Neue Stolpersteine für Politiker

(von NATASCHA CHROBOK) Es muss schon bitter sein, wenn man als Politiker in einem hohen Amt plötzlich über Unachtsamkeiten, Schlampereien und Faulheit aus seiner Studentenzeit stolpert. Jüngst geschehen ist es der diese Woche zurückgetretenen deutschen Bildungs- und Forschungsministerin Annette Schavan.

Ihr Rücktritt war die direkte Reaktion auf den Entzug ihrer Doktorwürde durch die Universität Düsseldorf. Dieser Schritt war im speziellen sehr wichtig für deutsche Kanzlerin Angela Merkel. Schließlich und endlich stehen in Deutschland ja 2013 Bundestagswahlen an. Ein derartige Affäre ist für eine Wiederwahl natürlich alles andere als hilfreich und so musste die “treueste Verbündete” Merkels kurzerhand die Konsequenzen ziehen.

Derartige Affären sind in der jüngsten Vergangenheit nicht unbekannt. Viele erinnern sich noch an die Plagiatsaffäre des ehemaligen deutschen Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg, dem im Jahre 2011 von der Universität Bayreuth die Doktorwürde aberkannt wurde. Und auch in Österreich versuchte man dem schwarzen EU-Kommissar Johannes Hahn einen Strick zu drehen indem man ihm schwerwiegende Patzer in seiner Dissertation vorwarf, welche aber als unbegründet abgewehrt werden konnten.

Interessant ist, dass alle oben Genannten aus dem konservativen Lager kamen. Dabei stellt sich die Frage, ob es sich um eine konservative Eigenart handelt, dass ihre akademischen Vertreter zu Plagiaten neigen oder stellen sich die Linken einfach nur klüger an (bzw. sind die konservativen zu unfähig solche Skandale genauso geschickt zu vertuschen wie ihre linken Kollegen). Denn Verdachtsmomente gab es ja auch hier: diverse Grünpolitiker, deren Doktorarbeiten möglicherweise nicht ganz Astrein seien (es gilt natürlich die Unschuldsvermutung). Aber derartige Dinge werden in der Regel von am linken Auge blinden Medien und “Qualitätszeitungen” recht schnell fallengelassen bzw. stur ignoriert.

Interessant ist auch, dass eine derartige Aberkennung der akademischen Würde immer just dann passiert, wenn es dem politischen Gegner wahltaktisch einen Vorteil bringen möge. Ein Schelm, der hier böses denkt. Aber es wirft die Frage auf, ob sich Universitäten für derlei politische Spielchen missbrauchen lassen. Und darüber hinaus stellt sich die Frage, ob es sich für einen Akademiker in Zukunft überhaupt noch auszahlt, in die Politik zu gehen, wenn er Gefahr läuft, dass ihm der Titel aberkannt wird.

Jeder, der schon akademisch gearbeitet hat, eine Diplomarbeit, eine Dissertation, wissenschaftliche Papers und derlei ausgearbeitet hat, der weiß, dass es freilich ein schmaler Grat ist, auf dem sich der Verfasser einer solchen Schrift bewegt. Schmal deswegen, weil wissenschaftliche Arbeit in der Regel auf der Arbeit anderer aufbaut, die man dann in seiner Arbeit zitiert und entsprechend referenziert. Inwiefern eine solche Referenz allerdings ausreichend ist, dies zu entscheiden obliegt jenen Personen, welche die Arbeit bewerten. Für die Verleihung der akademischen Würde oder aber um diese oft Jahrzehnte später, wieder abzuerkennen. Ob ein nachträgliches Aberkennen letztendlich gerechtfertigt ist oder nicht, ist daher sehr schwer zu beurteilen.

