Demokratisch pinkeln

“Reine Demokratie erscheint mir als autoritäre Idee: 51 Prozent der Wähler dürfen in die Cornflakes der anderen 49 Prozent pinkeln. Ich halte unsere Grundrechte in der «Bill of Rights» für wichtiger: Die Mehrheit kann nicht einfach die Rechte der Minderheit wegwählen…..” (sehr lesenswert, hier)

28 comments

  1. elfenzauberin

    Al Liberaler sollte man sich die Frage vorlegen, warum liberale Konzepte keine Breitenwirkung in der Öffentlichkeit haben. Vom kommunistischen Manifest 1848 bis zur ersten Umsetzung dieses fraglichen Konzepts (Obtoberrevolution 1917) dauerte es gerade einmal 69 Jahre. So gesehen wäre ein liberales Gesellschaftsexperiment längst überfällig, doch derartiges ist nicht in Sichtweite.

    Warum ist das so? Ich meine, dass ein funktionierendes ökonomisches Konzept (Liberalismus) einfach zuwenig ist, um Menschen für sich zu gewinnen. Auch wenn man das Konzept des Liberalismus auf den allgemeinen Freiheitsbegriff ausdehnt (wie das etwa Ayn Rand getan hat), ist zuwenig. Meiner Ansicht nach fehlt dem Liberalismus ein sinnstiftendes Element. Das hatten nämlich die Kommunisten, die eine ganz bestimmte Gesellschaft vor Augen hatten, das hatte die 68-er Bewegung, das hatten die Grünen, das hat die sog. neue Rechte, nur die Liberalen haben so etwas nicht.

    Die Neos haben den Versuch unternommen, ihr liberales Wirtschaftskonzept mit einer “liberalen” Gesellschaftspolitik zu kombinieren. Der Erfolg ist eher überschaubar, nicht zuletzt deswegen, weil eine sog. “liberale” Gesellschaftspolitik viele totalitäre Elemente in sich trägt (wie z.B den Genderismus).

    Die Liberalen haben eben kein sinnstiftendes Element, deswegen gibt es auch keine Breitenwirksamkeit und kaum mediale Präsenz.

  2. Dieuetmondroit

    Nur mein Eindruck: In Österreich wäre die Errichtung einer liberalen Politik ein kompletter Bruch mit unserer Geschichte. Liberal ist (für mich) das genaue Gegenteil von Staatshörigkeit.
    Und genau diese Staatshörigkeit zieht sich seit der Kaiserzeit wie ein roter Faden durch unsere Geschichte. Die Einstellung, dass der Staat unsere Probleme lösen soll (egal, ob er sie verursacht hat oder nicht) liegt wohl in der DNA der Österreicher.
    Vielen Österreichern fällt beim Wort “liberal” am ehesten noch das Liberale Forum und damit der Inbegriff des Scheiterns ein.

  3. Thomas Holzer

    @Dieutemondroit
    Ich würde behaupten, daß vielen Österreichern beim Wort “liberal”, nach erfolgreicher jahrzehntelanger Indoktrinierung, Neoliberalismus, Kälte, böse Reiche, böse Unternehmer, Egoisten, Ungerechtigkeit einfallen.

    @elfenzauberin
    “liberale Gesellschaftspolitik” würde meiner bescheidenen Meinung nach darin bestehen, eben keine Gesellschaftsklempnerei zu betreiben 😉

  4. Thomas Holzer

    Eva Glawischnig in einem Interview in der “Kleine Zeitung” auf Kritik antwortend wegen ihres Wechsels zu Novomatic: “Man kann natürlich eine verengte Sicht der Dinge pflegen und intolerant bleiben”
    Nein, sie meint nicht sich selbst, sondern ihre Kritiker; ein Schelm, welcher dies doch recht eigenartig findet 😉

  5. Selbstdenker

    @elfenzauberin:
    Treffend beschrieben.

    Viele Konservative aber auch (klassich) Liberale nehmen Begriffe und damit verbundene Grundannahmen, die von linken Intellektuellen über einen längeren Zeitraum schrittweise verfremdet und häufig ins Gegenteil verkehrt werden, einfach als gegeben hin. Das macht sie pessimistisch und defensiv; ultimativ spielen sie damit unbewusst ein Spiel, das ihnen die Linken vorgeben. Junge Menschen wollen aber – zumindest von der Motivation her – Dinge aktiv gestalten und nicht zur passiven Spielfigur anderer werden.

