„Smart City“ Wien gegen mündige Konsumenten

(ANDREAS TÖGEL) Manchen Zeitgenossen erschließen sich Sinn und Funktion des Wettbewerbs in einer arbeitsteiligen Wirtschaft nicht. Sie wünschen sich Kooperation anstatt Konkurrenz. Dass eine Ausschaltung des Wettbewerbs unter Anbietern, auf welche Weise auch immer er erfolgen mag, stets zu Lasten der Konsumenten geht, begreifen sie nicht oder nehmen sie unbewusst in Kauf. Dass man beispielsweise im beinhart wettbewerbsorientierten Westen im noblen S-Klasse-Mercedes fahren konnte, der zudem in nur wenigen Wochen lieferbar war, während man im warmherzig-kooperativen Ostblock jahrelang auf seinen stinkenden Trabi warten musste, ist Geschichte und daher längst vergessen.
Ein aktuelles Beispiel für die im Land der Hämmer mehr denn je grassierende Wettbewerbsfeindlichkeit, bildet der von der Wirtschaftskammer unterstützte Kampf einer Wiener Taxizentrale gegen den verhassten Störenfried Uber, der sich untersteht, dem Taxigewerbe in geradezu skandalöser Weise Kundschaft abspenstig zu machen. Zwei Tage lang waren kürzlich die Dienste des Fahrtenvermittlers in der Bundeshauptstadt („Wien ist anders!“) per Gerichtsbeschluss unterbunden, ehe der Betrieb nach allerlei bürokratischen „Anpassungen“ wieder aufgenommen werden konnte. Es ging um die „Rückkehrpflicht“ der Fahrzeuge zu ihrem Betriebsstandort – also um eine besonders unsinnige, weil unnötig Ressourcen vergeudende Vorschrift. Bis zu 100.000,- Euro Strafen werden für den Fall eines Verstoßes angedroht.
Die Sache ist längst nicht ausgestanden: Einer der Platzhirsche im Wiener Taxigewerbe und die WKO, behalten sich weitere rechtliche Schritte gegen Uber vor. In einem Land, in dem das Taxigewerbe verfassungsrechtlich geregelt ist (kein Scherz!), tun sich Feinde von Konsumenteninteressen allemal leicht.
Natürlich geht es letztlich um nichts anderes, als um die Bewahrung vermeintlich wohlerworbener Rechte; um den gesetzlichen Schutz einer Einnahmequelle und um die Ausschaltung unliebsamen Wettbewerbs. Wer hätte das nicht gerne (wenn auch nur für sich selbst)? Schon vor rund 250 Jahren kritisierte Adam Smith in einem seiner Hauptwerke den Hang von Geschäftsleuten, den Wettbewerb – zum Nachteil der Kundschaft – mittels inoffizieller Absprachen ausschalten zu wollen. Im Falle der Taxizentrale 40100 gegen Uber, liegen die Dinge nicht anders. Branchenvertreter des Taxigewerbes verkünden sogar ganz offen und ungeniert, nicht hinnehmen zu wollen, dass die Kundschaft sich preiswerter alternativer Fahrtendienste bedient. Wo kämen wir denn da hin? Die Interessen einiger Tausend Taxilenker und deren Dienstgeber, sollen also mit deutlichen Mehrkosten für alle Taxikunden bezahlt werden. Auf die Idee, dass die Kundschaft (wie zum Beispiel der Autor dieser Zeilen) auf derlei Zumutungen mit rigoroser Taxikarenz reagieren könnte, kommt bei der Taxiinnung und bei der Wirtschaftskammer natürlich keiner.
Auf der Internetplattform „Taxiforum.at“ wird der beherzte Kampf der Wettbewerbsbehinderer gegen die Kundschaft, von einem „TomBlack“ so kommentiert: „Man muss das Ganze so drehen, dass diese Kunden plötzlich ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie die Fahrer nötigen für Sie zur Verfügung zu stehen. Koste es was es wolle.“ Wir lernen: Ein Kunde, der eine Dienstleistung zu einem vernünftigen Preis erstehen möchte, anstatt sich mit dem Erstbesten zufriedenzugeben, was ihm über den Weg läuft, „nötigt“ damit seinen Vertragspartner. So kann man es natürlich sehen. Jedermann, der Preise vergleicht, seien es die für Waren oder Dienstleistungen spielt keine Rolle, und sich in der Folge brutal und rücksichtslos für das günstigere Angebot entscheidet, sollte wenigstens ein schlechtes Gewissen haben. Erstaunlich, welch seltsamer Geist in der dunkelrot/giftgrün kontaminierten Bundeshauptstadt weht. Da hat offenbar nicht nur einer gar nichts verstanden.
Wo aus mehreren Angeboten gewählt werden kann, wird der Konsument in aller Regel gut bedient. Wo das indes nicht der Fall ist, eben nicht. So einfach ist das. Denn Monopolisten haben es einfach nicht nötig, sich anzustrengen. Ältere Semester werden sich noch der düsteren Tage des staatlichen Fernmeldemonopols entsinnen, als man zu horrenden Kosten exakt null Service geboten bekam und jahrelang vergeblich auf einen Telephonanschluss warten musste. Die Kundschaft hatte ja schließlich keine Alternative.
Bei Interessenkonflikten, wie im vorliegenden Fall der des traditionellen Taxigewerbes mit einem alternativen Dienstleister, ist es stets zweckmäßiger, bereits bestehende Regeln zu lockern, anstatt sie für alle – zum alleinigen Nachteil der Nachfragseite – zu verschärfen.
Dass viele Menschen es sich heute dreimal überlegen, ein Taxi zu rufen, liegt schlicht und ergreifend an den hohen Kosten jeder Fahrt. Diese wiederum resultieren aus kostspieligen hoheitlichen Regulativen einerseits und mangelndem Wettbewerb andererseits. Es ist in anderen geschützten Branchen in der Alpenrepublik übrigens nicht anders – man denke etwa an das Rauchfangkehrergewerbe oder an Apotheken, die, dank Gebietsschutz und anderer wettbewerbsfeindlicher Privilegien, keinerlei Wettbewerb kennen sondern – zum Verdruss der Konsumenten – überaus kommod in ihren geschützten Werkstätten vor sich hin werken können.
Doch es gilt, ein ehernes Gesetz zu würdigen: Konkurrenz belebt das Geschäft. Im Personenbeförderungsgewerbe verhält es sich nicht anders.

