Obamanomics

US-Präsident Obama warnt davor, den USA drohe ohne Anhebung der Schuldengrenze eine Rezession. Klar, wer nicht mehr ausgibt als er einnimmt, ist ja daran bekanntlich immer pleite gegangen.

12 comments

  1. Rennziege

    Slightly off topic: Wer ein bisschen Zeit und ernsthaftes Interesse hat, kann sich fundiert und neutral über die Geopolitik und die Strategie der Vereinigten Staaten in vergangenen und heutigen Kriegen und anderen militärischen Aktivitäten informieren — vom Bürgerkrieg bis zur heutigen Situation, z.B. in Mali.

    Der Link führt zu den erfahrenen und nüchternen Knaben von “Stratfor Global Intelligence”, deren Dienste normalerweise nur im kostenpflichigen Abo zu haben sind. (Ich hab’ eins; aber nach meinem Eindruck ist dieser fesselnde Artikel, Avoiding the Wars That Never End, gratis zu lesen:

    http://www.stratfor.com/weekly/avoiding-wars-never-end?utm_source=freelist-f&utm_medium=email&utm_campaign=20130115&utm_term=gweekly&utm_content=readmore&elq=eabef85bbf5e4bdb8de5dea50695c0f6

    Niemand wird bedauern, ihn gelesen zu haben. Versprochen!

  2. Anton Volpini

    @Rennziege

    Nein diesen Artikel gelesen zu haben wird niemand bedauern! Er gibt Hoffnung. Politik ist hauptsächlich Außenpolitik, und das können die Amerikaner am besten. Wenn auch ohne Sensibilität, aber die haben die Römer ja auch nicht gehabt.
    Ich persönlich bin ein großer Anhänger der amerikanischen Freiheitsbestrebung, die aber leider inzwischen auch starken bürokratischen Einschränkungen gewichen ist.

    Zur Hoffnung mischt sich aber auch europagelernte Skepsis, wenn ich die letzten Sätze lese und mit der heutigen Realität vergleiche: “It is fascinating to watch the French deal with Mali. It is even more fascinating to watch the United States wishing them well and mostly staying out of it. It has taken about 10 years, but here we can see the American system stabilize itself by mitigating the threats that can’t be eliminated and refusing to be drawn into fights it can let others handle.”

    Andere kämpfen lassen, erinnert mich nicht nur an Bert Brecht (der ein Linker war und daher schon von Haus aus abzulehnen ist) sondern auch an die Tatsache, daß Finanzkrisen immer die letzte Episode einer Weltmacht einläuten. Der USA geht die Luft aus. Und da befindet sich Frankreich in guter Gesellschaft mit der USA.
    Übrigens waren die Franzosen zynisch genug, den jungen Vereinigten Staaten von Amerika zur Unabhängigkeit die Freiheitsstatue zu schenken und sie innen hohl zu lassen!

  3. Rennziege

    @Anton Volpini

    Niemand sollte die Amis unterschätzen, was auch aus ihrer Historie hervorgeht: Immer wenn’s eng um den Hals oder um den Hosenboden wurde, hielten sie zuammen wie Oasch und Pfat, um es im vertrauten Kärntnerisch auszudrücken — eine Eigenschaft, die die europäischen Länder der roten Neidpropaganda geopfert haben und die die EU weder je hatte noch je haben wird.

    Die USA haben schon vertrottelte, versoffene, korrupte und verhurte Präsidenten überlebt; sie werden auch einen neokommunistischen “Messias” überdauern. Denn ihr Präsident ist nicht, wie viele hierzulande annehmen, mit den Vollmachten eines altrömischen Imperators ausgestattet; er muss immer beide Häuser des Kongresses auf seine Seite bringen, und die Verfassung ist geradezu sakrosankt. (Dort irgendwelche Kammern und “Sozialpartner” hineinzuschreiben, wie sich unsere Sozen aller Couleurs nicht entblödet haben, wäre dort unvorstellbar.)