So gesehen können sich Politiker wie Bundeskanzler Werner Faymann also mehr als in Sicherheit wiegen. Denn wer keinen akademischen Titel hat, dem kann dieser auch nicht aberkannt werden. Natürlich besteht noch Gefahr, dass dann das Maturazeugnis näher begutachtet wird, aber das kann man ja auch verschwinden lassen. Und schließlich und endlich reicht auch ein schlechter Haupt- (Verzeihung: “Neue Mittelschul-”) oder Sonderschulabschluss, um in Österreich Politiker zu werden. Denn um im EU-Ministerrat Entscheidungen abzunicken, die man nicht versteht, externe Berater von parteinahen Firmen anzustellen oder im Boulevard zu inserieren brauchts wirklich keinen Universitätsabschluss. (nattl.at)

14 comments

  1. herbert manninger

    Da gibt es nun mal eindeutige Wesensunterschiede:
    hier der bequeme Bürgerliche, ängstlich darauf bedacht, nur ja nicht medialer/linker Kritik ausgesetzt zu werden,
    dort der eifernde/geifernde Linke/Linksradikale, immer auf Zerstörung aus, und wenn’s bloß die Vernichtung einer kademischen Existenz ist und dies mit medialem Feuerschutz und begletendem schadenfrohen Gejohle der dumpfen pc/links-abgerichteten Massen.
    Oder glaubt hier irgendjemand, linke Akademiker verfassen ihre Dissertationen korrekter? Die haben eben bloß das Glück, dass sich auf der bürgelichen Seite niemand die Arbeit antut, da genauer hinzugucken.
    Zeit dafür haben ja eher Typen der Dünnbrett-Wissenschaften…..
    PS: Wie sieht es mit der Arbeit vom Petzi aus, ihr wisst schon, der mit der samtweichen Kaplanstimme und marxistischen Vergangenheit und wohl auch Gegenwart?

  2. Mona Rieboldt

    Das Gejammer über die Aberkennung des Dr. von Frau Schavan finde ich albern. Für Frau Schavan ist es wohl eine Art Majestätsbeleidigung, sie will ja klagen. Das haben aber auch schon andere getan in der letzten Zeit und sie sind alle gescheitert vor Gericht.

    Das Bildungsministerium, das Frau Schavan leitete, ist das überflüssigste Amt, da Schulen und Universitäten Ländersache sind.

  3. Nattl

    Mona Rieboldt :
    Das Gejammer über die Aberkennung des Dr. von Frau Schavan finde ich albern. Für Frau Schavan ist es wohl eine Art Majestätsbeleidigung, sie will ja klagen. Das haben aber auch schon andere getan in der letzten Zeit und sie sind alle gescheitert vor Gericht.
    Das Bildungsministerium, das Frau Schavan leitete, ist das überflüssigste Amt, da Schulen und Universitäten Ländersache sind.

    Also Sie haben den Text entweder nicht gelesen, nicht verstanden oder wollen einfach ihre Meinung los werden. Niemand jammert über den aberkannten Doktortitel. Ja, vor zwei Wochen kannte ich die Dame nicht einmal. Und eigentlich geht mir ihr Schicksal ehschonwissenwo vorbei, zumal es sich um eine deutsche Politikerin handelt.

    Ob der Titel zu recht aberkannt wurde oder nicht, kann unsereins nicht beurteilen. Das hängt ja letztendlich von der Willkür jenes Universitätsgremiums ab, die sich zu diesem Schritt entschlossen haben. Allerdings ist es interessant, dass dieses Aberkennen von Titeln in letzter Zeit relativ oft praktiziert wird, finden sie nicht?

  4. Mona Rieboldt

    @Nattl
    Die deutsche Presse ist voll dieses Themas. Siehe achgut vom 10.2.
    Thomas Rietzschel. Die Uni Düsseldorf wirft Schavan “systematische Täuschung” vor und die Uni weiß ja, dass sie das vor Gericht beweisen muss, da wird sie nicht leichtfertig sowas sagen.

    Bei von Guttenberg war es ja ebenso, ihm wurde der Dr.-Titel aberkannt und er trat zurück. Damals habe ich mich gefragt, wieso erwischt es nur Leute von der CDU und FDP und nicht Politiker der SPD. Das wurde dann klar, als sich der “Plagiatjäger” outete. Er war ein SPD-Mitglied.

    Was jetzt auf Frau Schavan zurück fällt, dass sie damals bei von Guttenberg in der Süddeutschen kund tat, sie schäme sich für von Guttenberg, Plagiate seien ja kein Kavaliersdelikt. Nun wurde es ihr selbst nachgewiesen.