12 comments

  1. aneagle

    Denselben Geist versprühen Wirtschaftkammern, die ihre zahlenden Mitglieder nicht vor der unseligen Datenschutzverordnung schützen, obwohl sie es durchaus in der Hand hätten.. Schließlich, so führte ein Kämmerer in einem Gespräch mit KMUs aus, entstünden mit der Datenschutzverordnung viele Arbeitsplätze für Datenschutzbeauftragte und viele Arbeitsplätze sind gut für die Wirtschaft. Wer diese letztlich unproduktiven Arbeitsplätze bezahlt, nämlich der Konsument, erschloss sich dem stolzen Verkünder der marxistischen Lehrgänge der Wirtschaftskammern nicht. Erst die Regierung musste ausrücken um die Datenschutzverordnung wenigstens etwas zu entgiften.Wenn die Wirtschaftskammern mit ihrem schädlichen Wirtschaftsverständnis so weitermachen, können sie bald erneut über eine neue Gruppe von entstehenden Arbeitsplätzen jubeln. Nämlich über jene der Schützer vor den eigenen Interessensvertretungen.

  2. Thomas Holzer

    „In einem Land, in dem das Taxigewerbe verfassungsrechtlich geregelt ist (kein Scherz!),“

    Nicht mehr!

  3. sokrates9

    Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen! Im kapitalistischen Österreich muss ein Taxifahrer zur Zentralle zurückfahren, bevor er neue Fuhr aufnehmen darf! Wem nutz so eine Vorschrift?? Den Konsumenten ??Musterbeispiel was diese Bürokraten in einem Land anrichten können! Sofort wieder Bremser und Kohleschaufler in die Züge!!

