Die entlarvende Medienenquete

(WERNER REICHEL) Die Regierung hat gerufen und alle sind angedackelt gekommen, zur großen, live im TV übertragenen Medienenquete. Alle, die sich etwas vom Staat und von der Politik erwarten, in der Regel ist das mehr Geld. Der ORF, die privaten Medien, die Filmwirtschaft, die Ausbildungsstätten, etc.
Also saßen in den verschiedenen Panels dieser gut inszenierten Show die üblichen Verdächtigen und gaben das Übliche und Erwartbare von sich. Der Sinn dieser Veranstaltung erschließt sich einem nicht, es sei denn, die Enquete war ein geschicktes Ablenkungsmanöver, bei dem sich die eitle, linke Medienclique samt Opposition ohne nennenswerte politische Folgewirkungen in Szene setzen durfte, weil die Richtung, in die es medienpolitisch gehen soll, ohnehin schon lange vorher festgelegt worden ist. Alles andere wäre eine Katastrophe, zumal eine intelligente Medienpolitik für die Koalition eine Überlebensfrage ist.
Auf den meisten Politikfeldern agieren ÖVP und FPÖ äußerst geschickt und erfolgreich, man kann nur hoffen, dass das in Medienfragen auch so ist. Sollten ÖVP und FPÖ jedoch vorhaben, die auf dieser Enquete vorgebrachten Kernforderungen und Wünsche des ORF und der anderen Medienmacher in die Tat umzusetzen, wäre das dumm und unverantwortlich. Für die Regierung und für dieses Land. Fast alle Vorschläge und Ideen gingen mehr oder weniger in eine Richtung: mehr Geld, mehr Regulierung, mehr Staat. Deshalb gab es auch kaum Auseinandersetzungen zwischen ORF und Privatmedien.
Nach den verschiedenen Podiumsdiskussionen kann man nur zu dem Schluss kommen, für die österreichische Medienbranche wären die Kräfte des freien Marktes das beste und einzige Rezept. Fast alle Player am heimischen Medienmarkt – allen voran der ORF – nehmen für sich in Anspruch, für Österreich, die Gesellschaft, die Demokratie und die österreichische „Identität“ von besonderer Wichtigkeit zu sein und dafür müsse die Allgemeinheit eben kräftig in die Tasche greifen. Man muss die Österreicher, wie so oft, zu ihrem Glück zwingen. Und über allem schweben die bösen, übermächtigen ausländischen Außenfeinde, die angeblich „unsere“ österreichische Identität bedrohen. In Wahrheit fürchten die trägen, heimischen Medien, sich der internationalen Konkurrenz stellen zu müssen. In einem abgeschlossenen und vom Staat beschützten Medienschrebergarten lebt es sich eben viel bequemer und sicherer. Offene Grenzen sollen nur für die anderen gelten.

