Die Waffen-Illusion

(ANDREAS TÖGEL) Debatten über das in den USA im zweiten Verfassungszusatz abgesicherte Recht auf privaten Waffenbesitz sind alles andere als neu. Bereits im 19. Jahrhundert gab es Kritik an angeblich zu liberalen Waffengesetzen. Die sind in den USA – anders als hierzulande vielfach fälschlich kolportiert – keine Bundesangelegenheit, sondern Sache der einzelnen Bundesstaaten. Gegen „das lasche Waffengesetz in den USA“ zu polemisieren, ist also purer Unsinn.

Mitte des 19. Jahrhunderts schreibt der Sklavereigegner und Anarchist Lysander Spooner (1808 – 1887) der Waffen-weg-Fraktion folgendes ins Stammbuch:

„Waffen zu verbieten, weil Kriminelle sie benutzen, bedeutet, den Gesetzestreuen zu erzählen, dass ihre Rechte und Freiheiten nicht von ihrem eigenen Verhalten abhängen, sondern von dem der Schuldigen und der Gesetzlosen.“

Wer könnte dem widersprechen? Tatsächlich wäre es ein fatales Signal, viele Gute wegen der Untaten weniger Böser zu bestrafen – zum Beispiel durch Wegnahme ihres gesetzeskonform erworbenen Eigentums. Spooners Feststellung basiert auf einem Grundsatz, der aus dem römischen Recht stammt. Der lautet: „Missbrauch hebt der rechten Gebrauch nicht auf“ (Abusus not tollit usum). In der Tat ist ja auch noch niemand auf die verrückte Idee gekommen, schnelle Autos verantwortungsbewusster Fahrer zu konfiszieren, weil rücksichtslose Individuen mit solchen Wagen Unfälle verursacht haben.

„Nicht Waffen töten, sondern Menschen töten“, ist eine von den Verteidigern liberaler Waffengesetze gern gebauchte Parole. Eine andere lautet: „Wenn Waffen töten, dann machen Löffel fett“. Nun ist es mit Analogien so eine Sache. Die Fraktion der Antiwaffennarren führt gegen die beiden genannten ins Feld, dass es am Ende nur auf den intendierten Zweck eines Gegenstandes ankommt. Also: Während Waffen ausschließlich dafür produziert würden, um Menschen zu töten, ist es keineswegs der Zweck von Löffeln, Fettleibigkeit herbeizuführen. Das leuchtet ein, nicht wahr?

Dennoch handelt es sich dabei um eine in mehrfacher Hinsicht fehlerhafte Argumentation. Die wenigsten in der Hand vom Zivilsten befindlichen Waffen sind „zum Töten“ gedacht. Sie dienen als Notwehrmittel, deren Einsatz nur als Reaktion auf einen widerrechtlichen Angriff erlaubt und nicht auf die Tötung des Angreifers gerichtet ist; sie könnten zwar, wie Jagd- Sport- und Sammlerwaffen, dazu eingesetzt werden, um Menschen Schaden zuzufügen, sind dafür aber nicht gedacht. Man schießt, als Jäger, auf jagdbares Wild, als Sportschütze auf Papierscheiben oder Metallgongs und erfreut sich, als Waffensammler, lediglich am Besitz seiner Stücke, mit denen vielfach gar nicht geschossen wird. Keine Rede also von Waffen als Werkzeuge zum Töten von Menschen.

Außerdem ist der Zweck, für den ein Gegenstand gedacht ist, immer losgelöst seinem Gebrauch als Werkzeug für ein Gewaltverbrechen zu betrachten. So sind etwa Küchenmesser, Waldäxte und Hämmer zwar nicht zum Töten von Menschen gedacht, werden aber dennoch häufig dafür verwendet – übrigens viel häufiger als Feuerwaffen! Erst in der Vorwoche wurde in der Steiermark ein Doppelmord mit einem Beil verübt. Die Angehörigen der Opfer werden vermutlich nur wenig Trost in der Tatsache finden, dass das eingesetzte Mordwerkzeug dafür gar nicht gedacht war. Die Kritik an der angeblich „falschen Analogie“ der oben zitierten Parolen geht also ins Leere.

In Norwegen wird gegenwärtig bereits daran gedacht, halbautomatische Büchsen zu verbieten. Klar, wenn in den USA ein Geistesgestörter in einer „waffenfreien Zone“ ein Massaker verübt (es sind so gut wie immer entweder psychisch defekte Typen oder politisch/religiös fanatisierte Verbrecher, die derartige Gräueltaten verüben), müssen unbescholtene norwegische Sportschützen dran glauben. Die geplante Maßnahme ist mindestens so intelligent, wie die deutsche „Energiewende“, die – man erinnere sich – als Reaktion auf einen Tsunami in Japan proklamiert wurde.