  4. Ländler

    Für Uber müssen die selben Regeln gelten wie für Taxis, wenn es ein fairer Wettbewerb sein soll. Im Sinne der Konsumenten wäre es sinnvoller, die Taxiverordnung zu lockern und auszumisten, so dass Taxler das selbe Geschäftsmodell wie Uber einführen könnten. Ich war selbst mal (Ferial)Taxler – nein, ich strebe die Kanzlerschaft nicht an – und wenn ich mich recht erinnere, gibt es diese Rückkehrregelung zum Betriebsstandort nur für Mietwagen, nicht für Taxis.

  5. Christian Peter

    Dem Autor unterliegt ein Fehler : Echter Wettbewerb existiert nur, wenn für alle Marktteilnehmer dieselben Regeln gelten, d.h. entweder müsste das Taxigewerbe komplett freigegeben werden, oder Unternehmen wie Uber haben sich wie alle anderen Marktteilnehmer an die geltenden Bestimmungen zu halten.

  6. Christian Peter

    Nachtrag : Uber hat mit fast allen Behörden der Erde Probleme, ist in vielen Ländern und Städten längst verboten (z.B. London, Berlin, etc. etc.).

  7. Falke

    Eine gute Methode wäre es, den Taxiruf 40100 konsequent zu boykottieren – aber so etwas ist erfahrungsgemäß mit österreichschen Konsumenten nicht zu machen, da fehlt es an Solidarität.
    @sokrates9
    Es dürfen ja auch Flughafentaxis niemanden aus der Stadt zum Flughafen fahren (und umgekehrt): sie müssen also für jeden Passagier zusätzlich eine Leerfahrt machen – daher auch die hohen Preise für derartige Fahrten. Uber macht das natürlich wesentlich billiger und muss daher verboten werden.

  8. Christian Peter

    @Falke

    Warum sollte man Taxiunternehmen boykottieren ? Diese schaffen – im Gegensatz zu Unternehmen wie Uber – Arbeitsplätze und bezahlen Steuern.

  9. Falke

    @Christian Peter
    Weil eben 40100 aus Brotneid Uber klagt. Unternehmen jeglicher Art sollten nicht über Gerichtsurteile sondern durch bessere und billigere Leistungen die Mitbewerber übertreffen. Und konkret bei der Personenbeförderung: Es stimmt schon, dass Taxis Auflagen zu erfüllen haben. Der richtige Weg ist aber meines Erachtens nicht, die anderen zu klagen, sondern selbst (bzw. über die Standesvertretung/Kammer) die eigenen Einschränkungen und Wettbewerbsbehinderungen zu mildern oder aufzuheben. Letzteres haben die Taxiunternehmen nicht einmal versucht bzw. wollen es gar nicht, weil sie echten und freien Wettbewerb fürchten wie der Teufel das Weihwasser.

  10. Christian Peter

    @Falke

    Gegen freien Wettbewerb haben Taxiunternehmen wohl nichts einzuwenden, sehr wohl aber etwas gegen Unternehmen wie Uber, die sich durch unlautere Methoden Wettbewerbsvorteile verschaffen. Wenn sich Uber an alle Gesetze hält, gibt es keinen Grund zu klagen und somit auch keine Probleme.

  11. bill47

    Die Idee, den Verbrauch von Ressourcen durch Ressourcenteilung zu reduzieren, und Ressourcenteilung durch deren Organisation zu unterstützen ist für buchhalterisch denkenden Bürokraten glatt wirtschaftsfeindlich. Sinkt doch das Bruttonationalprodukt etwa dadurch, dass nicht mehr jeder ein Auto kauft, sondern sich mehrere Leute ein solches per Carsharing teilen, oder dass man im Urlaub nicht ein Hotelzimmer mietet, sondern in der Wohnung eines Menschen wohnt, der selbst auf Urlaub geht und man im Gegenzug die eigene Wohnung während der Abwesenheit Tauschpartnern zur Verfügung stellt. Und Uber senkt ebenfalls das Bruttonationalprodukt, wenn organisiert wird, dass ich günstig von jemanden von A nach B gebracht werde, der gerade Lust und Zeit für diese Fahrt hat, statt um teures Geld von einen frustrierten hauptamtlichen Taxler.

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