Handelskriege kennen nur Verlierer

(ANDREAS TÖGEL) Nach dem sich verschärfenden kalten Krieg der EU- und Nato-Staaten gegen Russland, dräut nun zu allem Überfluss auch noch ein veritabler Handelskrieg der USA gegen den Rest der Welt. Entgegen Präsident Trumps Überzeugung, diesen Handelskrieg gewinnen zu können, werden am Ende alle verlieren – auch die USA. Wer viel importiert, hat schließlich gute Gründe dafür. Wie also sollte ein Importstopp kräftig nachgefragter Güter den Amerikanern Gewinn bringen?

Der schottische Moralphilosoph Adam Smith legt in seinem 1776 erschienen Werk „Der Wohlstand der Nationen“, überzeugend dar, dass Arbeitsteilung eine der wesentlichen Grundlagen für breiten Wohlstand bildet. Denn wer sich bei der Arbeit auf seine besonderen Fähigkeiten konzentriert, produziert mehr und besser als einer, der vieles oder gar alles zu machen versucht. Diese Erkenntnis ist inzwischen zur Binsenweisheit geworden. Was aber im Kleinen innerhalb einer Dorf- oder Stadtgemeinschaft, oder innerhalb einer Staatsgrenze gilt, gilt auch im Großen – über Grenzen hinweg. Es leuchtet jedermann, von Jean Ziegler und ein paar unbelehrbaren Attac-Aktivisten abgesehen, ein, dass es ungleich zweckmäßiger ist, Bananen aus den Tropen zu importieren, als sie in Alpenländern im Glashaus zu züchten. Und wenn die besten Fahrzeugingenieure nun einmal in Deutschland zu finden sind, sollte man davon absehen, ein französisches oder italienisches Auto anzuschaffen. Das interessierte Publikum weiß das, und trifft entsprechende Kaufentscheidungen.

Handelsbarrieren, Importbeschränkungen durch Zölle, sowie Subventionen für nicht konkurrenzfähige Betriebe oder Branchen, richten sich in jedem Fall gegen den Markt, damit gegen Konsumentenpräferenzen, und laufen der Arbeitsteilung zuwider. Sie nutzen den in geschützten Werkstätten Tätigen und schaden allen anderen, weil die dadurch gezwungen sind, höhere Preise zu bezahlen oder mit schlechterer Qualität zu leben.

Das von Donald Trump ins Feld geführte Argument, „unfairen Handelspraktiken“ entgegentreten zu wollen, weil die ausländische Konkurrenz – angeblich oder tatsächlich – zu „Dumpingpreisen“ liefert, ist nicht einmal auf den ersten Blick plausibel. In Wahrheit stellt eine zu „Dumpingpreisen“ gelieferte Ware nämlich ein Geschenk auf Kosten der Produzenten dar. Ist doch wunderbar! „Wenn man Dir gibt, dann nimm!“, heißt es im jiddischen Sprichwort. Warum wegen günstiger Preise einen Aufstand inszenieren? Im Falle der gelenkten Kommandowirtschaft Chinas, bezahlen die chinesischen Steuerzahler, Arbeiter mit niedrigen Löhnen und chinesische Unternehmer mit entgangenen Gewinnen für ihre Exporte nach Übersee. Das ist allein ihr Problem. Sie allein sind die Opfer der von ihrer eigenen Regierung betriebenen Exportpolitik, nicht aber die belieferten Unternehmen und Haushalte in den Empfängerländern. Wenn also jemand Grund zum Jammern hat, dann die Menschen in China, nicht aber in den USA.

Aus Sicht der „Beschenkten“ ergibt sich der Vorteil, dass sie, beispielsweise für Eisen und Aluminium, weniger bezahlen müssen, als wenn sie diese Metalle bei den teureren heimischen Produzenten kaufen. Folglich steht den verarbeitenden Betrieben mehr Geld für alternative Einkäufe und Investitionen zur Verfügung. Beim Einkauf Geld sparen zu können, ist immer vorteilhaft.

Was also steckt hinter den Plänen zur Errichtung von Zollbarrieren, da sich die genannten Einsichten ja zweifellos auch Herrn Trump erschließen? Hinter dem Kampf gegen angeblich unfaire Wettbewerber, verbirgt sich allemal die nur fadenscheinig getarnte Abscheu gegen jede Art von Konkurrenz. Kein Wirtschaftstreibender liebt seine billiger oder besser produzierenden Mitbewerber. Unternehmer neigen grundsätzlich dazu – auch das ist eine von Adam Smiths Erkenntnissen – sich, wenn immer möglich, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln vor der Konkurrenz zu schützen. Ein probates Mittel dazu ist es, sich politischer Schützenhilfe zu bedienen, um diese auszuschalten. Nutznießer sind jene Branchen, die sich, dank wirkungsvollen Lobbyings oder erfolgreicher Bestechung, der Gunst der Regierung erfreuen. Den durch dieser Art der Korruption entstehenden Schaden, trägt die überwiegende Mehrheit der Betriebe und Konsumenten. Die amerikanische Eisen- und Aluminiumlobby scheint hervorragende Arbeit geleistet zu haben.

