Die Vereinigten Staaten des Westens

Die Gründung einer transatlantischen Freihandelszone würde für Amerika und Europa Wohlstandsgewinne bringen. Und an die staatskapitalistischen Länder wie China ein Signal der Freiheit senden. (Ein lesenswerter Essay von Gabor Steigart, “HB”)

12 comments

  1. Klaus Kastner

    Ich kam 1967 als Gaststudent zum ersten Mal nach Amerika und war dann in Summe 23 Jahre in Amerika und/oder für Amerikaner tätig.

    1967 erwartete ich von Amerika die Erfüllung jenes Traumes, der uns Jugendlichen von Wochenschauen, Comics, etc. vermittelt wurde. Unsere Vorbilder, unser besten Freunde, quasi unsere Zwillingsgeschwister.

    Schon nach kurzer Zeit schrieb ich Briefe an meine Eltern mit dem Inhalt, dass ich nicht mehr verstehen konnte, weshalb Kontinentaleuropäer und Amerikaner sich so eng verbunden fühlten. Die Amerikaner waren doch so anders; sie dachten anders als ‘wir’; sie handelten anders; sie verhielten sich im täglichen Leben anders; etc.

    Eine Zweckehe zwischen Amerika und Kontinentaleuropa könnte ich mir vorstellen; einen Staatenbund, der auf ‘gemeinsamen Interessen und Idealen’ beruht, allerdings nie und nimmer.

    Ein amerikanischer Präsident hat einmal gesagt “the business of America is business”. Man stelle sich vor, Angela Merkel oder Werner Faymann würden so etwas sagen. Man stelle sich irgendeinen Kontinentaleuropäer vor, der so etwas sagen würde.

    Amerikaner sind grundsätzlich lösungsorientiert in Richtung materieller Lösungen. Kontinentaleuropäer beweisen immer wieder, dass sie in die Diskussion und Analyse von Problemen verliebt sind. Lösungen selbst bringen sie nur selten aus eigener Kraft zustande.

    Amerikaner sehen Kontinentaleuropäer manchmal wie im Sand spielende Kinder, die noch nicht so ganz wissen, worum es im Leben eigentlich geht. Sie sind zwar sehr gebildet und haben sehr gute Manieren, und das macht die Amerikaner auch unsicher gegenüber Kontinentaleuropäern. Aber spätestens auf dem Rückflug ins Heilige Land würde dann ein Amerikaner zum anderen, mit Drinks in der Hand sagen: “They are nice people but they are not big guys!”

  2. Rennziege

    @Klaus Kastner
    Als eine, die ebenfalls etliche formende Jahre in “God’s Own Country” zugebracht hat, wenn auch viel weniger als Sie, kann ich Ihre Erfahrungen nur bestätigen — bestenfalls a wengerl ergänzen: In Amerika wird Erfolg bewundert, in Europa geneidet. (Neuerdings gern auch als asozial und diebisch verunglimpft.)

  3. Gerhard

    @Klaus Kastner
    @Rennziege

    Genau, es sind zwei verschiedene Welten. Ich habe die USA immer bewundert (und bewundere sie auch heute noch), aber manche Entwicklungen möchte ich doch lieber nicht mitmachen. Ergänzend zu Ihren Ausführungen möchte ich noch schreiben:
    dort werden die Leute von täglichen Leben (um nicht “Überlebenskampf” zu sagen) gefordert, wer nicht versucht hinauf zu klettern, kommt unter die Räder. Unsinnige soziale Netze und Hängematten gibt es dort nicht, jeder schätzt die dortige Freiheit. So kann jeder Bürger ohne viel Bewilligungen ein Geschäft eröffnen – auch wenn es nur ein Verkaufspult auf der Straße ist -, wichtig ist aber, dass er eine Steuernummer hat. Als einen Grund dieser geschätzten Freiheit vermute ich, dass die meisten Bürger bzw. deren Vorfahren eingewandert sind und so keine “Geschichte und Traditionen” mitschleppen müssen. Ob dies wirklich ein Vorteil ist? Noch zwei Dinge fallen mir auf: der christliche Glauben ist in der Bevölkerung viel stärker verankert und die Spendenfreudigkeit zu NGOs ist wesentlich größer.