    Fakt ist aber wohl, dass beide Arbeiten nicht den Anforderungen genügten, die an eine Dissertation gestellt werden. Auch wenn “Plagiatjäger” gesucht haben, um derartiges zu finden und die Unis erst nachträglich geprüft haben. Ich würde das aber nicht als Willkür der prüfenden Professoren bezeichnen, wenn sie zu dem Ergebnis kommen, den Dr.-Titel abzuerkennen. Auch wenn ich aus eigener Erfahrung weiß, dass nicht alles Gold ist an der Uni bzw. an den Professoren.

  5. FDominicus

    Ich finde den Grat nicht so schmal. Die Regel ist doch einfach. Kennzeichne was von “woanders” kommt. Das ist so ein Basiswissen, daß es hier keine Unklarheiten geben sollte. Und warum es hauptsächlich FDPler und CDUler erwischt könnte daran liegen, daß es dort die meisten Promovierten gibt. Bei den Grünen sind es viel viel weniger.

    Es steht m.E. auch jedem frei selber in die Arbeiten hereinzuschauen und wenn man sich die Liste von Gutenplag ansieht, dann finde ich das ziemlich gut recherchiert.

    Heute wollte ich eigentlich schon schreiben, schade daß nicht alle Bundestagsabgeordnete so einen Doktortitel wie Frau Schavan und Herr Guttenberg haben. Es handelt sich um eine der besten Möglichkeiten diese Leute wegzubekommen.

    Es ist schon mehr als ironisch, wenn man über den einen Betrug stolpert aber nicht jeder über weitaus gravierende Rechtsverstöße wie die Rettungsschirme und/oder ESM.

    Mir persönlich geht die Beliebigkeit der Maßstäbe, völlig gegen den Strick. Guttenberg mußte gehen weil, Frau Schavan nicht weil.

    Ich halte Monas:
    “Das Bildungsministerium, das Frau Schavan leitete, ist das überflüssigste Amt, da Schulen und Universitäten Ländersache sind.”

    für genau passend. Gut wäre es gewesen diesen Ministerposte und alles was damit zusammenhängt aufzulösen, was bekommen wir stattdessen? Eine andere “Politikerin”. Meine Begeisterung dafür hält sich in ganz engen Grenzen.

  6. Manuel Leitgeb

    @FDominicus
    Naja, ganz so einfach ist es leider nicht. Mir ist zwar vollkommen egal, wer in D den Titel aberkannt bekommt oder nicht, aber ein paar Punkte stoßen mir doch sauer auf, nämlich:
    Die Arbeit in diesem Fall ist, wie viele andere, mehrere Jahrzehnte alt und damals galten vielfach andere Regeln, wobei heutzutage bei Plagiatsuntersuchungen aber oft aktuelle herangezogen werden. Beispielsweise hat in Ö jede Fakultät andere Zitierregeln hat, und was bei BWL akzeptiert, ist bei Jus verboten.
    Meine Abschlußarbeit wurde als plagiatsfrei anerkannt, aber würde sie in 20 Jahren nochmal mit anderen Vorschriften untersucht werden, könnte etwas anderes dabei herauskommen, Stichwort “Selbstplagiat”.

    Was mich aber am meisten ärgert: All diese Arbeiten hat jemand an der Uni abgenommen und als korrekt tituliert und als Absolvent muß man sich doch auch auf solche Expertisen verlassen können. Aber ich habe nicht viel gehört, daß diejenigen die die Arbeiten akzeptiert haben, bestraft worden sind, dabei sind sie in meinen Augen schwer mitverantwortlich!

  7. Mona Rieboldt

    @FDominicus
    Möglicherweise liegt es ja an bestimmten Fächern, bei denen Plagiate leichter unterzubringen sind. Ich habe noch nicht gehört, dass ein Dr.ing aberkannt wurde. Auch wurde die Dissertation von Frau Merkel in Physik nicht von den “Plagiatjägern” angegriffen. Wäre das möglich, hätten sie es sicher schon getan.

    Das Bildungsministerium ist wirklich überflüssig, so lange Schulen und Universitäten Ländersache sind. Aufgeben konnte Merkel das aber jetzt nicht, dann hätte sie ja auch gesagt, Frau Schavan war ebenso nutzlos. Außerdem sind Wahlen im nächsten Jahr und der Wahlkampf hat schon begonnen.