    Und hinter allem steht (auch wenn der Durchschnitts-Ami oft nicht einmal einen benachbarten Bundesstaat kennt) eine allmählich (wohl auch durch Kosten und Schaden) erwachsener gewordene Außenpolitik, wie sie auch dieser Stratfor-Artikel staunend wiedergibt. Selbst Obama hat Berater, die besser sind als Brzezinski, und Pentagon wie CIA pfeifen auf Bushs kindhafte Doktrin, autokratischen Stammeskulturen und islamischen Ultras eine Demokratie überzustülpen, die sich mit ihrer Geschichte und ihrem Glauben nicht verträgt. (Ceterum censeo: Mit unserer Historie und Kultur verträgt sich die degenerierte Ösi-“Demokratie” auch schon lang nimmer mehr.)

    P.S.: Den USA geht die Luft nicht mehr aus. Dank der rasanten Öl-und Gasfunde und der dadurch heimkehrenden produzierenden Industrie werden sie sich schneller fangen, als Frau Merkel das Wort “alternativlos” zuzeln kann. Und Bert Brecht, mit dessen Schmonzes man uns in der Schule malträtiert hat, war nicht nur Kommunist und Opportunist, sondern auch Plagiator der untersten Kajüte: Die paar knackigen Sätze und Reime, die von ihm erinnernswert sind, hat er allesamt von seinen Konkubinen gestohlen.
    Herzlich Grüße ins verschneite Kärnten, wos lei ans is!

  4. Realist

    @Rennziege
    Ihre enorme kognitive Dissonanz zum Thema USA ist erstaunlich. Die USA sind bis über beide Ohren verschuldet. Rechnet man die geschickt ausgelagerten “unfunded liabilities” zu den öffentlichen Schulden, kommt man relativ schnell zu Werten im dreistelligen Prozentbereich verglichen mit dem jährlichen GDP, vor allem wenn man realistisch in die Zukunft prognostiziert (Baby-Boomers die Social Security und Medicare/Medicaid beziehen werden, etc.)

    Die Staatsquote ist, rechnet man die Bundesstaaten dazu, nicht wesentlich geringer als hier. Auch die Steuerlast ist in vielen Bundesländern höher als in Österreich, auch Spitzenverdiener können mehr als 50% allein an Incometax zahlen (federal + statewide).

    Der große Unterschied zwischen den USA und Griechenland ist, dass der Dollar die Reservewährung der Welt ist und die Chinesen bis jetzt massiv die Finanzierung der öffentlichen Schulden der USA über die Fed unterstützt haben. Diese haben allerdings verstärkt zu erkennen gegeben sich vom Dollar lösen zu wollen. Auch japanische Institute werden in Zukunft nicht die Mittel besitzen, um US-Bonds im großen Stil zu kaufen, wenn der neue Ministerpräsident ernst macht mit seinen “Versprechungen”. Von Europäern ganz zu schweigen.

    Bleiben total überhebelte und überschuldete US-Banken und Privatpersonen. Während die Fed alles tut, um den einbrechenden Assetmarkt (vor allem Immobilien) erneut aufzublasen und dabei massive Inflation in naher Zukunft riskiert. Steuert die Fed gegen diese Inflation mit höheren Zinsen an, wird nicht nur der künstliche Boom jäh beendet, es wird auch für die Regierung unmöglich ihrem Schuldendienst weiter nachzukommen. Tut sie es nicht erzeugt sie Fehlinvestition, hohe Inflationsraten und einen erneuten Finanzmarktcrash, ohne die Möglichkeit noch einmal die Banken zu retten. Die Fed behauptet einen Exit-Strategie im Fall von hoher Inflation zu haben, doch die beinhaltet den massiven Verkauf von US-Bonds. Und das obwohl sie zur Zeit der größte Käufer ist. Was das für Zinsen für US-Schulden bedeutet sollte klar sein.

    Wenn man die Fundamentaldaten betrachtet, ist Europa sogar in viel besserem wirtschaftlichen Zustand, als die USA. Und das obwohl es bei uns fürchterlich ist.