  4. gms

    Gerhard :
    .. und die Spendenfreudigkeit zu NGOs ist wesentlich größer.

    “Tu Gutes und rede darüber.” Dieser seit jeher bewährte Kit einer Gesellschaft wird in Europa mit vielerlei Mitteln gezielt zerstört, duldet doch die staatliche Hilfsindustrie keine Konkurrenz, mit der erwartbaren und auch eingetretenen Konsequenz zunehmender Desolidarisierung.

    Damit sind wir einem weiteren Unterschied zwischen den USA und Europa angelangt, der Bedeutung der Menschrechte. Waren diese in ihrer ursprünglichen Konzeption Freiheiten von Zwang durch den Staat, so mutierten diese in Europa zu Verpflichtungen für Teile der Gesellschaft anderen Teilen gegenüber. Aus dem Recht, sein Schicksal selbst zu bestimmen, wurde das Recht, sein eigenes Wohlergehen Dritten zu überantworten.

    Wenn Sie von mitzuschleppender “Geschichte und Tradition” schreiben, so ist festzuhalten, daß der Sozialismus eine genuin europäische Erfindung ist. Wer aber bereit ist mit den Füßen abzustimmen, wird speziell diese Ideologie nicht mitschleppen. Alles andere an Unterschieden resultiert daraus, wie eben auch die thematisierte Spendebereitschaft oder in der Umkehrung sich gegen jene zu verteidigen, die Solidarität mit illegitimen Mitteln einfordern.

  5. FDominicus

    Ich war ein Fan der USA aber seit den ersten Bailoutpaketen und nach derm Anschlag auf das WTC, sicherlich nicht mehr. Die Amerikaner sind an “materiellen” Lösungen interessiert? Wie kann es dann sein das Sie einer Zentralbank “vertrauen”? Und das dort die Bürgerrechte mehr oder minder egal geworden sind wird hier offenbar auch nicht gesehen. Hat sich irgendjemand mal angeschaut in was sich die diversen Behörden überall einschalten? Darf ich an die Erpressungen der Schweiz erinnern. An Guantanamo an die Todeslisten?

    Das wurde gerade heute auch hier http://lepenseur-lepenseur.blogspot.de/2013/02/schnarrenheusser-reitet-wieder.html
    behandelt.

    Ich lade auch die Bewunderer ein, heute ein Bankkonto z.B. in Kanada oder sonstwo zu eröffnen. Und dann dort mal nachzuschauen, daß man garantieren muß!!! das man kein US-Staatsbürger ist. Die USA waren nach dem Krieg schon mal in das Extrem des McCarthismus verfallen. Eine Art moderne Hexenverfolfgung, derzeit ist es wieder so weit. Nennt sich euphemistisch Kampf gegen den Terror. Meint aber ein faschistoides System mit weitreichendsten Kompetenzen der “Autoritäten”.

    Auf https://en.wikipedia.org/wiki/National_Defense_Authorization_Act_for_Fiscal_Year_2012 kann man nachlesen:

    “The detention sections of the NDAA begin by “affirm[ing]” that the authority of the President under the Authorization for Use of Military Force Against Terrorists (AUMF), a joint resolution passed in the immediate aftermath of the September 11, 2001 attacks, includes the power to detain, via the Armed Forces, any person (including a U.S. citizen[13][21]) “who was part of or substantially supported al-Qaeda, the Taliban, or associated forces that are engaged in hostilities against the United States or its coalition partners”, and anyone who commits a “belligerent act” against the U.S. or its coalition allies in aid of such enemy forces, under the law of war, “without trial, until the end of the hostilities authorized by the [AUMF]”. The text authorizes trial by military tribunal, or “transfer to the custody or control of the person’s country of origin”, or transfer to “any other foreign country, or any other foreign entity”.[22]”

    Hey cool, da geht man irgendwo spazieren, landet auf der falschen Liste und verschwindet in diversen “Anstalten”. Verlockend….