Je mehr die Märkte politisch reguliert werden – zum Beispiel durch regierungsseitige Unterstützung gewerkschaftlicher Aktivitäten, mit kostentreibenden Umweltschutzauflagen oder mittels Subventionierung unrentabel arbeitender Produzenten -, desto stärker sinkt die Produktivität einer Volkswirtschaft, und damit der Wohlstand ihrer Bürger.

Die Märkte für Eisen und Aluminium sind allerdings bei weitem nicht die einzigen, die von politischen Interventionen heimgesucht werden. Die aus unerfindlichen Gründen immer noch stark romantisierte Landwirtschaft, ist ein besonders krasses Beispiel dafür. Weshalb Bauern wie heilige Kühe behandelt, und unentwegt vor den gar schrecklichen Fährnissen des Marktes bewahrt werden sollen, denen alle anderen (außer Politikern, Beamten, Klerikern und Aktivisten von NGOs) 365 Tage im Jahr ausgesetzt sind, liegt im Dunkeln. Importrestriktionen im Bereich der Nahrungsmittel bewirken zuverlässig, dass jedermann höhere Lebenshaltungskosten zu tragen hat, da ihm der Bezug billiger importierter Waren verunmöglicht wird. Handelshemmnisse bei Lebensmitteln treffen daher jene Haushalte besonders hart, die darauf den relativ größten Teil ihres Einkommens verwenden müssen: Die Armen. Interessant, dass hier das in jedem anderen Fall übliche Geplärr der Wächter über die „soziale Gerechtigkeit“, verstummt.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Der Ruf nach Handelshemmnissen gegen „unfaire Konkurrenten“ – gleich welcher Branche -, ist ein Schritt auf dem Weg in die staatlich gelenkte Planwirtschaft. Wer den für keinen Fehler hält, der sollte zwecks Erkenntnisgewinns zu einem Lokalaugenschein nach Cuba, Venezuela oder Zimbabwe aufbrechen, um sich mit eigenen Augen davon zu überzeugen, wohin sozialistische Wirtschaftsplanung führt.

Es gibt zahlreiche historische Beispiele für die zerstörerische Wirkung von Handelshemmnissen. Der französische Ökonom Frédéric Bastiat brachte es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts so auf den Punkt: „Wenn nicht Waren die Grenzen überschreiten, dann werden es Armeen tun.“ Wer kann das wollen?

Nicht nur Donald Trump wäre gut beraten, seine Finger von der Wirtschaftspolitik lassen. Alle Regierungen dieser Welt sollten das tun: Laissezfaire, laissezpasser!

10 comments

  1. Der Tschakkomo

    Lieber Hr. Tögel, stimme Ihnen oft zu…, diesmal nur bedingt.

    Freihandel wirkt immer nur dann befruchtend auf beide Seiten des freien Handels, wenn diese beiden Seiten unter halbwegs vergleichbaren Rahmenbedingungen (Steuern, Sozialstandards, Umweltvorschriften, usw.) agieren können. Ist dies nicht der Fall, geht mittel- bis langfristig einer der Handelspartner unter. Deshalb entwickelten sich Westeuropa und die USA in den Jahrzehnten vor der echten Globalisierung so prächtig. Weil sie im Prinzip – mangels anderer wirtschaftlich vorhandener Länder – nur untereinander Handel treiben konnten.

    Im Moment stecken wir in einer Zwischenphase. Wir erfreuen uns an den Billigprodukten aus Asien und kompensieren den langfristig absehbaren Verlust wirklicher, also wertschöpfender Jobs in Industrie und Gewerbe durch Sozialhilfe und aufgeblähte Strukturen im staatlichen oder staatsnahen Sektor, also durch Schulden machen.

    Und das von Ihnen genannte Beispiel mit der ach so großartigen deutschen Autoindustrie ist aber wirklich nur aus der kleinen mitteleuropäischen Sicht nachvollziehbar. Deutsche Autos sind im Rest der Welt Exoten. Und China und sein immer noch kommunistisches Regime – dort sind die Deutschen automäßig einigermaßen vertreten – wird dies nur solange zulassen bis ihre eigene Autoindustrie int. wettbewerbsfähig ist. Womit wir wieder bei den gleichen Rahmenbedingungen wären, die für echten Freihandel notwendig sind.

