Der gefräßige Staat und das größenwahnsinnige Imperium

(ANDREAS TÖGEL)  Nach außergewöhnlich zähen Verhandlungen, haben sich Arbeitnehmer und –Geber in der österreichischen Metallbearbeitung, nachdem die Gewerkschaft unverhohlen mit Streiks gedroht hatte, auf eine dreiprozentige Lohnerhöhung für die rund 130.000 Beschäftigten der Branche geeinigt. Der Mindestlohn wurde um zweikommafünf Prozent auf 1.839,- Euro angehoben. Eine fürs erste frohe Botschaft für die Arbeitnehmer. Ein Abschluss von mehr als einem Prozentpunkt oberhalb der amtlichen Teuerungsrate, kann sich sehen lassen. Die Gewerkschafter dürfen sich als klare Sieger fühlen, denn den Betrieben wurden im Gegenzug so gut wie keine Zugeständnisse gemacht. Wozu mit Zwangsmitgliedschaft armierte Wirtschaftskammern gut sein sollen, fragt sich angesichts derartiger Abschlüsse vermutlich nicht nur der Autor dieser Zeilen.

Hauptprofiteur der Aufbesserung der Bruttolöhne, sind indes keineswegs die damit beglückten Werktätigen, sondern es ist – erraten – Rabenvater Staat. Wie die liberale Denkfabrik „Agenda Austria“ errechnet hat, beläuft sich der aus der Lohnerhöhung resultierende Rebbach für den Fiskus, auf satte dreikommasieben Prozent (https://www.agenda-austria.at/category/grafik-datenbank/). Gegenleistungsfrei. Da kommt doch augenblicklich Freude auf – zumindest bei Sozialhilfebeziehern, Beamten und anderen Nettosteuerempfängern.

Die neue, mutmaßlich türkisblaue Regierung, wird zu einem nicht geringen Teil an den vollmundigen Ankündigungen einiger ihrer Protagonisten zu messen sein, die Abgabenquote, wenn schon nicht substantiell, so aber doch immerhin auf rund 40 Prozent, senken zu wollen. Zwar ist ein Enteignungsvolumen in dieser Größenordnung immer noch ein unerhörter Skandal (es sei daran erinnert, dass es im 16. Jahrhundert wegen des vergleichsweise lächerlich gering erscheinenden „Zehent“, zu gewalttätigen Massenaufständen kam), aber immerhin würde zumindest die Richtung stimmen.

Natürlich gibt es nicht wenige politisch-gesellschaftliche Kräfte, die von Steuern überhaupt nicht genug bekommen können. Allen voran die traditionell linke Studentenschaft, diverse ökofaschistische NGOs und – allen voran – kirchliche Organisationen. So forderte etwa, anlässlich des für 17. November ausgerufenen “internationalen Tags für die Beseitigung der Armut“, der Wiener Kardinal Christoph Schönborn, allen Ernstes einen „weiteren Ausbau des Sozialstaates“. Muss schon Spaß machen, lebenslang im Elfenbeinturm leben zu dürfen. Denn woher die dafür nötigen Mittel kommen sollen, wenn nicht geplant ist, die wenigen verbliebenen Nettosteuerzahler vollständig zu enteignen, hat uns der wackere Gottesmann leider nicht verraten. Für ihn, wie auch für viele andere Geistliche, existieren offenbar himmlische Weiden für das Milchvieh, das dann auf Erden nach Herzenslust gemolken werden kann. Im real existierenden irdischen Jammertal indessen ist klar, dass ein derartiges Unterfangen ausschließlich zu Lasten jener produktiv Tätigen gehen würde, die bereits jetzt bis zu zwei Drittel ihres Einkommens an den Staat abzuführen genötigt sind.

Die Wohlstandsproduzenten sind aber beileibe nicht nur mit Attacken heimischer Geistesathleten konfrontiert. Es dräuen nämlich auch von Außerhalb Gefahren, wenn es zum Beispiel nach dem Willen des Präsidenten des EU-Parlaments, Antonio Tajani geht. Der Mann fordert nicht weniger als eine Verdoppelung (!) des derzeit mit 140 Mrd. Euro dotierten EU-Budgets. Man möchte ein derartiges Maß an Arroganz und Bürgerferne nicht für möglich halten. Dafür, ausgerechnet am vorläufigen Höhepunkt der Unbeliebtheit der EU, mit derartigen Ideen vorzupreschen, bedarf es schon eines beträchtlichen Größenwahns. Der „konservative“ Italiener, will seine Beute übrigens nicht einfach im Zuge zusätzlicher Überweisungen der nationalen Regierungen einbringen, sondern denkt an die Einführung einer eigenen EU-Steuer – auf dass sich die Zentralbürokratie der EU, nach dem leuchtenden Vorbild Washingtons, endlich vollständig vom Willen der ausgebeuteten Provinzen emanzipieren könne. Eine EU-Steuer also. Endlich. In den USA wurde dieser geniale Gedanke anno 1913 verwirklicht, als man nicht nur das FED-System schuf, sondern zugleich auch bundesweite Einkommenssteuern einführte und dadurch der Zentralbürokratie ein seither unbegrenztes Wachstum ermöglichte. Und weil das jenseits des großen Teichs so blendend funktioniert hat, muss, aus Sicht der in einem erdfernen Paralleluniversum lebenden EU-Nomenklatura absolut folgerichtig, Euroland rund 100 Jahre später, endlich nachziehen.