  8. Mona Rieboldt

    @Manuel Leitgeb

    Dass sehe ich auch so. Wo bleibt die Verantwortung der Unis? Im Fall Guttenberg wurde die Arbeit mit der höchsten Note bewertet. Und die Uni Bayreuth hat dann lange mit Guttenberg geworben bis zu seinem “Fall”. Dann haben sie alle Verantwortung von sich gewiesen, der Bösewicht war dann allein Guttenberg. Und die gesamte linke Presse verdammt ihn noch heute.

    Frau Schavan fällt auch nicht in ein “Loch”, da sie jetzt schon 13.000 Euro monatlich an Pensionsansprüchen hat. Und sie macht weiter als Abgeordnete.

  9. Mona Rieboldt

    @FüfzDominicus

    Es gibt aber in der SPD sicher genug Leute mit Dr., z. B. Steinmeier. Da wurde aber nie etwas laut, dass mal eine Arbeit überprüft wurde. Bei den Grünen ist mir keiner bekannt, der einen Dr.-Titel hat, wird es aber auch geben.

  10. FDominicus

    @Manuel und Mona
    In erster Linie ist man selbst für Seine Arbeiten verantwortlich und auch Frau Schavan musste auch damals wissen, daß man ordentlich zitiert. Das hat sich sicherlich während der ganzen Unizeiten nicht geändert.

    Die Lesenden sollten einen “Überblick” über das Gebiet haben, ich denke nicht, daß man erwarten kann, jedes Papier sei bekannt. Fakt ist aber auch gelegentlich sollte man in die zitierten Stellen auch hereinschauen. Das macht man aber sicher nur stichprobenartig. Auch heute noch wird es wohl so sein, daß es nirgendwo eine Sammelstelel für alle Veröffentlichungen gibt. Nehmen wir an Frau Schavan hätte aus einer neuseeländischen Arbeit zitiert, wieviele Leute meinen Sie kennen dieses Papier. Aber Frau Schavan muß wissen von wo Sie Ihre Sachen hat, offensichtlich fand Sie es nicht nötig das ordentlich zu kennzeichnen.

    Da man inzwischen den Politikern kaum noch Gutwilligkeit unterstellen kann, darf man es m.E. bis zum Beweis des Gegenteils Betrug nennen. Die Uni hat den Titel sicher nicht “nur so” entzogen.

    Aber was sind wirklich die Konsequenzen? Gut der Dr ist weg na und? Sitzt immer noch im BT, kassiert immer noch Abgeordnetengehalt und dazu noch eine Pension. Also wie groß sind die Auswirkungen, bis auf Ihren Rufverlust? In diesem Fall gilt. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt’s sich ganz ungeniert.

    Wie gesagt meinetwegen könnten alle Politiker ähnliche “Doktoren” sein wie Herr Guttenberg und Frau Schavan. Dann bestünde zumindest die Möglichkeit diese Leute erst mal loszuwerden. Die Behauptung Wahlen könnten hier etwas ändern sind ja nahezu hanebüchen. Es gibt zwar die Direktmandate aber was zählt ist doch wirklich der Platz in der Liste und solange die Betrüger dort ziemlich weit oben landen, ändern Wahlen selbst mit 10% rauf/runter gar nichts. (außer natürlich bei den kl. Parteien aber bei CDU/SPD? vergessen Sie es)

  11. FDominicus

    Mona Rieboldt :
    @FüfzDominicus
    Es gibt aber in der SPD sicher genug Leute mit Dr., z. B. Steinmeier. Da wurde aber nie etwas laut, dass mal eine Arbeit überprüft wurde. Bei den Grünen ist mir keiner bekannt, der einen Dr.-Titel hat, wird es aber auch geben.

    Und was hindert irgendjemanden daran auch dort mal genauer nachzuschauen? Nichts. Mir persönlich ist es völlig egal ob ich von einem verdokterten Betrüger betrogen werde oder “nur” von einem “normalen” Betrüger.

    Es ist für mich unsäglich zu sehen über diese Doktorarbeit stolpert man aber mit den Beschlüssen Gesetze zu brechen nicht. Das ist doch der eigentlich Skandal.

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