  2. sokrates9

    Zum Großteil richtig, doch ein Neoliberalismus und soziale Marktwirtschaftsüberlegungen müssen auch eine Rolle spielen. Der berühmte Bergbauer hat bei unserem Klima keine Chance gegen den Bauern auf riesigen Feldern im green belt der USA! Und alle Landwirte umzuschulen – auf was? Uhrenproduktion in Handarbeit – schon von den Schweizern besetzt – geht auch nicht ganz , vor allem dann wenn die wahren Transportkosten für die ägyptische Tomate nicht in die Kalkulation einfließen! Was Trump betrifft: dem gehen immer naive Journalisten auf den Leim!So muss man agierten wenn man “ver”Handeln will! Wenn Europa 20% auf US – cars einhebt, die USA 10% ist das sehr wohl ein Argument den Europäern auf die Zehen zu steigen!

  3. Andreas Tögel

    Verehrter Tschakkomo,
    “halbwegs vergleichbare Rahmenbedingungen” als Voraussetzung für Freihandel zu fordern, klingt nett. In Wahrheit lebt aber jeder Handel aber von Differenzen (komparativen Kostenvorteilen). Einer produziert Uhren, ein anderer Textilien und der Dritte liefert Rohstoffe. Ein Entwicklungsland könnte niemals vorankommen, wenn dort zu “vergleichbaren Bedingungen” produziert würde, wie im hochentwickelten Westen.

    Es geht die Nomenklatura schlicht und ergreifend nichts an, wo und wie der einzelne Bürger, Unternehmer und Konsument sein Geld ausgibt und wo und bei wem er einkauft. Unter den in einem voll gedeckten Goldgeldstandard herrschenden Bedingungen, wäre es auch völlig unmöglich, dass die Bürger einer Nation dauerhaft auf Kosten einer anderen leben, indem sie ausschließlich importieren und nix exportieren. genau da liegt m. E. der Hase im Pfeffer.

    Ad Sokrates: Wenn der Bergbauer seine Produkte geschickt vermarktet, hat auch er eine Chance gegen die Agrarriesen. Es können auch heute immer noch kleine Greissler (wie meine Wenigkeit) überleben, wenn sie eine dafür geeignete Nische bewirtschaften. Warum ausgerechnet die Bauern unter einen Glassturz gestellt werden müssen, leuchtet mir nicht ein. Mir ist es völlig wurscht, ob der Weizen, aus dem mein Brot besteht, aus der Ukraine, aus Saskatchewan oder aus dem Marchfeld kommt. Dem Bauern ist es umgekehrt völlig gleich, ob ich vom Ertrag meines Betriebes leben kann oder nicht. Am Ende ist jeder seines Glückes Schmied.

  4. cmh

    Es ist fein, wenn man/frau eine/n fuckbuddie hat. Aus offensichtlichen Gründen.

    Wenn der/die aber immer als erste/r kommt, dann ist es nicht mehr so toll.

    Genauso ist es bei Gesellschaftsspielen. Wenn einer immer nur gewinnt, dann macht es keinen Spass mehr. Ganz besonders schlimm ist es aber, wenn man zwar nicht sagen kann wie, aber doch die unabweisbare Vermutung hat, dass der Immergewinner irgendwie falsch spielt. Mit dem spielt man nicht mehr. Auch dann nicht, wenn die Beschwichtigungstanten das hohe Lied des beiderseitigen Gewinnes singen.

    Kurz gesagt, die Chinesen spielen falsch. Trump hat recht, was immer die Tanten aus den Medien sagen.

  5. Christian Peter

    Nicht Protektionismus, sondern ungeschützter Wettbewerb bedeutet ,Handelskrieg’, denn dabei herrscht das Recht des Stärkeren, während die Schwächeren untergehen.

  6. Christian Peter

    @Der Tschskkorno

    Ganz richtig. Der beste Beleg, dass ungeschützter Wettbewerb unter unterschiedlich leistungsfähigen Volkswirtschaften nicht funktionieren kann, ist der katastrophale und längst gescheiterte EU – Binnenmarkt.

  7. CE___

    Naja, naja,…gemach, gemach.

    In der schönen Theorie kann ich das auch alles unterschreiben.

    Nur leider verhält sich die heutige weltwirtschaftliche und geldpolitische Realität nicht so ganz an das von Smith und Ricardo stimmig und genial überlegte Gedankenkonstrukt.