Bei der Enquete wurde besonders viel darüber gesprochen und nachgedacht, wie man mit staatlichen Initiativen, Programmen und Geldern in der digitalen Medienwelt wieder den Anschluss finden und Facebook, Google, Netflix und Co. die Stirn bieten kann. Es ist aber kein Zufall, dass die meisten Innovationen aus den USA und nicht aus Europa kommen. Und zwar nicht, weil in Europa zu wenig gefördert wird, weil in Europa der Staat zu wenig eingreift und mitmischt, ganz im Gegenteil. Für Innovationen braucht man die richtigen Rahmenbedingungen und das richtige gesellschaftliche Klima. Und das heißt nicht mehr Bürokratie, mehr Förderungen, mehr staatliche Initiativen, sondern im Gegenteil: niedrige Steuersätze, ein unternehmerfreundliches Klima und möglichst wenig bürokratische Hürden. Dann entstehen neue innovative Firmen und Produkte von ganz alleine. Dann erspart man sich die Enqueten, Kommissionen, Expertengruppen, Förderstellen und Diskussionen, die die Linken so sehr lieben und brauchen. Alleine der Gedanke an ein „österreichisches Facebook“ unter wohlwollender Aufsicht eines Gremiums, das sich aus Vertretern aus ORF, Politik, Wissenschaft, Kirchen, „Zivilgesellschaft“ und anderen „Experten“ zusammensetzt, ist gruselig.
Besonders seltsam war das Panel zum Schwerpunkt „österreichische Identität“. Identität ist für heimische Medienschaffende jenes Sesam-öffne-dich-Zauberwort, mit dem man Steuergeld und Förderungen besonders schnell zum Sprudeln bringen kann. Außerhalb dieses medienpolitischen Kontextes ist nationale Identität ja etwas Verachtenswertes, Böses und sogar Kriminelles, wie wir seit dem Gerichtsverfahren gegen die Identitären wissen.
Es stellt sich zudem die Frage, welche österreichische Identität die zumeist linken Medienschaffenden mit unserem Steuergeld so gerne schützen wollen. Beispiel Wien: Da sind die autochthonen Österreicher längst in der Minderheit, in der Stadt leben Türken, Araber, Chinesen, Osteuropäer, Tschetschenen, Bosnier, Afghanen, Perser, Syrer etc. In den Wiener Pflichtschulen gibt es mittlerweile mehr Muslime als Katholiken. Den typischen „echten Wiener“, den raunzenden und saufenden Mundl, gibt es schon lange nicht mehr, nicht zuletzt wegen der massiven Multikulti-Propaganda und Stimmungsmache der Altmedien. Was bedeutet in so einer Stadt, in so einer multikulturalisierten Gesellschaft österreichische Identität überhaupt noch? Was will man eigentlich schützen und fördern? Oder glaubt man, man brauche der „dümmlichen“, rechtskonservativen Koalition nur eine vergammelte Identitätskarotte vor die Nase zu halten und schon gibt es Kohle und Bestandsgarantien?
Man kann nicht für eine multikulturelle Gesellschaft eintreten und dann die Hand aufhalten, um die „österreichische Identität“ zu schützen. Das kann das Volkskundemuseum in Wien besser und billiger.
Genau jene, die für dieses Gesellschaftmodell so massiv eintreten, genau jene, die so gerne von Weltoffenheit und offenen Grenzen predigen, sind, wenn es um ihre eigenen Geldbörsen geht, plötzlich große Freunde der österreichischen Leitkultur, Identität und der geschlossenen Räume. Verlogener geht es nicht mehr. Auch das elende und ständige Gejammer der linken Altmedien über die angeblichen Fake News dient vor allem dem einen Zweck, sich weiterhin mit staatlichen Geldern durchfüttern zu lassen, auch wenn sich die Leser, Seher und Hörer längst zu den „Fake News“-Medien verabschiedet haben.
Die Medienschaffenden sollen sich, so wie alle anderen Österreicher auch, der internationalen Konkurrenz ohne staatliche Schutzschirme stellen. Man kann nicht ständig Wasser predigen und Wein saufen. Und ganz nebenbei, viele alternative (Internet-)Medien, die allesamt keine Staatsknete bekommen, sind für immer mehr Österreicher eine wesentlich wichtigere Informationsquelle, als der ORF. Vielleicht sollte der Rotfunk nicht nur auf die Gebührengelder schielen, sondern ernsthaft darüber nachdenken, warum das so ist.

15 comments

  1. G

    Sehr treffend beschrieben! Der Mateschitz Sender tut mehr für österreichische Identität als der ORF in den letzten 20 Jahren. Also geht es auch ohne Steuergeld oder abgepresste Beiträge.

  2. Mourawetz

    Vielleicht sollte man den Sender in die Hand der Identitären drücken und sehen, was dabei herauskommt.

  3. sokrates9

    Man will keine staatliche Finanzierung denn dann gibt die “ Regierung“ das Programm vor! Viel besser ist doch Zwangsfinanzierung !Da hat der Konsument keinen Einfluss und die linke Ideologie und Manipulation kann problemlos weitergeführt werden!

  4. Christian Peter

    ‚Rotfunk ORF‘

    Na ja, die ÖVP hat nicht weniger Einfluss auf den ORF als die SPÖ und nun wird – wie ehemals unter Schüssel – der ORF auch noch kräftig umgefärbt. Erst vor wenigen Wochen wurden ein Viertel der Stiftungsräte im ORF gegen Liste Kurz und FPÖ – Jünger ausgetauscht.

  5. Otto mosk

    Die gis versucht gerade mit eingeschriebenen drohbriefen die menschen unter druck zu setzten.
    Eine Reaktion kann nur sein keinen fernsehapparat zu haben und servus tv über das netz zu empfangen. Ausserdem sollten findige Anwalte Musterprozesse gegen die gis führen.

    wälte die zwagnsfinanzierung zum thema machen

  6. sokrates9

    CP@ Die ÖVP hat nicht weniger Einfluss auf den ORF…Können sie bitte 2 Journalisten nennen die nicht permanent linksgrüne Werbekampagnen führen??

  7. Christian Peter

    @sokrates9

    ‚Linksgrün‘

    Kommen Sie weg von irgendwelchen Parteien oder Farben, ob grün, rot, schwarz, türkis oder blau – ist ohnehin alles ein politisches Einheitsprogramm. Die Programme der im österreichischen Parlament vertretenen Parteien unterscheiden sich bloß in unbedeutenden Details.

  8. Weninger

    @sokrates
    Sehr erfolgreich wie man sieht, bei einer satten 2/3-Mehrheit für die „Bürgerlichen“ und bei aus dem Paralament rausgeflogenen Grünen, 🙂 das nenne ich jammern auf hohem Niveau. Wie würden die Ergebnisse aussehen, wenn es keine linksgrüne Berichtersatttung gäbe?

