Ist Frau sein eine Qualifikation?

(GEORG VETTER) Manche Linke wittern bereits eine Verschwörung: Zuerst habe Sebastian Kurz der SPÖ Christian geschickt, dann Tal Silberstein und nun noch Pamela Rendi-Wagner. Die Theorie ist natürlich Unsinn, hat aber insofern einen wahren Kern, als es für Sebastian Kurz nicht viel besser laufen könnte. Hatte man früher das Gefühl, dass die ÖVP-Granden gerne einen schwachen Parteivorsitzenden bevorzugten, damit ihre eigene Macht nicht leide, könnte es nun bei der SPÖ ähnlich sein: Deren Granden suchen sich eine nicht allzu starke, nicht zu sehr in der Partei verankerte Vorsitzende, um ihre eigenen Machtpositionen nicht zu gefährden. Nach dem Wettverlierer Christian Kern scheint die Rückeroberung von Seriosität für die SPÖ kurzfristig wichtiger zu sein als die Fähigkeit Wahlen zu gewinnen.

Nicht ganz ein Jahr ist es her, als Armin Thurnher im FALTER das „WapplerInnentum“ als Ursache der grünen Wahlniederlage ausmachte. In diesem knappen Jahr haben alle drei im Parlament vertretenen Oppositionsparteien eine Frau an ihre Spitze gesetzt, so als gelte es ein Vakuum zu füllen, das die Grünen hinterlassen haben: Maria Stern für die Liste Pilz, Beate Meinl-Reisinger für die NEOS und nun Joy Pamela Rendi-Wagner für die SPÖ. Ganz Recht hat der ORF in seinem samstäglichen ZIB1-Kommentar also nicht, wenn er von einem Alleinstellungsmerkmal der SPÖ gegenüber den Regierungsparteien spricht und damit den geschlechtlichen Unterschied zwischen Rendi-Wagner einerseits und Kurz und Strache andererseits meint. Im übrigen erscheint die Betonung des Geschlechts auf Seiten derer, die sich den Antisexismus auf die Fahnen geschrieben haben, inkonsequent. Wenn der Anspruch der Emanzipation lautet, dass das Geschlecht im politischen Geschäft keine Rolle spielt, sollte man es eben nicht in den Vordergrund rücken.

Ob sich die drei Oppositionsparteien etwas Gutes tun, wenn sie alle drei mit den gleichen Attributen –  weiblich, links, intellektuell – in den Ring steigen, müssen sie selbst beurteilen. Wenn die Regierungsparteien just am Tag der Nominierung Rendi-Wagners sich entgegen allen Gepflogenheiten in die Tarifverhandlungen der Sozialpartner einmischen, indem sie hohe Abschlüsse empfehlen, hat man nicht das Gefühl, dass sich diese Regierung vor den Oppositionsparteien fürchtet. Im Gegenteil: Diese Regierung besorgt sich die Oppositionsarbeit gleich selbst.

Wir gehen interessanten Zeiten entgegen. Eine seriöse Opposition wäre dabei kein Schaden.

4 comments

  1. Sokrates9

    Wenn ich mir die Performance der europäischen Frauen von Merkel über May, Nahles, van der Layen usw bis zu den Österreicherinnen ansehe schlägt emotionale Intelligenz? voll durch! Armes Europa!!

  2. Mona Rieboldt

    Sokrates9
    Noch dümmer sind nur die Frauen der Grünen, Baerbock „das Netz ist so groß, da kann man Wind- und Sonnenenergie speichern“. Auf die Antwort, dass das eben nicht geht, kam von ihr „das möchte ich jetzt nicht hören, dass das nicht geht“. Dann sind da noch Roth, Katrin Göring-E. etc.

  3. Falke

    Es ist eher unwahrscheinlich, dass sich sozialistische Urgesteine wie Schieder, Ludwig, Katzian, Matznetter, Krainer, Stöger usw. usf. ein politisches Leichtgewicht wie Rendi-Wagner vor die Nase setzen lassen. Ich gehe jede Wette ein, dass sie vor der nächsten NR-Wahl längst Geschichte ist. Schließlich will ja die SPÖ – noch – nicht Selbstmord begehen. Oder, wer weiß? Im Moment sind sie ja auf dem „richtigen“ Weg dorthin. 😉

  4. fxs

    @Falke
    Aber in Schönheit sterben darf man doch , oder? Und wenn sich das Sterben ohnehin nicht vermeiden lässt, dann wenigstens in Schänheit.

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .