„Islamisierung als Ausdruck des arabischen Winters“

„…Seit Präsident Mursi im Amt ist, hat sein neuer Generalstaatsanwalt Talaat Abdullah 24 Redakteure angeklagt, weil sie in ihren Beiträgen das Staatsoberhaupt beleidigt haben sollen. Manchen von ihnen drohen sogar Gefängnisstrafen. Zum Vergleich: In den 30 Jahren unter Mubarak gab es vier solcher Anklagen. Sie dienen dazu, eine Atmosphäre der Angst zu schaffen, in der es kein Mensch mehr wagt, gegen die Islamisierung das Wort zu ergreifen…“ („Welt“)

10 comments

  1. rubens

    Ein „Ende der Unterstützung“ durch den Westen.

    Hat nicht gerade von Rompuy 5 Mrd. Euros nach Kairo getragen?

  2. Mona Rieboldt

    @rubens

    Ja, hat er bzw. die EU und zwar um die Demokratie dort weiter zu bringen, die wegen der Unruhen und schlechten Wirtschaft stagnieren würde, so seine Aussage. Also dieser Gedichte schreibende Mann hat die Illusion unter Murksi äh Mursi würde es noch Demokratie demnächst in Ägypten geben.
    Und Westerwelle, unser Außenminister-Dhimmi, setzt auf Dialog zwischen Mursi und der Opposition. Geht es noch naiver?!

  3. Halmstan

    …und Obama hat gerade eine Verlängerung der jährlichen Unterstützung von $ 2 Mrd. (davon 80% für die Streitkräfte) in Aussicht gestellt. Der Moslembruderschaft dürfte vor dieser Art von Druck aus dem Westen sicher die Knie schlottern.

  4. Kassandra

    @Mona Rieboldt
    ich glaube es geht hier um so eine Art von Schutzgeld wegen der Kopten. Auf jeden Fall sind die Kassen der ägyptischen Nationalbank leer. Das Land ist Pleite, kann sich aber nicht selbst versorgen. Die Gefahr von weiteren Revolten droht. Dass die USA schon seit vielen Jahren das Militär unterstützt sollte bekannt sein. Mursi muss sehr aufpassen, dass es nicht zu einem Militärputsch kommt. Ob das Geld nicht auch über die Nationalbank zum Militär fließt bin ich überfragt, ist aber möglich. Bisher hat das Militär immer auf diese Gelder über sogenannte Kredite zugreifen können. Aber wie gesagt: das sind Vermutungen.

  5. Gerhard

    Wer noch immer glaubt, dass der sog. Arabische Frühling in diesen Ländern Demokratie bringt, der ist ein Träumer. Das Gegenteil ist der Fall. Während unter den früheren Diktatoren die fundamentalen Islamisten noch etwas im Zaum gehalten werden konnten, so ist nun überall die Scharia und anderes menschenverachtenes Zeug angesagt. Wann gehen denn endlich den Geldgebern im Westen die Augen auf? Demokratie gibt es nur dort, wo Staat und Religion (ist der Islam überhaupt eine?) völlig getrennt sind.

  6. Mona Rieboldt

    @Kassandra

    Unter Mursi hat sich die wirtschaftliche Not noch verstärkt. Viele haben unter Mubarak auch am Tourismus verdient, der aber jetzt stark eingebrochen ist.

    Ich glaube nicht, dass es sich bei Ägypten um Schutzgeld handelt, da will sicher USA einen „Verbündeten“ mit dem Geld haben, einen Vorposten in der arabischen Welt. Bei der EU glaube ich eher an eine gewisse Dämlichkeit und Naivität. Ich traue der EU zu, dass sie in ihrem Wahn tatsächlich daran glaubt, dass Ägypten zumindest halbwegs demokratisch und keinen Allah-Staat wie im Iran wird.

    Auch wenn das Geld an das Militär geht, wie Sie annehmen, dann ist man wohl der Meinung, dass die Armee eine gewisse Sicherheit des Staates garantiert und Zerfallserscheinungen entgegen tritt.