  9. Falke

    „Oder glaubt man, man brauche der „dümmlichen“, rechtskonservativen Koalition nur eine vergammelte Identitätskarotte vor die Nase zu halten und schon gibt es Kohle und Bestandsgarantien?“ Man glaubt es nicht nur, es stimmt auch. Wenn man dem „Medienminister“ Blümel zuhört, ist genau das geplant.

  10. Johannes

    Meiner Meinung nach ist der ORF vieles, aber eines habe ich noch nicht entdeckt, das österreichische Identität Stiftende. Ja es gibt sie, die wirklich sehr guten Produktionen des ORF, die österreichische Identität wird in den Sendungen von Sepp Forcher, von Franz Posch, beim Neujahrskonzert oder in den einzigartigen Produktionen von Georg Riha gewürdigt.
    Wo die österreichische Identität jedoch eher nicht vorkommt – und wenn dann nur in Vorwürfen und Schlechtmacherei – eben dieser, ist in der Berichterstattung und den politischen Journalen nach meiner Meinung.
    Teilweise hatte ich den Eindruck als wäre die Verehrung einer bestimmten Partei ähnlich der eines gewissen Fussi.
    Diese eine Partei hat auch scheinbar genau den humanistisch-marxistischen? Vorstellungen vieler Redakteure entsprochen, kommt mir jedenfalls vor und dadurch war eine Symbiose der ehemaligen Regierungspartei und des Senders offensichtlich.
    Es war für mich eindeutig eine Parteinahmen für NGO und deren Vorstellungen zu erkennen, in der Migrationskrise von 2015 habe ich für mich mit dem ORF abgeschlossen. Für mich persönlich war es einseitige Berichterstattung mit für mich und die meinen langfristig negative Folgen.
    Daher meine Einstellung, es ist nicht schade um diese politisch einseitige Linkslastigkeit, wer das als Identität schützen will, will wohl in erster Linie sein Medium für politische Propaganda schützen kommt mir vor.

  11. sokrates9

    Weninger@ Stimme mit Ihnen überein, dass die Diskussionen mit Turnherr , Wolf und Tarek Leitner den bürgerlichen mehr Stimmen gebracht haben wie die Werbekampagnen eines Kern mit seinem Freund Silberstein!
    Ich möchte vom ORF objektive Nachrichten, kein permanentes Trump / Putinbashing mit Argumenten die derartig hirnbefreit sind, dass man sich permanent fremdschämen muss! Ich möchte dass man die Migrationstrends als solche sieht, keine Lobhudelei über die EU und den Euro! Tatsachenberichte wären ohnehin schon Horror genug! Warum muss der ORF zensieren und volkserzieherisch wirken, Tabus wie Probleme mit dem Islam sollte man nennen.

  12. wbeier

    >Das kann das Volkskundemuseum in Wien besser und billiger.<
    Nur das Museum für Völkerkunde gibts seit 2013 nimmer und wurde in eine volkspädagogische Bedürfnissanstalt gemodelt und wird nun "Weltmuseum" genannt. Qualität und Ausrichtung der Belehrungen demonstrieren allein schon die zeitgeistig aufbereiteten Schautafeln:
    Beispiel 1: "Wir leben in einer Welt in Bewegung. Migration ist heute ein natürlicher und guter Prozeß. Man sollte sie als etwas verstehen, das die Welt bereichert, und nicht unbedingt als Bedrohung sehen"
    Beispiel 2: "Viele museale Gegenstände werden mit kolonialer Macht, Zwang und Enteignung in Verbindung gebracht"
    Was als durch diese Museum zu vermittelnde Quintessenz bei Kindern und Halbwüchsigen wohl hängenbleibt?

  13. fxs

    Laut OÖN richtete dort der Medienwissenschafter Berhard Pörksen die Aufforderung „Prüfe erst, publiziere später, damit wir in der journalistischen Arbeit nicht den eigenen Vorurteilen auf den Leim gehen“ an die Journalisten. Diagnose ist gestellt, ein Therapievorschlag vorgelegt. Es liegt an den Journalisten, sich zu therapieren.

  14. Weninger

    Objektive Berichterstattung, gut, aber kritische Fragen sollten schon auch an die Vetreter der Regierung möglich sein, egal welche Farbe diese hat. Dass jetzt schwarzblau den ORF für eigene Zwecke ummodeln möchte, finde ich auch nicht gut. Und Putin und Trump dürfen sich von ihren eigenen Medien loben lassen, — warum gerade Österreicher dierse beiden Herren so toll finden, erschließt sich mir nicht, auch Sehnsucht nach dem weisen und starken Führer?

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