf Dauer wird das regierungsfeindliche Dauerfeuer – insbesondere das des staatlichen Rotfunks, dem besonders das starke Wählersegment der Rentner aus unerfindlichen Gründen immer noch vertraut – nicht ohne Wirkung bleiben.

Zum anderen von einer im Kampf gegen den totalen Bedeutungsverlust stehenden Gewerkschaft, die mit Wolfgang Katzian seit kurzer Zeit einen neuen Mann an ihrer Spitze hat, der meint, sich zum Einstand als wilder Mann gebärden zu müssen – eine Rolle, die ihm auf den Leib geschrieben zu sein scheint.
Dem Problem der linken Desinformation, ist durch eine entsprechend konsequente Medienpolitik leicht zu begegnen. Dazu braucht es keinen personellen Kahlschlag; auch keine parteipolitische Umfärbung, sondern vielmehr den totalen Rückzug der Politik aus dem Mediengeschehen: Laissez faire, laissez passer. Markt statt Zwangsgebühren, Presseförderung und teure Bestechungsinserate. Schon in kürzester Zeit käme alles ins Lot.

Mögen die Damen und Herren Medienschaffenden doch ihr Ding machen, wie auch immer sie lustig sind und versuchen, es an eine freiwillig zahlende Kundschaft zu verkaufen. So wie jeder andere (nicht für den Staat arbeitende) Mensch auch. Viel Spaß dabei!
Der seines Gebührenmonopols entkleidete ORF, mit seiner hoffnungslos überbezahlten Mannschaft, wäre wohl in nur wenigen Monaten nur noch eine Fußnote in der heimischen Mediengeschichte.

Zum Kampf der vermeintlichen Vertretung der werktätigen Massen gegen das bürgerliche Kabinett: Vorgeschobener Grund des klassenkämpferischen Furors der Gewerkschaften, ist eine von der Regierung beschlossene Änderung bei den zulässigen Tages- und Wochenarbeitszeiten. Was Sache ist, haben Fachleute wie der Arbeits- und Sozialrechtsexperte Theodor Tomandl längst elaboriert ausgeführt. Um es mit Shakespeare zu sagen: Viel Lärm um nichts. Die rapide Verelendung des Proletariats ist dadurch nicht zu befürchten. Schließlich hat Chefgenosse Christian Kern selbst, in für ihn deutlich besseren Tagen, gleichlautende Forderungen erhoben.
In dieser Frage geht es in Wahrheit ganz eindeutig um nichts anderes als darum, den ÖGB, den siamesischen Zwilling der mit einem orientierungslosen Führer geschlagenen SPÖ, gegen die Regierung in Stellung zu bringen und Unruhe zu stiften.
In diesem Zusammenhang ist es von größtem Interesse, zu lesen, was dem großen altösterreichischen Ökonomen und Philosophen Ludwig von Mises, sein Biograph nennt ihn den „letzten Ritter des Liberalismus“, vor bald 100 Jahren, am Vorabend der Hyperinflation in Deutschland und Österreich, in seinem Buch „Die Gemeinwirtschaft – Untersuchungen über den Sozialismus“, zu den Gewerkschaften einfiel:

„Die Waffe der Gewerkschaften ist der Streik. Man muß sich vor Augen halten, dass jeder Streik ein Akt des Landzwanges ist, eine gewaltsame Erpressung, die sich gegen alle richtet, die den Absichten der Streikenden zuwiderzuhandeln bereit wären. Jeder Streik ist Terrorismus (…) Wenn es den Gewerkschaften beliebt, können sie Städte und Länder durch Hunger und Durst, durch Kälte und Dunkelheit zur Gefügigkeit zwingen.“

Damit ist das Wesen der „Arbeit“ von Gewerkschaften erschöpfend beschrieben. Ihr gesamtes Arsenal besteht in der Androhung oder Ausübung von Gewalt. Beispielsweise, indem Unschuldige von ihr als Geiseln genommen werden, wenn etwa Zehntausende Bahn- oder Flugzeugpassagiere viele Stunden oder Tage lang deshalb festsitzen, weil die Gewerkschaft ihre Mitglieder zum Ausstand – also zum Vertragsbruch – aufruft.
Könnten die Gewerkschaften sich nicht der unverbrüchlichen Komplizenschaft des demokratischen Wohlfahrtsstaats sicher sein, der sie vor allen rechtlichen Konsequenzen ihrer destruktiven Aktivitäten beschützt, wäre die Sache klar: Die Schädiger müssten den Geschädigten materielle Genugtuung leisten. Etwa gestrandeten Reisenden, die ihren Fahrpreis bezahlt haben und dank gewerkschaftlicher Klassenkampfmaßnahmen nicht die vereinbarte Dienstleistung erhalten und deshalb möglicherweise sogar darüber hinausgehenden wirtschaftlichen Schaden nehmen.

