„Österreich, ein Paradies für Parawissenschaften“

„…Eine neue Studie von der Uni Erlangen hat festgestellt: je absurder das Konzept einer Alternativtherapie ist, umso schneller verbreitet sich diese am Markt und umso länger hält sie sich….“ (Die Medizinjournalistin Krista Federspiel im „Standard„)

9 comments

  1. Behaimb

    Ohne werten zu wollen, verstehe die liberale Aufregung nicht, das ist eben ein „richtiger“ Markt und im Gegensatz zur staatlich-öffentlich finanzierten Gesundheitsindustrie zahlen hier allergrößtenteils die Menschen selbst für mehr oder weniger unsinnige Therapien. So what?

  2. Christian Weiss

    @Behaimb
    Nicht unbedingt. Ich weiss nicht, wie es in Österreich ausschaut. Aber in der Schweiz hat vor ein paar Jahren eine Volksabstimmung die Abdeckung „alternativer Heilmethoden“ durch die Grundversicherung verlangt. Darin wurden Methoden, deren Wirksamkeit wissenschaftlich belegt ist, ebenso aufgelistet wie reine Quacksalberei. Die Initiative wurde mit etwa 55% der Stimmen angenommen. Wir haben es bisher vor allem unserem damaligen Innenminister zu verdanken, dass der Gesetzesgrundsatz der „Wirksamkeit“ unangetastet geblieben ist und nicht jeder Hokuspokus in die Grundversicherung aufgenommen wurde.

    Ansonsten sehe ich es grundsätzlich So: Wer für seinen Hokuspokus selber bezahlt, soll das doch machen dürfen. Aber eben mit Betonung auf „dürfen“ und nicht auf „machen“. Ich will ja auch, dass Sozialisten ihren volkswirtschaftlichen Hokuspokus verbreiten dürfen. Aber ich bin trotzdem froh, wenn die Vernunft in der Mehrheit bleibt.

    Grundsätzlich ist es für eine Gesellschaft der Vernunft, die sich der Liberale ja wünscht, sicher nicht förderlich, wenn ein Heer von Quacksalbern, Scharlatanen und Schamanen jenen Umgekehrt-Naiven, die so furchtbar skeptisch gegenüber wissenschaftlichen Erkenntnissen sind, die Gehirne erweicht.

  3. gms

    Behaimb :
    Ohne werten zu wollen, verstehe die liberale Aufregung nicht, das ist eben ein “richtiger” Markt ..

    Solange die Quacksalber ihre akademischen Weihen in Feinstofflichkeit auf Staatskosten erhalten, erfüllen die Anführungszeichen bei „richtig“ wohl ihren ureigensten Zweck — jenen der Verschleierung innerer Widersprüche einer Aussage.

    Sind flankierend besagte Scharlatane an Univeritätskliniken oder sonstwie öffentlich gesponserten Einrichtungen wunderheilend oder wunderforschend tätig, darf vollends zutreffend von einem „Markt“ gesprochen werden, ist selbiger doch vorgeblich schon dann gegeben, wenn irgendwer für irgendwas die Rechnung übernehmen muß.

    Als wäre das Ganze nicht schon absurd genug, verweist das Epizentrum dieser Volksverdummungsinitiative (inter-uni.net) darauf, man möge seinen Agenden „nicht-polemisch, vorurteilsfreie und sachlich“ begegnen, mit der Begründung: „Wir erlauben uns festzuhalten, dass das Kolleg in einer von der Europäischen Kommission geförderten Initiative zur Qualitätssicherung im Gesundheitswesen gegründet wurde und zwei Masterlehrgänge anbietet.“

    Ist doch toll, daß sogar die EU hiebei wohlwollend mitspielt, verdanken wir deren Einsatz doch mittelbar etwa die Erkenntnis: „Die zentralen Experimente wurden durch Wiederholungen in unabhängigen Labors bestätigt und in internationalen impact-Zeitschriften publiziert. Arbeiten zur möglichen Gefährdung von Homöopathika durch Lagerung und Transport wurden jüngst auch in der Österreichischen Apothekerzeitung vorgestellt.“

    Wenn Eso-Zeug nicht wirkt, so liefern die Eso-Jünger selbst eine wissenschaftliche Erklärung hierfür. Das nennt sich dann Selbstregulierung des Marktes. (Anführungszeichen sind nach Bedarf selbst zu ergänzen.)

  4. KClemens

    Wenn Eso-Zeug nicht wirkt, so liefern die Eso-Jünger selbst eine wissenschaftliche Erklärung hierfür. Das nennt sich dann Selbstregulierung des Marktes. (Anführungszeichen sind nach Bedarf selbst zu ergänzen.)

    Wenn Eso-Zeug nicht wirkt, war entweder der Glaube daran zu schwach, oder die Dosis zu niedrig/zu hoch. Je nachdem.

  5. Behaimb

    @gms
    Zur Klarstellung: Für eine staatliche Erhaltung der Quacksalber bin ich natürlich nicht, — was aber den weitaus größeren Teil privaten Konsums esoterischer Mittelchen betrifft, bin ich freilich dafür, diese Entscheidung den Menschen auf eigene Kosten zu überlassen.
    Ich dachte, das ging aus meinen Aussagen klar hervor. Allerdings gibt es auch auf dem Gebiet konventioneller Medizin genug Verschwendung von öffentlichen „Forschungs“geldern. Nicht zu vergessen die staatliche Förderung für religiöse Hochschuleinrichtungen und andere „Bildungszwecke“.

  6. Thomas Holzer

    @gms
    Langer Rede kurzer Sinn:
    Ersatzloses Streichen aller Subventionen (neudeutsch auch Förderungen genannt) 🙂

  7. Rennziege

    @gms

    Klar. Soll jeder nach seiner Fasson glücklich werden: Bachblüten, Qi-Jong, Reiki, Scientology, Feng-Shui, Homöopathie, wie sie alle heißen … manchmal nützt’s ja auch was, wie Placebo-Experimente zeigen: Wer von einer schulmedizinisch unbewiesenen Therapie überzeugt ist, dem hilft sie bisweilen auch. („Es ist unglaublich viel, was der Geist über den Körper vermag“ — Goethe, einigermaßen wörtlich.)

    Aber das Jahrmarktsgeschwurbel der hauptsächlich bauernfängerisch agierenden Esoterik-Rosstäuscher und Pendelschwinger vor jeder empirischen Hinterfragung zu bewahren — das ist unredlich; jeder Schamane ist aufrichtiger. Und das ganze Brimborium nun zu Studienfächern zu erheben, wie’s in Deutschland gerade geschieht, zieht den eh schon (in Österreich noch schmerzlicher) ramponierten Ruf akademischer Bildung noch tiefer in den Gatsch.

  8. Thomas Holzer

    @Rennziege
    Keine Sorge, über kurz oder lang wird auch eine „Reinigungsperson“ nur mehr mit absolviertem Studium der „Reinigungsökologie/ökonomie“ einen Job bekommen 🙂
    Wir wollen doch ein Land von Akademikern werden 😉

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