Die Genossen (wieder einmal) im Klassenkampfmodus

(ANDREAS TÖGEL) Seit der Niederlage bei den letzten Nationalratswahlen will den Roten – insbesondere dem glücklosen Exkanzler Kern – nichts so recht gelingen. Die Oppositionsbank drückt hart. Der dramatische Bedeutungsverlust noch mehr. Wenn man dann auch noch von seinen zuverlässigsten Hilfstruppen im ORF nicht mehr wie gewohnt hofiert wird, tut das besonders weh. Guter Rat ist teuer. Was tun? Wie soll ein vorgestrig wirkender Haufen in die Jahre gekommener, spießiger Apparatschiks, einem ebenso jungen, wie geschickt agierenden Kanzler Paroli bieten?

Mit einem beherzten Griff in die Mottenkiste des Klassenkampfes, meinen die desorientierten Genossen nun den Stein der Weisen gefunden zu haben. Sie wollen ihr linkes Profil schärfen und patzen die angeblich „autoritär-rechtskonservative“ Regierung – Hand in Hand mit ihren zuverlässigsten Verbündeten von Gewerkschaft, Arbeiterkammern, Caritas, Diakonie, Rotfunk und „Omas gegen Rechts“ (kein Witz – die gibt’s wirklich!) – an, wo es geht. Mit Logik und Wahrheit nehmen sie es dabei naturgemäß nicht so genau.

Den entschlossenen Kampf gegen die von der Regierung auf den Weg gebrachten, arbeitsrechtlichen Liberalisierungen im Hinblick auf Tages- und Wochenarbeitszeit, stellen sie – wie zu erwarten war – ins Zentrum ihrer Aktivitäten. Bei ihrem vorgetäuschten moralischen Furor, kommt ihnen die totale Abwesenheit jeglicher Bodenhaftung und Bürgernähe zugute: Frei von jeglicher Bindung zur Wirklichkeit, klassenkämpft es sich eben einfach am besten. Hätten wackeren Genossen die Mühe auf sich genommen, gelegentlich Kontakt zu „den Menschen draußen“ aufzunehmen, würden sie nämlich spitzgekriegt haben, dass es keineswegs nur im Interesse des ruchlosen Klassenfeindes, der stets auf die Ausbeutung ihrer gnadenlos unterdrückten Lohnsklaven sinnenden Unternehmer liegt, flexible Arbeitszeiten zu ermöglichen. Sie würden zu ihrer grenzenlosen Überraschung festgestellt haben, dass auch seitens sehr vieler Arbeitnehmer eine beachtliche Nachfrage danach besteht, zeitlich befristet ihren Arbeitseinsatz zu erhöhen. Sei es, um Gutzeiten anzusparen und dadurch zusätzliche arbeitsfreie Tage einzuarbeiten, oder sei es, um ihr Einkommen durch Überstunden aufzubessern.

Derlei Tatsachen sind Herrn Kern & Genossen, die ihr ganzes Erwerbsleben lang keinen Tag außerhalb geschützter Werkstätten zugebracht haben, und die von der Funktionsweise einer Marktwirtschaft ungefähr so viel verstehen wie ein Laib Brot, entweder unbekannt, oder vollkommen wurscht. Schließlich geht es ihnen ja um Fundamentalopposition.

Dass auch die Damen und Herren Kleriker, gleich ob katholisch oder evangelisch, voll und ganz auf Oppositionslinie segeln, darf übrigens aus demselben Grund nicht verwundern: Wer sich niemals mit wertschöpfender Arbeit belastet und stets von der Anstrengung anderer gelebt hat, versteht naturgemäß nichts von Produktion und Geldverdienen, sondern beschränkt sich kommoder weise aufs Verteilen des von anderen erwirtschafteten Wohlstands.

Dass die Sozialisten jetzt ein Riesenfass aufmachen und so tun, als ob die Einführung des 12-Stunden-Tages menschenunwürdiger Sklavenarbeit im Asbestbergwerk gleichkäme, entbehrt insofern nicht der Ironie, als ja in ihren eigenen Einflussbereichen 12-Stundentage die Regel und nicht die Ausnahme sind. Der seines hohen Amtes verlustig gegangene Christian Kern hat offenbar vergessen, dass er als Chef der ÖBB einen ebenso unrentablen, wie überpersonalisierten Zuschussbetrieb geführt hat, in dem längst 12-Stunden-Arbeitszeitregelungen gelten. Das hat ihn übrigens so wenig gestört, dass er in seinem famosen „Plan A“ vor nicht allzu langer Zeit selbst für den allgemeinen 12-Stunden-Arbeitstag eingetreten ist. Der Mann hält seine Wähler offenbar allesamt für hochgradig vergessliche Idioten.