Die immer noch weit verbreitete Vorstellung, dass Gewerkschaften jemals etwas Positives für die Arbeiterschaft geleistet hätten – oder überhaupt leisten könnten, ist so unsterblich wie falsch. Denn Gewerkschaften produzieren ja nichts. Da Wohlstand aber ausschließlich von der Produktion abhängt, und nicht von gewaltsamer Umverteilung, ist der Beitrag einer Gewerkschaft fürs kollektive Vermögen im günstigsten Fall gleich Null – nämlich dann, wenn sie nicht in Erscheinung tritt.
Alle noch zur Zeit des „Manchesterliberalismus“ erzielten arbeitsrechtlichen Vereinbarungen zwischen Unternehmern und Belegschaften, lagen und liegen auch im Interesse der Arbeitgeber. Denn wer seine Leute schlecht behandelt und bezahlt, wird im Wettbewerb um gute Mitarbeiter unterliegen und damit langfristig seinen Unternehmenserfolg gefährden. Es braucht wahrhaft keine Gewerkschaften, um profitorientierten Unternehmern zu dieser recht trivialen Einsicht zu verhelfen.
Dagegen bedeuten alle seit dem Ausbruch des Sozialdemokratismus von den Gewerkschaften erzwungenen „Verbesserungen“, in Wahrheit eine verdeckte Schützenhilfe für die wachsende Konkurrenz in Übersee. Jeder in Europa „gewonnene“ Streik bedeutet nämlich weitere Automatisierungen oder Betriebsverlagerungen nach Fernost. Selbst den dümmsten Gewerkschaftern kann dieser Zusammenhang in einer klein gewordenen, globalisierten Welt nicht verborgen bleiben. Wenn sie aber dennoch Politik machen wie vor 100 Jahren, tun sie das allein in ihrem persönlichen Interesse, schaden damit aber ihrer unbedarften Klientel.

Zum Abschluss sei dem neuen Gewerkschaftsführer Katzian ein Zitat aus der Feder des „klassischen“ Ökonomen Jean Babtiste Say (1767 – 1830), ins Stammbuch geschrieben:

“Der Unternehmer ist der einzige Schöpfer von Wohlstand, vorausgesetzt, der Staat hindert ihn nicht daran!“

 

7 comments

  1. Gerhi09

    Danke für diesen Kommentar. Eine Lichtblick. Journalisten müssten nur die östrreichische Schule der Nationalökonomie (pfui, welch garstiges Wort) studieren, dann wüssten sie, welches Elend die von ihnen propagierte “Gemeinwohlökonomie” – wenn sie könnte, wie sie wollte – wieder einmal anrichten würde. Danke Herr Tögel, ihre Beiträge sind der Beweis, dass der gesunde Menschenverstand noch nicht ganz verkümmert ist.

  2. humanist

    Wohltuend österreichisch erleuchtete Worte in dunkler Zeit. Vielen Dank, Herr Tögel.

  3. Christian Peter

    ‘Oppositionsparteien verfügen über kein vorzeigbares Spitzenpersonal’

    Der 12 Stunden Tag ist einer der wenigen vernünftigen Taten der neuen Regierung. Aber in Sachen ,Spitzenpersonal’ : Welche Parteien haben in Österreich noch schlechteres Spitzenpersonal als ÖVP / FPÖ, an deren Spitze 2 Studienabbrecher (Kurz, Kickl) und ein Zahntechniker (Strache) stehen ?

  4. Ländler

    @CP: “Welche Parteien haben in Österreich noch schlechteres Spitzenpersonal als ÖVP / FPÖ, an deren Spitze 2 Studienabbrecher (Kurz, Kickl) und ein Zahntechniker (Strache) stehen ?”
    Mal ganz ehrlich, ihre ständige Verächtlichmachung von Kanzler und Vizekanzler aufgrund deren Ausbildung nervt! Die BR setzt Schritte in die richtige Richtung und versucht das durch die rot-schwarze Vorgängerregierung (und deren Vorgänger) angerichtete Chaos zu beseitigen und wieder Politik FÜR Österreich zu machen. Ob die Herren da einen Studienabschluss haben oder nicht, ist komplett unbedeutend. Dass ein absolviertes Studium wenig mit Intelligenz zu tun hat, beweisen der Ungewählte und seine Genossen am laufenden Band.

    Zu ihrer Frage: SPÖ, Grüne, Neos, Pilz … hab ich wen vergessen?

  5. Falke

    Der Autor hat vergessen zu erwähnen, dass nicht nur der ÖGB einen neuen Präsidenten hat, sondern auch seine (teuere, unnötige und weltweit einmalige) “Zwilingsschwester”, die Arbeiterkammer. Da wetteifern sie beide, wer sich besser “profilieren” kann, damit es so aussieht, als ob eine Mehrheit der Arbeitnehmer den von diesen beiden (natürlich mit aktiver Unterstützung der ansonsten ideen- und orientierungslosen Kern-SPÖ) verzapften Unsinn glaubt. Immerhin haben sie jetzt mit dem angekündigten Volksbegehren und der Klage vor dem VfGH ein Thema und ein Ziel vor Augen, auch wenn es erwartungsgemäß in die Hose geht. Wahrscheinlich hat die SPÖ wieder zu viel Geld; offenbar hat Silberstein wegen Erfolgslosigkeit auf einen Teil seines Honorars verzichtet.

  6. Christian Peter

    @Ländler

    Bislang hat die Regierung noch nichts geleistet mit Ausnahme ein paar Mini – Reförmchen. Allerdings werden für den EU – Ratsvorsitz weit über 100 Millionen Euro Steuergeld verschwendet, bloß um dem Kasperl Kurz eine Bühne und somit Gratiswerbung zu bieten. Auch für Regierungsinserate werden Abermillionen Steuergeld verschwendet, die Zeitungen sind momentan voll mit (Propaganda -) Inseraten der Regierung.

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