    Deren Theorie war eingerahmt, ich möchte nicht einmal sagen aufgebaut, mehrmals aber in deren Büchern angesprochen, in einen Gold/Silberstandard, welcher automatisch, “wie von unsichtbarer Hand”, übermässige und perpetuierte Handelsdefizite, gar nicht zulässt.

    Ein sehr anschauliches Beispiel, auch zwischen dem Westen und China stattgefunden, liefert die längere Vorgeschichte zum Ersten Opiumkrieg.

    Nur dieser “Schutzriegel eines Gold/Silberstandards” ist ja heutzutage ausser Kraft gesetzt durch weltweites Fiatgeld und Teilreserve.

    Natürlich kann man sich hinstellen und sagen “liefert mir der andere unter seinen Herstellungskosten, ja besser für mich”. Umso mehr gedumpt, je geiler. Vor allem wenn ich davon nicht betroffen bin ausser als Konsument.

    Kurzfristig mag das sicher super sein…zumindest solange bis andere Konkurrenten welche nicht dumpen aus dem Weg geräumt sind und dann die Preise wieder hinaufgesetzt werden. Und sich der dumpende Mitbewerber sein “übles” Spiel mit immer neuem Fiatgeld jahrelang durchfinanzieren kann, vielleicht sogar mit staatlicher Rückendeckung.

    Und vielleicht sollte man auch das Wort “Handelskrieg gegen die Welt” wieder etwas einfangen.

    Ich finde Trump führt keinen “Handelskrieg gegen die Welt”, sondern ist der erste US-Präsident, der das zu einem Thema macht, wovon sich andere (US-Präsidenten und andere Staatsführer) davor nicht getraut haben es anzusprechen, obwohl alle es wissen und es allen auf der Zunge liegt.

    Nämlich dass das kommunistische China fast offenen Zugang zu allen ausländischen Märkten hat, immer mehr als Firmen-Übernehmer in Erscheinung tritt, und sich in diesen Märkten auch auf, trotz vieler Mängel, “ebenen” Justizboden bewegen kann.

    Während DIES jedoch für ausländische Privatpersonen und Unternehmen am rotchinesischen Markt NICHT gegeben ist.

    – ein ganzen Bouquet an Schutzzöllen
    – Zwang zu Joint-Ventures in immer noch vielen Branchen
    – Zwang zu Know-How-Transfer allgemein gesprochen, sofern nicht überhaupt gleich gestohlen
    – ein schiefe Ebene im Justizbereich (es spricht nur die KPC recht in ihrem eigenen Sinne bzw. der von ihnen protegierten Unternehmen)
    – neuerdings Einschleusen von KPC-Kadern in Geschäftsführungen mit dem Ziel vermehrter Einflussnahme
    – etc. usw.

    Um diese Diskussion, die Trump hier anstösst, kommen wir im Westen nicht herum.

    Wenn Rotchina eine Ansage auf Trump’s Politik geben hätte wollen, hätten sie ja sofort alle oben genannten Punkte aufgeben können.

    “Seht, wir entfernen alle Schutzzölle für unsere Industrie, stellen Rechtssicherheit her, lassen alle Vorgaben zu Know-How-Transfers, etc. fallen, wir sind besser als Trump”.

    Haben sie aber nicht…weil sie auch am kürzeren Ast sitzen und derzeit bluffen.

  8. Der Tschakkomo

    @ A. Tögel
    Danke für Ihre Replik. Aber im Nachhinein die Annahme eines herrschenden Goldstandards ins Spiel zu bringen, um dadurch die eigenen Argumente stichfester (huch, stich – stechen – Messer, darf man das noch sagen…?Andere Geschichte!) zu machen, ist ein klein wenig unfair. Denn dann bin ich ganz bei Ihnen. Wir hätten mit Goldstandard wieder eine Situation wie in den 60er Jahren. Wachstum, aber viel langsamer weil nur auf echter Wertschöpfung (und nicht auf Geldschöpfung) basierend. Es gäbe zwar weniger (auf Pump geschaffenen) Wohlstand als heute, dafür wäre das, was erwirtschaftet wird, echt und nahezu jeder hätte einen Job in der wirklichen Wirtschaft.

  9. bill47

    Frage: Wenn man einen Handelskrieg nicht gewinnen kann, warum führt die EU dann einen gegen Russland?

  10. Falke

    @bill47
    Der EU geht es immer nur um irgendwelche links-gutmenschlich-ideologischen Grundsätze, und nie um das Wohlergehen ihrer Bürger. Also, im konkreten Fall: Russland aus politischen Gründen “bestrafen”, auch wenn das ein Schuss ins eigene Knie ist.

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