Salzburger Schmockerln

“Zum Aufbau des Schattenportfolios mit Wertpapieren hat die entlassene Finanzmanagerin mutmaßlich verborgene Kredite in Höhe von 1,8 Milliarden Euro aufgenommen,” berichtet das Land Salzburg in einer Aussendung. Also alles in Ordnung bei denen, wenn eine Mitarbeiterin einen Kleinkredit in Höhe von 1.8 Milliarden aufnehmen kann und keiner merkts. Gibt auch echt Hoffnung für die Zukunft das.

16 comments

  1. Gerhard

    Erst ein Gerichtsverfahren wird Klarheit schaffen, wie weit die beiden Vorgesetzten Brenner und Paulus darüber immer Bescheid wussten. Es ist doch unmöglich, dass die vielen involvierten Banken – welche auch untereinander immer sich absprechen, da nie mit den beiden Herren in Kontakt gekommen sind. Dazu gehören auch die landeseigene Prüfung sowie der Bundesrechnungshof, welcher sich pikanter Weise Ende 2011 gleich um drei Kommastellen geirrt hatte.
    Ob und wie groß der Verlust ausfallen wird, kann erst bei völliger Schliessung der Positionen gesagt werden, denn alles andere ist immer nur ein “Buchwert”, welcher meist nicht mit dem tatsächlichen Verkaufserlös identisch ist.

  2. Roms

    Bei solchen Zahlen wird einem schwindlig. Wenn man gelegentlich im Infocenter eines Finazamtes zu tun hat und dort verfolgen kann wie sich die Österreicherinnen und Österreicher auspressen lassen müssen, andererseits Faymann von immer neuen und immer höheren Steuern faselt, ist es bis zum real existierenden Brechreiz nicht mehr weit.

  3. Klaus Kastner

    Ich darf aus dem ‘Expertenbericht zur Finanzlage Salzburgs’ zitieren:

    * ‘Die Verbindlichkeiten des Landes Salzburg im Bereich Finanzmanagement belaufen sich zum 31. Dezember 2012 auf insgesamt 1.828 Millionen Euro (Barwert). Diese Kredite waren dem Landtag und der Landesregierung bis dato nicht bekannt. Die Kredite wurden in den vergangenen Jahren mutmaßlich zum Aufbau des verborgenen Wertpapier-Portfolios aufgenommen.

    * ‘Wie sich bei den Aufklärungsarbeiten ergeben hat, besitzt das Land Salzburg ein bis dato verdecktes Wertpapierportfolio im Gesamtwert von 1.354 Millionen Euro’.

    Auf gut Deutsch: es wurden Kredite geheim aufgenommen, um ein geheimes Wertpapierportfolio zu finanzieren.

    Was man zwischen den Zeilen lesen muss, deswegen aber genauso richtig ist, ist folgendes: DER UNTERSCHIED ZWISCHEN DEM PORTFOLIOWERT UND DEN KREDITEN, DIE DAFÜR AUFGENOMMEN WURDEN, BETRÄGT MINUS 474 MIO EUR.

    Anders ausgedrückt: DIE ‘BIS DATO GEHEIMGEHALTENEN VERLUSTE’ BETRAGEN 474 MIO EUR.

    Ich ersuche um Gegenargumente!

  4. Roms

    @Klaus Kastner
    Da kommen wir bald wieder zum Ausgangspunkt, nämlich der “Schieflage” betreffend 340 Mill €. Diese Zahl stammt von Monika R., offenbar der einzigen Person die einen Uberblick hatte.

  5. Michael Haberler

    offensichtlich wurde beim Texten der Aussendung übersehen, welcher Offenbarungseid das ist

  6. Christian Ortner

    @kastner: Der ORF berichtet das so – was meinen Sie?
    “Das Finanzvermögen des Landes belief sich zum 31. Dezember 2012 auf 1.902 Millionen Euro. Diese Summe setzt sich aus einem Barguthaben über 97 Millionen Euro, einem Wertpapierportfolio über 1.354 Millionen Euro – dieses war in den Portfolioberichten des Risk Management Service der Deutschen Bank nicht erfasst („Schattenportfolio“) – und zwei Derivatportfolios zusammen, die in Summe einen positiven Marktwert von 451 Millionen Euro aufweisen.

    Zur Finanzierung der Geschäfte im Finanzmanagement wurde ein Betrag von 1.707 Millionen Euro (Nominale) aufgenommen. Das entspricht laut Prüfern einem Barwert von 1.828 Millionen Euro. „Dieses hohe Darlehensvolumen war bis Ende 2012 laut den vorliegenden Unterlagen dem Salzburger Landtag und der Salzburger Landesregierung unbekannt“, heißt es im Bericht. Demnach ergibt der Finanzstatus auf Basis der von dem Expertenteam Inthuba vorgenommenen Bewertungen einen positiven Vermögensüberschuss des Landes in der Höhe von 74 Millionen Euro.”

  7. Thomas F.

    Und wer hat die Verträge neben Monika R. unterschrieben?
    Das festzustellen kann doch keine Wochen dauern.
    Man bräuchte schließlich bloß die Deutsche Bank zu fragen, wenn schon Salzburg die eigene Ausfertigung der Millionenverträge in seinem Chaos verschlampt hat.