Dass selbst in den öffentlichen Krankenanstalten der dunkelrot-giftgrünen Gemeinde Wien (wie in vielen Branchen der Privatwirtschaft auch), längst 12-Stunden lang gearbeitet werden darf, ohne dass es bislang zu Revolten der proletarischen Massen gekommen ist, scheint der Aufmerksamkeit der ausschließlich auf ihre eigenen Interessen konzentrierten roten Parteikader auch entgangen zu sein.

Den Sozialisten ist durchaus zuzutrauen, dass sie auf ihrer frustrierenden Suche nach sich selbst auf die Idee verfallen, jetzt serienweise politische Streiks vom Zaun zu brechen. Dass sie damit an Wählerzuspruch gewinnen könnten, ist indes sehr unwahrscheinlich.

11 comments

  1. Chrisitian Peter

    ‘Wie soll ein vorgestrig wirkender Haufen in die Jahre gekommener, spießiger Apparatschiks einem jungen, geschickt agierenden Kanzler Paroli bieten ?’

    Naja, Kurz ist ein Apparatschik, wie er im Buche steht : Keine abgeschlossene Berufsausbildung, keine Berufserfahrung in der Privatwirtschaft, hat als Kanzler bislang nichts Nennenswertes geleistet, setzt sich aber tagtäglich medienwirksam in Szene. Man kann sich vorstellen, was sich im kommenden Halbjahr im Rahmen des EU – Ratsvorsitz Österreichs abspielen wird, wenn einem Schaumschläger wie S. Kurz eine entsprechende Bühne geboten wird.

  2. Selbstdenker

    Vorweg: es geht SPÖ, AK, ÖGB & Co. nicht eine Sekunde um das Wohl der Arbeitnehmer, sondern um den eigenen Bedeutungsverlust. Protestiert wird nicht gegen Dinge, die Arbeitnehmer tatsächlich negativ betreffen, wie z.B. die zahlreichen “Nebeneffekte” der Massenzuwanderung, sondern gegen einen Popanz.

    Mit dem sogenannten “12-Stunden Tag” meint der in Sachen Negative Campaigning stets teuer beratene Kurzzeitkanzler Christian Kern den idealen Kampfbegriff gefunden zu haben, suggeriert diese Wortschöpfung den Halb- und Nichtinformierten doch, dass er künftig gegen seinen Willen 12 Stunden am Tag arbeiten müsste.

    Der ÖGB wird sich mit dieser hochriskanten Spekulation, die diese substanzlose Kampagne de facto ist, sein eigenes Grab schaufeln, da ein aufgeblasener Popanz jederzeit platzen kann. Die Regierung sollte sich auch von den herbeigekarrten und zum Teil bezahlten “mehreren zehntausend Demonstranten” (man achte auf die gleichlautend vagen Angaben zur Teilnehmerzahl in den Medien) nicht beeindrucken lassen.

    Die Leute, die hier demonstrieren, sind nicht einmal diejenigen, die das neue Arbeitszeitgesetz betrifft. Es ist vielmehr der annähernd gleiche Linksblock, der uns die “Willkommenskultur” eingebrockt hat und der nach herben Rückschlägen im vergangenen Jahr nun beim “12-Stunden Tag” die Möglichkeit einer Revanche sieht.

    Auf einer sachlichen Ebene können diese Dirty Campaigner nie gewinnen, deshalb setzen sie auf Emotionen. Ähnlich wie bei der “Willkommenskultur” wird mit der medialen Unterstützung der üblichen Verdächtigen ein Phantasiegebäude aufgebaut, bei dem sogar die Fundamente nur aus Unwahrheiten bestehen.

    Die wahre Bruchlinie verläuft zwischen Produzenten (Unternehmer, Arbeitnehmer, Freiberufler, Landwirte und Beamte, die noch klassische Staatsaufgaben wahrnehmen) einerseits und leistungslosen Konsumenten, die ersteren das Recht auf die Früchte ihrer eigenen Arbeit absprechen.

    Offenbar war man sich beim ÖGB nicht bewusst, dass sich der vermeintlich aufgelegte Elfmeter “12-Stunden Tag” – ähnlich wie bei der “Willkommenskultur” – auf einen Konflikt zwischen Netto-Transferempfänger und Netto-Transferleistern zuspitzen wird.

    Arbeitnehmer profitieren, wenn sie sich auf die Seite des Leistungsprinzips stellen und sie verlieren, wenn sie sich von Pseudo-Intellektuellen in ein Klassensystem drängen lassen. Das dürfte sich inzwischen rumgesprochen haben.

    Und: je länger dieses sinnlose Gekreische und die absurden Übertreibungen andauern, desto mehr Österreicher werden von dieser Kampagne angewidert.

    Diese Sache ist für den Linksblock auch taktisch nicht zu gewinnen.

