Die herausgeforderten Meinungseliten

„Erst beklagten die französischen Arbeiter die Konkurrenz durch nordafrikanische Einwanderer am Arbeitsplatz, danach verdrängten die muslimischen Migranten die Einheimischen aus ihren angestammten Wohnquartieren. Spätestens dann schimpften die Arbeiter über die Islamisierung Frankreichs und wählten den Front national. (…) Dass die Eliten in Politik und Medien solche Zusammenhänge zunächst zu leugnen pflegen, verursacht zusätzliche Erbitterung. Diese löst sich irgendwann von der Migrationsfrage und mündet in eine allgemeine Elitenkritik – und zwar nicht wie 1968 von links, sondern von rechts. Die Meinungseliten, und das ist die Ironie dabei, die früher selbst die Systemfrage stellten und mit Jürgen Habermas die «Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus» beschworen, sehen sich nun ihrerseits durch Systemkritik herausgefordert“ (NZZ, hier)

5 comments

  1. cmh

    Schöner Artikel nach der Art des „streits eich net“.

    Dazu nur folgende Fragen: Warum sollte man auf jemanden offen zugehen, die nicht auch offen zugeht? Der in jedem Nachgeben freundlicher Art sofort eine Schwäche sieht? Und wird der andere auf einen zugehen, wenn der keine selbstbewusste Basis hat? Diese Probleme zu umgehen ist das eigentliche Problem.

    Im Hinblick auf alle linke Ideologien kann man auch sagen, dass im Märchen die Kinder ja eindeutig auf den Rattenfänger zugegangen sind. War aber nicht gut. Wie soll man sich daher jemandem gegenüber verhalten, der die Werte, die man vertritt nicht nur nicht vertritt, sondern sogar zertritt, der einen also nur verwirrt? Ein weiteres Problem.

    Ich sehe da keine Lösung, die möglich wäre. Die Erbauer des Turmes werden sich zerstreuen und diese neuerliche Vertreibung aus dem Paradies wird weh tun. Allen. Aber da wird man durchmüssen.

  2. Falke

    Es stimmt schon, dass sich „Linke“ und „Rechte“ auf ähnliche Weise beschimpfen. Der große Unterschied ist aber, dass die Linken ein Sprech-, Rede-, Schreib-, Auftritts-, Versammlungs-, Demonstrations- und Parteienverbot für die Rechten fordern (und auch regelmäßig versuchen, es gewaltsam durchzusetzen), während die Rechten das keineswegs von den Linken verlangen und – ganz entscheidend – auch fast nie Gewalt anwenden.

  3. Rennziege

    „Meinungseliten?“ Wer und was soll das sein? Die glattgebügelten, aber chronisch weltfremden, habituell legasthenisch stotternden Politiker und Journalisten? Die einzige Meinungselite, die ich kenne, besteht aus meinem Mannsbild, meiner bescheidenen Wenigkeit und einigen hiesigen Postern.
    O,K.: Unseren langmütigen Hausherrn zähle ich mit als einen wachen, aufmüpfigen Geist. Aber das Wort „Elite“ wurde in jüngsten Jahren so schamlos vernuttet, dass ich upon second thoughts diesen Begriff als eine Beleidigung aller wirklich G’scheiten betrachte.
    (Was sich ja auch täglich erhärtet.)

  4. astuga

    Ein auf den ersten Blick redlicher Ansatz.
    Aber unterm Strich bleibt beim Autor Eric Gujer sozusagen nur eine Einsicht übrig, dass man zum Streiten immer zwei braucht.
    Der alte Spruch hat nur einen Haken – klingt gut, ist fast immer Blödsinn.
    Und im besprochenen Fall ist völlig klar, welche Seite Machtmissbrauch betreibt und sich intolerant wie asozial verhält.

    Die „linken“ Eliten, oder was sich dafür hält.
    Die lediglich in ihrer Eigenwahrnehmung Progressiven und Anständigen.
    Ein typisches Bspl., wo aber eine solche Person mal an den Falschen geraten ist.
    Cathy Newman (britische TV-Journalistin) interviewt Jordan Peterson (kanadischer Uni-Prof. für Psychologie und Feindbild der Linken), und arbeitet dabei permanent mit Unterstellungen.

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