Sind Aufseher die besseren Direktoren?

(FRANZ SCHELLHORN)  Die Aktionäre der italienischen Großbank UniCredit werden sich in der jüngeren Vergangenheit wohl öfter still und leise bei Alessandro Profumo bedankt haben. Der frühere Chef der Bank hat nämlich mit der Übernahme der deutschen HypoVereinsbank und der österreichischen Bank Austria dafür gesorgt, dass die UniCredit heute überhaupt noch Gewinne schreibt.

Nicht gerechnet haben die Italiener wohl mit der deutschen Bankenaufsicht (BaFin). Sie hat nämlich die HypoVereinsbank angewiesen, „ihr“ Kapital vor dem Zugriff der Italiener zu schützen, die „überschüssige Liquidität“ von ihrer deutschen Tochter abziehen wollten. Die BaFin will verhindern, dass die deutsche Einlagensicherung bezahlen muss, falls bei der UniCredit etwas schiefgehen sollte.

Das ist insofern originell, als es gemeinhin den Eigentümern von Unternehmen vorbehalten sein sollte, welche Rollen sie ihren teuer zugekauften Betrieben zugestehen. Ob sie in diesen einen verlässlichen Gewinnlieferanten oder einen komfortablen Liquiditätspolster sehen, ist allein deren Sache, solange alle Auflagen eingehalten werden.

Zumal das Grundproblem ja einfach zu lösen wäre. Etwa, indem die Einlagensicherung ersatzlos gestrichen wird. Die Sparer hätten dann die Wahl, ob sie ihr Geld lieber einer Bank anvertrauen, die es ihrer ausländischen Mutter weiterleitet – oder ob sie es (niedriger verzinst) zu einem konservativeren Institut tragen, die das Geld in der Region lässt.

Derzeit können Sparer jedes Risiko gehen, weil ihre Einlagen ohnehin von der Allgemeinheit gesichert sind. Eine rücksichtslose Trittbrettfahrerei unter dem offiziellen Schutz der Bankenaufsicht. (“Presse”)

 

5 comments

  1. FDominicus

    “Derzeit können Sparer jedes Risiko gehen, weil ihre Einlagen ohnehin von der Allgemeinheit gesichert sind.”

    Das glauben Sie ja wohl nicht im Ernst….

  2. menschmaschine

    wieso nicht?
    die einlagensicherung sorgt dafür, daß niemand sich gedanken über die seriosität des instituts macht, dem er sein geld anvertraut, weil im falle von mißwirtschaft im endeffekt die allgemeinheit für den schaden aufkommt.

  3. KClemens

    menschmaschine :
    wieso nicht?
    die einlagensicherung sorgt dafür, daß niemand sich gedanken über die seriosität des instituts macht, dem er sein geld anvertraut, weil im falle von mißwirtschaft im endeffekt die allgemeinheit für den schaden aufkommt.

    So weit ich weiß, dient die Einlagensicherung der Absicherung von Guthaben aber nur bis zu einer gewissen Höhe. Nehmen wir einmal an, Sie hätten ein Guthaben von 1 Mio Euro auf einer Bank. Im Pleitefall der Bank greift (soweit ich weiß) der Einlagensicherungsfond bis zu einer Summe von 50.000€.

    Es kann aber auch sein, daß Sie gar nichts bekommen. Denn als Bankkunde können Sie das Einspringen dieses Fonds nicht erklagen.

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