    Yaron Brook zerlegt wie kaum ein anderer die falschen Grundannahmen der Linken und geht aktiv auf junge Menschen in den Universitäten zu. Seine Videos sind sehenswert und sein jüngstes Werk Equal is Unfair habe ich mir als Hörbuch in einen Schwung reingezogen.

    Zu der von Ihnen aufgeworfenen Frage empfehle ich folgenden Vortrag von Yaron Brook:
    https://www.youtube.com/watch?v=oxJ8SJI-Rzc

    Yaron Brook argumentiert, das die Menschen in politischer Hinsicht nicht auf einer ökonomischen Basis, sondern auf einer vermeintlich “moralischen” Basis entscheiden. Anstatt den Linken immer wieder auf halben Weg ihren bewusst radikal formulierten Forderungen entgegenzukommen, sollten ihre fehlgeleiteten Grundannahmen und Thesen von der Wurzel her radikal bekämpft werden.

  6. sokrates9

    Thomas Holzer@ Können si erklären warum Glawischnig 3 Tage vor der Kärntenwahl mit ihrem neuem Engagement an die Öffentlichkeit geht??

  7. LePenseur

    Cher Sokrates,

    natürlich kann ich nicht für Herrn Kollegen Holzer antworten — aber meiner Meinung nach wollte sie ihnen einfach (und höchst demokratisch) ans Bein pinkeln. Was ich für eine durchaus bestechende (nein, bestechen geht anders! also: bezaubernde) Idee halte …

  8. Thomas Holzer

    @sokrates9
    Laut Interview lassen sich Termine in globalen Unternehmen nicht so legen, daß immer Landtagswahlen berücksichtig werden können und dies sei der letztmögliche Termin gewesen, um diesen Job antreten zu können.

  9. Selbstdenker

    Das führt mich direkt zu den Ereignissen im Spätsommer von 2015:

    Jene Philosophie, auf der z.B. die dramatischen Fehlentscheidungen westlicher Politiker im Spätsommer 2015 basierten, wurde über mehrere Jahrzehnte hinweg in die Köpfe junger Universitätsabsolventen gepflanzt, die sie wiederum – zum Teil bewusst, zum Teil unbewusst – in öffentliche Institutionen und private Unternehmen einbrachten.

    Angela Merkel wird ja oft Geisteskrankheit und / oder Machtrausch unterstellt, dabei gibt sie ständig Hinweise auf jene Philosophie, auf der ihr Denken und Handeln beruht:

    – Unter Merkel wurde die Anzahl von Genderprofessuren an deutschen Unis massiv erhöht
    – Merkel versteht in ihren eigenen Worten den Freiheitsbegriff als Freiheit zu und nicht als Freiheit von
    – Merkel wertet deutsche Staatsbürger zu denen, die schon länger hier sind ab
    – Merkel ist eine klare Verfechterin einer No-Borders Ideologie
    – Merkel hat im Bundeskanzleramt eine Nudging Abteilung eingerichtet
    – Merkel hat sogar die Einführung eines „nationalen Glücksindex“ befürwortet
    etc.

    Wenn man statt „Geisteskrankheit“ radikalen Egalitarismus und statt „Machtrausch“ machiavellische Machtpragmatik einsetzt, wird ein Schuh daraus.

    Ein mittlerweile pensionierter Richter vom deutschen Verfassungsgerichtshof meinte in einem Radioportrait, das es die moralische Verpflichtung der Europäer sei, das Leid der Menschen im mittleren Osten zu teilen.

    Selbstverständlich führt jede radikal egalitäre Philosophie in ein System der unverdienten Aristokratie. Wenn man so will in eine Art „moralisches“ Kastensystem. Konsequenterweise teilte der ehemalige deutsche Bundespräsident Joachim Gauck „seine“ Bevölkerung in „Helldeutsche“ und „Dunkeldeutsche“ ein.

    Die Ereignisse im Jahr 2015 war die „moralische“ und ökonomische Bereicherung einer sich als „moralische“ Oberschicht begreifenden Clique mit einer geteilten Philosophie, wobei sie die gesellschaftlichen und ökonomischen Kosten für ihre Selbsterhöhung via staatlicher Institutionen – die Medien fungierten hier als Herolde bzw. Handlanger – auf ihre „Untertanen“ externalisierten.