    Vielleicht seit Woodrow Wilson, aber spätestens seit Hoover/Roosevelt, geht die USA kontinuierlich die Road to Serfdom entlang. Gemeinsam mit uns Europäern. Und auf die US-Verfassung haben weder die Herren Lincoln und Wilson, noch irgendein Präsident nach Coolidge besonders viel Wert gelegt. Obama will gerade per “executive order” (also ohne Kongress oder Senate) und mit großer Unterstützung der Bevölkerung, den zweiten Verfassungszusatz abschaffen, während sein Vorgänger sich am vierten zu schaffen machte. Schließlich hat Obama “due process” Dank des “War on Terror” schon ad acta gelegt (“kill lists”, “NDAA”, etc.).

    In den New York darf man nicht mal einen Limonadenstand aufstellen, ohne um einen Gewerbeschein angesucht zu haben und mehrwöchige Hygieneseminare abgeschlossen zu haben. Soviel zu wirtschaftlicher Freiheit. (https://www.youtube.com/watch?v=nBiJB8YuDBQ)

    Die Exploration von natürlichen Gasvorkommen in den USA wird daran auch nichts essentiell ändern.

    Über dem Zaun ist das Gras halt immer grüner…

  5. Rennziege

    @Realist

    Viel Wahres an dem, was Sie sagen. Die flächendeckende Schuldenmalaise ist freilich ein Klotz am Bein von “God’s Own Country”, und die Obama-Administration hat die Lage noch verschlimmert. Mich überzeugen aber die Kernelemente der Stratfor-Argumentation:

    (a) Aufgabe der Weltpolizisten-Rolle, der Verteidigung Europas, der Auslandskriege, Verringerung der Streitkräfte und des bislang absurd hohen Militärbudgets.
    (b) Rückgang der Arbeitslosigkeit dank billiger Energie, dadurch Heimkehr amerikanischer Industriejobs und Ansiedlung und Investitionen großer ausländischer Konzerne — eine Entwicklung, die bereits begonnen hat.
    (c) Wandlung der USA vom Energieimporteur zum -exporteur.
    (d) Höhere globale Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie dank niedriger Produktionskosten.

    Dem gegenüber stehen die dank Obama zwangsläufig steigenden Sozialausgaben und die Vergrößerung der Verwaltung, die marode Infrastruktur (Bahnen, Straßen) und — natürlich — der gewaltige Schuldenberg. Doch mittelfristig wird sich vieles bessern.

    P.S.: Per “executive order” kann das 2nd Amendment nicht abgeschafft werden; Obama versucht nur, durch Ausführungsbestimmungen kosmetische Beschränkungen in der Art der zugelassenen Waffen zu schaffen, um seine Partei zu befriedigen und die öffentliche Meinung zu beruhigen. Es ist Populismus.

  6. Samtpfote

    @Anton Volpini
    … Er gibt Hoffnung. Politik ist hauptsächlich Außenpolitik,… meinte schon Bismarck
    Nicht nur seit dem Bürgerkrieg haben sich die Amis deutscher Gründlichkeit, politischem Gedankengut und Generäle bedient 🙂

    … Übrigens waren die Franzosen zynisch genug, den jungen Vereinigten Staaten von Amerika zur Unabhängigkeit die Freiheitsstatue zu schenken und sie innen hohl zu lassen!….
    Möchte der Ordnung halber nur anführen, dass dieses Zitat von Joachim Fernau stammt, dessen Buch “Halleluia” man gelesen haben sollte. 🙂

  7. Anton Volpini

    @Samtpfote

    Sie haben mich aufgeblattlt, und zwar ordentlich. Nicht nur den Sager mit der hohlen Freiheitsstatue hab ich von Joachim Fernau sondern auch die Feststellung, daß Politik hauptsächlich Außenpolitik ist. In “Deutschland über alles” beschreibt er, daß dieses politische Prinzip, sehr zum Leidwesen des deutschen Schicksals, nur von den zwei großen Otto´s verstanden wurde. Otto der Große und Otto von Bismarck.

    Hoffentlich aberkennt man jetzt, wegen dieser schlampigen Zitierung, meinen Doktor-Titel nicht. 🙂

  8. Anton Volpini

    @Rennziege

    Bei uns schneits seit drei Tagen wirklich gut. So, daß ich mich schon wirklich freue, endlich die Nordabfahrt unseres Goldecks bei guten Schneeverhältnissen genießen zu können.

    Mit der USA hab ich aber leider weniger Genuß. Wie schon der @Realist so vortrefflich schreibt, wie ich es auch gerne könnte, schauen deren Verhältnisse nicht gut aus. Obwohl Ludwig von Mises 1933 in “Die Bürokratie” (Einer Kampfschrift gegen die europäischen Diktaturen, Deutschland, Italien und Rußland) die US Amerikaner vor der Bürokratie warnte, sind sie leider doch die Road to Serfdom gegangen. Wie auch wir Europäer, aber das scheint halt der Todeskeim der Demokratie zu sein. Trotzdem gibts nichts besseres, will ich hinzufügen.
    Die USA haben eine Gesamtverschuldung, Staat, Staaten, Gemeinden, Unternehmen und Private, wie es fast dem World BIP eines Jahres entspricht. Bisher haben sie ihren schuldenreichen Lebensaufwand inclusive der teuren Rolle des “Weltpolizisten” (Außenpolitik) durch Dollarabwertungen dem Rest der Welt aufgebürdet. Das geht wegen dem EURO und der wirtschaftlichen Verschiebung des Schwergewichts nach China jetzt nicht mehr. Daher meine ich, es geht ihnen die Luft aus.

    Übrigens, Kanada ist da viel besser dran. Obwohl ich mehr als ein Jahr in Californien gelebt hab, würd ich heute nach Kanada gehen. Es ist auch viel sauberer und disziplinierter in unserem europäischen Sinn.

  9. Rennziege

    @Anton Volpini

    Servas, Herr Doktor! (Oder berglerisch: Griaß Gott ben Enk!) Auch was Sie sagen, enthält viel Wahres. Gesamtverschuldung, Euro, China, etc. — hat alles Hand und Fuß. Aber was wir sozialstaatlich narkotisierten Europäer (auch ich war ausgiebig dort, auch in Kanada) aufgrund unserer phäakischen Mentalität gern übersehen, ist die Flexibilität und die Mobilität der Amerikaner, nicht nur räumlich, sondern auch gedanklich.

    “The Road to Serfdom” (Hayek) wurde dort nie so verheerend eingeschlagen wie bei uns. O.K., der Messias will den Amis diesen Holzweg aufstülpen, was in den paar Großstädten und an den (wie bei uns) linksdrehenden Universitäten fleißig nachgebetet wird, von den ~12 Mio. illegalen Einwanderern ebenfalls. Doch die Seele Amerikas liegt nach wie vor, wenn auch durch rasante Einwanderung a bissl verunsichert, in den Weiten des Landes. Dort hat sie auch in allen Stürmen und Kriegen wieder zu sich selbst gefunden. (Nennen S’ mi sentimental oder was immer, lieber Landsmann, aber für mich stimmt’s zweimal im Jahr.)

    Nicht viel Zeit heute. Schi heil (darf man so was überhaupt noch sagen?) auf dem Nordhang des Goldecks! Ich hab’ diese Abfahrt als halsbrecherisch in Erinnerung, regelrecht vertikal. Aber wenigstens bietet sie einen flüchtigen Blíck auf den Millstätter See, bevor man sich das Gnack bricht. 🙂 Und der Haselsteiner hat sie, hörte ich im jüngsten Sommer beim Toni von T., etwas bearbeitet und mit einem neuen Schilift versehen.

    Herzliche Grüße!

  10. Christian Weiss

    An den Weg in die Knechtschaft musste ich gestern denken, als ich in den Nachrichten Obama mit etwa diesem Spruch zum Thema Waffengesetze hörte: “Wenn wir mit diesen Massnahmen nur ein Menschenleben retten können, müssen wir es tun.”
    So sprechen Politiker immer, wenn sie eine Begründung brauchen, um elementare Freiheitsrechte zu beschränken. Wer kann gegen die Beschränkung sein, denn es geht ja um Leben und Tod.

  11. Pingback: Trauriger Ausweg: mehr Schulden | INSM Blog

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