Kolonialismus ist keine Schwarz-Weiss-Geschichte

“Links wie rechts grassiert die Kolonial-Nostalgie. Unverbesserliche «Kalte Krieger» und abgehängte Marxisten bleiben lieber in ihren alten Schemen verhaftet, anstatt sich den neuen Realitäten zu stellen: Die einst beherrschten Länder sind heute unabhängig – und damit auch verantwortlich für ihre Taten.” (NZZ, hier)

10 comments

  1. Astuga

    Naja. Der autor versucht letztlich jedem kolonialismus eine gute seite abzugewinnen. Das ist wohl dem versuch einer aussöhnung durch relativierende äquidistanz geschuldet. Ist aber historisch falsch. Nicht jeder europäische kolonialismus war in sich gleichwertig und der kolonialismus durch nichteuropäer war oder ist erst recht nicht.

  2. CE___

    “Dieser klare Blick auf seine vergangenen Untaten hat unseren Kontinent gestärkt.”

    Hat es das wirklich?

    Ich denke nicht, es hat und schwächt noch weiterhin unseren Kontinent Europa, durch dieses ewige Kesseltreiben, mea maxima culpa, und Sippenhaftung für das vor 50-100-200-500 Jahren geschehen ist, frisst uns innerlich auf und macht uns kaputt und anfällig.

    Ich rede keinem neuem Kolonialismus das Wort, aber mir sollen sie alle den Buckel runterrutschen mit ihren Vorhaltungen.

    Wenn die ehemaligen Kolonien es wirklich ernst meinen mit das der Kolonialismus reiner Fluch war, dann sollen sie bitte alle Institutationen, Anlagen, Infrastruktur, Vermögenswerte aus dieser Zeit abbauen, uns nach Europa schicken, und wenn es nur Schrottwert hat, und die Felder und Plantagen, die die Europäer gepflügt und errichtet haben, wieder in ihren Urzustand versetzen.

    Und dann können sie mauzen und raunzen.

    Und die Antwort von Macron auf den spitzbübigen 26-jährigen Algerier finde ich sehr gut and richtig.

  3. Calderwood

    Spricht man in ehemaligen Kolonien (beispielsweise in Indien) mit Einheimischen, die sich noch an die Kolonialzeit erinnern, so schneidet in deren Urteil die postkoloniale Gegenwart durchwegs schlechter ab.

  4. Falke

    @Calderwood
    Noch viel mehr als für Indien gilt das vor allem für die (schwarz-)afrikanischen Länder.

  5. Rennziege

    5. FEBRUAR 2018 – 07:26 — Astuga
    Seltsam, dass auch Sie sich nun in permanenter Kleinschreibung versuchen. Da man derlei Ergüsse dreimal lesen muss, um sie im Ansatz zu erfassen, verzichten arbeitende Menschen auf Lektüre dieser Verirrung.
    P.S.: Es gibt einen astuga hier, mit kleinem Anfangsbuchstaben. Mag es sein, dass Sie diesen Poster durch das große “A” schlicht gehijackt haben?

  6. cioran

    Ich persönlich finde, dass Afrika ein unrettbar verlorener Kontinet ist. Für ALLE Fehlentwicklungen sind diese Länder selbst verantwortlich. Zuallererst muss man sich vor Auge halten,dass die afrik. Länder ihre Population, je nach Land unterschiedlich, die letzten 6 Jahrzente um das 5- bis 8fache erhöht haben. Bei einer Verfünffachung hätte Österreich heute, analog dazu,über 30 MILLIONEN Einwohner. Die Problem wären selbst für uns unlösbar. Afrika wird am Ende d. Jahrhunderts ca. 4,4 Milliarden Menschen haben.

  7. astuga

    @Rennziege
    Sorry, das ist alleine der Benutzung meines… äh, Smartphones (sic!) geschuldet während ich mit der Westbahn Richtung Wien unterwegs war. 😉

  8. astuga

    Zur inhaltlichen Nachschärfung: es gibt sehr wohl einen Unterschied zwischen dem was die Belgier (genauer Leopold II.) im Kongo verbrochen haben und dem britischen Kolonialismus in Indien oder etwa in Hong Kong.
    Auch erwähnt der Autor ja selbst, dass gerade (manche) europäische Kolonialmächte nicht nur inhumane Phänomene wie Sklaverei (oder Witwenverbrennung) verboten und bekämpft haben, sondern auch den durch sie Kolonisierten überhaupt erst jene Normen, Weltanschauungen, globale Öffentlichkeit und juristisch-politischen Instrumentarien in die Hand gaben, welche Grundlage des Antikolonialismus bildeten.
    Gandhi etwa war ein in England ausgebildeter Rechtsanwalt, so wie sein pakistanischer Gegenpart Muhammad Ali Jinnah.

    Denn außerhalb des westlichen Kulturkreises und seines Diskurses existiert faktisch bis heute überhaupt kein Antiimperialismus und Antikolonialismus.
    Allesamt sind sie stolz auf die Brutalität und die Verbrechen ihrer eigenen ruhmreichen Vorfahren.
    Egal ob Araber, Türken, Chinesen, Mongolen, Indianer (Azteken, Inkas etc.), Nord- und Schwarzafrikaner…
    Leider verlässt ihn aber dann der Mut zur unbequemen Wahrheit und anstatt hier aufzuhören, idealisiert er diesen nichtwestlichen Imperialismus-Kolonialismus.
    Al-Andalus war eben kein kulturelles Paradies, und das Osmanische Reich schuf auch keine zivilisatorische Ordnung, sondern blutete die Peripherie aus (ökonomisch wie menschlich), weshalb es auf ständig neue Eroberung angewiesen war.

  9. Rennziege

    5. FEBRUAR 2018 – 18:05 — astuga
    Mit großer Erleichterung lese ich Ihren Kommentar, der die Epoche des Kolonialismus vom Kopf auf die Beine stellt. Thank you, sir.

  10. astuga

    Dazu ein Lesetipp: Vom Nobelpreisträger Ivo Andric, “Die Entwicklung des geistigen Lebens in Bosnien unter Einwirkung der türkischen Herrschaft”.
    Neuausgabe Wieser Verlag, Klagenfurt 2011

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