    Den „Untertanen“ wird von Kindesbeinen eine „Erbschuld“ als Teil ihres Selbstverständnisses eingetrichtert von der man sich nur durch reinen Altruismus als „höchstes moralisches Gut“ freikaufen kann. Das dies traditionell bei den Deutschen auf sehr fruchtbaren Boden fällt, ist kein Zufall; darauf hat insbesondere Leonard Peikoff in The Ominous Parallels hingewiesen.

    Verschiedene konservative und liberale Strömungen schließen sich nicht zwingenderweise gegenseitig aus. Sie stehen vielmehr in einem Wettbewerb um die treffendste Erfassung der Realität und den daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen zur Bewältigung des menschlichen Daseins.

    Wer die Linken nicht nur ökonomisch, sondern auch philosophisch schachmatt setzen möchte, sollte sich mit den Werken von Yaron Brook, Stephen Hicks, Leonard Peikoff und – ja – Ayn Rand vertraut machen.

  10. Thomas Holzer

    an der “german guilt” und den daraus “resultierenden” Handlungen der deutschen Politiker soll nicht nur ganz Europa, sondern gleich die ganze Welt genesen 😉

  11. Selbstdenker

    Zum Zitat von Jonah Goldberg in der NZZ:

    Eine demokratische Legitimation gibt es meiner Meinung nach nur für genuin öffentliche Güter (z.B. öffentliche Sicherheit). Alles was darüber hinausgeht, negiert die Rechte von Individuen und schließlich das Individuum an sich.

    Die Linken haben den Demokratiebegriff immer weiter von seinen ursprünglichen Sinn entfernt und als technisches Instrument zur Aushöhlung individueller Rechte bzw. jeglicher Form des Indvidualismus umgebaut.

    Wenn 51% entscheiden die anderen 49% umzubringen, ist dies die reinste Form vom Demokratiebegriff der Linken, der – sofern dies für die eigenen Ziele opportun ist – das Naturrecht als Urwald betrachtet, den man beliebig abholzen und abbrennen kann.

    Die Linken sind aber nur dann “Demokraten”, solange die “Richtigen” gewinnen bzw. bei Volksentscheiden das “richtige” Ergebnis herauskommt.

  12. Selbstdenker

    @Thomas Holzer:
    Exakt. Heute – wie auch bei “früheren Anlässen” – wäre es allerdings kein Fehler, wenn die deutschen Machthaber einen Blick auf die Weltkarte werfen würden.

  13. Falke

    Wenn man die blumigen Worte und den heißen Wind weglässt, scheint mir der Autor einer jener linken Antidemokraten zu sein, die den Wahlsieg von Trump nicht akzeptieren können und wollen.

  14. de Voltaire

    @Falke:
    Das war auch mein erster Gedanke. Hier wird im großen und ganzen ja nicht die Demokratie als solche kritisiert sondern nur das Ergebnis der demokratischen Wahl. Demokratie dürfte für den Autor dann ok sein, wenn die richtige Seite gewinnt. Anpinkeln wäre also schon in Ordnung für ihn, angepinkelt zu werden ist aber natürlich ein Systemfehler. Das Zitat hätte in einer kritischen Betrachtung der Regierungsformen im Allgemeinen oder der Demokratie im Besonderen gepasst. In diesem Elaborat über die Gefahren durch Trump ist es hingegen entlarvend.

  15. Thomas Holzer

    https://www.srf.ch/

    Da wird sich der Herr Wrabetz aber ganz glücklich schätzen, nachdem er ja mutterseelenalleine auf Servus.TV einen so unerhört schweren Stand hatte 😉

  16. sokrates9

    Thomas Holzer@ Der arme Wrabetz tritt heute im Zentrum auf und wird sich selbst als den Oberdemokraten, den sogar die Schweizer, das klügste Volk der Welt, schätzen darstellen. ORF Gebühr gehört somit erhöht,man muss die Österreicher weiter erziehen!

  17. Johannes

    Also ich kann nichts lesenswertes entdecken.
    Ein wenig über die alten Weißen, über Idioten, und Junge, ein bißchen über Bariumsulfat Untersuchungen, ein bisschen Ophra und Co. ein Ausflug in die Welt der Eidechsen, ein neuer Bloomberg muß her, Ein wenig Cornflakes, ein bisschen pissen, national ist ein Virus, Patriotismus ist gut, ein wenig Bienenkunde, auch Bananen dürfen nicht fehlen.
    Für mich liest es sich wie eine zweitklassige Kleinkunst Darbietung.

  18. sokrates9

    Thomas Holzer@..
    Glawischnigg: es lassen sich Termine nicht so legen,, daß immer Landtagswahlen berücksichtigt werden können..Eigenartig! Hätte man so einen Job nicht auch still und heimlich (verschämt:-) ) antreten können!Ist die Besetzung einer Abteilungsleiterfunktion so ein Thema dass man damit unbedingt in die Medien muss?
    ….. dies sei der letztmögliche Termin gewesen, um diesen Job antreten zu können…..
    interessant. Klingt für mich aus Firmen Sicht so: Entweder du prostituierst dich oder wir lassen den Job??

  19. Selbstdenker

    @Falke, de Voltaire:
    Jonah Goldberg zählt zu den “Never Trumpers” innerhalb der GOP:
    https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Republicans_who_opposed_the_Donald_Trump_presidential_campaign,_2016

    Jonah Goldberg offenbart uns im NZZ-Artikel einige seiner Denkfehler und Falschcharakterisierungen. Er scheint einer Art “Konservativismus” anzuhängen, der den Linken stets die Hälfte ihrer von grundauf falschen Forderungen zusteht.

    Was das Cornflakes-Zitat anlangt, muss ich ihm aber recht geben.

  20. Thomas Holzer

    „Konservativ ist nicht ein Hängen an dem, was gestern war, sondern ein Leben aus dem, was immer gilt“
    Ernst Jünger

  21. LePenseur

    Cher Selbstdenker,

    darf ich Ihre Kommentare (heute 11:15 und 11:44) als Gastkommentar auf dem LP-Blog bringen?

    U.A.w.g.

    LePenseur

  22. Astuga

    Wer demokratie auf das element von abstimmungen reduziert hat damit natürlich sein problem. Aber das ist natürlich argumentativer unfug. Demokratie als solche ist ja immer und zwingend in einen kanon von grundrechten eingebunden. Insofern ist auch der cornflakes-vergleich dumm. Oder ist es angemessener wenn die minderheit allen anderen ins essen pinkelt? Echte probleme gibt es immer nur dann wenn jemand etwas zu einem grundrecht erhebt das keines ist, oder das anderen grundrechten zuwiderläuft. Etwa wenn religionsfreiheit missbraucht wird um meinungsfreiheit auszuhebeln.

  23. Thomas Holzer

    „Die demokratische Ideologie der Diskussion übersieht, daß jedes Gespräch ein Fundament voraussetzt, das nicht selbst zur Diskussion stehen darf; ansonsten ist ein fruchtloses Geschwätz programmiert.“ Juan Donoso Cortes

  24. Thomas Holzer

    Der Herr Strolz, erfreulicher Weise, vergeblich auf Kosten der Steuerzahler nach Kärnten gereist 🙂

  25. Rennziege

    4. MÄRZ 2018 – 18:20 — Thomas Holzer
    Das freut auch mich; diese Neo-Gruftspione sind ja generell eine aufgeblasene Lachnummer.
    Erfreulich auch, dass die Grünen aus dem Kärntner Landtag geflogen sind, was sie auch bundesweit schwächen wird. Die Kärntner haben Peter Kaiser, weniger der SPÖ, ihr Vertrauen ausgesprochen; aber er ist halt beliebter und überzeugender als die schwarz-türkisen und blauen Gegner. Und er, der ehemalige Juso, ist längst kein Linkssozialist mehr, sondern belebt die Wirtschaftskraft dieses ärmsten Bundeslandes. Und er wird Koalitionen eingehen müssen.
    So betrachtet, gefällt mir das bislang vorliegende Ergebnis der Kärntner Landtagswahl. Auch wenn die Herren Kurz und Strache a wengerl enttäuscht sein werden.

  26. Thomas Holzer

    @Rennziege
    Daß Kaiser überzeugender als Benger, Darmann, Köfer und Holub zusammen ist, ist aber -leider- auch nicht schwierig,
    Bei 6 sozialistischen Parteien fällt halt die Wahl relativ schwer 😉
    “Beeindruckend” auch der Filmbericht über die Abschlußveranstaltung der KPÖ, gefühlte 80% “Neubürger” unter den “aufmerksamen” Teilnehmern

  27. Kluftinger

    Um wieder auf Mr. Goldberg zurückzukommen (der auch Julien Benda schätzt) und sein Konservatismus – Konstrukt: Fanz Josef Strauß antwortete einmal auf die Frage wie er “konservativ” verstehe bzw, definire,
    “Konservativ sein heisst an der Spitze des Fortschritts zu marschieren”.
    Das muss Herr Goldberg erst einmal einfallen?

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