Die Grenzenlosigkeit des deutschen Erziehungsjournalismus  

(GEORG VETTER)  Deutsche Journalisten haben sich in einem offenen Brief an Bundeskanzler Kurz gewandt, ihre Besorgnis über Angriffe auf den ORF zum Ausdruck gebracht und zur Maßregelung des Koalitionspartners aufgefordert. Der deutsche Erziehungswille scheint ungebrochen und grenzenlos.

Wer in den Höhen des deutschen Idealismus aufgewachsen ist mag es für richtig halten, dass Journalisten gesamtgesellschaftliche Erziehungsaufgaben wahrnehmen und einen Bundeskanzler seinerseits zur Ergreifung regierungsinterner Erziehungsmaßnahmen auffordern können. Wer allerdings auf dem Boden der liberalen Demokratie steht, wird einer solchen Gesellschaft von Oberlehrern eher wenig abgewinnen können.

Vielleicht spielt im konkreten Fall aber auch die Sorge um die Unantastbarkeit der eigenen Position eine Rolle. Je mehr die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten an Vertrauen verlieren, je weniger privilegierte Sonderstellungen am sonst freien Medienmarkt verstanden werden, desto eher scheint internationale Solidarität geboten. Staatsfernsehen aller Länder, vereinigt Euch.

Da fällt mir das Büchlein „Reden an die deutsche Nation“ von Johann Gottlieb Fichte in die Hände. In der zweiten Rede „Vom Wesen der neuen Erziehung im Allgemeinen“ findet man Gedanken, die die Journalisten aus unserem nördlichen Nachbarland noch heute offensichtlich umzusetzen gedenken: Der freie Wille sei durch einen festen und nicht weiter schwankenden Willen zu ersetzen, an die Stelle der Selbstliebe müsse eine „Liebe für das Gute“ treten und die „Erziehung des gesellschaftlichen Menschen“ solle den Anforderungen einer höheren Welt genügen.

Der Erziehungsgeist hat seine tiefen Wurzeln – und der Genesungstrieb des deutschen Wesens scheint ungebrochen.

 

10 comments

  1. sokrates9

    Ein schönes Beispiel was deutsche Journalisten für ein Demokratieverständnis haben! Der Kanzler – Sonnenkönig – soll gefälligst auf Zuruf des Auslandes reagieren und idealerweise den Strache gleich eliminieren! Was für Geisteshaltung haben diese Journalisten eigentlich? Was ist der Nutzen dieses Briefes?? Ich würde mich genieren so einen Brief zu unterschreiben!

  2. Thomas Holzer

    Böse Zungen werden behaupten, die Journalisten kommen nur ihrem „Bildungsauftrag“ nach 😉

  3. Christian Peter

    Die öffentlich rechtlichen Medienanstalten sind nicht das einzige Problem, praktisch alle namhaften Medien werden in Deutschland und Österreich von den kriminellen Altparteien durch Subventionen, Regierungsinserate und andere Privilegien gefügig gemacht.

  4. Falke

    Wenn man sich die Namen der sogenannten „Journalisten“ anschaut, die diesen Wisch unterschrieben haben (beispielhaft: Claus Kleber, marietta Slomka, Anne Will Maybritt Illner usw.), weiß man gleich aus welcher Ecke der Wind weht und muss sich daher wohl nicht weiter damit beschäftigen. Hoffentlich sieht das der Adressat auch so.

  5. Rado

    Ob solche Briefe von den österreichischen Kollegen auch bestellt werden können?

  6. Thomas Holzer

    @Rado 14:00h
    Die Deutschen Journalisten und Politiker brauchen keine Briefe von „außen“, die sind ja die Guten, die einzigen, welche wirklich wissen, was richtig ist 😉
    Nur Ratschläge, Vorschläge, Direktiven werden noch vom Herrn Macron anerkannt, weil der ja auch (internationaler) Sozialist ist – aber nur, wenn es zum Schaden Deutschlands ist

  7. openmind

    Journalisten fühlen sich mittlerweile als 1. Gewalt. Auch eine Art von Parallelgesellschaft, die sich in Europa entwickelt.

  8. Mona Rieboldt

    Diese stramm linken Journalisten sind einfach unterste Schublade. Als wäre Kurz der Erziehungsberechtigte von Strache.
    Der Brief ist sowas von peinlich, einfach zum Fremdschämen.

  9. KTMtreiber

    @Mona Rieboldt

    Nein, – kein Grund zum „Fremdschämen“. Schämen müssen sich lediglich die Unterzeichner dieses Schriftstückes. Ich schäme mich für Handlungen, die ich u. U getätigt habe, derer man sich schämen sollte. Sie, werte Mona R. müssen sich nicht für gekaufte Journalisten schämen, – bei Gott nicht.

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