Die Illusion, dass der Leviathan mittels strenger Gesetze Sicherheit schaffen könnte, ist seit den Tagen Thomas Hobbes´ nicht umzubringen. Kaum passiert etwas, ist auch schon „der Staat gefordert“, um gegenzusteuern. Dass Staatsregulative so gut wie immer ein Problem und niemals die Lösung bedeuten, wird geflissentlich ignoriert. Das Fernziel aller unbeirrbar Staatsgläubigen steht daher fest: Erst wenn hinter jedem einzelnen Bürger mindesten ein (natürlich schwer bewaffneter!) Scherge des Innenministers herschleicht; wenn sich niemand mehr einfach kaufen kann was er will; wenn erst einmal Tonaufzeichnungen und Videoüberwachungen in allen Haushalten durchgeführt werden; und wenn endlich jedem einzelnen gleich nach der Geburt ein Chip verpasst wird – dann wird alles gut. Aber zunächst einmal heißt es – jedenfalls für Privatpersonen: Die Waffen nieder!

Wie besagt ein Albert Einstein zugeschriebenes Zitat? Die menschliche Dummheit ist – anders als das Weltall – unbegrenzt

5 comments

  1. Der Realist

    Alle, die es halt mit dem Denken nicht so haben, schreien nach irgendwelchen kriminellen Handlungen stets nach Anlassgesetzen. Demnach müssten schon längt auch alle Messer verboten sein, diese werden ja gerade von “Neubürgern” gerne als Tatwerkzeuge eingesetzt. Und die meisten Feuerwaffen mit denen Morde verübt werden, sind ohnehin nicht registriert, und allzu schwer ist es ja auch nicht, an eine Kalaschnikow zu gelangen.
    Ganz so unrecht hat Präsident Trump mit seiner Idee Lehrer zu bewaffnen, wohl ebenfalls nicht, sind sie als gänzlich Unbewaffnete doch verurteilt, sich wie Hasen abschießen zu lassen.

  2. Rado

    In Schulen der USA gilt über das Waffengesetz hinaus ua. der sogenannte “gun free school zones act” von 1990. Diese “gun free zones” ziehen seitdem kranke Gehirne an wie ein Magnet.

  3. Rado

    PS:
    Und nur zur Erinnerung: Diese Mode der Massenmorde in Schulen wurde in Europa mit der breitflächigen Antiwaffenkampagne der 90er Jahre mittels des Filmes “Bowling for Columbine” von Micheal Moore eingeschleppt. Ganze Schulklassen wurden damals von ihren Lehrern in die Kinos gezerrt um danach darüber zu “diskutieren”. Der Erfolg dieser Pädagogik ließ zur Freude dieser Kampagnenbetreiber nicht lange auf sich warten.

  4. Christian Peter

    In Tschechien wurde das Waffenrecht erst kürzlich wegen der Bedrohung durch den islamischen Terrorismus erst kürzlich liberalisiert und das Recht auf Waffenbesitz in der Verfassung verankert. Es ist absurd, die Bürger durch eine völlig verfehlte Einwanderungspolitik in Gefahr zu bringen und der Bevölkerung gleichzeitig durch Waffenverbote die Möglichkeit zu nehmen, sich gegen Verbrecher und Terroristen zur Wehr zu setzen.

  5. Rick Schuster

    MIt Waffengegnern zu diskutieren ist wie mit einer Wand zu sprechen – völlig sinnlos! Diese Leute sind für Argumente unerreichbar – wie kleine Kinder nur mit dem Unterschied, dass ein kleines Kind sich mit plausiblen und logischen Erklärungen überzeugen lässt. Waffengegner glauben mit einem Verbot schaffen sie das Problem des illegalen Waffenbesitzes – der legale Waffenbesitz stellt kein Problem dar – aus der Welt. Das Argument, dass illegale Waffen bereits verboten sind und Verbrecher und Terroristen ja deswegen Verbrecher und Terroristen sind, weil sie sich um Verbote nicht scheren….tja…ihnen dass zu erklären, daran scheitere ich seit Jahrzehnten.
    Und dass staatliche Waffenbesitz in unserer Menschheitsgeschichte für Millionen Tote gesorgt hat, damit erreicht man die fast durchwegs linken Waffengegner und Staatsfanatiker schon gar nicht….denn da müssten sie ja ihre Säulenheiligen Lenin, Stalin, Mao, Rote Khmer und ihren angebeteten Che einmal kritisch betrachten…und einem Genickschuss für abtrünnige Parteigänger, Libertäre, freiheitsliebende Menschen oder gar Rechte sind diese angeblichen Waffengegner ja dann auch nicht so abgeneigt wie uns die Geschichte lehrt!

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