  6. Mercutio

    @FDominicus
    Nicht zu vergessen, dass die USA bei allen Freiheiten und in manchen Bereichen weniger Bürokratie ein mindestens ebenso ausgefeiltes Subventionssystem etwa im Agrarbreich hat sowie einregelrechtes System von Sonderzöllen aufgebaut hat. Leider eine amerikanische Untugend, das Wasser des freihandels predigen (wie einst die Briten)n und den Whisky des Strafzolles etc. schlürfen.

  7. Selbstdenker

    Im momentanen Zustand der USA und der EU klingt das eher wie eine gefährliche Drohung.

    Aber vielleicht kriegen sich Amis und Europäer irgendwann wieder mal ein.

    Überraschungen sind durchaus zu erwarten. Nicht zuletzt auch deshalb, da man in den USA laaaangsam aber immerhin die Wichtigkeit einer eigenen Industrie (ausserhalb des Rüstungssektors) wieder erkennt.

    Mit alternativen Fördermethoden dürften die Amis auch den Energiemarkt künftig ziemlich aufmischen. Auch hier wäre eine enge Kooperation mit den Amis in Zukunft wieder sinnvoll.

    @Mercutio: muss Ihnen leider recht geben: in den USA ist sicherlich nicht alles Gold was glänzt. Und einige Prinzipien, die dieses Land gross gemacht haben, wurden über Jahrzehnte sträflich vernachlässigt.

    Dennoch glaube ich, dass die Amis auch diesesmal die Kurve wieder kriegen werden. Bei den Europäern bin ich mir da leider nicht so sicher.

  8. Der Unternehmer

    @FDominicus
    Der Durchschnittsamerikaner achtet die Freiheit. Der Durchschnittseuropäer.eher nicht.
    Das bewundere ich. Zu Zeiten des HRR war die Freiheitsidee auch in Europa virulenter. Mit der französischen Revolution ist dieses großartige Erbe Europas langsam abgestorben

    Die amerikanische Politik mag ich allerdings gar nicht.

  9. FDominicus

    Der Unternehmer :
    @FDominicus
    Der Durchschnittsamerikaner achtet die Freiheit. Der Durchschnittseuropäer.eher nicht.
    Das bewundere ich. Zu Zeiten des HRR war die Freiheitsidee auch in Europa virulenter. Mit der französischen Revolution ist dieses großartige Erbe Europas langsam abgestorben
    Die amerikanische Politik mag ich allerdings gar nicht.

    Was nützt Ihnen das wenn das “Gewaltmonopol” zuschlägt? Wie kann es Rechtens sein einfach Leute “verschwindne” zu lassen. Wieviele Todesurteile wurden vollstreckt die sich im Nachhinein als falsch erwiesen und was passiert demjenigen der in die Liste der “Terroverdächtigen” gerät?

    Was ich (inzwischen) den US-Bürgern zu Gute halte, ist, sich nicht einfach entwaffnen zu lassen… Nur ob es gut ist ist sich “gegenseitig” abzuschlachte, kann ich nicht sehen. Bei der amerikanischen Politik halte ich es lieber mit Ron Paul, aber der ist ja nun auch nicht mehr dabei….

  10. Der Unternehmer

    @FDominicus
    Deshalb sagte ich doch, dass ich die US-Politik nicht mag.

    Das Gewaltmonopol liegt bei uns schließlich auch beim Staat.

  11. FDominicus

    @Der Unternehmer

    Dazu wurden wir ziemlich vollständig entwaffnet und bekamen dazu noch ein vollständiges brain-washing durch “wahre” Sozialisten in der DDR, eine zweite Enteignungswelle des Eigentums der DDR-Bürger durch die BRD und dann ein weiteres brain-washing durch die “Sozialdemokratie” die sich darau versteift für die “soziale Gerechtigkeit” zu sein. Und damit haben wir uns dann von kaum Arbeitlosen auf 3.8 oder so Millionen gesteigert.

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