Mit Goebbels gegen den Kapitalismus

(LUKE LAMETTA) Zur Charakteristik und Einordnung der „NSDAP“, als diese einst „gäriger Haufen“ war: In der Öffentlichkeitsarbeit war die Gruppe um Gregor Strasser und Joseph Goebbels mit ihren Publikationen wie „Der Nazi-Sozi“ (wirklich) und sechs Wochenzeitungen zeitweilig erfolgreicher als die Münchner Zentrale.

Es war um diese Zeit, als Goebbels, der ein paar Jahre später im roten Berlin Saalschlachten gegen die »kommunistische Brut« inszenierte, dafür plädierte, »lieber mit dem Bolschewismus den Untergang, als mit dem Kapitalismus ewige Sklaverei« zu wählen und es grauenhaft nannte, dass die »Kommunisten und wir uns gegenseitig die Köpfe einschlagen«.

Joseph Goebbels galt damals als einer der radikalsten Wortführer und Ideengeber des sozialistischen Flügels der NSDAP, er war Geschäftsführer der »Arbeitsgemeinschaft Nordwest«. Der Mann, der später um Hitler herum jene messianische Aura, jenen Führerkult verbreitete, der die Glaubensbedürfnisse der Massen befriedigte und dem Dritten Reich bis zum Untergang ein integratives Fundament verschaffte, stellte am 24. Januar 1926 bei einem Treffen in der Wohnung des Gauleiters Bernhard Rusr in Hannover – laut einem Bericht Otto Strassers nach einer vom Stuhl herab gehaltenen Rede – nichts weniger als den Antrag, »den kleinen Bourgeois Adolf Hitler aus der nationalsozialistischen Partei auszuschließen«.

Robert Ley, der Gauleiter von Köln und spätere Kdf-Reichsminister, trat als Einziger auf dieser Zusammenkunft für Hitler ein.

(Quellenlage: Neumann, Bernhard Josef; Däh, jetz ham mer den Kriech (Band 1); BoD 2010.
Schmidt, Rainer F.; Die Aussenpolitik des Dritten Reiches 1933-1939; Klett-Cotta 2002.
Heiber, Helmut; Das Tagebuch von Joseph Goebbels 1925-1926; DAV Stuttgart 1961.
div.)

8 comments

  1. caruso

    Ein Wahnsinn, was für Grimassen – auch todbringende – die Geschichte manchmal(?) macht! Brrrrrr………..
    lg
    caruso

  2. Luke Lametta

    etwas bekannteres Zitat von Goebbels, das ihn und das, was er als verkrachte Existenz aus der rheinischen Provinz im Innersten hasste und ablehnte, aber auch passabel beschreibt: „Der Idee der NSDAP entsprechend sind wir die deutsche Linke […] Nichts ist uns verhasster als der rechtsstehende nationale Besitzbürgerblock.“ (Joseph Goebbels, „Der Angriff“, 1931)

  3. Luke Lametta

    Da hat sich jmd Mühe gegeben, vielen Dank. Wie ging das nochmal mit Bilder einbinden hier? Momenterl.

    Auch schön. Anders als „Mein Kampf“ ist „Der Nazi-Sozi“ übrigens immer noch indiziert, findet sich aber freilich digital im Netz. Im Schnitt alle paar Seiten eine Mörderwuchtl – wem fad ist…

  4. Selbstdenker

    @Luke:
    Es drängt sich mir schon seit längerer Zeit der Verdacht auf, dass die genannten Bücher deshalb indiziert sind, um der Allgemeinheit ideologische Verwandtschaftsverhältnisse im roten Lager vorzuenthalten.

  5. Luke Lametta

    Great minds think alike. Wär zu verräterisch, am Ende begreifen die Leute noch, wofür genau die Nazis damals gewählt wurden. (Ist mittlerweile schon wirklich lange her, aber früher, als ich noch „politischer“ war und mich bei so Podiumsschwachsinn etc. rumtrieb, hab ich ab und an „Mein Kampf“ (etc.) leicht abgeändert und beim herumgscheiteln und polemisieren verwendet. Ist simpel – braucht man nur jüdische Hochfinanz gegen globale Finanzalchemisten (Schulmeister-Wort) oder internationales Spekulationskapital austauschen und schon hat man so einen Saal im Renner-Institut oder die erheblich verwirrten Bobofollower von Christiakos Felberakis auf seiner Seite.

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