  7. Gerhard

    @Mona Rieboldt
    In Ägypten darf man das Militär nicht ausschliesslich mit Waffen und Soldaten gleichsetzen. Dort beherrscht die Armee auch sehr viele Bereiche, welche bei uns in privaten oder anderen staatlichen Händen sind. So gibt es von der Armee unzählige Produktionstätten für zivile Verbrauchsgüter, Landwirtschaften, die Armee baut fast alle Straßen usw. Vielleicht landet dort auch einiges von den EU- und US-Geldern?
    Der Tourismus sucht nach neuen Wegen, da sehr viele im Westen beliebte Urlaubsanlagen sich im Besitz von Mubaraks Familienangehörigen und seinen Freunden befunden haben bzw. noch befinden.

  8. Kassandra

    @Mona Rieboldt
    Beim US-Geld ist die Sache klar. Es ist so wie Sie sagen. Beim EU-Geld handelt es sich um den Fakt dass die Zentralbank keine Devisen mehr hat. Ägypten muss aber Lebensmittel importieren. Anderseits dürfen keine Unruhen ausbrechen, darunter würde der Devisenbringer Fremdenverkehr und natürlich die Kopten leiden, die wie üblich als Sündenböcke herhalten müssen. Es ist weniger Naivität sondern die Tyrannei der Umstände, welche die EU dazu „zwingt“. Es gibt ja nur 3 Optionen: Die Moslembrüder, einen Militärputsch oder die Salafisten. Die EU will eher verhindern, dass die Salafisten, die ja von den Saudis unterstützt werden, an die Macht kommen. Von Demokratie ist sicher schon lange nicht mehr die Rede. Das war eine Medienhype und Journalisten, vor allem die linken, gehören wohl zu den Bauchdenkern. Da ist nur der Wunsch der Vater des Gedanken.

  9. Rennziege

    @Gerhard
    „… da sehr viele im Westen beliebte Urlaubsanlagen sich im Besitz von Mubaraks Familienangehörigen und seinen Freunden befunden haben bzw. noch befinden.“
    Dort, fürchte ich, werden Weibsbilder bald ohne Niqab nimmer schwimmen gehen dürfen. Mursi ist Muslimbruder und Islamist, und denen ist das wirtschaftliche Wohlergehen ihrer Bürger Leibeigenen komplett blunzn. (Letzteren leider überwiegend auch; sie lieben es, bevormundet und geknutet zu werden.) Im Kielwasser des einzig wahren Propheten, der seine Karriere als Karawanenräuber begann, ist schon der Besitz eines unkonfiszierten Kamels ein gewaltiger sozialer Aufstieg.

    Die Anwesenheit von Dhimmis, auch wenn sie dringend benötigte Devisen bringen, ist auf heilgem muslimischem Sand nicht mehr erwünscht. Unter Sadat und Mubarak, die pragmatisch regierten, ging es den Ägyptern noch vergleichsweise gut. But it’s all over now, Baby Blue.

  10. Kassandra

    Und noch etwas: Es scheint ein Abkommen zwischen Moslembrüder – Militär – USA zu geben. Es wird ja jetzt Militär eingesetzt um die Proteste einzudämmen, weil die Polizei renitent ist. Man gibt ja der Polzei die Schuld an dem Massaker in Port Said. Ob der Vorfall eine Rache der Mubarak-Anhänger war ist noch unklar. Ja, der militärische Komplex des Militärs soll einen großen Anteil an der ägyptischen Wirtschaftsleistungen haben. Die Offiziere verdienen deshalb recht gut. Auch diese Interessenslage ist zu berücksichtigen. Wie wirtschaftlich diese Betriebe arbeiten weiß ich nicht, vermute aber dass die Produktivität schlecht ist. Das bedeutet, dass das Militär von den US-Geldern abhängig ist und immer schon war.

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