Den in düstere Wolken gehüllten Gipfel der Chuzpe erklimmt der Italiener übrigens mit der Begründung seiner Forderung: das zusätzliche Geld werde benötigt, um „die Kosten für die Bewältigung der Flüchtlingskrise und den Kampf gegen den Terror“ zu decken. Dabei handelt es sich um jene „Flüchtlingskrise“, und jener Terror, der von ihm und seinesgleichen dank ihrer verheerenden Politik erst nach Euroland geholt wurde!

Wir haben es hier mit einer klassischen Interventionsspirale zu tun, wie sie Ludwig Mises in seinem 1929 erschienen Klassiker „Kritik des Interventionismus“ beschrieben hat: die politische Kaste verursacht in einem ersten Schritt vermeidbare Kosten, die zu bedecken einen zweiten Schritt erfordert. Den durch diesen ausgelösten (aber natürlich nicht bedachen) Nebenwirkungen, ist mit weiteren Aktionen zu begegnen, usw. usf.

Fazit: Was auch immer die hohe Politik in die Hand nimmt, führt über kurz oder lang auf die eine oder andere Art stets ins Desaster. Wie der libertäre deutsche Ökonom Hans-Herman Hoppe in seiner erfrischenden Direktheit ausführt: Der Staat (…) ist eine von Banden von Mördern, Plünderern und Dieben geführte Institution, die von willigen Vollstreckern, Propagandisten, Kriechern, Betrügern, Lügnern, Clowns, Scharlatanen und nützlichen Idioten umgeben ist – eine Institution, die alles beschmutzt und verdirbt, was sie berührt.“ Ein Befund, der für supranationale Imperien wie die EU, in gleicher Weise gilt

4 comments

  1. Christian Peter

    Der Staat ist nicht das Problem, sondern die Politik bzw. die Parteien, die sich den Staat zur Beute machen und es als ihr Geschäftsmodell erachten, das Volk zu unterjochen und Abhängigkeitsverhältnisse zu schaffen – das treibt das Volk an die Wahlurnen und garantiert Wahlerfolge.

  2. Lisa

    un die Italienr haben es mit dem Steuern Bezahlen sohnehin nmciht so, wei alle, die in Kulturen aufwachsen, wo der Familienegoismus weit über den Interessen der durcht den Staaz symbolisierten Gemeinschaft steht und letzterer als undurchschaubare hintergründige Macht betrachtet wird, an die man nicht rankommt und die es möglichst schlau auszutricksen gilt. , Dass Steuern und Abgaben notwendig sind, ist , damit der Staat diejeingen Pflichten wahrnehmen kann, denen der einzelne Bürger nicht allein nachkommen kann. Aber das ganze Steuersystem ist in den meisten Ländern mittlerweile dermassen aufgebläht und widersprüchllich/interpretierbar, dass nur eine grundlegende Änderung eine Verbesserung bewirken könnte,

  3. Falke

    Vor allem sollte die kalte Progression abeschafft werden, was uns ja seit Jahren versprochen wird, zuletzt besonders eindringlich von Finanzminister Schelling, aber letzlich in eine völlig unzureichende Pseudo-Reduktion gemündet hat, angeblich wegen des Widerstands der (SPÖ-)Gewerkschaften. Dabei wäre das so einfach: jährlich die Progressionsstufen um die Inflationsrate erhöhen. Warum das nicht möglich ist, erschließt sich mir nicht; schließlich nützt das auch – und vor allem – den Arbeitnehmern, die angeblich von den Gewerkschaften vertreten werden.
    Ergänzend zur geplanten EU-Steuer sei noch vermerkt, dass das Geld nicht nur für die sogenannte “Flüchtlingskrise” verwendet werden soll, sondern auch – so ganz allgemein – für Afrika.

  4. Johannes

    ORF, NGO, und Kirche bilden meiner Meinung nach ein Triumvirat das die Politik vor sich hertreibt.
    Jede dieser Organisationen lebt bei weitem nicht das was sie predigen, ich denke an Objektivität, ich denke an Betriebsräte und wie mit diesen Menschen umgegangen wird, ich denke an Kinder und Jugendliche.
    Näher will ich gar nicht darauf eingehen aber mein Misstrauen ist tief.

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .