Sorry, “Natur” ist gar nicht nett…

Beim Versuch, ein „naturnahes“ Image zu kultivieren, können Bauern nur verlieren, denn Landwirtschaft ist per Definition unnatürlich. Besser wäre es, die Leistungen der „Agrarindustrie“ hervorzuheben. weiter hier

16 comments

  1. Thomas Holzer

    „Natur“ ist gar nicht nett…

    Und der Mensch -grosso modo- noch weniger! 😀

  2. Christian Peter

    Der Autor scheint von der Materie wenig Ahnung zu haben, sonst würde er wissen, dass es sich bei genveränderten Lebensmitteln praktisch um Abfall handelt. Nicht umsonst landen diese Produkte vor allen in Entwicklungsländern in den Handel, wo es um das Überleben geht. Die konventionelle Landwirtschaft ist ein Auslaufprodukt, immer mehr Bauern stellen auf nachhaltigen Biolandbau um, in Österreich werden bereits 30 % der Agrarfläche biologisch bewirtschaftet, Tendenz stark steigend.

  3. astuga

    @Christian Peter & W. Maurer
    Faktisch dürften es sogar etwas mehr sein und nochmals deutlich mehr welche “bloß” naturnahe (ok, dummer Begriff) arbeiten.
    Da die offizielle Bio-Zertifizierung mit hohen Kosten, viel Bürokratie und Zeitaufwand verbunden ist.

    Wenn ich als Konsument dem konkreten Landwirten oder Produzenten vertrauen kann, dann brauche ich auch kein ohnehin oftmals fragwürdiges Bio-Gütesiegel.

  4. Selbstdenker

    Eines der wichtigsten Grundprinzipien in der Landwirtschaft ist die nachhaltige Bewirtschaftung. Also der langfristige Erhalt der Substanz in dem man dauerhaft nicht mehr Ressourcen entzieht als dauerhaft nachwachsen können.

    Auffallend ist, das in Ländern mit einer stark verankerten Eigentumsordnung die nachhaltige Bewirtschaftung funktioniert, während in Ländern mit einer schwachen Stellung vom Eigentum bzw. einer Allmendewirtschaft die Substanz schnell aufgebraucht wird und sich damit auch die Ertragskraft rasch verschlechtert.

    Die Agrar-Großindustrie ist meiner Meinung nach kein zukunftsfähiges Modell. Sie ist geradezu ein Produkt preisinterventionistischer Maßnahmen: durch mengenbezogene Förderungen wird
    a) mehr produziert, als dies ohne mengenbezogene Förderungen der Fall wäre,
    b) der Preis künstlich gedrückt, wodurch größere Produzenten strukturell begünstigt werden und
    c) durch Exportförderungen lokale Märkte für landwirtschaftliche Produkte in z.B. Afrika zerstört.

    Durch die Agrarindustrie wird ein dezentrales Netz an konkurrierenden kleineren und mittleren Betrieben zerstört und schrittweise monopolisiert; mit entsprechenden Konsequenzen auf Preis, Qualität und Machtkonzentration.

    Riesige Monokulturen, Schweinefarmen mit künstlich angelegten Seen für die Abwässer, Geflügelbetriebe, bei denen nach Ausbruch einer Tierseuche Bestände von mehreren hunderttausend Hühnern gekeult werden müssen, etc. sollte man eher als agrarische Industrielandschaft bezeichnen und nicht mit der (typischerweise alpenländischen) Kulturlandschaft vermengen.

    Eine Kulturlandschaft ist das langfristige Ergebnis einer landwirtschaftlichen Bewirtschaftung im Sinne nachhaltig agierender Familienbetriebe im Rahmen einer starken Eigentumsordnung. Anhand vom Tourismus kann man ablesen, das es die Menschen überwiegend weder in die totale Wildnis noch in das agrarindustrielle Ödland verschlägt, sondern in die Kulturlandschaft mit ihrer charakteristischen Ästhetik, hoher Lebensqualität und vielen Freizeitmöglichkeiten zieht.

    Generell sollten Förderungen gesenkt werden, wobei zu bedenken ist, dass ein großer Teil von “Agrarförderungen” nicht bei den Bauern, sondern bei verarbeitenden Betrieben, Vermarktungsagenturen und häufig auch bei der Industrie landet.

    Förderungen sollte es für den Erhalt ökologisch und landschaftlich besonders wertvoller Flächen bzw. Flächenelemente sowie für eine vertragsbasierende Bereitstellung von Flächen für Sport- bzw. Erholungszwecke geben.

    Tragischerweise werden mit dem aktuellen (EU-)Fördersystem kleinräumige marktwirtschaftliche Strukturen ruiniert, womit wiederum weitere Förderprogramme für den “Wiederaufbau” zuvor ruinierter bzw. abgehängter Regionen erorderlich werden.

    Was die Freizeitnutzung anlangt, werden die meisten Bauern higegen – falls überhaupt – weitgehend unzureichend entschädigt. Den Erhalt der Kulturlandschaft sowie den stetig anwachsenden Freizeitdruck auf die bäuerliche Landwirtschaft könnte man mit vertragsbasierenden Modellen abgelten bzw. entspannen.

    @astuga:
    Eine innovative Lösung wäre meiner Meinung nach, wenn man mit dem Smartphone einen Barcode auf der Fleischpackung abscannen und damit die Herkunft (Landwirt, Schlachtbetrieb, Fleischproduzent, Händler) zurückverfolgen könnte.

  5. W. Maurer

    Allen klugen und scheinheiligen Weltverbesserern hier ins Stammbuch: 1. Die Agrargroßindustrie ist die einzig wirksame Entwicklung gegen den Hunger der Welt. 2. Die “relativ” kleinteilige Landwirtschaft hier in Österreich ist der Luxus den wir Saturierte uns hier leisten können. 3. Ich kaufe mein Fleisch von meinem Fleischer, persönlich vor meinen Augen im Fettpapier eingewickelt, mit allen Informationen und nicht plastkverpackt mit QR-Code aus der Supermarktselbstbedienungstheke.

  6. astuga

    Es mag als Luxus erscheinen, aber solange wir uns diesen “Luxus” leisten können, dann sollten wir das auch tun (in Österreich oder so möglich in ganz Europa).
    Luxus ist in dem Bereich überwiegend bloß ein Synonym für gute Qualität und gewisse (natürlich auch idealistische) Standards in jedem Schritt der Produktionskette.
    Von der Tierhaltung bis zur fairen Preisgestaltung im Handel.

    Die Rückverfolgung verpackter Ware bis zum Produzenten gibt es ja auch bereits teilweise.
    Etwa bei Eiern und Frischfleisch (auch im Supermarkt).

  7. Selbstdenker

    @W. Maurer:
    Sie meinen offenbar mich… 😉
    …auch wenn ich weder “scheinheilig” bin und mich erst recht nicht zu den “Weltverbesserern” zähle.

    Sie können mich aber direkt mit dem Nicknamen ansprechen und brauchen sich nicht hinter indirekten Formulierungen zu verstecken. Ich bin da nicht so.

    Ad 1)

    Die hochsubventionierten Exportüberschüsse – ein Resultat einer erhöhten Produktion durch mengenbasierende Subventionen – zerstört die Landwirtschaft in der Dritten Welt, womit wieder weitere Gelder für Entwicklungshilfe erforderlich werden, etc. Es ist geradezu ein Paradebeispiel einer Interventionsspirale sowie katastrophaler Auswirkungen aufgrund durchtrennter Rückkopplungsmechanismen. Gerade den Verfechtern einer Marktwirtschaft sollte dies zu denken geben.

    Ad 2)

    Der Tourismus und die Sportartikelindustrie leben sehr gut von diesem “Luxus”. Ansonsten müsste es ja Millionen von Leuten nach Sibirien oder in den Amazonas (unberührte Natur) oder zur Schweinefarm (Ästhetik der agrarindustriellen Landschaft) im untenstehenden Video ziehen ziehen.

    Ad 3)

    Ist Fleischer ist gewiss ein sehr intelligenter und allwissender Mann, der bei jeder Wurst, die er verkauft,
    genau weiss, woher sie stammt. Leider hat Ihr Fleischer nicht den Marktanteil von Spar, Hofer und Billa.

    Preisfrage: wer will in der Nähe dieses Betriebes wohnen?

  8. KTMtreiber

    Fakt ist :

    “Stirbt der Bauer im Oktober, braucht er im Winter koan Pullover.”

  9. Johannes

    Hier wird zum Teil wild vermischt und zwar wird konventionelle Landwirtschaft mit Agrarindustrie verwechselt.
    Ich halte Agrarindustrie für eine Sackgasse, mit Agrarindustrie verbinde ich zB. Ställe mit vielen tausenden Tieren die allein schon wegen ihrer enormen Dichte und Masse in den Ställen enorm anfällig für Krankheiten sind, weites sind die Ausscheidungen der Tiere auf den umliegenden Feldern nicht mehr in sinnvollem Maß als Dünger ausbringbar, weil viel zu viel.
    Genauso die unendlich anmutenden Monokulturen, etwa beim Anbau von Soja und Mais, da ist kein Fruchtwechsel und somit müssen immer resistentere Krankheiten und Schädlinge mit immer heftigeren chemischen Mitteln bekämpft werden. Der Boden wird einseitig ausgelaugt sodass hohe Düngergaben notwendig werden, die Konzentration eines Betriebes auf eine einzige Ackerfrucht erhöht das Ausfallsrisiko enorm und so wird mit immer mehr “Hilfsmittel“ versucht die enorme Investition bis zur Ernte wieder hereinzubringen.

    Auf der anderen Seite die Landwirtschaft wie wir sie in Österreich haben, klein strukturiert, manche versuchen es als sogenannte Bio-Bauern, auch sie müssen Pflanzenschutz betreiben, im Weinbau zB. mit Schwefel und Kupfer.
    Im Ackerbau bedeutet Bio einen enormen zusätzlichen Aufwand vier, fünf und noch öfteres mechanisches jäten, mit entsprechender Bodenbefahrung sind notwendig.
    Kommt es zu einen Befallsdruck von Schädlingen oder Krankheiten kann in der Regel nicht eingegriffen werden.
    Dieses erhöhte Risiko schlägt sich naturgemäß auf den Preis nieder.
    Es gibt Menschen die sind bereit einen höheren Preis dafür zu bezahlen und das ist gut sol

    Es gibt aber auch Menschen die sich diese Produkte nicht leisten können und gerne auf konventionell erzeugte, unbedenkliche Produkte zugreifen. Die konventionelle Landwirtschaft ist die Landwirtschaft die wir ab 1945 betreiben, sie hat mitgeholfen die Menschen ausreichend zu ernähren und kann so schlecht nicht sein für die Gesundheit, sonst würden die Lebenserwartung zum Glück nicht kontinuierlich steigen.

    Seien wir nicht hysterisch und versuchen wir die Landwirtschaft in Österreich ob bio oder konventionell klein bis mittel strukturiert zu halten dann ist alles gut.

  10. Selbstdenker

    @Thomas Holzer:
    Bei absteigender Sortierung muss man schon ziemlich weit blättern, bis man nach den zahlreichen Vereinen, GmbHs und Akademikern zu den ersten Bauern kommt. Dieses Datenmaterial bestätigt auf ganzer Linie meine obigen Ausführungen.

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