  3. Erich

    Wie krank die Linken sind ist an den für morgen Montag angesagten Betriebsversammlungen bei den ÖBB zu erkennen! Alle wissen, dass es dort die 12h-Ausnahmeregelung schon lange gibt. Alle wissen, dass es in einem rein sozialistisch geführten Unternehmen kein Problem wäre, diese Regelung außer Kraft zu setzen. Aber Hauptsache, es wird versucht, ein demokratisches Wahlergebnis durch den Druck der Straße umzustürzen. Gibt es gegen die Motten aus der linken Kiste kein Vandal?

  4. Selbstdenker

    @Erich:
    Grundsätzlich stimme ich Ihnen zu.
    Nur ein Punkt: die ÖBB sind kein Unternehmen, sondern eine Sozialversicherungsanstalt mit hauseigener Gleisanlage.

  5. Falke

    ÖGB und SPÖ demonstrieren und streiken gemeinsam gegen den Plan A des Ex-Kanzlers. Vor allem am Montag werden sie sich bei den Hunderttausenden, wenn nicht Millionen, die mit der Bahn pünktlich in der Arbeit sein wollen, besonders beliebt machen. Dem wohlgenährten neuen ÖGB-Präsidenten ist das aber egal, er muss wohl unbedingt zeigen, dass er etwas organisieren kann, und sei es auch gegen die Interessen derer, die er zu vertreten vorgibt. Erschreckend nur, dass ihm so viele wie die Lemminge folgen.

  6. Historiker

    Kern und seine SPÖ versuchen einen UNTOTEN wieder zum Leben zu erwecken: den KLASSENKAMPF ! Zum Totlachen ! Die Österreicher werden’s ihm danken: Mit weiteren Stimmverlusten.

  7. Gerald Steinbach

    1. JULI 2018 – 09:47
    CP
    Leute die in der Privatwirtschaft etwas geleistet haben und vielleicht noch erfolgreich waren, werden nicht in die Politik wechseln
    Verwerfen sie den Gedanken und nur wenn einer ein Studium absolviert hat kann er auch ein Versager sein.

  8. Manfred Fredi Schäfer

    Welche Leute der ÖGB in der Maria-Hilfstraße auf stampfen ließ und läßt wird noch klarer werden. In Vergangenheit sind die meisten im Betriebsrat gewählte Protestierer gewesen. Angehörige und Freunde. Sollten die Betriebs-Angehörigen ihren Personal-Bogen alleine mit der Firma ausmachen, kommt die GW in Zugzwang. Die Firma könnte den Betriebsrat mit der Freistellung und dem Einkommen auch unter Druck setzen. Es geht um goldene Arbeitsplätze. ,,Das Hemd ist näher als die Jacke”.

  9. lino

    Dieses Thema treibt absurde Blüten. In meherern Diskussionen wurde ich heftig angegriffen, da ich kein Gegner des 12 Stunden Tages bin. Pikanterweise letztens von einem ca. 40-jährgen Mann, von dem ich weiß, dass er von Mindestsicherung lebt und noch NIE regulär auch nur eine Stunde gearbeitet hat. Er war übrigens auch auf der “Demonstration”. Ich arbeite in einem großen Krankenhaus, in dem fast alle Beschäftigten 12 Stunden Schichten arbeiten. Eine Reduzierung auf 8 Std. ist übrigens schon einmal an der Belegschaft gescheitert, weil niemand auf zusätzliche freie Tage verzichten will. So arbeiten manche 5 od. 6 Tage und haben danach 4 od. 5 Tage frei. Der Betriebsrat war übrigens geschlossen am Samstag demonstrieren :-))))
    In diesem BR sammeln sich allerdings sämtliche Versager dieses Hauses, die ohne den BR Kündigungsschutz schon vor Jahren gekündigt worden wären. Eine besondere Flasche hat dieses Spiel 20(!) Jahre geschafft. So schaut´s aus.

  10. Christian Peter

    @Gerald

    ‘Erfolgreiche Personen gehen nicht in die Politik’

    Das ist wahr, vor allem in Österreich. Das ist aber systembedingt, würde man das Berufspolitikertum abschaffen (was seit Jahrzehnten gefordert wird), dann wäre es auch für erfolgreiche und unabhängige Individuen interessant, für das Land etwas zu leisten.

  11. Longlife

    Sehr geehrter Herr Tögel!
    Ich verstehe Ihre Aufgeregtheit! Aber: Aber in der Tat konnte ich bisher noch nirgends knapp, kurz und verständlich nachlesen was denn Sache ist. Das ist ein klares Kommunikationsversäumnis der Regierung! und der Medien! Und Ihre aufgezählten Pappenheimer haben natürlich kein Interesse daran Licht ins Dunkel zu bringen. Das ist doch auch ein Skandal!

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