  8. Klaus Kastner

    @Christian Ortner
    Ja, ich habe die von Rom’s zitierte Quelle verwendet. Immerhin ist das ja der Originaltext.

    Der ORF zitiert ebenso aus dieser Quelle. Es ist allerdings so, dass der Originaltext recht verwunden abgefasst ist. Ich musste mir eine Aktiv/Passiv-Liste machen, um klarer erkennen zu können, was denn da wirklich berichtet wurde. Der ORF – wie auch die anderen Medien, die ich gelesen habe – hat das offenbar nicht getan. Man zitiert und gibt dabei zu erkennen, dass man nicht ganz verstanden hat, was man zitiert hat.

    Worum geht es wirklich? Man kann ein Schattenportfolio haben und man kann Schattenschulden haben. Man kann aber nicht wirklich ein offizielles Depot mit Schattenschulden finanzieren, weil ja jeder Adam Riese (zumindest der Rechnungshof) fragen würde, womit man denn die Wertpapiere bezahlt hat. Umgekehrt wäre es schon möglich, ein Schattendepot mit offiziellen Schulden zu finanzieren. Ohne das Schattendepot zu kennen, würde man sagen, dass das Verluste waren.

    Im Falle von Salzburg wird jedoch ganz eindeutig gesagt, dass es Schattenschulden gab mit dem einzigen Zweck, ein Schattendepot zu finanzieren. Damit wird es ganz einfach: man ziehe vom Wert des Depots die Schulden ab. Bleibt etwas übrig, hat man gut gewirtschaftet. Hat man ein Minus, dann hat man wirklich ein Minus.

    Salzburg verbirgt die Verluste dadurch, dass man ein offizielles Depot (das mit offiziellen Schulden finanziert wurde), den Schattenschulden zurechnet.

  9. Klaus Kastner

    @Christian Ortner
    Um das anhand eines ‘Flöttl-Beispieles’ darzustellen: Flöttl hatte offizielle Schulden bei der BAWAG. Nachdem er keinen offiziellen Gegenwert ausweisen konnte, akzeptierte man, dass es sich um Totalverluste handeln musste. Es sei denn, es hat irgendwo ein Schattendepot gegeben…

  10. Rennziege

    @Klaus Kastner

    Vielen Dank, Herr Kastner! Damit hat sich Ihre Aufforderung “Ich ersuche um Gegenargumente!” erledigt. Denn solche gibt es nicht. Die üblichen Nebelkerzen unserer Volksbeglücker dienen nur dem Zeitgewinn: diversen Komplizen die Haut abzuziehen, um die eigene zu retten.

  11. Samtpfote

    Diese Geschäfte bedürfen im Normalfall ab einem gewissen Volumen eines Vorstandsbeschlusses bei der involvierten Bank.
    Da rund 47 Banken (Presse von letzter Woche) involviert waren, ist die durchschnittliche (kommulierte) Transaktionssumme 40 Mio. – Also i.d.R. Vorstandsbewilligungspflichtig.
    Es kann doch nicht sein, dass all diese Gremien nicht eine fehlende Zweitunterschrift der SLR unter den Transaktionsaufträgen/Kreditverträgen/Sicherheiten etc. übersehen haben.
    Erklärung?
    – Zweitunterschrift wurde gefälscht
    – die 47 Banken sind in Wirklichkeit 940…
    – alle wussten Bescheid….

    man wähle

  12. Klaus Kastner

    @Samtpfote
    Es ist eigentlich sogar noch viel einfacher. Um ein Konto für einen Kunden führen zu können, braucht eine Bank die Unterschriftsproben von Zeichnungsberechtigten. Sobald ein Konto besteht, ist es Standard, dass 1-mal jährlich Saldenbestätigungen aller Geschäfte dem Kunden geschickt werden. Einfache Fragen: wer steht auf den Unterschriftsproben und wer erhielt die Saldenbestätigungen?

  13. Thomas Holzer

    @Klaus Kastner
    Das ist alles “unerheblich”
    Fakt ist; so sich eine Privatperson, ein Unternehmer “erdreistet”, ein “Schattenkonto” zu führen, steht er/sie mit 2 Füßen im Kriminal, und wird erbarmungslos – um des Gemeinwohl’s wegen -zumindest so die offizielle Begründung- – von den Steuerbehörden verfolgt und belangt; leistet sich ein Land, eine Gemeinde -sprich eine Körperschaft- ein Schattenkonto, wird dies von der Öffentlichkeit, vom Wähler, maximal mit Achselzucken quittiert.

  14. Leopold Koller

    Thomas Holzer :
    @Klaus Kastner
    Das ist alles “unerheblich”
    Fakt ist; so sich eine Privatperson, ein Unternehmer “erdreistet”, ein “Schattenkonto” zu führen, steht er/sie mit 2 Füßen im Kriminal, und wird erbarmungslos – um des Gemeinwohl’s wegen -zumindest so die offizielle Begründung- – von den Steuerbehörden verfolgt und belangt; leistet sich ein Land, eine Gemeinde -sprich eine Körperschaft- ein Schattenkonto, wird dies von der Öffentlichkeit, vom Wähler, maximal mit Achselzucken quittiert.

    So schaut’s aus!

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